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Aktienmärkte: Die globalen Veränderungen seit der Impfstoffmeldung

100 Billionen Dollar Marktkapitalisierung, ein neues Allzeithoch in der Bewertung der Aktienmärkte! Das ist eine unglaubliche Summe, aber dass dies im jetzigen Aufwärtstrend kommen würde, war auch zu erwarten: Der Dow Jones steht aktuell bei 30.000 Punkten, vor 25 Jahren hatte er erst die 5000-Punkte-Marke erklommen. Von seinen 41 Punkten während der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1932 erst gar nicht zu reden. Aber es sind nicht nur die USA mit ihrem opulenten Anteil an der Weltmarktkapitalisierung, die den Wert so hoch getrieben haben. In vielen Teilen der Erde geht es aufwärts, die Aussichten auf ein Ende der Pandemie durch Massenimpfungen beflügelt in vielen Regionen die Kurse.

Aktienmärkte: Der plötzliche Anstieg der Euphorie

Viele schütteln momentan den Kopf über den Anstieg des Angstbarometers Fear&Greed, der sich seit Tagen an der 90-Punkte-Marke bewegt, extreme Gier, gepaart mit großer Sorglosigkeit.

Die Hoffnung auf eine gravierende Verbesserung der Lebensumstände zerstreut viele Bedenken. Aber das ist zum Teil nachvollziehbar, man stelle sich nur vor, es hätte bei der Spanischen Grippe (von 1918 bis 1920 in drei Wellen), die zwischen 20 und 50 Millionen Menschenleben (geschätzt) gekostet hat, bei einer Weltbevölkerung von 1,8 Milliarden Menschen, plötzlich Aussicht auf Impfstoff und Rettung gegeben – auch damals wäre der Optimismus explodiert.

Dass aus Hoffnung Zuversicht und anschließend Gier wird, ist nichts Neues und Teil der menschlichen Psyche. Vor gut vier Wochen lag das Stimmungsbarometer des Fear&Greed Index noch bei 34 Punkten, auf dem Weg zur extremen Angst. Natürlich lässt sich eine extreme Euphorie der Aktienmärkte mit gehebelter Spekulation nicht auf Dauer aufrechterhalten. Die Frage ist wie immer Zeitpunkt und Auslöser.

Marktreaktionen rund um den Globus

Nicht nur der Weltindex S&P 500 hat im Monat November geglänzt und mit plus 10,4 Prozent die zweitstärkste Performance seit 1928 hingelegt. Unser Dax war mit plus 15 Prozent voran, aber noch stärker legten die Nebenwerte zu, wo allein der US-Index Russel 2000 von Ende Oktober mit 1536 Punkten auf 1892 (Wochenschluss) gestiegen ist. Interessant ist aber auch der absolute Vergleich von Indizes, wie sie sich vom Corona-Tief am 23. März bis zur Vorwoche entwickelt haben. Hier das Ranking (Quelle Bespoke, auf Dollarbasis):

Russel 2000 plus 90,51 Prozent
Midcap 400 Growth plus 87,22 Prozent
Midcap 400 Value plus 86,03 Prozent
Smallcap 600 Growth plus 84,08 Prozent
Nasdaq 100 plus 79,90 Prozent
S&P 500 Equalweight plus 78,90 Prozent
S&P 500 plus 67,27 Prozent
Dow Jones plus 64,76 Prozent

Länderindizes:

Australien plus 86 Prozent
Indien plus 81 Prozent
Kanada plus 79 Prozent
Brasilien plus 75 Prozent
Mexiko plus 72 Prozent (alle auf USD-Basis)

Segmente:

Materials plus 89,11 Prozent
Industrials plus 84,47 Prozent
So schnell kann eine Rotation ablaufen, vor Kurzem war Technology noch absolut unangefochten on Top.

Aber es geht auch im Dezember weiter, besonders auffällig waren dabei die Länderindizes von Spanien, Großbritannien, Russland und Brasilien, die allein in den ersten Dezembertagen bereits schon wieder um sechs bis fast neun Prozent zugelegt hatten. Was haben diese Länder gemein? Sehr hohe Coronazahlen und damit besonders große Hoffnungen auf ein Ende der Pandemie.

Russel 2000, der derzeitige Ausdruck für Euphorie

Es wurde bereits schon in vielen Kommentaren dargestellt, dass die derzeitige Euphorie der Aktienmärkte nach einer Abkühlung schreit. Ob überbordender Call-Spekulation, extremer Zuflüsse in Aktien, fehlender Absicherung und vieles mehr – oder einfach das Bild, welches der Nebenwerte-Index Russel 2000 abgibt. Wie schon aus obiger Aufstellung zu vermuten ist, führt dessen Marktbewegung, der Trend zu Midcaps, zur kurzfristig größten (Index)Blase. Eine Korrektur der Aktienmärkte könnte von dort ausgehen, wäre mehr als gesund und jederzeit möglich, trotz meiner Erwartung eines positiven Jahresausklangs. Denn an der Feststellung des besonderen Drucks für die aktive Fondsbranche im Coronajahr 2020 hat sich nicht viel geändert. Viele Fonds liegen hinter der Benchmark zurück und die reduzierte Cashquote hat weltweit immer noch ein Volumen von vier Billionen Dollar.

Fazit

Sollten sich die Hoffnungen, die mit der Massenimpfung gegen Covid-19 verbunden sind, als berechtigt erweisen, könnte der 9. November 2020 tatsächlich ein Game Changer für die Aktienmärkte in vielen Bereichen gewesen sein. Zum Beispiel für eine dauerhafte Rotation von Growth zu Value, die es in den vergangenen sieben Jahrzehnten immer wieder gegeben hat. Das Comeback der Luftfahrtindustrie, die im ersten Halbjahr in vielen Regionen einen Einbruch von 70 Prozent des Passagieraufkommens verkraften musste oder auch beim Tourismus.

Wann hat es hier eine derartige Baisse außerhalb von Weltkriegen gegeben? Bleiben wird natürlich auch mit Impfung die Schuldenthematik, die Zins- und Inflationsgeschichte und kurzfristig natürlich die Themen Euphorie und Gier der Aktienmärkte. Wieder einmal kommt der Spruch (vielleicht auch nur kurzfristig) an den Börsen zur Geltung, im Sinne von FOMO: „Es ist für die Seele sehr bedrückend, einen Freund reich werden zu sehen.“ Kennt David Portnoy diese Redewendung?

Was bedeutet der Impfstoff für die Aktienmärkte?



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