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Aktienmärkte: Der Europäische Rat – Rettung in der Coronakrise?

Auf der gestrigen Tagung des Europäischen Rates wurde das von von der Eurogruppe vorgeschlagene Hilfspaket von 500 Milliarden Euro angenommen – die Aktienmärkte habe darauf aber wenig reagiert. Das Paket ist bedingungslos, so dass die Troika Maßnahmen zur vollständigen Kontrolle über die Länder, die die Finanzierung erhalten werden (denken Sie daran, in Höhe von 2% ihres BIP), die EIB-Finanzierung und den SURE-Plan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit einführen kann. Was den Recovery Fund betrifft –  den Fonds, der in der Lage sein wird – den europäischen Staaten nicht rückzahlbare Darlehen und anteilige Kredite zu gewähren, so müssen wir bis zum 6. Mai auf den Durchführbarkeitsplan warten, der derzeit von der Europäischen Kommission geprüft wird. Der Presse zufolge gab es größere Bemühungen um eine Zusammenarbeit – aber es gibt immr noch eine klare Trennung zwischen nord- und südeuropäischen Ländern. Das zeigt, wie schwierig es für die europäische Struktur ist, auf „natürliche Weise“ weitergeführt werden zu können. Aber so ist es nun einmal.

Konzentrieren wir uns wie immer auf die Reaktionen der Märkte, speziell der Aktienmärkte. Lassen Sie uns mit einer Tatsache beginnen: Die beschlossene Hilfe sollte ab 1. Juni in Kraft treten – aber was den Rückforderungsfonds betrifft, so gibt es dafür kein feststehendes Datum. Und es ist gerade die Gewissheit, die die Aktienmärkte suchten – eine Gewissheit, die zu unterschiedlichen Reaktionsszenarien hätte führen können.

Die Welt der Nullzinsen – und Kapitalströme auf der Suche nach einer Positionierung

Wie wir schon sagten, suchte (und suchen) die Aktienmärkte verzweifelt nach Gewissheiten, wie immer diese auch aussehen mögen. Nach dem totalen Reset, den wir erlebt haben, suchen wir nach neuen Regeln, die nicht so sehr in der Lage sind, stabile Lösungen für die Wirtschaftskrise zu bieten,  sondern den Hauptstädten zu zeigen, wie sie sich selbst neu organisieren können.

Wir sind mit einer Situation konfrontiert, in der es zunächst zu konzertierten Verkäufen von US-Dollar kam – als die Anleger begriffen, dass die Fed die Zinssätze stärker als ursprünglich angenommen senken würde. Dann kam es zu Käufen von Dollar in sehr großem Umfang (als man davon ausging, dass die Zinssätze alle gesenkt würden), in Verbindung mit Verkäufen jeglicher finanzieller Vermögenswerte (einschließlich Gold und Bundesanleihen), um Liquidität zu generieren. Liquidität, die zum Teil für Investments in Aktienmärkte und zum Teil für den Rückkauf von Gold verwendet wurde – wobei man abwartet, ob man wieder aus dem Risiko aussteigt, oder ob man diese Rally der Aktienmärkte weitergehen lässt: was, auf die Realwirtschaft übertragen, bedeuten würde, an eine stabile Erholung der Situation zu glauben.

Aber aus finanzieller Sicht kommt das seit langem bestehende Problem, das zu erheblichen Verzerrungen zwischen Realwirtschaft und Finanzen geführt hat, wieder zum Vorschein: Wo kann Kapital angesichts einer Welt, in der die Zinssätze derzeit wirklich bei Null liegen, Rendite erzielen? Bisher haben die Kapitalströme angesichts eines festverzinslichen Marktes, der in der Regel nicht in der Lage war, Renditen zu bieten, nach Renditen auf bei den Aktienmärkten gesucht – was vor allem in Amerika zu großen Anstiegen der Aktieninidzes führte. Wobei die Fundamentaldaten solche Bewegungen nicht rechtfertigen können. Aber könnte das Phänomen jetzt, mit noch niedrigeren Raten, erneut auftreten? Dies ist die Frage, die mittel- bis langfristig beantwortet werden muss – eine Antwort, die in den kommenden Wochen Gestalt annehmen könnte, ausgehend von der Reaktion, die die Aktienmärkte nach den europäischen Entscheidungen, dem eigentlichen Motor der aktuellen Entwicklung der Weltwirtschaft, zeigen werden. Oder zumindest die Wahrnehmung, wie die Weltwirtschaft verlaufen wird.

Starker Euro, schwächere Aktienmärkte

Die Tatsache, dass der Euro wieder stäker gegenüber dem Dollar verloren hat, bestätigt, dass Investoren sich immer noch fragen, ob die Pläne, die umgesetzt werden sollen, effektiv sind oder nicht. Diese Maßnahmen sehen die Aktienmärkte im Moment als potenziell ausreichend an: nicht so sehr, um eine dauerhafte Erholung der Eurozone zu unterstützen – es ist in Ordnung, optimistisch oder pro-europäisch zu sein, aber man sollte verstehen, dass die Situation in Europa zum Stillstand gekommen ist. Und vielleicht für immer so sein wird – wenn wir nicht strukturell eingreifen, um die angebotenen Zinssätze umzustrukturieren, um damit die Architektur der gemeinsamen europäischen Währung auf Kurs halten zu können.

Die Verkäufe hätten viel höher ausfallen können, um den weiteren Zeitverlust zu bestrafen durch den verspätet kommenden Rückforderungsfonds – Verkäufe, die die Aktienmärkte etwas nach utnen drückten – wobei sich der Dax dann doch schnell stabilisierte im Gefolge der starken Aktienmärkte der USA.

Gold wird weiterhin aufgrund von Diversifizierungsansätzen und zum Schutz vor möglichen neuen Verkaufswellen der Aktienmärkte gekauft (kurzfristig nicht auszuschließen), und dem Schweizer Franken sollte gegenüber dem Euro weiterhin große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Hier sind wir nahe an der verhängnisvollen Schwelle von 1,0500, die von der SNB bereits verteidigt wird. Und wenn die „Euphorielosigkeit“ anhält (von Risikoaversion wollen wir erst dann sprechen, wenn die Aktienmärkte wieder stärker verkauft werden), könnte es zu Franken-Kaufströmen kommen, die zu einer weiteren Stärkung der Schweizer Währung führen. Das wiederum würde ein Eingreifen der Zentralbank erforderlich machen.

Für alle technischen Einzelheiten können Sie mich jeden Morgen in unserem Handelszentrum befragen!.

Die Aktienmärkte fürchten ein Auseinanderbrechen der Eurozone



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1 Kommentar

  1. Apropos Schweiz. Der Schweizer Marc Faber sagt in dem Video
    https://www.youtube.com/watch?v=inDvKxKgjMs
    auch, daß er glaubt, der Virus wird politisch stark benutzt für Finanzcrash, Panikmache usw. Also nicht nur die böse AFD und Reichsbürger sagen das. So wär das Thema ja gleich leicht dämonisiert und man braucht darüber nicht mehr reden im öffentlichen Raum.
    Marc Faber ein Spinner? Wenn man das Video anschaut und seine sonstigen Ansichten, eher unwahrscheinlich.

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