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Aktienmärkte: Coronavirus, Berichtssaison und Fed-Sitzung

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Für die Aktienmärkte steht eine sehr datenintensive und spannende Woche an. Nicht nur wegen der sehr unsicheren Lage infolge des immer stärker wütenden Corona-Virus, es ist vor allem die Flut an Unternehmensergebnissen inklusive deren Ausblicke, die endlich darüber Auskunft geben soll, ob die Börsen mit ihrem großen Vorlauf völlig daneben gelegen haben. Und natürlich die nächste Fed-Sitzung mit der Pressekonferenz, in der Jerome Powell sicher unter anderem heftig befragt werden wird, zu den für viele unerklärlichen und ausgewucherten Maßnahmen der Zentralbank am Repo-Markt.

Aktienmärkte und Coronavirus: Wie groß wird der wirtschaftliche Schaden?

Damoklesschwert Coronavirus: Die siebte Variante dieser Lungenkrankheit verwirrt weltweit viele Menschen. Auf der einen Seite wird vonseiten der WHO und der Behörden beruhigt über die geringe Ansteckungspotenz des Virus und die Mortalitätsrate. Demgegenüber stehen jedoch die gewaltigen Vorsichtsmaßnahmen der chinesischen Regierung.

Wie soll sich ein Laie ein Urteil über diese Seuche erlauben, wenn selbst Forscher für Virologie noch über die Gefährlichkeit rätseln? Der Grundtenor lautet immer noch: Influenza, also die übliche Grippe, die in Deutschland im letzten Winter 20.000 Todesfälle zur Folge hatte, sei die gefährlichere Krankheit.

Seit Donnerstagmorgen steht Wuhan unter Quarantäne. Flugzeuge, Züge, Fähren und Busse stehen still, bereits am Wochenende wurde die Abriegelung auf 18 Städte ausgeweitet. Damit waren rund 56 Millionen Menschen, die Bevölkerungszahl von ganz Großbritannien, von der Außenwelt abgeschottet.

Das Leben in China ist außerdem in großem Umfang lahmgelegt (Verbot von Veranstaltungen, Schließung von Schulen, Universitäten, Fabriken und mehr).

Die chinesische Gesundheitskommission berichtete am Montagmorgen von 80 Todesopfern und mehr als 2744 Infizierten im Land. Experten schätzen die Zahl der Infizierten aber weitaus höher ein.

Was natürlich viele Börsianer versuchen, ist zu antizipieren, wie die Aktienmärkte auf das bedrohliche und schwer absehbare Ereignis reagieren werden. Wieviel Zehntel (oder sogar Prozent) Wirtschaftswachstum wird die Seuche der chinesischen Wirtschaft kosten? Wieviel der Luftfahrtindustrie, dem Tourismus, dem Konsum? Wir werden die internationalen Börsen reagieren auf den kleinen schwarzen Schwan, der in dieser Form recht überraschend kam?

Sollte sich die Korrektur über ein gewisses Maß ausweiten, könnte sie eine Kettenreaktion auslösen: Viele US-Investoren haben sich mit Calls eingedeckt – Absicherung Fehlanzeige. Sehen wir „Pain Trades“ nun in anderer Form, als die zuletzt zahlreichen Short Squeezes? Oder wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die Behörden die Krankheit rasch in den Griff kriegen? Die Inkubationszeit bei dieser Krankheit beträgt bis zu 14 Tage. Bereits die nächsten Tage werden Aufschluss darüber geben.

Aktienmrkte und die US-Berichtssaison für Q4

Jetzt kommt es geballt mit den Berichten über das letzte Quartal 2019 in den USA. Beginnend am Dienstag mit dem Highflyer der US-Börsen schlechthin, Apple, der letzte Woche mit seiner Marktkapitalisierung von mehr als 1,3 Billionen Dollar unseren Leitindex Dax überholt hat. Dazu folgen unter anderen:

Dienstag: United Technology
Mittwoch: Boeing, Facebook, Mastercard, Microsoft
Donnerstag: Amazon, Coca Cola, Visa
Freitag: Caterpillar, Chevron, Exxon Mobil

Die Berichtsaison ist bisher überraschend gut verlaufen, nach den guten Ergebnissen der Banken hatten bisher 70 von 74 Unternehmen – bis zum Donnerstag – positiv überrascht und dann kam noch Intel, die für gute Laune und für einen achtprozentigen Kursanstieg sorgten. Jetzt kommen aber die Dickschiffe, die für einen Großteil der Kursanstiege im S&P 500 verantwortlich sind.

Die Frühindikatoren

Der Trend ist ziemlich eindeutig, die Einkaufsmanagerindizes fangen weltweit an, wieder zu steigen. Die Produktionsindizes liegen zumeist noch unter der kritischen 50-er Marke, aber die Anstiege sind teilweise schon ganz schön groß. Bewahrheitet sich die Frühindikaton der Börsen, die schon seit längerer Zeit auf ein Wiederaufleben der Industrieproduktion hindeuten? Hier die letzten Zahlen:

Japan:

Verarbeitendes Gewerbe 49,3 Punkte Vormonat 48,4

Dienstleistungssektor 52,1 Vormonat 49,4

Frankreich:

VG: 51,0 Vormonat 50,4

D: 51,7 Vormonat 52,4

Deutschland:

VG: 45,2 Vormonat 43,7

D: 54,2 Vormonat 52,9

Europa:

VG: 47,8 Vormonat 46,3

D: 52,2 Vormonat 52,8

Großbritannien:

VG: 49,8 Vormonat 47,5

D: 52,9 Vormonat 50,0

Wird sich die Schere zwischen den Börsenkursen und den Unternehmensgewinnen jetzt zu schließen beginnen?

Am heutigen Montag wird der sehr aussagekräftige Ifo-Index veröffentlicht: Wenn die 9000 befragten Unternehmenslenker ein weiteres Mal (zum vierten Mal) positiv gestimmt sind, kann man wohl von einem Wiederanspringen der Wirtschaft auszugehen. Wer sonst könnte die Aussichten der Unternehmen besser beurteilen als deren Chefs und dies in geballter Form?

Die Fed-Sitzung

Die US-Notenbank hat die Geldschleusen weit geöffnet. Zum einen durch die drei Zinssenkungen in 2019, die den Rentenmarkt sehr unattraktiv gemacht haben und durch die Wiederaufnahme von Anleihekäufen in Hähe von 60 Milliarden Dollar monatlich bei den Kurzläufern (T-Bills), die nicht als Quantitative Easing bezeichnet werden dürfen.

Aber vor allem bei den Käufen am Repo-Markt, mit den Übernachtgeschäften der Banken, die jetzt schon seit Ende September 2019 laufen, teilweise im dreistelligen Milliardenbereich. Was geschieht im Umfeld dieser Gelder? Sie fließen rasch wieder ab, ansonsten hätte sich die Bilanzsumme der Fed in den letzten Monaten schon verdoppeln müssen. Der US-Notenbank ist sich sicher bewusst, wie extrem sich die Aktienkursentwicklung, insbesondere bei Einzelwerten, schon von der Normalität entfernt hat, eine Asset Bubble. Aber wie etwas Luft aus dem Ballon herauslassen? Ein Wort über Liquiditätsverknappung – und die heftige Korrektur der Aktienmärkte wäre vorprogarmmiert.

Eine kommunikativ für die Fed schwer lösbare Aufgabe, eine Bremse muss her, aber hat nicht der US-Präsident beim Wirtschaftsforum in Davos die Fed als größtes Hindernis für die US-Wirtschaft bezeichnet, vor aller Öffentlichkeit? In extremster Form und in der weltweit übertragenen Eröffnungsrede? Die Notenbank habe die Zinsen zu stark angehoben und dann zu zögerlich gesenkt, so sein Urteil. Sollten da die Aktienmärkte korrigieren, hat Donald Trump schon einen Schuldigen.

Dax vor neuen Höhen?

Das kurzfristige neue Hoch beim Dax von 13640 Punkten war anfangs stark umjubelt worden. Allerdings wurde der Höchststand wieder abverkauft. Nach Ansicht von Charttechnikern müsste der Index zum Tagesschluss nicht nur über der alten Marke schließen, sondern sich noch einen Tag darüber halten. In einem solchen Fall hätte der deutsche Leitindex bis in den Sommer Luft bis über 15.000 Punkten. Eine reichlich optimistische Prognose, denn die Voraussage von 30 Banken lag bei 13999 Punkten, allerdings bis zum Jahresende. Wie bereits erwähnt, kann aber diese Voraussage aber auch als Kontraindikation gesehen werden. Die Prognosen der letzten Jahre für die Aktienmärkte und deren Realisierung haben gezeigt, dass es eben so nicht kommen wird.

Fazit: Korrektur der Aktienmärkte wahrscheinlich

Die Gemengelage sieht derzeit trotz einiger Hoffnungszeichen eher nach der lang erwarteten Korrektur aus. Betrachtet man sich die Bilanz der letzten Woche, so hat nach sieben Wochen Anstieg in den USA weltweit schon so etwas wie ein Ausatmen begonnen. Klar dass zunächst Chinas Aktienmärkte unter den Folgen des Coronavirus leiden (-3,6 Prozent), aber auch aus Sicht der großen Indizes ist ein erster Rückgang zu erkennen.

Zwar zeigt die Performance des MSCI World mit seiner US-Lastigkeit nur ein leichtes Minus auf, im Bereich der Emerging Markets ist dieses jedoch bereits größer. Und der Dax? Dieser profitiert derzeit von seinen verbesserten Indikatoren und vom Zufluss ausländischen Kapitals, welches in den letzten Tagen eindeutig als Käufer am Markt auftrat. Es wäre eigentlich alles vorbereitet für den Angriff auf das Allzeithoch. Wenn da die Wall Street nicht wäre, ohne die geht nach wie vor nichts am deutschen Aktienmarkt. Vermutlich wird das in Zukunft noch extremer werden, wenn Olaf Scholz mit seinen Aktiensteuerplänen weitere inländische Aktienwlllige vom Acker treibt.

Die asiatischen Börsen sowie die Vorbörsen im Westen sehen am Montagmorgen schon einmal tiefrot aus.

Die Aktienmärkte stehen vor einer extr,m ereignisreichen Handelswoche

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Sven

    27. Januar 2020 09:51 at 09:51

    Die FED pumpt weiter, Märkte drehen nach kurzem dip wieder.
    Klasse, dass diesen Markt nichts mehr treffen kann. Es ist wie ein Börsen-Bilderbuch. Man kann sich die nächsten Kursziele in den Indizes selbst ausmalen…

  2. Avatar

    Quintus

    27. Januar 2020 13:02 at 13:02

    „Bereits die nächsten Tage werden Aufschluss darüber geben….“

    Diese Einschätzung dürfte etwas zu kurzfristig sein, da eben die Inkubationszeit so außergewöhnlich hoch ist.
    Die offiziellen Zahlen von heute morgen:
    2083 Infizierte / 56 Tote
    Soeben:
    2863 Infizierte / 80 Tote

    Die sichtbare Inkubationsrate außerhalb Chinas wird, wenn überhaupt, erst in ca. 1Woche einen exponentiellen Anstieg zeigen,

    Nassim Taleb zu den wirtschaftlichen Auswirkungen:
    https://mobile.twitter.com/nntaleb/status/1221410676540936194?s=20

    • Avatar

      Wolfgang M.

      27. Januar 2020 13:48 at 13:48

      @QUINTUS. Hallo. Ich hatte mit „die nächsten Tage“ die Reaktion der Börsen gemeint und nicht das Ausmaß der Seuche. Die Indizes werden nicht warten bis die Infektionszahlen in den sechsstelligen Bereich steigen, sondern vorher reagieren. Dies gilt auch für den anderen möglichen Fall einer Eindämmung. Zahllose Analysten und Anleger werden versuchen zu antizipieren, welche Folgen zu erwarten sind.
      Grüße

      • Avatar

        Quintus

        27. Januar 2020 16:19 at 16:19

        @Wolfgang M.
        Am 18. Oktober 2019 veranstalteten die Bill and Melinda Gates Stiftung, die Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health und das World Economic Forum gemeinsam eine Veranstaltung in New York, bei der „politische Entscheidungsträger, Beamte, Führungskräfte und Gesundheitsexperten zusammen an einem simulierten Corona-Virus-Ausbruch arbeiteten”.
Die Pandemie-Übung mit dem Titel „Event 201“ brachte die Teilnehmer mitten in einen unkontrollierten Corona-Virus-Ausbruch, der sich wie ein Lauffeuer aus Südamerika ausbreitete und weltweite Verwüstungen anrichtete. „In der Simulation führte CAPS (das Coronavirus) innerhalb von 18 Monaten zu einer Todesrate von 65 Millionen Menschen”, so die John Hopkins University.
        https://www.businesswire.com/news/home/20191016005962/de/
        http://www.centerforhealthsecurity.org/newsroom/center-news/2020-01-24-Statement-of-Clarification-Event201.html

        Wie werden die Große Hedgefonds sowie Banken dieses Szenario in ihren Algorithmen eingearbeitet haben?
        Ab dem wievielten Tage wird es massive Abwärtsbewegungen geben?
        Ab wann rechnet das Smart Money mit dem Aussetzen der Börsen?
        etc.etc.

        • Avatar

          Sabine

          27. Januar 2020 16:59 at 16:59

          Stellt sich die Frage:
          a) Gab es schon öfters solche Übungsscenarien mit anderen Viren, oder war es Zufall, daß dies Ende 2019 durchgerechnet wurde und 2 Monate später tatsächlich eintraf? (Halt nicht in Südamerika, sondern gerade vor dem Neujahrsfest in China.) Hat ein „Geschmäckle“.

          b) In Wuhan hat doch dies Labor geöffnet, das genau an diesem Virus forscht, oder auch noch anderen?
          https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/25/5/18-0220_article
          Schon wieder dies „Geschmäckle“.

          c) In unserer Firma heut morgen alle Reisen von (!) und nach Wuhan verboten. Alle Mitarbeiter, die in den letzten 3-4 Wochen dort waren, müssen 2 Wochen zuhause bleiben. (Ist kein Witz! Email auf englisch und deutsch!)

          • Avatar

            sabine

            27. Januar 2020 17:01 at 17:01

            „von (!)“ soll heißen, die müssen jetzt erst mal dort bleiben. Bis?

          • Avatar

            Virus Quintus Paranoikus

            27. Januar 2020 21:19 at 21:19

            @Sabine, ehrlich jetzt!!! Darf keiner mehr ins abgesperrte Zentrum des Seuchenherdes reisen? Sollte man nicht froh sein, dass keiner mehr dahin muss?

  3. Avatar

    Scheer

    27. Januar 2020 13:18 at 13:18

    Alles steht und fällt mit der FED.
    Hier der Link zum Balance Sheet:
    https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/bst_recenttrends.htm

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US-Wahl: Noch drei Monate Unsicherheit – Wall Street hat Trump abgehakt

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed

Hannes Zipfel

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Nur etwas mehr als eine Woche dauert es bis zur US-Wahl, aber fast 90 Tage sind es noch, bis in den USA die Amtseinführung des neuen bzw. alten Präsidenten stattfindet. Bis dahin sind große Würfe im US-Kongress in Sachen Wirtschaftshilfen unwahrscheinlich. Können die Aktienmärkte ihren Optimismus auch gegen die ungewöhnliche Vielfalt an Unsicherheiten aufrechterhalten und ihre Kursniveaus verteidigen – oder droht ein neuer Crash?

US-Wahl der Extreme

Die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 finden in einer Zeit statt, in der die Finanzmärkte mit außergewöhnlichen Unsicherheiten konfrontiert sind. Diese begannen schon vor gut einem Jahr mit der Beinahe-Implosion des US-Repo-Marktes. Damals konnte nur durch Notfallmaßnahmen der US-Geldpolitik in Form von Interventionen am Geldmarkt und durch die zur Verfügung Stellung von internationalen US-Dollar-SWAP-Linien ein Kollaps des Bankensystems verhindert werden.

Ohne die anhaltende und im Zuge der Pandemie sogar noch drastisch ausgeweitete Notfallpolitik der US-Notenbank Fed wäre der Stress am Markt für US-Repo-Geschäfte wohl auch ein Thema bei der US-Wahl gewesen. Schließlich war es auch die hohe Neuverschuldung durch das US-Finanzministerium die zu der Liquiditätsaustrocknung am Markt für kurzlaufende US-Staatsanleihen führte. Dabei lautete eines der spektakulärsten Wahlversprechen von Donald J. Trump gegenüber The Washington Post im April 2016 die damals 19,3 Billionen US-Dollar hohen Bundesschulden im Falle seiner Wahl innerhalb von nur acht Jahren komplett zu tilgen. Auch ohne die Kosten der Corona-Pandemie war das utopisch und nichts weiter als billige Wahlkampfpropaganda. Die Schuldenuhr zeigt gemäß US-Finanzministerium zum 22. Oktober 2020 übrigens einen Stand von 27,1 Billionen US-Dollar an (Public Total Debt). Ein Anstieg um 7,3 Billionen US-Dollar bzw. 36 Prozent seit dem Amtsantritt von Präsident Trump im Januar 2017.

Weitere Unsicherheitsfaktoren für die zukünftige Wirtschafts- und Gewinnentwicklung in den USA sind neben der wieder stark an Dynamik gewinnenden Corona-Pandemie die Zerschlagungsbestrebungen von „Big Tech“, die nach wie vor prekäre Lage am US-Arbeitsmarkt mit über 30 Millionen Transferleistungsempfängern sowie saisonbereinigt rund 12,6 Millionen Arbeitslosen im September 2020.

Fast unbemerkt von den Devisenmärkten hat sich kurz vor der US-Wahl das Handelsbilanzdefizit der USA mit 67,1 Mrd. US-Dollar im August 2020 auf das höchste Niveau seit der Lehman-Krise im Jahr 2008 aufgebläht. Der Handelskrieg, nicht nur mit China, konnte diese Entwicklung nicht verhindern. Nach wie vor sind die USA in der Gesamtbetrachtung nicht in der Lage, in vielen Sektoren international wettbewerbsfähig zu sein (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Die Herausforderungen, mit denen die USA in Friedenszeiten während dieser US-Wahl konfrontiert werden, sind einmalig. Dies gilt auch für den Amtsinhaber Donald J. Trump, der in vielen seiner Handlungen und Worte sehr unkonventionell und extrem anmutet. Man kann nur spekulieren, wie ein Präsident oder eine Präsidentin anderen Charakters eine solche Gemengelage meistern würde.

Der heimliche Präsident tritt bei der US-Wahl gar nicht an

In Kombination mit dem US-Staatsdefizit in Höhe von ca. 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ergibt sich mit dem Defizit im Außenhandel ein fatales Bild für die größte Volkswirtschaft der Welt. Das Mantra des stärksten und mächtigsten Landes der Welt ist nur noch eine hohle Phrase, basierend auf der Androhung von Waffengewalt und extraterritorialen Repressalien. Ob die Welt ohne diesen Status besser dastünde, ist seriös nicht prognostizierbar und auch nicht, wie lange diese Epoche der US-Dominanz noch währt.

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet aber weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed, die beliebig viele Dollars zum Ausgleich des Zwillingsdefizits und zur Aufrechterhaltung der US-Wirtschaft erzeugen kann. Natürlich auch, um die Party im Börsensaal auf der Titanic in Schwung zu halten. Dem heimlichen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Jerome Hayden „Jay“ Powell und seinem Offenmarkt-Komitee sei Dank.

Die Bilanzsumme der US-Notenbank (Fed) hat nun kurz vor der US-Wahl mit einem Gesamtvolumen von 7,18 Billionen US-Dollar das absolut und in Relation zum jährlichen BIP höchste Niveau aller Zeiten erreicht. Dabei kann man den geldpolitischen Akteuren keine Parteinahme für den ein oder anderen Kandidaten im US-Wahlkampf unterstellen. Die Intention der anhaltenden Geldflutung des Finanzsystems ist schlicht und einfach, dessen Existenz weiterhin sicherzustellen. Gegen diese Zwangslage wird auch in Zukunft keiner der zur Wahl stehenden Kandidaten Politik betreiben können. Damit manifestiert sich die Rolle der zum Teil in privater Hand befindlichen Fed als Staat im Staate weiter und die Demokratie US-amerikanischer Prägung wird trotz Wahl endgültig zur Illusion.

Die Wallstreet hat Trump schon abgehakt

Die Finanzmärkte haben diesen Zusammenhang längst hergestellt, was auch erklärt, warum sich die Vermögenspreise trotz der Vielfalt extremer Unsicherheiten, inkl. dem Ausgang der US-Wahl, in luftigen Höhen bewegen. Besonders deutlich wird dies an der positiven Korrelation zwischen steigenden Umfragewerten für den Herausforderer Joseph Biden und der Zuversicht auf ein noch größeres, von der Fed finanziertes Stimulusprogramm. Für diese Aussicht ignoriert man sogar mögliche Steuererhöhungen für Einkommensmillionäre und Unternehmen im Falle eines Sieges der Demokraten bei der US-Wahl.

Aus Sicht vieler tief religiöser Trump-Wähler stellt sich ohnehin die Frage, warum man den exzentrischen Präsidenten nochmals wählen sollte? Schließlich hat er mit der Neubesetzung des obersten Gerichts und der größten Steuerreform der letzten 35 Jahre schon sehr viel erreicht. Wie viel mehr könnte er in einer zweiten Amtsperiode noch erreichen, was sein exzentrisches und volatiles Verhalten aus Sicht evangelikaler und katholischerer Wähler entschuldigt?

Die Zeitlücke nach der US-Wahl

Lediglich die zeitliche Verzögerung zwischen dem Wahltermin am 3. November und der Amtseinführung am 20. Januar könnte bei dieser US-Wahl ein besonderes Risiko darstellen. Die Zahlungen aus den Corona-Hilfspaketen gehen bereits seit August deutlich zurück, die zweite Welle der Pandemie schließt in den USA mit neuen Rekordansteckungen nahtlos an die erste Welle an. Wie lange wird es dauern, bis sich dies in der Konsumentenstimmung sowie den Konjunktur- und Unternehmenszahlen niederschlagen wird?

Ein nochmaliger Corona-Crash als erneute Einstiegsopportunität?

Im wahrscheinlichsten Fall wäre ein nochmaliger Rückschlag bei den Vermögenspreisen eine ebenso lohnenswerte Einstiegsmöglichkeit wie bereits während des Lockdown-Crashs im März dieses Jahres.

Man sollte also trotz aller Risiken nicht zu viele Chips vom Tisch nehmen, auch wenn die Gemengelage zur Vorsicht mahnt. Doch Fakt bleibt: Auf die Fed ist Verlass und deren Pulverkammern, bestehend aus ungedecktem digitalem FIAT-Geld, sind unlimitiert und können unabhängig von finanzpolitischen Entscheidungen des Kongresses die Unternehmen, die Verbraucher und die Finanzmärkte stützen.

Fazit und Ausblick

Mag man zu den US-Präsidentschaftskandidaten stehen, wie man will, für die Finanzmärkte spielt die Musik schon lange nicht mehr in der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington (Weißes Haus), sondern Ecke Constitution Ave NW und 20th St. NW (Board of Governors of the Fed).
Besonders bei dieser US-Wahl spielen für Anleger starke Nerven und das Aushalten hoher Volatilität eine große Rolle. Ebenso wie ein gesunder Opportunismus. Dabei ist es für den Anlageerfolg unerheblich, welchen Kandidaten man persönlich präferiert oder ob man an dieses oder jenes glaubt oder nicht glaubt. Entscheidend ist das Verständnis für den Zusammenhang zwischen digitaler Notenpresse und Vermögenspreisen. Diese Konstante wird uns mit weiter zunehmender Bedeutung noch eine Weile erhalten bleiben.

Die US-Wahl bringt zunächst Unsicherheit, aber entscheidend für die Aktienmärkte ist die Fed

 

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US-Wahl: Wer liegt falsch? Marktgeflüster (Video)

Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Wer hat Recht – und wer liegt daneben? Eine Analyse der Lage

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Das sind die Anleihemärkte, die mit steigenden Renditen von einem klaren Sieg von Joe Biden und den US-Demokraten ausgehen und daher mit einem großen Stimulus rechnen. Die Aktienmärkte dagegen scheinen noch unentschlossen und fokussieren sich auf das kurzfristige Geschehen, ergo die Hoffnung auf einen Stimulus noch vor der US-Wahl. Anders aber sieht es der Devisenmarkt: der US-Dollar bleibt robust, große Player haben ihre Wetten auf einen fallenden Dollar aufgelöst. Wenn aber der Dollar nicht schwächer wird heißt das, dass es den von den Anleihemärkten prognostizierten klaren Sieg der US-demokraten bei der US-Wahl nicht geben wird. Haben also die Devisenmärkte recht – oder doch die Anleihemärkte?

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

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Rüdiger Born: Gute Laune bei Dax und S&P 500 – Rücksetzer möglich?

Rüdiger Born

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Dax und S&P 500 sind derzeit gut gelaunt. Ist an den steigenden Kursen derzeit aus charttechnischer Sicht nichts auszusetzen? Oder sind Rücksetzer doch möglich? Mehr dazu im folgenden Video.

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