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Böses Erwachen voraus Aktienmärkte: „Das Vertrauen in den Trump Put hat sich verstärkt“ – TACO-Trade?

Die Aktienmärkte tendieren seit gestern Abend wieder freundlicher. Trump-Wende in Sachen Grönland, Rettung für die Märkte? Vorsicht!

Börsenkurse
Grafik: acidj-Freepik.com

Schon wieder der nächste TACO-Trade? TACO war als Wortkreation letztes Jahr entstanden (Trump always chickens out). Wenn die Aktienmärkte wegen Trumps Äußerungen oder Aktionen zu stark abstürzen, kommt er kurz danach mit entlastenden Aussagen, und die Kurse steigen wieder. Er rettet also die fallenden Märkte, die ihm signalisiert haben, dass er da etwas falsch macht. Läuft es diesmal auch so beim Thema Grönland?

Seit Tagen drängt Trump immer stärker in Sachen Grönland. Gestern dann auf der Bühne beim Weltwirtschaftsforum in Davos sagte er ganz klar, er habe nicht vor sich Grönland mit Gewalt zu holen. Wie verlässlich diese Aussage ist? Unklar. Und heute Nacht schrieb Trump, er habe mit NATO-Chef Rutte eine Rahmenvereinbarung über Grönland getroffen, die das Problem lösen werde (sinngemäß ausgedrückt). Dass Rutte gar keine Befugnis hat über dänisches Staatsgebiet zu verhandeln? Dass Trump vielleicht schon in Kürze merkt, dass er mit Rutte gar keinen Deal gemacht hat? Die Aktienmärkte jedenfalls sind aktuell wieder etwas besser gelaunt, was sich bei einer erneuten Enttäuschung von Trump schnell wieder umkehren könnte.

Einige Analysten sehen aktuell offenbar die Hoffnung, dass Trump auch dieses Mal wieder die Aktienmärkte vor tieferen Rückschlägen „retten“ wird, in dem er die Lage um Grönland entspannt. Eine gewagte Wette! Die weltweiten Aktienmärkte stehen vor einer weiteren Rally, nachdem US-Präsident Donald Trump seine Zollandrohung gegen Europa aufgegeben hat und damit die Sorgen vor einem erneuten Handelskrieg gemildert hatte, so Bloomberg News heute früh. Weiter wird berichtet: Die Kontrakte für europäische Aktien stiegen um über 0,7 %, nachdem die asiatischen Aktien aufgrund der Äußerungen von Trump dem Aufwärtstrend der Wall Street gefolgt waren. Auch die US-Aktienindex-Futures legten zu, was darauf hindeutet, dass sich die Rally fortsetzen könnte.

Globale Halbleiteraktien legten zu, da die Äußerungen von Jensen Huang, CEO von Nvidia Corp., in Davos die Begeisterung der Anleger für den Handel mit künstlicher Intelligenz weiter verstärkten. Der Nvidia-Zulieferer Disco Corp. stieg in Japan um 17 %, während Samsung Electronics Co. um 1,9 % zulegte. Der Referenzindex in Südkorea – ein Indikator für Technologieaktien – kletterte auf einen neuen Rekordstand.

Die optimistische Stimmung der Aktienmärkte dämpfte die Nachfrage nach sicheren Anlagen, sodass der Spotpreis für Gold um 0,2 % nachgab. Der Dollar schwankte und die Renditen von US-Staatsanleihen gaben leicht nach.

Die Risikobereitschaft kehrte an die Aktienmärkte zurück, nachdem Trump militärische Gewalt ausgeschlossen und erklärt hatte, er werde keine Zölle gegen Europa verhängen, und dabei auf eine „Rahmenvereinbarung” über Grönland verwiesen hatte. Die Anleger interpretierten die Äußerungen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos als Zeichen für eine Entspannung der geopolitischen und handelspolitischen Spannungen.

„Der Rahmen des Grönland-Abkommens mildert die Lage angesichts der Ereignisse am Wochenende erheblich”, sagte Joe Gilbert, Portfoliomanager bei Integrity Asset Management. „Weniger Zölle sind eindeutig positiv für die Märkte.”

In Bezug auf Grönland ging Trump nicht näher auf die Parameter des sogenannten „Rahmenabkommens“ ein, und es war unklar, was die Vereinbarung beinhaltet. Am Mittwoch hatte auch Dänemark Verhandlungen über die Abtretung der halbautonomen Insel an die USA ausgeschlossen. Trump erklärte später, er werde die Einzelheiten der Vereinbarung in Kürze bekannt geben.

Was Bloomberg-Strategen sagen: Die Entwicklungen in Grönland haben die Aktienmärkte wieder auf ihren Ausgangswert zurückgebracht: einen Markt, der angesichts des wachsenden Optimismus hinsichtlich einer erneuten Beschleunigung des Wachstums nach oben tendiert. Der Rückgang der Volatilität zeigt, dass die am Dienstag aufgebaute Angstprämie schnell wieder abgeklungen ist.
— Michael Ball, Makrostratege, Markets Live.

„Das Vertrauen in den Trump Put hat sich verstärkt“, schrieb Dilin Wu, Stratege bei Pepperstone, und bezog sich dabei auf die Überzeugung, dass hohe Marktverluste Trump dazu veranlassen würden, seinen Kurs zu ändern. Die Entscheidung des Präsidenten führte zu einer „raschen Wiederherstellung der Risikoposition, die aufgrund der politischen Unruhen reduziert worden war. Dip-Buying gewann wieder an Bedeutung.“

Trumps Entscheidung markierte eine deutliche Kehrtwende für einen Präsidenten, der wiederholt versucht hatte, Europa in Bezug auf Grönland unter Druck zu setzen. Sie erfolgte nach einem Treffen mit dem Generalsekretär der Nordatlantikvertrags-Organisation, Mark Rutte, in Davos.

Die Risikopolitik des Präsidenten in Bezug auf Grönland löste eine diplomatische Krise mit Europa aus, die die Finanzmärkte erschreckte. Zu Beginn der Woche fielen Aktien, Anleihen und der Dollar, und Bitcoin stürzte inmitten der Pattsituation ab.

„Trumps Rede in Davos sorgte für eine gewisse Erleichterung, dass die USA keine militärischen Operationen zur Invasion Grönlands durchführen werden“, sagte Amir Anvarzadeh, Aktienstratege bei Asymmetric Advisors. „Alles in allem kann man sagen, dass es für den Markt ein recht gutes Ergebnis war.“

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld

Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Claudio Kummerfeld hat langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

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3 Kommentare

  1. Im Moment sieht es für die US-Techriesen Facebook, Instagram und der Amazon Prime Video-App im Zusammenhang mit mobilen Endgeräten und der Künstliche Intelligenz gut aus.

  2. Nicht nur ich halte die Rede von Trump für einen Beleg, dass dieser Mann nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Eine beliebige Aneinanderreihung von fake`s, absolute Selbstbeweihräucherung, unbedeutendes Gestammel und die ständige Verwechslung von Grönland mit Island lassen mich sehr stark daran zweifeln, dass jetzt „Ruhe“ ist. Das ist wohl nur die Ruhe vor dem nächsten Aussetzer dieses Typen.
    Und die EU zerlegt sich gerade mit den erneuten Verzögerungen beim Mercosur-Abkommen wieder selbst…. Da hat Klingbei ausnahmsweise recht, wenn er bemerkt, dass einige im EU-Parlament den Schuss nicht gehört haben.

  3. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Auslöser war der Beschluss des EU Parlaments ….den für Europa sehr unvorteilhaften von der Leyen Trump Deal… nicht zu ratifizieren…

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