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Aktienmärkte: Die EZB sollte heute besser nicht enttäuschen!

Heute ist ein wichtiger Tag für die Aktienmärkte, denn die EZB entscheidet über ihre weitere Geldpolitik. Dabei darf sie nicht enttäuschen!

Heute ist ein wichtiger Tag für die Aktienmärkte, denn die EZB entscheidet über ihre weitere Geldpolitik, zu Zeiten einer zweiten Welle von Covid-19. Selten wurde eine weitere monetäre Unterstützung so zeitnah kommuniziert und von den Märkten vorweggenommen. Deshalb darf sich die Präsidentin Christine Lagarde heute keinen Fehler erlauben, auch keinen kommunikativen.

Aktienmärkte und die Bilanzausweitung der EZB

Corona hat eine Entwicklung noch beschleunigt: Das Anleihekaufprogramm, ständig begründet mit der niedrigen Inflation in der Eurozone, die partout nicht zur avisierten 2-Prozent-Marke laufen will, hatte im Jahr 2015 zu einer EZB-Bilanz von zwei Billionen Euro geführt, die dann bis zum Jahresbeginn von 2020 auf drei Billionen Euro gestiegen war. Dann kam Corona und es gab kein Halten mehr. Die vielen Rettungsmaßnahmen haben die Bilanz bis zum heutigen Tag explodieren lassen, auf 6,923 Billionen Euro.

Wie schon von vielen Volkswirten festgestellt: Die EZB-Strategie kompensiert das Fehlen einer Fiskalunion im Euroraum oder von gemeinsam begebenen Anleihen, indem die Vergemeinschaftung der Schulden praktisch über die Zentralbank geschieht. Damit verhindert sie, dass die Fremdkapitalkosten von hoch verschuldeten Ländern außer Kontrolle geraten. Im Frühjahr wurde das Pandemie-Anleihekaufprogramm PEPP mit 750 Milliarden Euro aufgelegt und im Sommer um 600 Milliarden Euro erweitert. Auf der heutigen Sitzung könnte es auch um eine mögliche Ausweitung des bisherigen Pandemie-Programms gehen (600 Mrd.€?). Von den 1,35 Milliarden Euro sind bisher etwas mehr als die Hälfte, insgesamt 750 Milliarden Euro, ausgegeben. Derzeit investiert die Notenbank rund 20 Milliarden Euro pro Woche, bei der bisherigen Geschwindigkeit würde das Geld noch bis Mitte 2021 reichen.

Wundert sich dabei noch jemand, warum die Zinsen in den Mittelmeerstaaten immer noch fallen? Analysten zufolge könnte die EZB das Programm mindestens um ein halbes Jahr verlängern und die Summe entsprechend aufstocken. Die Märkte – auch die Aktienmärkte – fordern so etwas, denn man hofft angesichts der grassierenden Pandemie auf ein weiteres Signal.

Portugals Zinsen, die Schlagzeile der Woche

Es war in dieser Woche im Wirtschaftsteil vieler Zeitungen zu lesen: Die Rendite der portugiesischen 10-jährigen Staatsanleihe war tatsächlich ins Minus gefallen. Ein Land, welches auf dem Weg zu einer Staatsverschuldung von 140 Prozent zum BIP ist und das im Jahr 2011 noch vor dem Staatsbankrott gerettet werden musste. Die Mitgliedschaft zur EU und der Schutzschirm der europäischen Zentralbank sorgen für diese Anomalie. Die EZB kauft ständig portugiesische Anleihen aus dem normalen Anleihekaufprogramm, dazu noch für 15 Milliarden Euro monatlich aus dem Pandemieprogramm. Damit hält die „Retterin der Eurozone“ bereits ein Viertel aller portugiesischen Schulden. Und ewig klingt: „Whatever it takes…!“

Der hohe Wechselkurs des Euro

Obwohl Notenbanken offiziell keine Währungspolitik betreiben, hat es EZB-Chefvolkswirt Philip Lane doch getan. Bereits im September, als der Euro kurzzeitig die Marke von 1,20 Dollar überschritten hatte, warnte er davor einen längere Zeitraum mit einer zu niedrigen Inflationsrate hinzunehmen.„Eine länger dauernde Phase mit einer noch niedrigeren Inflationsrate zu tolerieren als ursprünglich angenommen, wäre kostspielig und riskant“, sagte der Ire. Denn dann würden auch die Inflationserwartungen fallen und sich sogar auf einem tieferen Niveau festschreiben. Jetzt ist die Inflationsrate im Euro-Raum mittlerweile den vierten Monat in Folge negativ ausgefallen und liegt aktuell bei minus 0,3 Prozent, himmelweit entfernt vom Zielkorridor. Zusätzlich hat der Euro zum Dollar seit Jahresanfang um acht Prozent aufgewertet und liegt bereits einige Tage über der Marke von 1,21. Der Effekt ist natürlich bei dem Importpreisen feststellbar und unangenehm für die EZB ist auch die Geschwindigkeit der Aufwertung.

Was könnte die EZB noch tun?

Bereits im Vorfeld spekulierte man über die Maßnahmen der EZB, um die Export-schädliche Aufwertung des Euro zu stoppen und um die finanzielle Repression im Euroland weiter voranzutreiben. Was natürlich nicht offiziell genannt wird, nämlich der gewünschte Anstieg der Inflation bei gleichzeitig niedrigsten Zinsen. Denn nur eine möglichst große (und tolerierbare) Differenz ermöglicht die relative Entschuldung der Staaten: Bei einem Wachstum des BIPs und der Ankurbelung des Konsums der Geldsparer, bei gleichzeitig niedriger Zinslast für die Staatshaushalte. Vorbild ist das Prozedere in den USA und Großbritannien nach dem zweiten Weltkrieg mit der hohen Kriegsverschuldung.

Eine weitere Leitzinssenkung wird nicht mehr groß diskutiert, der Effekt ist nach den japanischen Erfahrungen zu vernachlässigen.

Aber das Notprogramm PEPP ist nicht so streng reguliert, so dass die EZB auch griechische Staatsanleihen kaufen könnte, die mit ihrem Schrott-Status nicht erworben werden durften. Die EZB könnte den Banken unter die Arme greifen, indem sie die Langfristkredite an die Finanzindustrie (TLTROs) noch einmal attraktiver macht. Zudem könnte der Freibetrag für die Geschäftsbanken erhöht werden, für den sie keine Minuszinsen zahlen müssen.

Wer glaubt, dass die Entwicklung der Impfstoffe und deren zeitnahe Verabreichung an Millionen Menschen die EZB zu Zurückhaltung animieren könnte, hat die Aussagen von Chefvolkswirt Lane überhört. Denn dieser sprach erst kürzlich davon, dass die sukzessive Verimpfung der Bürger bereits Teil des Szenarios der EZB sei.

Fazit

Der Anstieg der Aktienmärkte – oder soll man beim Dax eher von seiner Stabilität sprechen – beruht natürlich zu einem Großteil auf dem ständigen Agieren der Zentralbanken und hier speziell der Europäischen Notenbank. Auch als noch konkret von keiner Impfung die Rede war und von einem Anspringen der Konjunktur im Jahr 2021. Das ständig weiter „nach-unten-Drücken“ der Anleihezinsen in Europa – selbst in hoch verschuldeten Südstaaten, manche nennen es Marktmanipulation – hat zu einer Ausnahmesituation geführt. Angebot und Nachfrage bestimmen normalerweise das Geschehen an den Märkten, insbesondere zwischen den beiden Hauptanlageklassen Anleihmärkte und Aktienmärkte.

Wenn aber selbst eine portugiesische 10-jährige Staatsanleihe im Minus notiert, was bleibt vielen Kapitalsammelstellen dann anderes übrig, als in die Aktienmärkte zu investieren – Bewertung hin oder her. Die Verschuldung der Staaten steigt infolge Corona stetig weiter an, ein Zinsanstieg kann nur durch Zentralbankkäufe verhindert werden. Das ist das ganze Dilemma, kurz zusammen gefasst und deshalb kommt den beiden Notenbanksitzungen im Dezember (10. und 16.12.) eine große Bedeutung zu. Enttäuscht man die Aktienmärkte, könnten sich tatsächlich einige Großanleger daran machen, einige Chips vom Tisch zu nehmen und Gewinne zu realisieren.

Bei einem großen deutschen Nachrichtensender nannte man es so: „Die Aktienmärkte setzen auf ein dickes Weihnachtsgeschenk.“ Santa Claus (Christine Lagarde) darf nicht enttäuschen.

 

Die Aktienmärkte hoffen auf die EZB



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