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Aktienmärkte: Die Renaissance der Nebenwerte – dauerhaft?

Spätestens nach dem 9. November und der Pfizer-Impfstoff-Meldung haussieren mit den Nebenwerten die vorherigen Verlierer der Aktienmärkte!

Wolfgang Müller

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Spätestens nach dem 9. November und der Pfizer-Impfstoff-Meldung haussieren die vorherigen Verlierer der Aktienmärkte. Nun aber  ist er wieder öfters im Gespräch, der Russel 2000, der Sammelindex für die Nebenwerte in den USA. Er haussiert seit der großen Impfstoffhoffnung und konnte sein Hoch aus dem Herbst 2018 überwinden, weil sich natürlich viele sogenannte Value-Werte in ihm befinden. Eine etwas absonderliche Bezeichnung für zahlreiche Titel, die man auch unter dem Begriff „Zombies“ einordnen könnte, weil sie nur wegen der niedrigsten Zinskosten am Leben gehalten werden können. Doch welche Bedeutung hat der Nebenwerte-Index überhaupt für die Aktienmärkte der USA oder auch bei globalen Indizes?

Aktienmärkte: S&P 500, der große Wal

Betrachtet man sich den gesamten US-Aktienmarkt, so könnte man schon etwas in Schleudern geraten. Der US-Markt ist mit seinen über 40 Billionen Dollar Marktkapitalisierung unglaublich riesig, auch im Verhältnis zur Welt-Marktkapitalisierung, die in diesem Jahr bereits über 98 Billionen Dollar gestiegen ist. Dies schlägt sich natürlich auch in der Gewichtung des Weltindex MSCI World mit seinen 1650 Aktien nieder. Der US-Anteil liegt aktuell bei 66 Prozent. Wer den Weltindex kauft, kauft die USA, so könnte man es salopp formulieren. Und dabei in erster Linie das Dickschiff, den S&P 500. Dieser Leitindex ist der mit Abstand größte Aktienindex in der Welt und repräsentiert etwa 75 Prozent der US-Marktkapitalisierung. Hier beginnt das Verwirrspiel, denn die großen FANGMAN-Titel, also Amazon, Apple und Co, die bereits über 25 Prozent an Gewicht im Index bringen, sind teilweise zugleich auch in anderen Indizes vertreten. Aus diesem Umstand ergibt sich folgende Marktkapitalisierung der Aktienmärkte in den USA zum gestrigen Stand:

S&P 500: Marktkapitalisierung 27,34 Billionen Euro, umgerechnet 32,8 Billionen Dollar
Dow Jones: Marktkapitalisierung 7,92 Billionen Euro – 9,5 Billionen Dollar
Nasdaq: Marktkapitalisierung 12,96 Billionen Euro – 15,55 Billionen Dollar
Allein die Addition ergäbe schon über 52 Billionen Dollar.

Und was bleibt da für die Nebenwerte im Russel 2000? Dieser repräsentiert in etwa 10 Prozent der US-Marktkapitalisierung. Die aktuell höchste Gewichtung haben folgende Titel:

Novocure Ltd – Medizin&Geräte – 0,39 Prozent
Arrowhead Pharmaceutical – Biotec&Pharma – 0,33 Prozent
Haemonetics Corp – Medizintechnik&Geräte – 0,31 Prozent
Generac Holdings Inc – Elektrotechnik- und Elektroindustrie – 0,30 Prozent

Aktien, die hierzulande nicht besonders bekannt sein dürften. Der Russel 2000 stieg im November um etwa 20 Prozent und lief in eine Überhitzung hinein, die für manche Beobachter schon als sicheres Anzeichen für ein Korrektur gewertet wird.

Aber spielt das für das Börsengeschehen die große Rolle? Der Wechsel von Growth zu Value hat eher eine große Bedeutung im Dow Jones, der mit seinem Anstieg von 12 Prozent den großen S&P 500 abhängen konnte.

So war im November im US-Index Dow Jones der Flugzeugbauer Boeing der stärkste Gewinner, gefolgt von alten Industriewerten wie dem Ölkonzern Chevron, dem Mischkonzern Honeywell oder dem Chemiekonzern Dow. Stark auch die Dow Jones-Werte aus dem Bankensektor wie Goldman Sachs, JPMorgan oder auch der Kreditkartenanbieter American Express. Das waren im November die großen Profiteure, mit Zuwächsen zwischen knapp 50 Prozent bei Boeing und 22 Prozent bei Dow.

Hier eine Übersicht, die zeigt, wie die zyklischen Werte aus einer Rezession herauskommen.

Die Aktienmärkte und typische Rotationen

Der heiß gelaufene Russel 2000 dürfte auch im Falle einer Korrektur nicht die ganz große Rolle für die Aktienmärkte spielen.

Der Blick nach Deutschland

Auch hierzulande gibt es die Unterteilung der Aktienindizes nach der Unternehmensgröße. Stand am 1.12. 2020:

Dax: 1,22 Billionen Euro

MDax: 469 Milliarden Euro

TechDax: 383 Milliarden Euro

SDax: 116 Milliarden Euro

Hier sieht man, dass es auch in Deutschland das Thema Mehrfachl-Listung gibt, denn die Marktschwergewichte SAP und Deutsche Telekom sind sowohl im Dax als auch im TechDax enthalten, dessen Gewicht ohne diese beiden Werte bereits deutlich geringer wäre. Aber auch hierzulande gilt, dass sich eine Hausse der Nebenwerte nicht allzu sehr im Gesamtmarkt bemerkbar machen würde. Für Langfristanleger spielen die Nebenwerte-Segmente schon eine größere Rolle, denn diese sind seit der Finanzkrise etwa doppelt so stark gestiegen als der Dax. Viel flexibler als die Dickschiffe, aber umso sensibler bei einer Korrektur.

Fazit

Der gewaltige Anstieg des Nebenwerte-Index Russel 2000 im Monat November ist eindeutig seiner langen Underperformance geschuldet: Value in diesem Bereich lief eindeutig schlechter als die Techwerte, besonders im Coronajahr 2020. Aber, wie die Grafik gezeigt hat (siehe oben), erholen sich Value oder zyklischen Aktien ganz besonders, wenn ein Land aus der Rezession kommt – und dies dürfte auch in den USA nach der Bekämpfung der Pandemie der Fall sein. Ein Anstieg ist umso größer, desto stärker vorher der Abstieg gewesen ist. Wie immer aber gibt es allgemeines Staunen bei einer solch heftigen Wende. Der Index ist kurzfristig heißgelaufen, aber durch seine niedrige Gewichtung im Bereich der Aktienmärkte der USA würde eine Korrektur den Gesamtmarkt nicht so nach unten reißen – es wäre eher das psychologische Moment.

Ja, und was die schlechte Kreditwürdigkeit und das BBB-Anleiheproblem betrifft, da gibt es noch die Federal Reserve, den anderen großen Wal, aber im Anleihebecken.

Die Nebenwerte sind im November die großen Gewinner der Aktienmärkte

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Fertig TinA

    2. Dezember 2020 10:27 at 10:27

    Ja die früher oft erwähnte GROSSE BBB – Bombe dessen Zündschnur nur verlängert wurde,haben wir schon fast vergessen. Sie könnte mit den aufgeschobenen Firmenpleiten wieder zutage treten..
    Übrigens die vielgerühmte TinA trifft mindestens auf US Aktien auch nicht mehr zu, denn Dividdnden abzüglich Inflation rentieren auch US Aktien schon negativ, aber mit grossem Kursrisiko.Anders gesagt, US-Aktien sind nur rentabel,wenn sie weiterhin steigen.
    Googeln: Aktien mit Anleihen vergleichen- inwiefern ist das sinnvoll

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Aktien

Aktien: Blase? Manches spricht wohl eher dagegen!

Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Warum fallen die Börsen nicht bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“?

Wolfgang Müller

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am

Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Derzeit wundern sich viele über die Langlebigkeit der Euphorie an den Märkten bei bestimmten Aktien: bei den ständig zitierten Mode-Aktien, ob im Elektromobil- oder im Wasserstoffbereich, oder bei Pennystocks, die teilweise jenseits von Gut und Böse notieren. Aber auch über unglaubliche Stories bei den wiederentdeckten aus dem Bereich Aktien . Dort ist nicht alles „Dreck“, der nach oben gespült wird. Es gibt hierfür sogar fundamentale Zusammenhänge. Unabhängig von einer bevorstehenden Korrektur, die aufgrund der Hemmungslosigkeit von bestimmten Anlegerkreisen, immer wahrscheinlicher wird.

Aktien und die Mutter aller Kursanstiege

„We are in a bubble, but it’s a rational bubble“, so der sehr geschätzte Pimco-Berater Mohamed-El-Erian kürzlich in einem Interview. Was meint er damit?

Natürlich den großen Einsatz der Notenbanken, der alte Relationen bei Gewinn- und Umsatzdaten von Aktien und Indizes relativiert, deshalb ist es stets etwas verwunderlich, warum man alte Daten als Vergleichsmaßstab für Übertreibungen heranzieht.

Was bereits seit vielen Jahren die Aktienmärkte unterstützt, ist die Marginalisierung der Anlageklasse Anleihen, wie an diesem Chart ersichtlich, der eine Korrelation zwischen Bilanzausweitung der Notenbanken und dem Welt-Aktienindex aufzeigt.

Aktien - eine Blase? Die Bilanzen der Notenbanken

Die Branchenrotation

Als man im Spätsommer 2020 erkannt hat, dass es in absehbarer Zeit eine medizinische Lösung für die Covid-19 Pandemie geben könnte, ist eine Gattung von Aktien angesprungen, die besonders unter den Wirtschaftseinbrüchen gelitten hat und bereits schon ein Jahrzehnt die Wachstumsaktien underperformt – der Sektor der Small Caps. Klar ist der Nebenwerte-Index Russell 2000 sehr schnell gestiegen und manche Branchen wie der Energiesektor haben kleine Fahnenstangen ausgebildet – aber ist das eine Bubble? Wenn man sich die langfristige Performance betrachtet? Ich habe bereits im Herbst in einigen Artikeln darüber berichtet, dass es langfristig immer zu einem Ausgleich zwischen den Großen und den Kleinen und zwischen Value und Growth gekommen ist. Mit Small Caps meine ich natürlich nicht die vielen Pennystocks, die von Neo-Zockern derzeit „gehypt“ werden. Auch diese scheinbare Erfolgsgeschichte wird ein Ende haben. Hier sieht man die großen Zyklen der Auf- und Abschwünge.

Aktien in einer Blase? Small Caps

Zu Zeiten von Corona ein 42-Jahrestief, getrieben durch den Hype um die GAFAM-Titel. Die Small Caps befanden sich vor ein paar Monaten noch auf einem 20-Jahrestief und es ist nicht alles „Dirt“, der nach oben gespült wird.

Value gegen Growth

Wie bereits erwähnt, gibt es seit Jahrzehnten einen Zweikampf zwischen den Wachstums- und den langweiligen Aktien aus dem Bereich Value, bei denen es immer wieder zu einem Ausgleich in der Performance gekommen ist. Was liegt also näher, als dass der technogielastige Nasdaq-Index nach seinen 1100 Prozent Performance seit 2009 sich eine Zeitlang schlechter entwickeln wird, als die Aktien aus dem Bereich Value? Dafür dürften schon allein die Regulationen unter der neuen Regierung Biden sorgen. Deshalb wird die Breite der Kursanstiege zunehmen, weil die Big Seven mit ihren 27 Prozent Marktanteil an Dominanz verlieren könnten. Hier ein langfristiger Chart, der das Auf- und Ab zwischen den Anlageklassen dokumentiert.

Die Vergleiche zwischen Energie- und Finanztiteln und dem S&P 500 und zwischen Gesundheit, Konsumgüterherstellern, Versorgern und dem Leitindex.

Die Entwicklung der Aktien Zykliker und defensive Aktien

Fazit

Warum fallen die Börsen nicht „Stante Pede“ bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“? Zum einen, weil die oben beschriebene Branchenrotation läuft und weil die Märkte Corona abgehakt haben und aufgrund des zeitlichen Vorlaufs schon auf den Herbst blicken. Unabhängig von den jederzeit möglichen Korrekturen, aufgrund der vielen Anleger, die glauben an den Börsen einen „Free Lunch“ zu bekommen. Bei dem Irrsinn am Optionsmarkt mit kleinen Titeln, die immer wieder „Gamma-Squeezes“ auslösen. Deshalb kann jederzeit ein Washout einsetzen, die Volatilität steigen.

Vergessen wir aber bei all der Zockerei mit den kleinen Aktien nicht. Alle 2000 Werte im Russell zusammen besitzen nicht einmal ein Zehntel der Marktkapitalisierung des Aktienmarktes in den USA. Allein eine Enttäuschung bei einem FAANG-Wert in dieser Berichtssaison wird größere Marktreaktionen zeitigen, wie ein Wert GameStop, auch wenn er auf absurde 10 Milliarden Dollar gepusht wird, es ist nicht einmal ein halbes Prozent von Apple. Die große Gefahr lauert im Nasdaq.

Der Verlauf der Corona-Krise, Beispiel USA: Die Coronainfektionen haben bereits offiziell die schreckliche Zahl von 26 Millionen Bürger (7,7 Prozent der Bevölkerung erreicht). Nimmt man die Dunkelziffer in moderater Form hinzu, dürfte man schon bei 100 Millionen Menschen angelangt sein. Aber wie viele Menschen wurden schon in wenigen Wochen geimpft? Über 22 Millionen und es werden in Kürze mehr als eine Million pro Tag sein, wenn AstraZeneca, Johnson&Johnson, CureVac, Novavax, Inovio, Sanofi und viele andere auch noch auf den Markt drängen (nach BioNTech und Moderna). Die Zahl der Impfstoffprojekte beträgt aktuell 186, 60 davon sind in klinischen Studien. Da scheint das Vorhaben der USA die eigene Bevölkerung bis in den Spätsommer immunisiert zu haben, gar nicht so abwegig zu sein. Nicht so sehr in der EU, die sich beim Ordern der Impfdosen über den Tisch hat ziehen lassen (America und Money First). Darauf blicken die Märkte – aber was das mit Kapitalmarktzinsen, Inflation und Firmenpleiten zu diesem Zeitpunkt macht, das ist das Thema des Herbstes und kann auch heute nicht von den Börsen beurteilt werden.

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Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

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Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

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Aktien: Attacke auf die Wall Street! Videoausblick

Was gestern mit Aktien wie Gamestop passiert ist, kann man durchaus als geplante Attacke auf die Wall Street bezeichnen! Eine junge Generation vor schmerzhaften Erfahrungen..

Markus Fugmann

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Was gestern mit Aktien wie Gamestop passiert ist, kann man durchaus als geplante Attacke auf die Wall Street bezeichnen! Da hat sich über die Plattform Reddit ein Flash Mob verabredet mit dem Ziel, jene Aktien nach oben zu pushen, die von einigen Hedgefunds an der Wall Street stark geshortet worden sind. Die Folge: einer dieser Hedgefunds, Melvin Capital, musste offenkundig durch eine Geldspritze von 2,7 Milliarden Dollar vor dem Kollaps bewahrt werden. Wir erleben derzeit eine Euphorie vor allem bei jener Generation, die weder das Platzen der Dotcom-Blase noch die Finanzkrise an der Börse mitgemacht hat. Diese Generation wird bald schmerzhaftes Lehrgeld bezahlen!

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