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Bullenmarkt im Spätzyklus Aktienmärkte: Die größte Falle der Finanzgeschichte ist gestellt

Aktienmärkte: Die größte Falle der Finanzgeschichte ist gestellt
Grafik: ChatGPT

Angetrieben vom Boom rund um künstliche Intelligenz eilen die US-Aktienmärkte von Rekord zu Rekord. Doch während die Aktien im S&P 500 weiter Kapital anziehen, mehren sich zugleich die Warnsignale aus der Realwirtschaft. Ausgerechnet in dieser Phase setzt die Fed mit sinkenden Zinsen neue Anreize für Risikoanlagen und liefert damit frischen Treibstoff für einen Bullenmarkt, der zunehmend nach Spätzyklus aussieht. Die Frage ist nicht mehr, ob die Stimmung kippt, sondern wann – und ob Anleger bis dahin noch einmal auf der Welle der Euphorie mitreiten oder den Absprung rechtzeitig schaffen.

Aktienmärkte: Bullenmarkt im Spätzyklus

Bravos Research zieht in ihrem neuen Video mit dem Titel „Die größte Falle in der Finanzgeschichte ist gestellt“ Parallelen zwischen dem aktuellen Bullenmarkt und den Phasen vor dem Platzen der Dotcom-Blase sowie der Finanzkrise. Ähnlichkeiten sind unübersehbar – doch ein entscheidender Unterschied könnte dazu führen, dass die Rekordjagd an den US-Aktienmärkten noch eine Weile weitergeht.

Während 2025 rund 20 Milliarden US-Dollar in den Vanguard S&P 500 ETF geflossen sind und sich die Zuflüsse in den US-Leitindex insgesamt auf etwa 125 Milliarden US-Dollar summieren, zeigen sich am US-Arbeitsmarkt zugleich deutliche Risse. Mit 1,2 Millionen angekündigten Stellenstreichungen erreicht die Zahl der Layoff-Meldungen den höchsten Stand seit 2020. Die Arbeitslosenquote steigt auf 4,6 Prozent und aktiviert damit die sogenannte Sahm-Rule – einen Frühindikator, der historisch häufig zu Beginn einer Rezession anspringt. Für Investoren ist das ein Warnsignal: In der Vergangenheit gingen steigende Arbeitslosigkeit und die heftigsten Rückgänge an den Aktienmärkten oft Hand in Hand.

Aus dieser Perspektive wirkt der massive Kapitalstrom in die Aktienmärkte wie ein Lehrbuch-Beispiel für „Dumb Money“, das ausgerechnet am möglichen Peak des Bullenmarktes zugreift. Privatanleger kaufen Aktien, während die Konjunktur bereits in Richtung Abschwung kippt. Bravos Research betont jedoch, dass dieses Muster nicht zufällig entsteht, sondern vom System geradezu befördert wird. Sobald Wachstum und Beschäftigung nachlassen, reagiert die Fed typischerweise mit Zinssenkungen. Das schmälert die Attraktivität von Cash und lenkt Kapital in riskantere Anlagen wie Aktien, Immobilien oder Krypto – häufig genau in einer späten Marktphase.

Als historische Parallelen nennt Bravos Research sowohl die Dotcom-Ära als auch die Zeit vor der Finanzkrise: 2007 senkte die Fed die Zinsen, der S&P 500 setzte seine Rekordjagd fort, obwohl die Arbeitslosigkeit bereits nach oben drehte. Gleichzeitig explodierte die Margin Debt – bevor die Krise den Markt schließlich einholte.

S&P 500: teuer, aber nicht am Ende

Heute wird das hohe Bewertungsniveau vieler Technologiewerte – befeuert vom Boom rund um künstliche Intelligenz – zum zusätzlichen Risikofaktor für die Aktienmärkte. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 liegt laut Bravos Research bei etwa 22,5 und damit in einem der teuersten Bereiche der Historie. Die Analysten verweisen auf den langfristigen Zusammenhang zwischen Bewertung und Rendite: Wer auf diesem Niveau einsteigt, muss statistisch mit einer Zehnjahresrendite nahe null rechnen. Kurzfristig ist das Bild jedoch deutlich weniger eindeutig – hohe Bewertungen schließen eine Fortsetzung der Rally im kommenden Jahr nicht aus.

Aus genau dieser Gemengelage leitet das Team die Notwendigkeit einer aktiveren Strategie ab: Passives Investieren bleibe ein solides Fundament, doch ergänzend könne ein systematischer Ansatz zur Titelauswahl und Risikosteuerung in den nächsten Jahren die besseren Ergebnisse liefern.

Entscheidend für die aktuelle Marktphase seien zudem die robusten Unternehmensgewinne. Anders als die steigende Arbeitslosigkeit erwarten lässt, beschleunigt sich das Gewinnwachstum im S&P 500. Vor allem der Technologiesektor sticht hervor: Er dürfte 2025 rund 21 Prozent Gewinnwachstum erreichen – weil Unternehmen massiv in KI investieren, eine Dynamik, die Bravos Research mit der Internet-Euphorie der späten 1990er Jahre vergleicht. Deshalb sei 1999 als Parallele zur aktuellen Marktsituation plausibler als 2008. In dieser Logik könnte das Ende des Bullenmarkts aber erst dann näher rücken, wenn die Fed wieder auf Zinserhöhungen umschwenkt – und nicht bereits während der aktuellen Phase sinkender Zinsen.

Unterm Strich: Der Bullenmarkt mag spätzyklisch sein, doch fallende Fed-Zinsen und die anhaltende KI-Euphorie könnten der Rally an den Aktienmärkten noch etwas Laufzeit und Luft verschaffen.



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8 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Eine Jahresendralley sieht anders aus…Herr Jäger…

    Eine solche hatten wir zum Beispiel um die Jahrtausendwende…DAX Performance Index von um die 5000 im September 99.. auf über 8100 im März 00…

    Jetzt stürzen sich die Spekulanten auf die Edelmetalle…Gold und Silber…Platin und Palladium…

    Viel läuft heute über Optionen und Derivate…50er..60er..70er ..Hebel…alles kein Problem….

    Die Bullen werden versuchen die runden Marken von 5000 beim Gold und 100 bei der Feinunze Silber zu erreichen….

    Im Gold und Silber sind gegenwärtig über 35,5 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung gebunden…

    Dazu kommen noch die restlichen Edelmetalle und natürlich auch Kupfer…Alles in allem eine Blase…sicher…nur wissen Sie uns ich..nie… wann diese platzen… .
    Das haben diese nunmal so an sich…
    Alles in allem sind die Notenbanken doch selbst dran schuld…mit ihrer Art der Geldpolitik ….fördern Sie die Inflation….und damit die Spekulation… .
    Wissen Sie was Paul Volcker 79 zu Jimmy Carter sagte im Sommer 79…? „Ich habe keine einzige Aktie und bin sogar sehr stolz darauf..denn nur das macht mich für die kommenden Aufgaben unabhängig…“…
    Paul Volckers Geldpolitik ist Ihnen bekannt oder…? Wenn nicht…bitte googeln… .

  2. Alles wiederholt sich…ob wir es anerkennen wollen, oder nicht. Solange die aufgerufenen Preise für ein Gut bezahlt werden, scheint sich zu bestätigen, das es dieses Mal vielleicht doch anders ist. Diese letzte Hoffnung ist es die uns jeden Tag “ handeln“ lässt! Aber trotzdem glaube ich der Geschichte, das es alles schon Mal gegeben hat, auch die noch zu erwartenden “ Niederlagen“… Das macht uns Menschen aus! Bis zuletzt…. glauben….und wenn der „Reset“ kommt… werden wir sehen, wie vergänglich auch der Glaube sein kann…und doch hat es die Menschheit überlebt…

  3. “ In dieser Logik könnte das Ende des Bullenmarkts aber erst dann näher rücken, wenn die Fed wieder auf Zinserhöhungen umschwenkt – und nicht bereits während der aktuellen Phase sinkender Zinsen.“

    Ja wenn das mal eine Phase wird. Was die da treiben, inkl QE (wenn es so heißt), könnte die Inflation stark anheizen und die FED zu einer Wende mit quietschenden Reifen nötigen.

    Mich erinnert das Gesamtbild eher an die späten 70er. Energiekrise mit starker Inflation, die Leitzinsen wurden stark angehoben. Natürlich mit Unterschieden Die Rolle von Öl hat Elektrizität übernommen. Es gibt massenhaft Menschen, immer neuer Wohlstand. Es gibt immer mehr Geld, die ersten Rohstoffe erschöpfen sich.

    Generell würde ich aber eher sagen, das ist mit nichts von dem dagewesenen richtig gut vergleichbar.

  4. Silber ist physisch knapp und der Preis wurde seit Jahren durch das Papiersilber gedrückt. Inzwischen wollen aber alle physische Lieferung und die Comex kann nicht liefern, auch weil Shanghai höhere Preise bietet. Der Arbitragehandel würde die Preise normalerweise angleichen aber die Tresore in New York sind leer. Shanghai akzeptiert kein Papiersilber, nur echtes. Im Westen sind viele short und ihre Verluste wachsen. Die Fed musste schon 17Mrd geben damit die Banken die Margins bedienen können. JP Morgan hat es gesehen, über 3Jahre physisch gehortet und jetzt ihre Shorts aufgelöst.
    Der Papier-Markt ist tot, jetzt zählt nur noch physisch und China saugt alles auf. Der Westen ist in eine Falle gelaufen. Gestern 10% war nur der Auftakt, Silber bekommt jetzt den realen Marktpreis, die Manipulation ist vorbei.

    1. @Frank, danke, guter Kommentar. Aber ist es nicht so, dass jetzt das „Papiersilber“ sogar die Preise mit nach oben treibt. Fragt sich nur wo die Fahnenstange endet und wie weit die Übertreibung in die andere Richtung geht.

  5. bei den Preisbewegungen wäre eine weitere Marginanhebung nächste Woche logische Folge.

    Leider sind die COT Daten vom 16. halt schon älter.

    Möglich dass eine signifiknt hohe Menge spekulativer Player, also entgegen klassisches hege, im Stress sind.

    Ich sehe eine Analogie zum Palladium. Zwar ist der industrielle Einsatz deutlich breiter und die Menge in der Erdkruste höher, dennoch ähnliche Markanomalie: Nicht genug da.

  6. Anfangs 70er-Jahre waren die Schweizer Geldmünzen noch aus Silber. Ein 2-Franken Stück war am Silbermarkt mehr wert….
    Händler kauften die Münzen zum Nominalwert auf und schmolzen sie ein, um das Siber dann zum realen damaligen Marktwert gewinnbringend zu verkaufen.
    Nichts Neues unter der Sonne….

  7. Mal sehen, wann die Comex oder die LBMA auf das angeblich physisch hinterlegte Silber zugreifen werden.
    Oder z.B. Physical Silver ETC, Xtrackers, iShares und WisdomTree, da Anleger rechtlich Gläubiger bleiben und nicht direkt Eigentümer des Silbers werden.
    Dann werden die Anleger unter Marktwert mit bunten Zetteln abgespeißt, während der Silberpreis weiter steigen wird.
    Wichtig ist, Edelmetalle immer als Sondervermögen auf den eigenen Namen mit Barrennummern einzulagern.
    Auch nicht in dem Land, dessen Staatsangehörigkeit man hat, und auch nicht im Wohnland.
    Ich denke, wer es jetzt noch schafft, sich als Anleger sein Silber ausliefern zu lassen, hat Glück gehabt.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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