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Aktienmärkte: Der Tag vor der Bescherung – die Jahresendrally

Aktienmärkte Jahresendrally - die Bescherung 2021

Es scheint sich das jährlich übliche Prozedere durchzusetzen: Wenn die ersten 11 Monate eines Jahres gut gelaufen sind, gibt es im Jahresabschluss in den allermeisten Fällen auch einen versöhnlichen Ausklang für die Aktienmärkte. Man versucht, auch bei dünnen Umsätzen, die Jahresperformance zu retten, es locken die Bonuszahlungen. Außerdem sollten man als Fondsmanager die richtigen Werte im Jahresabschlussbericht vorweisen, mittels Tax-Loss-Selling die Verlustbringer eliminiert haben.

2021 scheint nach 2017, 204 und 2013 das vierte Jahr zu werden, in dem es ohne eine einzige 10-Prozentkorrektur abgeht. Könnte es im Dezember sogar zu einer Santa Clause Rally kommen, trotz Omikron?

Aktienmärkte: Das übliche Saisonfinale

Wie oft wurde bereits die Grafik mit der Saisonalität präsentiert, die in überragender Häufigkeit einen positiven Jahresausklang nahelegt. Ebenso deutlich wird die Lage, wenn man die Statistik betrachtet, die das Dezember-Ergebnis betrachtet, wenn die ersten 11 Monate eine über 20-prozentige Performance beim Weltleitindex S&P 500 gebracht haben. Deshalb hatte ich schon vor Wochen geunkt, es müsse schon ein heftiges Ereignis kommen, um das antrainierte Verhalten der Geldverwalter umzukehren. Omikron hätte so ein Gamechanger sein können, allerdings wird diese neueste Bedrohung der Wirtschaft ziemlich ignoriert. Es scheint stärkere Kräfte zu geben.

Aktienmärkte Weihnachtsrally

Ein ständiges Auf und Ab

Im Vorfeld des großen Verfallstag am 17. Dezember gab es in den Indizes größere Abgaben. Diese setzten sich am Montag fort, viele Marktbeobachter sprachen schon davon, dass für die Aktienmärkte die Jahresendrally in diesem Jahr wohl ausfallen werde. Die Tafel beim S&P 500 zu Wochenbeginn tiefrot, Tech schwächelte weiter, Investoren wechselten in defensive Titel:

Aktienmärkte tiefrot

 

Dann kam Turnaround Tuesday, der überverkaufte Markt vollzog eine technische Gegenbewegung, Big Tech meldete sich mit Macht zurück:

Aktienmärkte grün

Aber schon zu Handelsschluss am Dienstag gab es keine Gewinnmitnahmen, so dass man fast schon mit einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung am Mittwoch rechnen konnte

So kam es auch am gestrigen Mittwoch zu weiteren Anstiegen der Aktienmärkte, die all diejenigen, die schon an ein Ausbleiben des Window Dressing geglaubt haben, unter Zugzwang gesetzt haben. Nach wie vor ist die Cashquote der von der Bank of America befragten globalen Fondmanager vergleichsweise hoch, aber auch der Prozentanteil derjenigen Fonds, die hinter der Benchmark hinterher rennen in diesem Jahr. Anders als die große Konkurrenz in Gestalt der passiven Fonds (ETFs), die immer größeren Zuspruch verzeichnet. Vor ein paar Wochen bereits wurde die Schallmauer von einer Billion Dollar an Kapitalzuwächsen erzielt, weit mehr als im gesamten Jahr 2020.

Kurzum:

Der Mittwoch endete mit einem Plus beim Dow Jones von 0,74 Prozent oder 261 Punkten auf 35.764 Zähler, beim S&P 500 waren es gleich 1,02 Prozent und 4696 Punkte. Nicht mehr weit ist es bis auf 4700 Punkte und auch nur ein paar Pünktchen bis zum letzten Allzeithoch auf Schlusskursbasis von 4712 Zählern vom 10. Dezember.

Auch der Nasdaq legte um 1,18 Prozent zu, selbst der Nebenwerte-Index Russel 2000 mit plus 0,86 Prozent. Aber es bleibt dabei: Es sind die großen Werte, die die Indizes oben halten. Der Index der kleinen Werte liegt gegenüber dem S&P 500 weit im Hintertreffen. Dies ist kein Anzeichen einer großen Konjunkturerholung 2022 und wieder einmal kommt der Gedanke an einen „Policy Error“ der US-Notenbank ins Spiel.

Auch beim Dax kam es zur Rückeroberung der 200-Tage-Linie, diese bei knapp über 15.500 Punkten liegende Aufwärtstrendmarke wurde am gestrigen Tag wieder überstiegen. Der Markt schloss bei Handelsschluss mit 15.593 Punkten, nachbörslich ging es weiter über die 15.600er-Marke. Nicht nur die deutsche Presse scheint die exorbitanten Energiepreise bei Gas und Strom derzeit zu ignorieren. Gleichberechtigung die Rede davon, Investoren seien eingestiegen, aus Angst etwas zu verpassen. Bei dünnen Umsätzen, wie so oft spricht man davon, dass bei den Großen die Bücher vor Weihnachten bereits geschlossen seien. Was an fünf verbleibenden Börsentagen (USA, fünfeinhalb) durchaus noch zu größeren Kursschwankungen führen kann.

Apropos Volatilität

Der Monat Dezember ist normalerweise nicht eine Periode von übergroßer Schwankungsbreite, außer im Jahr 2021. Seine bisher erlebte Volatilität bewegt sich in Dimensionen, wie es sie seit 50 Jahren nur wenige Male gegeben hat. Aber für den Januar sollte dies laut Statistik kein schlechtes Omen sein, was aber in Zeiten von Corona und dem monetären Klimawandel nicht viel bedeuten muss.

Volatilität im Dezember

Am gestrigen Mittwoch kam der Volatilitätsindex VIX mit minus 11 Prozent und 18,68 Punkten erst einmal wieder deutlich nach unten. Wobei sich angesichts der aktuellen Kursavancen gleich einmal folgende Frage stellt:

Startet nächste Woche die Santa Claus Rally?

Gemeint ist die Periode der letzten fünf Handelstage eines Jahres sowie die beiden ersten des neuen Jahres. In diese Phase fällt natürlich der große Abschluss des Jahres, das finale Window Dressing, kaum verwunderlich, das es in den letzten 45 Jahren 34 Mal für die Aktienmärkte nach oben ging, mit durchschnittlich 1,4 Prozent.

Fazit

Auch am Tag vor der großen Bescherung scheint sich die Erholung der Aktienmärkte fortzusetzen, die Indikation aus Fernost deutet darauf hin, dass man die Lage um Omikron, seine Gefährlichkeit und die Auswirkungen auf die Wirtschaft für beherrschbar hält. Die Jahresendrally könnte ihren Lauf nehmen, beim S&P 500 wäre heute sogar ein 68. Allzeithoch möglich. Und damit auch die angesprochene Santa Claus Rally starten.

Wieder einmal haben die US-Statistiker eine historische Übersicht parat, die darauf hindeutet, dass sich die Bullen diese Konstellation wünschen sollten, denn für den gegenteiligen Fall haben die statistikverrückten Amerikaner auch eine Tabelle, die keine gute Laune macht – sollten die Investoren in der nächsten Woche doch „ein paar Chips“ vom Tisch nehmen.

Aktienmärkte Santa Claus und die Rally



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