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Aktienmärkte: Die große Lücke bei den Gewinnerwartungen

Die Entwicklung des Jahres war bisher äußerst ungewöhnlich, ganz anders als es die Analyseabteilungen in den Großbanken vorhergesagt hatten..

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Mit Spannung warten die Aktienmärkte nicht nur an der Wall Street auf den Beginn der Berichtssaison für das zweite Quartal 2019. Die Entwicklung des Jahres war bisher äußerst ungewöhnlich, ganz anders als es die Analyseabteilungen in den Großbanken vorhergesagt hatten.

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Aktienmärkte: Die Vorhersagen zu Jahresbeginn

Zu Beginn des Jahres hatte man ein ganz schwaches erstes Quartal erwartet, mit negativen Unternehmensgewinnen, eine Erholung in Q2, die sich im Jahresverlauf verbessern und in einem ganz starken vierten Quartal münden sollten, schon fast den Wachstumspfad des Vorjahres wieder anstrebend. Es kam bisher anders. Das erste Quartal überraschte die Aktienmärkte mit positiven Unternehmensgewinnen und einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (annualisiert) von sagenhaften 3,1 Prozent. Jetzt spricht man aber plötzlich von einer „Earnings Recession“ im zweiten Quartal, von einem Negativwachstum in Q2.

Die derzeitigen Erwartungen für den Verlauf des Jahres.

Gewinne für den S&P 500:

Q1 plus 1,6 Prozent
Q2 minus 0,3 Prozent
Q3 plus 0,3 Prozent
Q4 plus 6,8 Prozent

Auffällig, die immer noch starke Hoffnung auf den großen Swing nach oben im vierten Quartal. (Deutet der jüngst stark gestiegene Frühindikator Baltic Dry Index tatsächlich etwas an?) Daraus sieht man aber auch, wie weit die Kurse der Aktienmärkte den Unternehmensgewinnen in den ersten sechs Monaten vorausgelaufen ist. Ein Anstieg der Börsen von über 19 Prozent bei fast „flattish“ (flach) verlaufenden Gewinnen. Das spiegelt auch das aktuelle KGV für den Leitindex der Welt wieder: 17,5 und damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 15,5 bis 16.

Die kurzfristige Sektorentwicklung im S&P 500

Betrachtet man die Einzelwerte, so muss man feststellen, dass die ganz großen Treiber der Rally für Dow und S&P 500 der Kreditkartenriese VISA und der Sofortwarekonzern Microsoft waren, die größten Verlustbringer 3M, Goldman Sachs und Caterpillar – ein deutlicher Fingerzeig auf die Weltkonjunktur. Berücksichtigt man aber die Sektoren im S&P 500, der seit dem 1. Mai um gut zwei Prozent geklettert ist, über die 3000-er Marke, so kann man aber bereits eine gewisse Vorsicht der Investoren erkennen.

Industrie unverändert, Energie minus drei Prozent und Transportwerte minus vier Prozent, also Vorsicht bei den Zyklikern. Die defensiven Sektoren wie Pharma plus vier Prozent, Versorger plus drei Prozent und Immobilien plus drei Prozent wurden hingegen übergewichtet. Es scheint so, als ob sich doch nicht alle Anleger blind in die Wachstumsphantasie gestürzt haben.

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Fazit

Was ist also in den nächsten Tagen zu erwarten? Die großen US-Banken werden sicherlich ihre Erwartungen vorher angepasst haben, um nicht negativ zu überraschen. Wer sonst kennt sich mit den Börsen-Mechanismen besser aus, als die Geldinstitute?

Hinzu kommt, dass es in den letzten Monaten einen richtigen Hype um IPOs in den USA gab, von Uber, Lyft bis Beyond Meat, mit riesigen Volumina. Davon dürften die Emissionsbanken wie Goldman Sachs, JP Morgan und Co profitiert haben. Anders die Exportwerte, denen zum einen der starke Dollar zu schaffen gemacht hat und zum anderen der einbrechende Export infolge der Schwäche der Weltkonjunktur. Hat nicht China erst am Freitag einen Importrückgang aus den USA von 33 Prozent gemeldet? Dort liegt aus meiner Sicht das negative Überraschungspotenzial. Die Schwäche der Weltwirtschaft wird sich auch in den USA manifestieren, noch nicht im Konsum- und Dienstleistungssektor, aber im Industriebereich.

Damit kommt man zur immer gleichen Schlussfolgerung, wie in den Vorwochen. Die Zinssenkungsphantasie ist das eine, das für die „süchtigen“ Aktienmärkte Elektrisierende. Das andere ist aber die Weltwirtschaft mit ihren Abschwächungstendenzen und damit sind wir wieder beim Handelsstreit. Eine weitere Eskalation würde auch die US-Konsumökonomie betreffen und das „Hoffnungsszenario“ für Q4 Makulatur werden lassen. Der „große Blonde, oder soll man eher der Graublonde schreiben?“, hat Vieles in der Hand und das macht das Jahr 2019 so unberechenbar, wie kaum ein Jahr zuvor in der jüngsten Vergangenheit.

 

Die Aktienmärkte warten auf die US-Berichtssaison

Wall Street

By Emmanuel Huybrechts from Laval, Canada – Wall Street, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24768136

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