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Aktienmärkte: Die große Gefahr kommt von BigTech

Aktienmärkte und die Gefahr durch Big Tech

Kein Tag, keine Stunde vergeht, wo nicht vor der sich anbahnenden Krise gewarnt wird: Energiekrise, Versorgungskrise, Engpässe und Mangel an allen Ecken und Enden und das Risiko einer kommenden Phase der Stagflation – aber warum sind die antizipierenden Aktienmärkte nicht schon viel stärker gefallen? Wo man sonst jede Gewinnwarnung so gnadenlos abstraft, zumindest in den USA. Es liegt an einem Sektor, der die letzten Jahre die Indizes in die Höhe gehievt hat und sie dort auch verharren lässt – BigTech. Der Faktor Energie zum Beispiel fristet neben den Big Five ein wahres Schattendasein. Aber darin liegt auch die große Gefahr für die Märkte.

Aktienmärkte: 2021, bisher ein Jahr ohne Kurskapriolen bei Indizes

Es sind nur noch gut 55 Handelstage für die Aktienmärkte bis zum Jahresultimo, die Wirtschaftsnachrichten wurden gerade in letzter Zeit immer schlechter und dennoch gibt es bei den großen Indizes bisher nicht mehr als milde Korrekturen. Beim S&P 500 sah man schon sieben von neun Monaten steigende Notierungen und die beiden Verlustmonate waren nicht der Rede wert. Zwischen minus 1,11 und 4,76 Prozent.

Man kann es angesichts der seit Jahrzehnten nicht mehr gesehenen Inflationsdaten, dem nahenden Ende der opulenten Geldversorgung durch die US-Notenbank und allen möglichen Krisen kaum glauben. Selbst eine Jahrhundertübersicht von Fidelity verdeutlicht das bisher sehr rückschlagssarme Jahr.

Aktienmärkte drawdowns 2021

Aber was hält die Indizes in diesen Höhen, trotz ständiger Rotation? Natürlich die sogenannten Big Five (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Facebook) die alleine schon neun Billionen Dollar an Marktgewichtung aufbringen. Der jüngste Zinsanstieg bremst die Wachstumswerte bereits ein, neben einigen regulatorischen Schwierigkeiten. Erst gestern gab es infolge des erhöhten Zinsniveaus und der großen Preisanstiege bei Energie und den Finanzwerten zunächst neue Jahreshochs in diesen Sektoren. Technologie (gesamt) hingegen lag dabei 4,7 Prozent gegenüber den 52-Wochenhochs im Minus.

Aber sollte es zu einem weiteren Anstieg der Renditen kommen, geht genau von diesen Aktien die große Korrekturgefahr aus. Es ist im Prinzip keine Besonderheit der Gegenwart, schon öfters in der Historie der Wall Street haben eine Handvoll Aktien die Indizes dominiert – und dann nach unten gezogen, wie diese Übersicht im Tweet von Thomas Callum zeigt.

Aktienmärkte und die Big FiveWie bereits in mehreren Artikeln angedeutet, zuletzt am Donnerstag letzter Woche – in dem Artikel „FAANG-Aktien: Kommt jetzt die große Rotation?“ – ist von allen Risiken für die Aktienmärkte das Risiko einer Korrektur von BigTech das Bedeutsamste. Wenn nur wenige Aktien bereits fast ein Viertel der Marktkapitalisierung eines Index ausmachen, allein fünf Aktien einen Wert von neun Billionen Dollar repräsentieren. Alle 5000 Aktien der USA im Wilshire 5000 haben in diesem Herbst eine Marktkapitalisierung von 50 Billionen Dollar erreicht, fast ein Viertel davon durch die Big Five, die seit der Finanzkrise zum Teil über 5000 Prozent an Zuwächsen erzielt haben.

Da verblasst selbst der S&P 500 mit seinen etwa 600 Prozent Kurszuwachs in der Spitze. Der Marktwert dieser Big Five repräsentiert im Übrigen derzeit den Wert aller amerikanischer Aktien im Tief der Finanzkrise, im März 2009.

Ergo: Ohne eine Erholung der Big Five dürfte es keine Jahresendrallye geben – und mit schwachen BigTech-Werten hingegen eine größere Korrektur. Für die Aktienmärkte ist das eine größere Gefahr als hohe Preise und Verorgungsengpässe – höhere Zinsen sind das Damoklesschwert für die Indizes!



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