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Aktienmärkte: Die Rückenwindfaktoren für eine Jahresendrally

Wolfgang Müller

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am

Bei allen negativen Unsicherheiten, die Aktienmärkte normalerweise hassen, gibt es neben einige Belastungsfkaktoren (siehe hierzu Teil 1) einen ganz großen Treiber für ein versöhnliches Jahresende: Die große Geldflut im Dezember.

Wie ich im Artikel von Freitag „Fed und andere Notenbanken halten die Schleusen für die Geldflut offen“ dargelegt habe, wird es im Rest des Jahres noch einmal einen richtigen Schwall an frischem Notenbankgeld geben. Zugesichert durch die Bank of England, die Bank of Japan, die Federal Reserve (bereits jetzt 120 Millarden monatlich) und vor allem durch die Europäische Zentralbank. 500 Milliarden Euro im Notprogramm PEPP sind bereits Consensus, wird am 16. Dezember vielleicht noch eine Schippe draufgelegt? Sollte die Ausbreitung von Corona nicht gebremst, ein Impfstoff nicht in den Startlöchern stehen, wird der monetäre Faktor in den nächsten Monaten noch einmal stark zuschlagen. Die aktuelle Notenbankbilanz zum 5. November:

EZB: 6776 Milliarden Euro

FED: 6081 Milliarden Euro

BoJ: 5734 Milliarden Euro, ergibt eine Summe von 18.591 Milliarden Euro oder umgerechnet 22,07 Billionen Dollar

Die Korrelation zwischen Zentralbankgeldmenge und Aktienmärkte ist derart stark, da kann man noch so sehr nach fundamentalen Fakten sowie Marktbewertung fahnden, Mr. Market wird es derzeit (noch) nicht kümmern.

Aktienmärkte: Das finale Window Dressing

Zumal noch ein Faktor hinzukommt, der in diesem Jahr von besonderer Bedeutung sein könnte: Trotz immer stärkerem Einsatz von „schlauen“ Algorithmen, ist das Jahr 2020 ein schlechtes für die Fondsbranche. Keine Saisonalität hat gepasst, kein einprogrammiertes Muster der Vorjahre – Corona und die Reaktionen von Staaten und Notenbanken haben jegliche Berechenbarkeit zunichte gemacht. Ob bei Hedgefonds oder Publikumsfonds, man rannte stets etwas der Entwicklugn der Aktienmärkte hinterher. Erst fielen sie nicht so stark wie erwartet, dann stiegen soe schneller, als man es für möglich hielt. Die Folge wird in dieser Grafik symbolisiert.

Wenn es jetzt keinen größeren Einbruch der Aktienmärkte mehr gibt, was sollen die aktiven Fondsmanager vor dem Jahresende machen, aus Sorge um die Performance oder gar um den Job? FOMO und TINA in extremer Ausprägung.

Fondsmanager laufen der Rally der Aktienmärkte hinterher

Hierzu noch ein Argument: Die Rendite der 7 bis 10-jährigen Staatsanleihen weltweit sind zum 1. November durchschnittlich auf 0,18 Prozent gefallen. Was für ein Dilemma für die Kapitalsammelstellen. Also bleiben die Aktienmärkte als einzige Alternative.

Wohin mit dem ganzen frischen Geld?

Der große Zuwachs der passiven Fonds

Der Markt der Mutual Funds (Investmentfonds) wird immer mehr geprägt vom Wettstreit passiv gegen aktiv. Selten stand die aktive Fondsbranche so unter Druck und noch nie gab es so hohe Zuflüsse in die passiven Anlageprodukte (ETFs). Ende 2019 waren es schon 6,2 Billionen Dollar, die in diese gebührenarme Anlageform geflossen sind, nach 4,7 Billionen Dollar ((2018), und wenn man sich die letzte Bilanz des Weltmarktführers BlackRock betrachtet?

Aber auch in Deutschland ist der ETF-Markt am boomen. Wie die letzte Auswertung bei Onlinebrokern ergab, wurden in Deutschland im September 2020 1.829.254 ETF-Sparpläne ausgeführt. Über 48 Prozent mehr als Ende 2019, Geld welches in jedem Monat in die großen Indizes und damit in die Aktienmärkte fließt. Dabei ist Deutschland sogar noch ein kleines Licht am Markt der Exchange Traded Funds.

Die Volatilität und der Fear &Greed-Index

Der US-Volatilitätsindex VIX ging zurück auf 24,8 Punkte (von seinem letzten Hoch am 28. Oktober mit 40,28 Punkten), das Worst Case Szenario wird ausgepreist, nach langer Backwardation. Das Angstbarometer Fear&Greed hat von seinem letzten Tief im Angstbereich von 27 Punkten gedreht und befindet sich nun mit 40 Punkten auf dem Weg in den neutralen Bereich.

Schon seltsam, dass die Aktienmärkte gerade jetzt ihre Angst verlieren, wo man mit so viel juristischem Widerstand gegen die Wahlentscheidung rechnet. Das Ganze hat einen Hintergrund und heißt Bundesstaatsprinzip. Die USA haben auch so etwas Ähnliches wie in Deutschland, die so genannte konkurrierende Gesetzgebung. Während Trump als Möchtegern-Autokrat den Grundsatz verinnerlicht „Bundesrecht bricht Landesrecht“, sehen die gesetzlichen Regelungen große Hürden vor.

Einfach ohne Beweise vor den obersten Gerichtshof gehen?

Die Richter am Supreme Court sind in einem Jahr mit durchschnittlich 8000 bis 10.000 Anträgen konfrontiert und akzeptieren davon etwa 100, also ein Prozent. Das heißt: Man muss schon Beweise vorlegen können, um Verfahren in Gang zu setzen.

Fazit

Natürlich gibt es an der Börse keine Gewissheiten, sondern nur Wahrscheinlichkeiten und das große Geld, welches seit Generationen um rentable Anlage sucht. Und da ist das aktuelle Problem versteckt, hinter all den täglichen Diskussionen um die künftige Politik, die in allernächster Zeit für Volatilität und Gewinnmitnahmen führen kann.

Deshalb ist eine Woche der Konsolidierung der Aktienmärkte, begleitet von Branchenrotation und Anpassung der Depots, eine sehr wahrscheinliche Option. Rund um den Globus waren die Börsen in der letzten Woche bis in den hohen einstelligen Prozentbereich gestiegen.

Aber das Dilemma der Geldbranche hat sich doch durch die US-Wahlen und den großen Lärm um Unruhen und juristische Nachspiele nicht verändert. Wenn selbst die langlaufenden Staatsanleihen weltweit (7-10 Jahre) vor Inflation nur noch 0,18 Prozent Rendite abwerfen, aber allein die drei großen Notenbanken bis zum Jahresende eine dreistellige Milliardensumme Geld drucken: wo soll dieses freie Geld in der jetzigen Situation hinlaufen? Sicherlich gehen in der jetzigen Situation einige Großanleger kurzfristig in Deckung und nahmen bei den großen Highflyern der Aktienmärkte Gewinne mit – um dann jedoch rasch festzustellen, dass Geldparken Rendite kostet.

Das überragende Thema in den letzten sieben Anlagewochen des Jahres lautet, ungeachtet der Wahlthematik: Gibt es noch ein gewaltiges Window Dressing der aktiven Fondsbranche, die auf über vier Billionen Dollar Cash sitzt und die ihren Benchmarks 2020 gewaltig hinterherhinkt? Die Millionen Sparpläne auf Aktien-ETFs laufen weltweit weiter und sorgen für Kursdruck, insbesondere wenn es von Seiten der Anleihen keine Konkurrenz gibt.

Die Unsicherheit für die Entwicklung der Aktienmärkte geht eher von Covid-19 aus, seiner derzeitigen Ausbreitung, die zu Lockdowns und Beeinträchtigung des Konsums führen kann. Das könnte die Jahresendrally verhindern, nicht die US-Politik, die sogar noch eine stärkere Intervention durch die Federal Reserve bringen könnte („We will do more if it’s necessary!“).

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Torsten

    9. November 2020 12:22 at 12:22

    Gehirn ausschalten. kaufen!

  2. Avatar

    Immobilionär

    9. November 2020 12:44 at 12:44

    Und wer sagt ,dass dieses Geld nicht für Firmen und Lohnausfälle gebraucht wird und immer an die Aktienmärkte geht. Wenn es so wäre ,wäre das Gelddrucken sowieso falsch. Bekanntlich hat es genützt die Zinsen von über 4% auf fast Null zu drücken, von 0,18% auf Null % ist wirkungslos . Hat denn nicht der Liebling von Allen , der Degussa Markus gesagt, dass die Geldmengen immer grösser sein müssten um zu wirken. Ich als kleines Würmchen und eher Immo-lastig würde bei sehr überteuerten Immobilien Nichts mehr kaufen. Zu US Aktien gibt es weltweit noch Alternativen , mit oder ohne Tina.
    P.S. @FMW ,vielleicht wissen sie es schon, DIE LESERKOMMENTARE sind zur Zeit nicht abrufbar.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      9. November 2020 13:05 at 13:05

      @Immobilionär, danke für den Hinweis, wir arbeiten daran!

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Finanznews

Aktienmärkte: 1929, 1999, heute – Geschichte reimt sich! Videoausblick

Markus Fugmann

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am

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich – und so erinnert die derzeitige Euphorie der Aktienmärkte an die Stimmung von 1929 (Boom kurz vor der Weltwirtschaftskrise) und 1999 (Dotcom-Blase). Die Erwartungen an die Wirtschaft nach der Coronakrise sind immens, eine perfekte Welt ist eingepreist. Gestern aber kurz vor US-Handelsschluß dann ein deutlicherer Rücksetzer, nachdem Pfizer bekannt gab, nur die Hälfte des Impfstoff-Volumens im Dezember liefern zu können. Eigentlich ist das ziemlich unbedeutend – zeigt aber, wie empfindlich die Aktienmärkte reagieren, wenn die Impfstoff-macht-alles-wieder-gut-Euphorie hinterfragt wird. Unterdessen verschärft sich die Coronakrise in den USA weiter mit neuen Rekorden, es drohen immer breitflächigere Lockdowns..

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Indizes

DAX daily: Die Wall Street hat ihren Auftritt während der Dax nur zuschaut

Stefan Jäger

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Im Theater der großen Wall Street bleibt dem Dax derzeit nur ein Zuschauerplatz. Während die US-Börsen von Allzeithoch zu Allzeithoch jagen, steht der deutsche Leitindex auf der Stelle und schaut zu. Am gestrigen Handelstag hat sowohl der S&P500, als auch der Nasdaq ein erneutes Rekordhoch erklommen. Währenddessen leidet der Dax unter dem weiter anziehenden Eurokurs, dieser nähert sich allmählich wieder der 1,22 US-Dollar Marke an. Zudem drücken Konjunktursorgen auf die Stimmung der Anleger. Die Wirtschaft muss aufgrund der neuerlichen Lockdown-Maßnahmen in vielen Länder ihren Tribut zahlen. Anders kann man die gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes nicht deuten. Diese liegen europaweit deutlich unter einem Wert von 50, was eine schwache Geschäftsentwicklung signalisiert.

Was passiert erst im Dax, wenn die US-Börsen in eine Konsolidierung übergehen? Der Leitindex schafft es ja nicht einmal mehr über die 13.300 anzusteigen, obwohl die Wall Street im Rally-Modus ist. Im gestrigen Handel verlor der Dax 60 Punkte (-0,45%) und schloss schließlich bei 13.252 Zählern. Damit ist das Hoch vom Montag bei 13.445 wieder etwas in die Ferne gerückt. Der Leitindex zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen, zudem ist die nächste Handelswoche aus Sicht der Saisonalität auch keine gute Woche. Es riecht zwar schon nach Korrektur, aber noch ist nichts verloren. Zumindest so lange, wie die Wall Street ihr überschwängliches Schauspiel noch fortsetzt.

News und fundamentale Daten

Am gestrigen Abend hat die Nachricht über die Halbierung des Auslieferungsziels für den Impfstoff von Biontech/Pfizer die Märkte belastet. Probleme in der Lieferkette ermöglichen es nur die Hälfte der angedachten 100 Millionen Impfdosen auszuliefern. Die Aktienkurse von Pfizer (-1,8%) und Biontech (-2,5%) geben daraufhin nach.

Das heutige Highlight sind auf jeden Fall die US-Arbeitsmarktdaten. Um 14:30 Uhr werden die Anleger gespannt auf die Daten der Non Farm Payrolls schauen. Man geht zwar bereits von weniger neu geschaffenen Jobs aus, aber auch die Prognose von 469 Tsd. Stellen könnte unterboten werden. Zeitgleich erscheinen zudem noch die US-Handelsbilanz, die Daten der Exporte und Importe sowie die Auftragseingänge. Den Termin kann man sich somit als Trading-Event in seinem Kalender notieren. Die Volatilität dürfte ansteigen und folglich die US-Börsen und den Dax in Bewegung bringen.

Zuvor sehen wir heute aber auch noch Daten aus Deutschland. Vor wenigen Minuten wurden bereits die Auftragseingänge der Industrie veröffentlicht. Diese sind mit 2,9% deutlich besser wie erwartet ausgefallen (Prognose 1,5%; Vormonat 1,1%). Um 9:30 Uhr erscheint dann noch der IHS Markit Einkaufsmanagerindex für das Bauwesen.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Im Vergleich zu den starken US-Indizes ist es ein Trauerspiel, was der Dax diese Woche an Performance abgeliefert hat. Seit Montag geht es in kleinen Schritten abwärts. Von dem Hoch bei 13.445 sind wir heute Nacht im Tief bei 13.180 angekommen. Im frühen Handel notiert der Kurs wieder über der 13.200er Marke. Vielleicht gelingt es den US-Futures den Dax wieder mit hochzuziehen. Um nochmal die Oberseite anzugreifen, muss der Dax zunächst den Widerstand bei 13.270 überwinden. Dadurch würden sich weitere Ziele bei 13.325 und 13.370 ergeben.

Kann der Dax allerdings das gestrige Tagestief bei 13.232 nicht nachhaltig überwinden, dann sollte sich der Abwärtstrend fortsetzen. Zunächst dürfte er das Nachttief bei 13.180 anlaufen, bevor an der 13.140 ein Unterstützungsbereich wartet. Dort könnte der Dax vorerst wieder drehen. Ansonsten kann es noch eine Etage tiefer gehen, bei 13.050 und 13.020 befinden sich dann die nächsten Unterstützungen.

Der Börsen Jäger

Haben Sie Interesse an konkreten Trading-Ideen, dann werfen Sie doch einen Blick auf unseren neuen Service „Der Börsen Jäger“. In dem kostenlosen Börsenbrief nehme ich Sie mit auf die Jagd und vermittle interessante Anregungen zu fundierten Handelsmöglichkeiten sowohl für die bekannten Indizes und Aktien, als auch für die Devisen- und Rohstoffmärkte.

Dax daily: Tagesausblick 04.12. - H1-Chart - Wall Street stark, Dax schwach

Heutige Pivot Punkte (PP):

13.292 – Pivot Punkt R1

13.236 – Pivot Punkt

13.146 – Pivot Punk.t S1

13.090 – Pivot Punk.t S2

Dax Unterstützungen (US):

13.232 – Tagestief 03.12.

13.180 – Nachttief

13.137 – Schlusskurs 20.11.

13.054 – Tagestief 20.11.

13.004/020 – Doppelboden (Tief 13.11. / 12.11.)

Dax Widerstände (WS):

13.270 – ehemals US

13.325 – mehrfacher WS

13.370 – WS aus dem H1

13.434 – Tageshoch 01.12.

13.460 – September-Hoch

13.500 – offenes Gap vom 21.02.

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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Finanznews

Aktienmärkte: Wall Street mit Allzeithochs, Dax dümpelt – warum? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte der Wall Street (S&P 500 und Nasdaq 100) erreichen heute neue Allzeithochs, aber der Dax dümpelt weiter vor sich hin mit heute leichten Verlusten. Warum? Ist es der starke Euro (bzw. der schwache Dollar)? Dabei sind heute die eher „Value“-lastigen US-Indizes Dow Jones und Russell 2000 stark, also jene Indizes, die wie der Dax sehr wenig Tech-lastig sind und viele einstige „Corona-Verlierer“ enthalten, die doch besonders von der Impfstoff-Hoffnung profitieren. Unterdessen überhitzen die Aktienmärkte in den USA ungebremst weiter, es werden historische Extreme überboten. Aber die Anleihemärkte senden eine andere Botschaft: die Renditen der US-Staatsanleihen fallen – ungewöhnlich, wenn wirklich die von den Aktienmärkten erhoffte riesengroße Erholung der Wirtschaft wirklich kommen sollte..

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