Folgen Sie uns

Indizes

Aktienmärkte: Crash – und Stützungsmaßnahmen, wohin das Auge blickt

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Ausgelöst durch den Crash der Aktienmärkte rollt nun eine Geldflut tsunamiartigen Ausmaßes auf die Finanzmärkte zu!

Nach der schlechtesten Börsenwoche seit der Finanzkrise 2008 geriet am Wochenende auch die Federal Reserve in Panik – sie wollte mit einer gigantischen 100 Basispunkte-Zinssenkung ein Zeichen setzen. Man ging All-in und verschoss gleichzeitig fast sein gesamtes zinspolitisches Pulver. Dies löste aber keinen Befreiungsschlag aus, sondern bewirkte das Gegenteil. Es ging am Montag dramatisch weiter bergab, obwohl andere Notenbanken auch mit in die monetären Rettungsaktionen einstiegen. Für die amerikanischen Aktienmärkte kam es sogar eine zeitlang zu einer Unterbrechung des Handels, infolge der 7-Prozentregel. Der 20 Billionen Dollar schwere S&P 500 fiel bis zu 12 Prozent in die Verlustzone, der Dow Jones verlor bis zum Börsenschluss 3000 Punkte und liegt mit dem Punktestand von 20.186 Punkten über 30 Prozent unter seinem erst kürzlich erreichten All Time High. Dies alles, obwohl auch die ersehnten Fiskalpakete Gestalt annehmen. Donald Trumps Referenzindex, der ehrwürdige Dow Jones, ist nicht mehr allzu weit entfernt, von dem Stand, den er bei seinem Amtsantritt vorgefunden hat – ein Alptraum für Mr. President.

Doch was passiert eigentlich mit dem vielen Geld nach Corona?

Die Corona-Pandemie, eine Heimsuchung auf Dauer?

Momentan gibt es in den Nachrichten nur ein großes Thema: Das Coronavirus und die extremen staatlichen Maßnahmen mit Grenz- und Schulschließungen und Verboten mannigfaltiger Art, um das „Social Distancing“ zu gewährleisten, zur Eindämmung der Infektionskrankheit. Und natürlich ist auch ständig die Rede von den gewaltigen Zinssenkungen der Notenbanken. Weltweite Zinsen, die Richtung Null gehen, interessieren den Bundesbürger, der mittlerweile 2,4 Billionen Euro auf Giro- und Sparkonten liegen hat. Einem Betrag, mit dem man inzwischen schon dreimal alle 30 Dax-Werte kaufen könnte – aber die  Deutschen haben kaum in die Aktienmärkte investiert.

Die Notenbanken feuern aus allen Rohren, mit Zinssenkungen, Anleihe- sowie Käufen von Aktien-ETFs – aber hat sich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, was mit der Geldflut passieren wird, sollte sich das Coronavirus doch in absehbarer Zeit wieder eindämmen lassen?

Es gibt bereits die Signale dafür, dass man Covid-19 mit rigiden Maßnahmen wie Quarantäne und Abschottung in wenigen Wochen in den Griff bekommen kann. In China hatte man das Zentrum des Ausbruchs des neuen Erregers, die Millionenmetropole Wuhan, ab 23. Januar abgeriegelt, ab Ende Februar war der Höhepunkt der Erkrankungen (offiziell) überschritten. In Südkorea, dem Land mit der stärksten Infektionsrate nach China, unterschreitet die Zahl der gesundeten Personen die der Neuinfizierten schon seit Tagen. Sehr niedrig auch die Zahlen für das 120 Millionen-Volk Japan – auch die chinesischen Außenstationen Taiwan und Hongkong (67 und 157 Personen) vermelden sehr niedrige Infektionsraten angesichts ihrer Bevölkerungszahl und des intensiven Austauschs mit Festlands-China.

Ich weiß, dass das in der jetzigen Phase schon ein bisschen seltsam klingt, aber was passiert mit dem vielen Geld, sollte die Wirtschaft doch in einigen Wochen/Monaten wieder in einen höheren Gang schalten oder zumindest Ansätze dafür entwickeln? Diese Frage wird auch für die Aktienmärkte extrem relevant!

Das Ausmaß der Maßnahmen

Was sich anfangs zögerlich entwickelte – die konzertierte Aktion der Notenbanken – hat sich inzwischen zu einer Flut an geldpolitischen Maßnahmen entwickelt. Beginnend im fernen Osten mit den Notenbanken von Australien, China, Japan, Neuseeland, Thailand, Malaysia, Vietnam, Indien, über Europa mit England, Norwegen, Schweden, der Europäische Zentralbanken mit ihrem 120 Milliarden Euro Anleihe-Kaufprogramm, über Kanada bis zu den USA mit ihren Zinssenkungen von 150 Basispunkten in wenigen Tagen, dem Anleihekaufprogramm QE 5 über 700 Milliarden Dollar und den Repo-Injektionen über 1,5 Billionen Dollar – es werden Unsummen in die Märkte gepumpt. Schlägt das bald durch auf die Aktienmärkte?

Dazu die ersten Gedanken über Helikoptergeld in Höhe von 1000 Dollar pro US-Bürger, fiskalische Stimulusprogrammen in vielen Ländern (allen voran Deutschland mit einem Kredittopf von bis zu einer halben Billion Euro für coronageschädigte Firmen), man verliert den Überblick über den Geld-Tsunami, der derzeit ausgelöst wird.

Als Donald Trump gestern erwähnte, dass sich das Coronaproblem noch bis Juli/August hinziehen könnte, ging es mit den Märkten noch einmal ein Stück nach unten. Ein „Fachkommentar“, den die Aktienmärkte nicht hören wollten.

Nach dem erneuten Einbruch an einem zweiten schwarzen Montag setzt sich an den Märkten die Einsicht durch, dass das ganze Notenbankgeld keinen Effekt bringen wird, solange der Höhepunkt der Virusinfektionen nicht überschritten ist.

Immer wieder kommt auch das Gerücht auf, dass man die US-Börsen zur Panikvermeidung schließen könne, wie nach dem 11, September 2001.

Aber US-Börsenbetreiber und die Börsenaufsicht SEC wollen davon derzeit noch nichts wissen – die Aktienmärkte sollen geöffnet bleiben.

Der neue Anlagenotstand und die Aktienmärkte

Was passiert aber mit dem vielen Geld in den Anlagenmärkten?

Da es in den nächsten Monaten oder vielleicht sogar Jahren keine Zinsen am Markt für Staatsanleihen geben wird, wo soll das ständig neu geschaffene Geld angelegt werden, um zumindest ein bisschen Rendite zu erwirtschaften? Klar:  jeder Investor ist erst einmal froh, wenn er einigermaßen unbeschadet aus dem Aktienmarkt aussteigen und sein Geld irgendwo parken kann (auch wenn dies ohne große Verzinsung sein muss). Im Verlauf des gestrigen Tages zeigte der Anleihemarkt für die großen Länder bei den zehnjährigen Staatsanleihen folgendes trauriges Bild:

USA 0,829 Prozent, Großbritannien 0,447 Prozent, Deutschland minus 0,447 Prozent, Japan minus 0,092 Prozent.

Aber was geschieht, wenn die Aktienmärkte ihren Boden gefunden haben, ob dies nun bei 30, 50 oder 70 Prozent minus sein wird? Hier noch ein rascher Blick auf die großen Anlageklassen: Die weltweiten Aktienmärkte dürften infolge der aktuellen Einbrüche von einer Marktkapitalisierung von 89 Billionen Dollar (Mitte Februar) auf nur noch 60 bis 65 Billionen Dollar gefallen sein – und erstmals wieder auf der Höhe der Summe aller weltweiten Staatsanleihen liegen.

Um diese Konkurrenz geht es: Aktienmärkte gegen (Staats-)Anleihemärkte – denn die weltweiten Unternehmensanleihen mit ihrer schlechten Bonität fallen bei Rezessionen erstmal als Konkurrenz aus. Bekam nicht gestern Abend die Weltfirma Boeing sogar ein BBB-Rating von den Agenturen verpasst? Im Übrigen ist die Marktkapitalisierung der Weltbörsen damit auch wieder deutlich unter das Weltsozialprodukt von 86 Billionen Dollar (Stand 2019) gefallen.

Und jetzt kommen wir zu zum Problem. Die Masse der Staatsanleihen wirft in der aktuellen und noch laufenden Zinssenkungsorgie nur noch anämische Zinsen ab. Wohin sollen die Kapitalsammelstellen der westlichen Staaten künftig anlegen?

Auch wenn Powell immer wieder betont, keine Minuszinsen anzustreben und damit keine Kursgewinne durch weiter fallende Zinsen ermöglicht, was bleibt den Kapitalsammelstellen, Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen, Staatsfonds, oder auch Privatvorsorgern, wenn die Zinsen über Monate oder Jahre bei Null notieren?

Ein Zusammenbruch der Systeme ohne Rendite – oder doch wieder Investments in die Aktienmärkte?

Fazit

Der Zyklus des längsten Aufschwungs in den letzten 100 Jahren ist beendet worden, die Aktienmärkte fielen in der so schnell wie noch nie von einem Allzeithoch in einen Bärenmarkt. Ausgelöst durch Corona, aber auch durch die besonders Gierigen, die (oftmals gehebelt) an einen immerwährenden Zyklus glaubten und an den Fed-Put: „Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche“, war ein geflügeltes Wort in letzter Zeit.

Normalerweise dauern Aufschwungphasen sieben bis zehn Jahre, dieser wurde mit Hilfe der Notenbanken elf Jahre alt. Dass es in diesem Jahr zu keiner Rezession kommen wird, daran glauben nur noch Superoptimisten.

Die Notenbanken dieser Welt haben mit ihrem Versuch, die Aktienmärkte zu unterstützen und damit verbunden Unheil auch in der Realwirtschaft zu vermeiden, ein bestehendes Problem noch weiter potenziert. Es gibt keine funktionierenden Zins-Märkte mehr – und auch keine Zinsen für die Vorsorgemärkte, die ohne Rendite primär und statutenbedingt auf den Anleihemärkten nicht funktionieren können. Die Marktwirtschaft ist nicht vorbereitet auf eine Welt ohne Zinsen.

Aber vielleicht erzeugt das gedruckte Geld nach Überwindung der Viruskrise eine saftige Inflation. Dann würden die Zinsen am Kapitalmarkt steigen, auch wenn die Leitzinsen noch tief blieben. Damit bekämen die Aktienmärkte aber ein weiteres Mal einen Schock versetzt, denn schließlich würde der alte Konkurrent Anleihemarkt wieder zu neuem Leben erwachen. Sehr viel Spekulation, zugegeben. Eigentlich kommen diese Gedanken viel zu früh..

Trotz des Crash - profitieren die Aktienmärkte  bald von der immensen Liquidität?

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Tanja Grer

    17. März 2020 09:13 at 09:13

    In der folgenden Studie wird sogar ein Nasenspray und Rachenspray in Aussicht gestellt, mit dem Virusinfektionen erfolgreich behandelt werden können. Sehr stabile Cyclodextrine könnten beispielsweise als Creme, Gel oder Lotion auf den Markt kommen. https://duhastmundgeruch.com/cyclodextrine-erfolgsversprechender-wirkstoff-gegen-das-coronavirus/

  2. Avatar

    Mutwürger

    17. März 2020 11:46 at 11:46

    Abgesehen vom fiskalischen Desaster und dem Appetit der Repo-Märkte, was passiert, wenn jetzt die Welle der Produktions- und Lieferaussetzungen über die Welt rollt und noch eine Weile nachwirkt oder gar irreparable Schäden hinterlässt?
    The Goldman Sachs Group sieht Deutschland in ihren Analysen besonders in Gefahr.

  3. Avatar

    Hesterbär

    17. März 2020 12:22 at 12:22

    Werter Herr Müller, Sie beschreiben sehr gut ein alles entscheidendes Problem. Eine freie Marktwirtschaft ohne Zins ist auf Dauer nicht überlebensfähig. Der Zins ist ein notwendiges Regulativ, ohne den auch kein Finanzsystem funktionieren kann. Da Politik und Notenbanken uns aber weltweit in unverantwortlicher Weise in die völlige Überschuldung getrieben haben, musste man die Zinsen immer weiter absenken, um die Schuldentragfähigkeit noch einige Zeit zu erhalten. Inzwischen kann man keine Zinsen mehr absenken und nur Spinner glauben daran, man könne sich mit Minuszinsen behelfen. Und ja, wenn die Coronapandemie eingedämmt ist und die Aktienmärkte am Boden liegen, werden die Papiergeld-Billionen vor allem die Preise für Aktien, Gold und Silber in einer noch nie gesehenen Geschwindigkeit nach oben treiben. Die gigantischen Gewinne werden auf den Konten der Vermögenden landen und die breite Masse geht leer aus. Die Schulden aber bleiben und werden gemeinsam mit den Kosten der Sozialsysteme weiter explodieren. Mit dem völligen Vertrauensverlust der Bevölkerung und der praktischen Unmöglichkeit einer Fortführung dieses Schneeballsystems gibt es dann nur noch den Systemcrash als Lösung. Der Euro ist dann Geschichte.

    • Avatar

      Columbo

      17. März 2020 13:33 at 13:33

      @Hesterbär

      „…Gold und Silber in einer noch nie gesehenen Geschwindigkeit nach oben treiben…“

      Bis es dann heißt:

      „Das Ministerium für Finanzen und das Ministerium für Inneres geben bekannt: Bis auf Weiteres ist jeglicher Gold-und Silberhandel ausgesetzt und verboten. Sie sind verpflichtet Ihren gesamten Edelmetallbesitz bei der Behörde xy abzugeben. Sie haben Anrecht auf eine von der Behörde noch zu bestimmenden Entschädigung. Zuwiderhandelnde werden bestraft.
      Um unsere Großzügigkeit zu zeigen, teilen wir Ihnen mit, daß Sie Eheringe und Halsketten natürlich behalten dürfen.

      • Avatar

        leftutti

        17. März 2020 14:06 at 14:06

        @Columbo, deshalb kaufe ich ein paar Kilo Eheringe und Halsketten ;)

        • Avatar

          Columbo

          17. März 2020 16:17 at 16:17

          @Leftutti

          Ohne die Frauen dazu…?😄

          • Avatar

            leftutti

            17. März 2020 16:44 at 16:44

            @Columbo
            Wo könnte ich denn Gold und Frauen kaufen? In der Türkei? 🤭 🙈

  4. Avatar

    Columbo

    17. März 2020 17:48 at 17:48

    @Leftutti

    Vielleicht schon bald hier…🙈

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Indizes

Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Gold/Silber

Rüdiger Born: Charttechnik bei Dow, Nasdaq und Silber

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Ganz so einfach ist die Lage bei Dow Jones, Nasdaq und Silber derzeit nicht. Schauen wir genauer auf die Charts im folgenden Video.

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage