Folgen Sie uns

Aktien

Aktienmärkte: Die ewige Hausse überrascht sogar US-Investorenlegenden

Avatar

Veröffentlicht

am

Viele Anleger kommen dieser Tage kaum aus dem Staunen heraus bei dieser Performance der Aktienmärkte. Nach einem Plus von 28,8 Prozent im großen S&P 500 und über 37 Prozent im Nasdaq 100 im Jahre 2019 ist nicht etwa ein Ausatmen angesagt, wie es die heißgelaufenen Indikatoren nahe legen. Nein, es geht munter weiter, der Januarindikator deutet sogar schon wieder auf ein weiteres gutes Aktienjahr hin. Die Situation ist so außergewöhnlich, dass selbst die größten Investoren mit ihrer Marktbeurteilung seit geraumer Zeit schief liegen.

Die US-Aktienmärkte und die falsche Wette des George Soros

Der aus Ungarn stammende Philosoph und Großspekulant George Soros, musste schon im vergangenen Jahr die Segel streichen. Zu große Verluste hatte ihm seine Wette gegen Donald Trump und den S&P 500 bereits eingebracht. Er hatte schon Ende November letzten Jahres seine Wetten gegen den S&P 500 geschlossen, die ihm seit Amtsübernahme des jetzigen Präsidenten in Summa bestimmt einen Milliardenverlust verursacht haben. George Soros war stets der Annahme, dass die Politik Trumps „America first“ mit all ihren protektionistischen Zügen die US-Aktienmärkte an die Wand fahren würde. Es kam anders und Trumps Lieblingsindex der Dow Jones ist seitdem bereits von 18.000 auf mittlerweile 29.000 Punkte gestiegen.

Die Nöte der US-Hedgefonds

Dass George Soros mit seiner Fehlprognose nicht allein dasteht, beweist die Performance der US-Hedgefonds für das Jahr 2019, allen voran der weltgrößte Fonds von Starmanager Ray Dalio, Bridgewater Associates. Der sehr populäre Manager ist für seine messerscharfen Analysen für die großen Zusammenhänge an den Kapitalmärkten bekannt (der große Paradigmenwechsel), nur hat ihm dieses Wissen für die Mehrheit seiner Fonds von insgesamt 160 Milliarden Dollar im letzten Jahr wenig genutzt. Wie aus der Publikation durch das US-Fachblatt „Institutional Investor“ zu entnehmen ist, konnte der Starinvestor 2019 mit seiner Pure-Alpha-Strategie keine Gewinne erzielen.

Mit der stärker gehebelten Variante kam ein Verlust von 0,5 Prozent zustande, bei der weniger stark gehebelten Variante war es gerade mal ein Gewinn von 0,5 Prozent. Und das in einem Börsenjahr, in dem man mit einem einfachen ETF auf die US-Aktienmärkte um die 30 Prozent Gewinn erzielen konnte, bei erheblich niedrigeren Kosten, die in dieser „Königsklasse“ in opulentem Umfang verlangt werden. Sein bester Fonds, der All Weather Fund, der nur eine Longstrategie verfolgen kann, kam immerhin auf ein Plus von 16 Prozent. Ray Dalio ist schon seit vielen Monaten sehr skeptisch für die Aktienmärkte, und er ging erst im November eine milliardenschwere Wette gegen die Aktienmärkte der USA und Europas ein – inmitten der Jahresendrally.

Warren Buffett und sein berühmter Indikator

Der wohl erfolgreichste Investor aller Zeiten, Warren Buffett, sitzt schon seit mehreren Jahren auf einer Riesen-Cash-Position, 128 Milliarden Dollar. Weil er kaum noch billige Investitionsmöglichkeiten an der Wall Street findet und ihn sein eigener Indikator in Alarmstimmung versetzt. Der bekannte Warren Buffet-Indikator, der das Verhältnis von Marktkapitalisierung (Wilshire 5000) und Wirtschaftsleistung ins Verhältnis setzt, hat gerade die Rekordmarke von 153 Prozent erreicht. Vor dem Platzen der Dotcom-Blase lag dieser Wert bei 146 und vor der Finanzkrise bei 137.

Der Großinvestor profitiert allerdings von seiner Strategie der ruhigen Hand, nach der er mit seinen Positionen keineswegs hektisch herumhandelt. Mit seinen 248 Millionen Apple-Aktien, die er 2017 und 2018 in großem Stil und bei erheblich niedrigeren Kursen erworben hat, liegt er gewaltig im Plus, auch angesichts der Tatsache, dass dieser Anteil bei Berkshire Hathaway fast 26 Prozent entspricht. Ja, und da sind auch noch seine vielen Bankbeteiligungen, ein Sektor, der 2019 in den USA zum Teil bis zu 50 Prozent Kurszuwächse erzielt hat. Damit wird ihm seine wenig ertragreiche Cash-Position nicht allzu sehr schmerzen. Gespannt kann man sein, ob das Gerücht seines Einstiegs bei Boeing in die Tat umgesetzt wird. Ist dieses für die USA so wichtige Unternehmen (Verkehrs- und Rüstungsssektor) für den Investor schon tief genug gefallen?

Fazit

Die Schieflage von Großinvestoren wird sicherlich für manche Bären etwas tröstlich sein. Man befindet sich mit seiner Beurteilung in feiner Gesellschaft von US-Größen, die schon seit Jahrzehnten beweisen haben, dass sie mit den Marktentwicklungen umgehen können. Dieser Aufschwung ist wahrlich etwas Ungewöhnliches, dazu braucht man sich nur die absoluten Zahlen betrachten: Der US-Aufschwung ist mit seinen bald 11 Jahren nicht nur der längste in der Wirtschaftsgeschichte, er ist sogar auf dem Weg den höchsten Anstieg der Aktienmärkte zu generieren. Der S&P 500 hatte im März 2009 inmitten der Finanzkrise mit 666 Punkten sein Tief erreicht, am gestrigen Abend schloss er bei atemberaubenden 3288 Punkten. Es fehlen damit nicht mehr viele Punkte bis zu einer Verfünffachung des weltgrößten Index.

Ray Dalio hat die US-Aktienmärkte falsch eingeschätzt
Ray Dalio am 23. September 2017 in New York City. Foto: CC BY 3.0

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    sabine

    14. Januar 2020 13:06 at 13:06

    Das ist wirklich sehr komisch, daß viele der ganz Großen falsch lagen.
    Weil die ja nicht nur mehr wissen, sondern auch etwas tun können.
    So wie die Banken durch ihre Kundeneinlagen Wissen haben, daß sie mitunter gegen die Kunden nutzen.

    Ob das hin und her des China-Deals und der Hongkong-Aufstand daran schuld sind?
    Vor 4 Jahren etwa gabs ein täglich von der FED ein neues „Wir werden die Zinsen anheben“, das aber so gut wie nie oder homöopathisch erfolgte. Das war ähnlich ein hin und her… Da hatten einige Große auch Schwierigkeiten damit…

  2. Avatar

    Katja Wohmann

    14. Januar 2020 14:17 at 14:17

    Man stelle sich vor, man habe die chinesische Druckerpresse und zusätzlich Gratiskredite der FED und der EZB… wäre man da nicht in der Lage für das eigene Land alle wichtigen Kernunternehmen für die neue Weltherrschaft aufzukaufen, zumal noch der Markt durch reine Zusatzmanipulation der Notenbanker in Höhen des Universums katapultiert wird. Schuldenrückzahlung der Notenbanker?? Bitte an wenn? Wer kann gegen diese Gilde wirklich Insolvenzanträge stellen… loil.

  3. Avatar

    Torsten

    14. Januar 2020 16:58 at 16:58

    Die Fed arbeitet gegen die Hedgefonds. Wer profitiert davon? Die US Großbanken, vielleicht gewinnt man dadurch neue ( alte ) Kunden die zu Hedgefonds abgewandert sind.

    Andererseits sind Gewinne der Schweizer Nationalbank auch Gewinne die man den Hedgefonds abgeknüpft hat, in dem man zur Schwächubg des Franken massive US-Aktien gekauft hat.

    Interessant wird irgendwann die Rückabwicklung. Ich sehe schon die Schlagzeile „ Schweizer Nationalbank macht 202X 70 Mrd Dollar Verlust“ o.ä.

  4. Avatar

    Lausi

    15. Januar 2020 01:42 at 01:42

    Timing ist halt alles beim Investieren / Spekulieren, und bei der „Alles-Blase“ dauert es halt ein bisschen länger bis sie platzt – aber wenn sie platzt, dann wird es gewaltig sein, und dann sollte man mit seinen Goldbarren tief im Schützengraben liegen :-) Schon lustig, dass diese Rally bei einem S&P500-Stand von 666 Pkt. begonnen hat – da steckt doch irgendwo der Teufel drin! Würde mich nicht wundern, wenn bei 3333 Pkt. dann der Ofen aus ist. Na mal sehen wann das Hindenburg-Omen wieder am Horizont auftaucht ;-)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Markus Koch LIVE zum Handelsstart in New York – die Wirtschaft entscheidet und nicht die Wahlen

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Trump oder Biden, Rettungspaket JA oder NEIN? Egal was passiert, die Börse läuft weiter?

weiterlesen

Aktien

Coronakrise: Die unheimliche Hausse der Schusswaffen-Hersteller

Avatar

Veröffentlicht

am

Amerikaner kaufen in der Coronakrise Waffen, Deutsche dagegen Toilettenpapier – wie Analysen aus dem Frühjahr gezeigt haben. Kurz vor den US-Wahlen steigt die Unsicherheit in vielerlei Hinsicht – und die Aktienkurse von Waffenherstellern. Waffenkäufe in den USA sind in Zeiten der Coronakrise schon seit längerer Zeit feststellbar –  jetzt aber gesellen sich noch weitere Ursachen dazu. Die Steigerungen bei den Kursen der Waffenfirmen brauchen sich nicht einmal hinter den Tech-Werten zu verstecken. Und wieder einmal könnte ein Regierungswechsel einen Boom auslösen.

Das Recht des Amerikaners zum Waffenbesitz

Wie oft wurde in den USA schon über eine Verschärfung des Waffenrechts diskutiert, zumeist im Zusammenhang mit Amokläufen! Stets beruft sich die US-Waffenlobby in Gestalt der NRA – National Rifle Association of America, Nationale Schützen-Vereinigung – auf das verfassungsrechtlich garantierte Recht der Amerikaner zum Waffenbesitz.

Im 2. Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten, verabschiedet bereits am 15. Dezember 1791 hieß es:

„Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“ Obwohl es immer wieder Versuche gibt dieses uralte „Grundrecht“ abzuändern, unterstützen insbesondere die Republikaner mit ihrem Präsidenten Donald Trump die Interessen der NRA. Da ein Regierungswechsel zu den Demokraten sehr wahrscheinlich geworden ist, haben die Aktien von Waffenherstellern einen weiteren Aufwind bekommen – man erwartet Hamsterkäufe im Falle eines Wahlsiegs von Joe Biden.

Die Hausse der Revolveraktien im Jahr der Coronakrise – oder Amerikaner kaufen Waffen, Deutsche Toilettenpapier

So lautete eine etwas scherzhaft gemeinte Feststellung zu Zeiten des Lockdowns im April. Betrachtet man sich aber die Entwicklung der Aktien von Pistolen-, Revolver-, und Gewehrherstellern in den letzten neun Monaten, so erkennt man, dass dies kein billiger Kalauer gewesen ist. Im Übrigen waren die Regale mit dem Toillettenutensil eine Zeitlang wirklich Mangelware in Deutschland.

Die Performance:

Konnte der große S&P 500 in diesem Jahr bisher um sieben Prozent zulegen, so ging es mit den Aktien der weltbekannten Waffenfirma Smith&Wesson um 135 Prozent nach oben, die weniger bekannte Firma Sturm Ruger aus Southport (Connecticut) bringt es immerhin auf 51 Prozent. Allein im Monat Oktober ging es bereits um 8 beziehungsweise 9,5 Prozent nach oben.

Waren es im Spätwinter Sorgen der Amerikaner vor Plünderungen infolge der Coronakrise, später die Angst vor Unruhen im Lande wegen des gewaltsamen Todes des Afroamerikaners George Floyd, so fürchtet man sich jetzt vor einem möglichen Chaos nach dem 3. November, sollte es keinen eindeutigen Sieger geben. Zusätzlich sorgen sich die Waffennarren vor härteren Regelungen, insbesondere von Schnellfeuerwaffen, die für die Demokraten ein echtes Übel darstellen. In Deutschland würde manche Waffengattung unter die Regelungen des Kriegswaffenkontrollgesetzes (KrWaffKontrG ) fallen. Die Chefs der Waffen-Firmen in den USA hingegen freuen sich über die Nachfrage, man komme mit den Auslieferungen kaum hinterher.

Absonderliche Entwicklungen unter den Reps und Dems

Die eindeutige Positionierung von Demokraten und Republikanern haben in der Vergangenheit zu seltsamen Entwicklungen der Aktienkurse von Waffenfirmen geführt. Unter den acht Jahren von Präsident Barrack Obama stiegen die Aktien von Sturm Ruger um etwa 900 Prozent, weil der Demokrat zwar immer für schärfere Waffengesetze eintrat, dieses im Kongress aber nicht durchsetzen konnte. Unter Donald Trump stieg die Aktie dieser Firma nur um mickrige 16 Prozent, weil sich die NRA der Unterstützung des Präsidenten sicher sein konnte. Jetzt könnte Joe Biden aufgrund der Coronakrise ins Weiße Haus zurückkehren, um die Ideen von Barack Obama in die Tat umzusetzen.

Wozu brauchen die Amerikaner so viele Waffen?

Diese Frage kommt einem sofort in den Sinn, wenn man sich die Statistiken über den Waffenbesitz in den USA betrachtet – eine „kleine“ Privatarmee. 43 Prozent aller Amerikaner leben in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe. Es gibt in den USA 300 Millionen Waffen, Pistolen und halbautomatische Sturmgewehre.

Fazit

Es ist für uns Europäer schon eine schauerliche Vorstellung: Dass es in fast jedem zweiten Haushalt Schusswaffen gibt, dass Millionen von Amerikanern selbst im Handschuhfach ihres Wagens eine Waffe mitführen. Gerade in der jetzigen Situation eines gespaltenen Landes, in dem sich bestimmte Gruppierungen im Lande unversöhnlich und fanatisch gegenüberstehen, bei einem Präsidenten, der vieles gewähren lässt, um es höflich auszudrücken. Dazu die Coronakrise mit ihren wirtschaftlichen Folgen: Gestiegene Waffenkäufe und gestiegene Aktienkurse bei Smith&Wesson und Co, ob das nicht der gefährlichste Teil der Aktienhausse in den USA ist?

Die Coronakrise und die Rally der Aktien der Schusswaffen-Hersteller

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart an der Wall Street – Autos, Banken, Energie: Dreht der Wind?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Gibt es eine Umschichtung von Tech-Aktien eher zu „langweiligeren“ Aktien wie den Autotiteln? Daimler und andere Firmen melden gute Zahlen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen