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Aktienmärkte: Crash – und Stützungsmaßnahmen, wohin das Auge blickt

Wolfgang Müller

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Ausgelöst durch den Crash der Aktienmärkte rollt nun eine Geldflut tsunamiartigen Ausmaßes auf die Finanzmärkte zu!

Nach der schlechtesten Börsenwoche seit der Finanzkrise 2008 geriet am Wochenende auch die Federal Reserve in Panik – sie wollte mit einer gigantischen 100 Basispunkte-Zinssenkung ein Zeichen setzen. Man ging All-in und verschoss gleichzeitig fast sein gesamtes zinspolitisches Pulver. Dies löste aber keinen Befreiungsschlag aus, sondern bewirkte das Gegenteil. Es ging am Montag dramatisch weiter bergab, obwohl andere Notenbanken auch mit in die monetären Rettungsaktionen einstiegen. Für die amerikanischen Aktienmärkte kam es sogar eine zeitlang zu einer Unterbrechung des Handels, infolge der 7-Prozentregel. Der 20 Billionen Dollar schwere S&P 500 fiel bis zu 12 Prozent in die Verlustzone, der Dow Jones verlor bis zum Börsenschluss 3000 Punkte und liegt mit dem Punktestand von 20.186 Punkten über 30 Prozent unter seinem erst kürzlich erreichten All Time High. Dies alles, obwohl auch die ersehnten Fiskalpakete Gestalt annehmen. Donald Trumps Referenzindex, der ehrwürdige Dow Jones, ist nicht mehr allzu weit entfernt, von dem Stand, den er bei seinem Amtsantritt vorgefunden hat – ein Alptraum für Mr. President.

Doch was passiert eigentlich mit dem vielen Geld nach Corona?

Die Corona-Pandemie, eine Heimsuchung auf Dauer?

Momentan gibt es in den Nachrichten nur ein großes Thema: Das Coronavirus und die extremen staatlichen Maßnahmen mit Grenz- und Schulschließungen und Verboten mannigfaltiger Art, um das „Social Distancing“ zu gewährleisten, zur Eindämmung der Infektionskrankheit. Und natürlich ist auch ständig die Rede von den gewaltigen Zinssenkungen der Notenbanken. Weltweite Zinsen, die Richtung Null gehen, interessieren den Bundesbürger, der mittlerweile 2,4 Billionen Euro auf Giro- und Sparkonten liegen hat. Einem Betrag, mit dem man inzwischen schon dreimal alle 30 Dax-Werte kaufen könnte – aber die  Deutschen haben kaum in die Aktienmärkte investiert.

Die Notenbanken feuern aus allen Rohren, mit Zinssenkungen, Anleihe- sowie Käufen von Aktien-ETFs – aber hat sich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, was mit der Geldflut passieren wird, sollte sich das Coronavirus doch in absehbarer Zeit wieder eindämmen lassen?

Es gibt bereits die Signale dafür, dass man Covid-19 mit rigiden Maßnahmen wie Quarantäne und Abschottung in wenigen Wochen in den Griff bekommen kann. In China hatte man das Zentrum des Ausbruchs des neuen Erregers, die Millionenmetropole Wuhan, ab 23. Januar abgeriegelt, ab Ende Februar war der Höhepunkt der Erkrankungen (offiziell) überschritten. In Südkorea, dem Land mit der stärksten Infektionsrate nach China, unterschreitet die Zahl der gesundeten Personen die der Neuinfizierten schon seit Tagen. Sehr niedrig auch die Zahlen für das 120 Millionen-Volk Japan – auch die chinesischen Außenstationen Taiwan und Hongkong (67 und 157 Personen) vermelden sehr niedrige Infektionsraten angesichts ihrer Bevölkerungszahl und des intensiven Austauschs mit Festlands-China.

Ich weiß, dass das in der jetzigen Phase schon ein bisschen seltsam klingt, aber was passiert mit dem vielen Geld, sollte die Wirtschaft doch in einigen Wochen/Monaten wieder in einen höheren Gang schalten oder zumindest Ansätze dafür entwickeln? Diese Frage wird auch für die Aktienmärkte extrem relevant!

Das Ausmaß der Maßnahmen

Was sich anfangs zögerlich entwickelte – die konzertierte Aktion der Notenbanken – hat sich inzwischen zu einer Flut an geldpolitischen Maßnahmen entwickelt. Beginnend im fernen Osten mit den Notenbanken von Australien, China, Japan, Neuseeland, Thailand, Malaysia, Vietnam, Indien, über Europa mit England, Norwegen, Schweden, der Europäische Zentralbanken mit ihrem 120 Milliarden Euro Anleihe-Kaufprogramm, über Kanada bis zu den USA mit ihren Zinssenkungen von 150 Basispunkten in wenigen Tagen, dem Anleihekaufprogramm QE 5 über 700 Milliarden Dollar und den Repo-Injektionen über 1,5 Billionen Dollar – es werden Unsummen in die Märkte gepumpt. Schlägt das bald durch auf die Aktienmärkte?

Dazu die ersten Gedanken über Helikoptergeld in Höhe von 1000 Dollar pro US-Bürger, fiskalische Stimulusprogrammen in vielen Ländern (allen voran Deutschland mit einem Kredittopf von bis zu einer halben Billion Euro für coronageschädigte Firmen), man verliert den Überblick über den Geld-Tsunami, der derzeit ausgelöst wird.

Als Donald Trump gestern erwähnte, dass sich das Coronaproblem noch bis Juli/August hinziehen könnte, ging es mit den Märkten noch einmal ein Stück nach unten. Ein „Fachkommentar“, den die Aktienmärkte nicht hören wollten.

Nach dem erneuten Einbruch an einem zweiten schwarzen Montag setzt sich an den Märkten die Einsicht durch, dass das ganze Notenbankgeld keinen Effekt bringen wird, solange der Höhepunkt der Virusinfektionen nicht überschritten ist.

Immer wieder kommt auch das Gerücht auf, dass man die US-Börsen zur Panikvermeidung schließen könne, wie nach dem 11, September 2001.

Aber US-Börsenbetreiber und die Börsenaufsicht SEC wollen davon derzeit noch nichts wissen – die Aktienmärkte sollen geöffnet bleiben.

Der neue Anlagenotstand und die Aktienmärkte

Was passiert aber mit dem vielen Geld in den Anlagenmärkten?

Da es in den nächsten Monaten oder vielleicht sogar Jahren keine Zinsen am Markt für Staatsanleihen geben wird, wo soll das ständig neu geschaffene Geld angelegt werden, um zumindest ein bisschen Rendite zu erwirtschaften? Klar:  jeder Investor ist erst einmal froh, wenn er einigermaßen unbeschadet aus dem Aktienmarkt aussteigen und sein Geld irgendwo parken kann (auch wenn dies ohne große Verzinsung sein muss). Im Verlauf des gestrigen Tages zeigte der Anleihemarkt für die großen Länder bei den zehnjährigen Staatsanleihen folgendes trauriges Bild:

USA 0,829 Prozent, Großbritannien 0,447 Prozent, Deutschland minus 0,447 Prozent, Japan minus 0,092 Prozent.

Aber was geschieht, wenn die Aktienmärkte ihren Boden gefunden haben, ob dies nun bei 30, 50 oder 70 Prozent minus sein wird? Hier noch ein rascher Blick auf die großen Anlageklassen: Die weltweiten Aktienmärkte dürften infolge der aktuellen Einbrüche von einer Marktkapitalisierung von 89 Billionen Dollar (Mitte Februar) auf nur noch 60 bis 65 Billionen Dollar gefallen sein – und erstmals wieder auf der Höhe der Summe aller weltweiten Staatsanleihen liegen.

Um diese Konkurrenz geht es: Aktienmärkte gegen (Staats-)Anleihemärkte – denn die weltweiten Unternehmensanleihen mit ihrer schlechten Bonität fallen bei Rezessionen erstmal als Konkurrenz aus. Bekam nicht gestern Abend die Weltfirma Boeing sogar ein BBB-Rating von den Agenturen verpasst? Im Übrigen ist die Marktkapitalisierung der Weltbörsen damit auch wieder deutlich unter das Weltsozialprodukt von 86 Billionen Dollar (Stand 2019) gefallen.

Und jetzt kommen wir zu zum Problem. Die Masse der Staatsanleihen wirft in der aktuellen und noch laufenden Zinssenkungsorgie nur noch anämische Zinsen ab. Wohin sollen die Kapitalsammelstellen der westlichen Staaten künftig anlegen?

Auch wenn Powell immer wieder betont, keine Minuszinsen anzustreben und damit keine Kursgewinne durch weiter fallende Zinsen ermöglicht, was bleibt den Kapitalsammelstellen, Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen, Staatsfonds, oder auch Privatvorsorgern, wenn die Zinsen über Monate oder Jahre bei Null notieren?

Ein Zusammenbruch der Systeme ohne Rendite – oder doch wieder Investments in die Aktienmärkte?

Fazit

Der Zyklus des längsten Aufschwungs in den letzten 100 Jahren ist beendet worden, die Aktienmärkte fielen in der so schnell wie noch nie von einem Allzeithoch in einen Bärenmarkt. Ausgelöst durch Corona, aber auch durch die besonders Gierigen, die (oftmals gehebelt) an einen immerwährenden Zyklus glaubten und an den Fed-Put: „Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche“, war ein geflügeltes Wort in letzter Zeit.

Normalerweise dauern Aufschwungphasen sieben bis zehn Jahre, dieser wurde mit Hilfe der Notenbanken elf Jahre alt. Dass es in diesem Jahr zu keiner Rezession kommen wird, daran glauben nur noch Superoptimisten.

Die Notenbanken dieser Welt haben mit ihrem Versuch, die Aktienmärkte zu unterstützen und damit verbunden Unheil auch in der Realwirtschaft zu vermeiden, ein bestehendes Problem noch weiter potenziert. Es gibt keine funktionierenden Zins-Märkte mehr – und auch keine Zinsen für die Vorsorgemärkte, die ohne Rendite primär und statutenbedingt auf den Anleihemärkten nicht funktionieren können. Die Marktwirtschaft ist nicht vorbereitet auf eine Welt ohne Zinsen.

Aber vielleicht erzeugt das gedruckte Geld nach Überwindung der Viruskrise eine saftige Inflation. Dann würden die Zinsen am Kapitalmarkt steigen, auch wenn die Leitzinsen noch tief blieben. Damit bekämen die Aktienmärkte aber ein weiteres Mal einen Schock versetzt, denn schließlich würde der alte Konkurrent Anleihemarkt wieder zu neuem Leben erwachen. Sehr viel Spekulation, zugegeben. Eigentlich kommen diese Gedanken viel zu früh..

Trotz des Crash - profitieren die Aktienmärkte  bald von der immensen Liquidität?

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Tanja Grer

    17. März 2020 09:13 at 09:13

    In der folgenden Studie wird sogar ein Nasenspray und Rachenspray in Aussicht gestellt, mit dem Virusinfektionen erfolgreich behandelt werden können. Sehr stabile Cyclodextrine könnten beispielsweise als Creme, Gel oder Lotion auf den Markt kommen. https://duhastmundgeruch.com/cyclodextrine-erfolgsversprechender-wirkstoff-gegen-das-coronavirus/

  2. Avatar

    Mutwürger

    17. März 2020 11:46 at 11:46

    Abgesehen vom fiskalischen Desaster und dem Appetit der Repo-Märkte, was passiert, wenn jetzt die Welle der Produktions- und Lieferaussetzungen über die Welt rollt und noch eine Weile nachwirkt oder gar irreparable Schäden hinterlässt?
    The Goldman Sachs Group sieht Deutschland in ihren Analysen besonders in Gefahr.

  3. Avatar

    Hesterbär

    17. März 2020 12:22 at 12:22

    Werter Herr Müller, Sie beschreiben sehr gut ein alles entscheidendes Problem. Eine freie Marktwirtschaft ohne Zins ist auf Dauer nicht überlebensfähig. Der Zins ist ein notwendiges Regulativ, ohne den auch kein Finanzsystem funktionieren kann. Da Politik und Notenbanken uns aber weltweit in unverantwortlicher Weise in die völlige Überschuldung getrieben haben, musste man die Zinsen immer weiter absenken, um die Schuldentragfähigkeit noch einige Zeit zu erhalten. Inzwischen kann man keine Zinsen mehr absenken und nur Spinner glauben daran, man könne sich mit Minuszinsen behelfen. Und ja, wenn die Coronapandemie eingedämmt ist und die Aktienmärkte am Boden liegen, werden die Papiergeld-Billionen vor allem die Preise für Aktien, Gold und Silber in einer noch nie gesehenen Geschwindigkeit nach oben treiben. Die gigantischen Gewinne werden auf den Konten der Vermögenden landen und die breite Masse geht leer aus. Die Schulden aber bleiben und werden gemeinsam mit den Kosten der Sozialsysteme weiter explodieren. Mit dem völligen Vertrauensverlust der Bevölkerung und der praktischen Unmöglichkeit einer Fortführung dieses Schneeballsystems gibt es dann nur noch den Systemcrash als Lösung. Der Euro ist dann Geschichte.

    • Avatar

      Columbo

      17. März 2020 13:33 at 13:33

      @Hesterbär

      „…Gold und Silber in einer noch nie gesehenen Geschwindigkeit nach oben treiben…“

      Bis es dann heißt:

      „Das Ministerium für Finanzen und das Ministerium für Inneres geben bekannt: Bis auf Weiteres ist jeglicher Gold-und Silberhandel ausgesetzt und verboten. Sie sind verpflichtet Ihren gesamten Edelmetallbesitz bei der Behörde xy abzugeben. Sie haben Anrecht auf eine von der Behörde noch zu bestimmenden Entschädigung. Zuwiderhandelnde werden bestraft.
      Um unsere Großzügigkeit zu zeigen, teilen wir Ihnen mit, daß Sie Eheringe und Halsketten natürlich behalten dürfen.

      • Avatar

        leftutti

        17. März 2020 14:06 at 14:06

        @Columbo, deshalb kaufe ich ein paar Kilo Eheringe und Halsketten ;)

        • Avatar

          Columbo

          17. März 2020 16:17 at 16:17

          @Leftutti

          Ohne die Frauen dazu…?😄

          • Avatar

            leftutti

            17. März 2020 16:44 at 16:44

            @Columbo
            Wo könnte ich denn Gold und Frauen kaufen? In der Türkei? 🤭 🙈

  4. Avatar

    Columbo

    17. März 2020 17:48 at 17:48

    @Leftutti

    Vielleicht schon bald hier…🙈

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Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

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Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar (und das im buchstäblich selben Moment, als auch der VIX deutlich fiel). Was ist da los? Wiederholt sich das Geschehen aus dem März, als ein heftiger Abverkauf von Bitcoin das Vorspiel für den Absturz der Aktienmärkte im März-Crash war? Auffallend ist die Schwäche im Goldpreis und gestern die Schwäche bei Bitcoin) vor allem deshalb, weil der Dollar alles andere als Stärke zeigt – normalerweise unterstützt ein schwacher Dollar das gelbe Edelmetall. Die heute in den USA verkürzt handelnden US-Aktienmärkte nun immer mehr im „Gier-Modus“ – wie lange geht das noch?

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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