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Aktienmärkte: Das wird ein heißer Börsensommer – Volatilität voraus!

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Wie lange warten viele Anleger schon auf eine Korrektur der Aktienmärkte? Nach einem der ausgeprägtesten Aktien-Vˋs aller Zeiten: Einbruch um 40 Prozent und Anstieg um 50 Prozent – bei großen Indizes wohlgemerkt –  und das innerhalb von gerade einmal vier Monaten. Und dies im stärksten Wirtschaftseinbruch der Nachkriegsgeschichte. Gestern dann die größte Korrektur der Aktienmärkte seit ein paar Wochen. Ist das nur eine Korrektur oder doch der Auftakt für eine längere Phase zunehmender Skepsis?

Aktienmärkte sind enteilt

Über die Gründe des dramatischen Swings der Aktienmärkte von Ende März bis aktuell braucht eigentlich nichts mehr geschrieben werden: Es waren die beispiellosen Rettungspakete von Regierungen und Notenbanken, die fehlenden Alternativen (TINA) und die Hoffnung auf eine rasche Eindämmung von Covid-19.

Aber auf ein finanzmathematischen Verwirrspiel habe ich schon im Mai hingewiesen, als man mit den Lockerungen des Lockdowns im Handel und der Gastronomie so richtig begonnen hat: Ein Einbruch von 50 Prozent und deutlich mehr muss in der Folgezeit zu sensationellen Steigerungsraten führen, ohne dass man auch nur in die Nähe der vorherigen Zahlen kommt. Das beste und extremste Beispiel ist und bleibt der Flugverkehr. Ein Einbruch von 95 Prozent im April (Fraport minus 96 Prozent) und eine Verdreifachung der Passagierzahlen zwei Monate später klingen dramatisch, bedeuten aber gleichzeitig, dass man immer noch 80 Prozent hinter der Vor-Corona-Zeit liegt.

Der wundersame Ifo-Index

An diesem bedeutsamen Wirtschaftsbarometer, welches auf Umfragen von 9000 Unternehmenchefs in Deutschland beruht, kann man das absonderliche Prozedere so richtig studieren: Der Index fiel im April auf seinen niedrigsten, jemals festgestellten Stand von 74,3 Punkten. Nicht einmal am Höhepunkt der Finanzkrise 2008 und der stärksten Nachkriegsrezession war er unter 80 Punkte gefallen. Wie sollte es auch anders sein, wenn der Staat Millionen Arbeitnehmer in häusliche Quarantäne versetzt, Produktion, Dienstleistung um bis zu 90 Prozent in den Keller fährt und daher über 10 Millionen Anträge auf Kurzarbeit gestellt wurden? Natürlich musste sich der Index nach Beendigung der Ausnahmesituation erholen – im Mai auf 79,7 und jetzt im Juni auf 86,2 Punkte. Es war wiederum der höchste je gemessene Anstieg. Aber es bedeutet eben nicht die Rückkehr zu alten Kennziffern, bei all den Beschränkungen im In- und Ausland, besonders für das Land des ehemaligen Exportweltmeisters.

Börse blickt ins Jahr 2021, aber…

Es ist ja nun wirklich nichts Neues, dass die Kurse der Aktienmärkte nicht die aktuelle Situation widerspiegeln, sondern mindestens ein halbes Jahr und mehr in die Zukunft blicken. Damit kapriziert man sich eben nicht auf die Ergebnisse der Unternehmen zum Ende von Q2, oder auch für Q3, sondern auf den Trend und die Ausblicke für das Ende des Jahres. So war es auch bei allen bisher erlebten Rezessionen, die aktive Anleger erlebt haben. Als der Höhepunkt der Rezession ausgerufen wurde, waren die Kurse der Aktienmärkte schon lange enteilt, zur Verwirrung Vieler. In aktuellen und in jeder Beziehung ungewöhnlichen Zyklus kam die Erholung unglaublich schnell und man ist bei der Eindämmung der großen Gefahr Covid-19 wahrscheinlich zu optimistisch gewesen.

Der Traum der Aktienmärkte von einer V-förmigen Wirtschaftserholung

Was mich immer wieder verwundert, ist die Tatsache, dass man allen ernstes annimmt, die globale Ökonomie könnte sich in der Form des besagten Vˋs erholen, sich also blitzartig wie an den Börsen signalisiert, wieder auf alte Höhen schwingen. Wenn in der wichtigsten Wirtschaftszone der Welt, den USA, die aktiven Infektionszahlen noch steigen und es für viele Ländern sogar noch Einreiseverbote gibt. Wie etwa soll man blitzartig Lieferketten aufbauen, wenn große Schiffe mit Vorprodukten schon Wochen brauchen, um zwischen den Erdteilen zu verkehren? Wenn man noch nicht einmal richtig begonnen hat, den Tourismus zu erlauben, der für über acht Prozent der Weltwirtschaftsleistung steht, in der Gastronomie- und der Hotelbranche noch Abstandsregeln, Maskenpflicht gelten und, und, und.

Es wird meines Erachtens so peu à peu nach oben gehen, bis die Vergessenskurve der Menschen einsetzt und man zu alten Gewohnheiten zurückkehrt. Die entscheidende Frage wird dabei wohl sein, wie viele Firmen im Zuge dieser Erholung nicht überleben werden und wie viele Arbeitslose dann im Endeffekt bleiben werden.

Prompt kamen die Warnungen der Wirtschaftsinstitute

Aufgrund der schleppenden Erfolge bei der Eindämmung von Covid-19 in den USA und dem Auffammen neuer Infektionsherde in östlichen Staaten, fahren die großen Wirtschaftsinstitute ihre Prognosen für das Gesamtjahr 2020 zurück – der IWF für die Weltwirtschaft von minus 3 auf minus 4,9 Prozent. Auch durch die EZB, die für die Staaten Europas die Aussichten zurücknimmt, aber selbst für die Konsumökonomie der USA prognostiziert der IWF mittlerweile eine Schrumpfung des BIP von acht Prozent in diesem Jahr.

Aktienmärkte und der heiße Börsensommer 2020

Man soll sich an den Börse eigentlich nie vorschnell auf ein Szenario festlegen, die Geschichte ist voll von Fahnenstangen. Aber dass der Nasdaq sich schon 20 Prozent von seiner 200-Tageslinie entfernt hat, wie seit dem denkwürdigen Jahr 1999 nicht mehr, spricht Bände. Die Wirtschaft benötigt Zeit für ihre Erholung, die Schere zwischen Real- und Finanzwirtschaft sollte sich etwas schließen. Ist die historisch schwache Jahreszeit nicht geradezu prädestiniert dafür?

Fazit

Es sind nur noch vier Handelstage bis zum Monats- und Quartalsultimo, und bis zum Ende einer Periode, die große (bisherige) Rekorde verbuchen kann und die vielen Fondsmanagern schwere Zeiten und manchen „Pain Trade“ eingebracht hat. Auch wenn die Notenbanken weiter drucken werden, was das Zeug hält, dürften viele Institutionelle auf einen Anlass warten, um nach den deutlichen Anstiegen der Aktienmärkte einmal Kasse zu machen. Dann werden die Kurse die Nachrichten machen und nicht umgekehrt – was bisher ignoriert wurde, wird plötzlich zu einem kleinen Gamechanger. Wird das Re-Balancing der Großanleger zwischen Aktien und Anleihen eine Rolle spielen, erzwungene Lockdowns, Zollstreitigkeiten oder sonst etwas?

Sicherlich kann man aus diesen Überlegungen jetzt keine konkreten Handlungsweisen ableiten, aber sie machen eines bewusst: Die aktuelle Rally der Aktienmärkte, in den USA auch Robinhood-Hausse genannt, wird stark von den Kleinanlegern und unerfahrenen Neulingen dominiert, die sich auf ausgebombte Werte sowie die großen Highflyer aus dem Nasdaq gestürzt haben. Viele wurden durch die „einfachen“ Erfolge an der Börse geblendet und immer leichtsinniger in ihrer Positionierung. Insgesamt haben die Aktienmärkte ein zweites Quartal 2020 gesehen, welches von Zukunftshoffnung auf Wirtschaftserholung und Geldflut geradezu euphorische Erwartungen geweckt hat. Auf Depression folgte Euphorie, auf Crash – Hausse.

Und diese wird durch den großen Verursacher Covid-19 mit seiner Hartnäckigkeit gerade etwas eingebremst. Die Angst vor der zweiten Welle inklusive neuer Lockdown-Maßnahmen nimmt zu, diesseits und jenseits des Atlantiks. Und das werden die Aktienmärkte nicht so einfach ignorieren können..

 

Die Aktienmärkte haben nicht damit gerechnet, dass die Coronakrise so schnell nicht vorbei geht

Ein Kommentar

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    Lausi

    25. Juni 2020 10:59 at 10:59

    Vielleicht wird sich die Robinhood-Hausse mal als die neue “Hausfrauen-Rally” der 2020-er Jahre erweisen! Als letzte Warnung vor einem kurz bevorstehenden Absturz.

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