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Aktienmärkte: die Zinsfantasie ist weg – was nun?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Für die Aktienmärkte ist die Zinssenkungsfantasie erst einmal weg! Ungewöhnlich deutlich hat vorgestern Abend US-Notenbank Chef Jerome Powell die künftige Zinspolitik der Notenbank umschrieben: Nach einem erneuten Sicherheitszinsschritt würde es jetzt – keine ungewöhnlichen Ereignisse voraussetzend – erst einmal ein halbes Jahr keine Veränderung bei den Leitzinsen geben. Basierten die Kurssteigerungen der Aktienmärkte in den letzten Wochen allein auf der Zinshoffnung, so müsste es jetzt eigentlich einen deutlichen Abverkauf geben. Ein „Sell on good News“ auf einen „Fait accompli“! Was aber könnte den Märkten weiter Auftrieb geben?

 

Aktienmärkte: neue Allzeithochs, Einstieg oder Gewinnmitnahmen?

Nach vielen Versuchen hatte es der mit Abstand bedeutendste Index der Welt, der S&P 500, geschafft und war in den letzten Tagen über den Widerstand bei 3030 Punkten gesprungen. Ein neues Hoch ist für gewöhnlich ein unglaublich starkes Kaufsignal, allerdings sind die Märkte überkauft und müssten allein schon aus technischen Gründen heiße Luft ablassen. Auch beim Dax, der seit seinem Tief im August 15 Prozent zulegen konnte und bei Fortschreibung des Aufwärtstrends an Weihnachten schon bei 14000 Punkten stünde.

 

Zinssenkungspause, aber QE läuft weiter

Zwar hat die US Notenbank ziemlich deutlich klar gemacht, dass sie im nächsten Halbjahr nicht an der Zinsschraube drehen wird. Aber was ist mit der großen Liquiditätszufuhr über die weiteren Anleihekäufe am kurzen Ende? 60 Milliarden Dollar pro Monat, dazu die laufenden Injektionen am Geldmarkt! Auch die EZB schießt weiter Geld ins System (20 Miliarden € monatlich), so dass der monetäre Unterstützungsfaktor für die Börsen weiter bestehen bleibt. Das Finanzsystem muss (noch) keinen Kollaps trotz wirtschaftlicher Stagnation fürchten. Die Reflationierung der Vermögenspreise könnte noch etwas weiter gehen.

 

Steigende Aktienmärkte: Fondsmanager in Not

Ein entscheidender Punkt für weiter steigende Kurse dürften die Zwänge der Fondsindustrie sein. Wie bereits mehrfach berichtet, liegt die Investitionsquote der aktiven US-Fonds deutlich unterhalb des Durchschnitts, man ist und war also nicht voll dabei, bei steigenden Märkten. Dies vergrößert die Kluft zu den passiven Fonds (ETFs) – das ist ein unglaublicher Druck auf die handelnden Manager, gerade jetzt zum Jahresultimo.

Sollte es jetzt über mehrere Tage zum x-fach angesprochenen Durchbruch beim S&P 500 über die 3065 Punkte kommen, werden diese wohl in den Markt rein müssen „whatever It takes“. Auch wenn es der Logik einer schwäbischen Hausfrau widerspricht: nämlich dann einzusteigen, wenn es teuer wird, aber das ist das Spiel, wenn man anhand seiner Daten den Markt zu timen versucht. Wir haben bereits die „Wall of Worries“, kommt jetzt noch der „Pain Trade“?

 

Aktienrückkäufe

Die „Blackout Period“, also der Zeitraum für Beschränkungen beim Aktienrückkauf, ist zumindest für die Riesenkonzerne vorbei, die „Big Spender aus Eigennutz“ dürfen wieder kaufen. Wie erst kürzlich dargestellt, wartet noch sehr viel Kapital an der Seitenlinie, um es in den letzten 35 Börsentagen des Jahres noch in Aktienückkäufe zu investieren. So haben Apple, Microsoft, Intel, Oracle, Bank of America und weitere noch so hohe Summen ausstehen, dass geschätzt noch mindestens eine dreistellige Milliardensumme in den Markt fließen könnte.

 

Die Signale der Wirtschaft

Klar waren die Einkaufsmanagerindizes in China und in den USA (Chicago Einkaufsmanagerindex 43,2 Punkte, ein Vierjahrestief) jüngst eine kleine Katastrophe, aber noch einmal: Der Konsument in den USA hat seinen Kaufrausch noch nicht beendet (siehe Zahlen von Visa und Mastercard) und er ist mit dem Dienstleistungssektor zu über 80 Prozent für das US-BIP verantwortlich. Die Frage ist nur, wann die Schwäche der Industrie auf den Dienstleistungsbereich überschwappt? Wer hat denn den Aktienmarkt im Oktober hochgehalten? Es sind fünf Unternehmen, die allein schon einen 22-Prozentanteil am S&P 500 aufweisen und sie meldeten mächtige Einnahmen aus dem Dienstleistungsbereich. Dazu die Kursentwicklung im Oktober:

Apple + 10 Prozent

Alphabet + 4 Prozent

Amazon +2 Prozent

Facebook + 11 Prozent

Microsoft + 4 Prozent

All das hauptsächlich basierend auf Einnahmen aus dem Servicessektor. Dennoch blickt man auf die Zahlen des verarbeitenden Gewerbes, von denen der heutige landesweite Einkaufsmanagerindex mit Spannung erwartet wird.

Ein kleines Rätsel stellt auch die Entwicklung des Philadelphia Semiconductor Index, SOX, dar. Dieser ist es kürzlich auf ein Allzeithoch gestiegen und er gilt als Seismograf für die Weltwirtschaft. Sind Daten etwa nicht die neuen Rohstoffe?

 

Aktienmärkte: die Gewinnerwartungen Q4 und der Handelsstreit

Natürlich sind die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal bei der Präsentation der aktuellen Zahlen wieder abgesenkt worden und natürlich hat der Handelsstreit das Vermögen die Weltwirtschaft endgültig in den Abgrund zu führen. Aber können das sowohl die USA als auch China in ihrer jetzigen wirtschaftlichen Situation wollen?

 

Fazit

Die Notenbanken der Welt schieben die Anleger weiter in Richtung Risikoinvestments beziehungsweise in die Aktienmärkte, eben weil sie die Zinsen soweit absenken, dass es keine Alternative gibt.

Aktienrückkäufe und ein Window Dressing von unterinteressierten Fonds könnten noch einmal für einen Schub in den letzten Wochen des Jahres bringen – nach einer technischen Korrektur. Worauf die Märkte aber mit Argusaugen blicken, war gestern erkennbar, als der Chicago Einkaufsmanagerindex (43,2 Punkten, erwartet 48,5) für das verarbeitende Gewerbe auf seinem Tief hereinkam. Sofort stürzten die Aktienindizes spürbar in die Tiefe, die Anleiherenditen gaben deutlich nach und die Rezessionsfurcht war urplötzlich wieder da.

Damit wird klar, dass die Alternativlosigkeit der Aktie sofort beendet ist, sollten sich aufgrund äußerer Umstände die Anzeichen für eine Rezession verstärken. Dann müssen viele durch den zu engen Ausgang ins Börsenfreie. Deshalb dürften die weltweiten Wirtschaftsdaten über die weitere Börsenentwicklung jetzt mitentscheiden. Die Zinsgeschichte ist erstmal vom Tisch.

Es spricht aber einiges für eine Jahresendrally, der Hinweis auf den Dezember 2018 ist unpassend, denn da gab es den Powell-Zins- und Bilanzreduzierungsschock – und das Gegenteil wurde soeben verkündet.

Aktuell:

Wie verwirrend die Lage an den Märkten zurzeit ist, zeigt eine Meldung die heute Nacht aus Asien kam: neue Konjunkturdaten aus China haben am Freitag den Asienbörsen einen Schub gegeben. Demzufolge hat sich die Stimmung nach einer Umfrage unter privaten Firmen in der Volksrepublik aufgehellt. Nach diesen Daten soll die dortige Industrie so schnell wachsen, wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr?!

 

Steigen die Aktienmärkte trotz fehlender Zinsfantasie weiter?

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Marko

    1. November 2019 14:52 at 14:52

    Hallo Wolfgang,

    welche Zinssenkungsphantiesie…?

    der ganze Laden, sei es die EZB/FED muss rauf, also die Anleihemärkte ? Vielleicht habe gar nix verstanden, nur eines weiß ich : QE-Progamme sind Marktmanipulationen, vielleicht sehen Sie dies als „ganz normal“ an, na dann…

    wir stehen kurz vor dem „Drehpunkt“, Sie wisen was das bedeutet… ?

    Was wäre wenn die EZB/FED riesengroße QE-Programme, beim DAX/Dow-Jones veranstaltet hätte, dies, wäre „normal“ ?!? Aktienkäufe „bis-zum-geht-nicht-mehr“ ? – Hier wird definitiv mit zweierlei Maß gemessen.. ?

    Ja, und natürlich ist der Bufu bei 170 Punkten „total-gerecht-bewertet“ ;) :D

    Was ich damit sagen will :

    Der Markt wird und muss sich korrigieren… Daran führt kein Weg vorbei… !

    „Wie verwirrend die Lage an den Märkten zurzeit ist,…“

    Echt, Wolfgang…

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      Wolfgang M.

      1. November 2019 15:50 at 15:50

      @Marko. Hallo. Was habe ich denn geschrieben? Dass die Zinsfantasie erst einmal vorbei ist, weil die US-Notenbank für die nächsten Monate ein Stillhalten kommuniziert hat. Also keine Zinssenkungen im Dezember und im März. Und wie oft habe ich eigentlich schon bemerkt, wie manipuliert der Anleihemarkt ist, durch billionenschwere QE-Programme? Wie oft habe ich auf die absurden Unterschiede im KGV der Aktien- und der Anleihemärkte hingewiesen? Wie viele Artikel habe über das BBB- Anleiherisiko verfasst, mit dem Hinweis, welche Gefahr von den Unternehmensanleihen (Zombiefirmen) ausgeht. Ich verstehe ehrlich nicht, was Sie mit Ihrem Kommentar ausdrücken wollen?

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        Hesterberg

        1. November 2019 17:59 at 17:59

        Ich habe mir Markos Kommentar 2x durchgelesen und kann auch nicht erkennen, worüber er sich eigentlich aufregt. Die Lage an den Märkten empfinde ich als weniger verwirrend, als seinen Text.

  2. Avatar

    Quintus

    1. November 2019 18:21 at 18:21

    @Wolfgang M.
    Diese Ansammlung von unverständlichen Vorwürfen von Seiten Marko’s können sie geflissentlich ignorieren. Ihre Interpretation der aktuellen Lage(welche schön verwirrend genug ist) ist hinreichend verständlich ausformuliert.
    Hier hat Marko etwas hineininterpretiert, daß so nicht zutrifft und eine Verteidigung ihrerseits somit obsolet werden läßt.
    Warum er ihnen etwas vorwirft, worauf sie schon des Öfteren hingewiesen haben…..🤔
    Ich lese ihre Artikel jedenfalls regelmäßig und bin manches mal different zu ihren Schlußfolgerungen, jedoch möchte ich diese nicht missen, also bitte Weiter so….

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    Roberto

    1. November 2019 18:23 at 18:23

    @Hesterberg,bei seinen Texten habe ich schon immer Probleme gehabt zu verstehen warum er hinter jedem Satz ein „Fragezeichen “ setzt. Ich bekomme regelrecht kopfschmerzen wenn ich diese Texte lese. Er schreibt ja auch keinen Kommentar, sondern verfasst nur irgendwelche Fragen, die sich im Zusammenhang aber nicht als Frage lesen lassen. Daher habe ich schon seit Monaten aufgehört mir das anzutun.:-)

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      leftutti

      1. November 2019 19:19 at 19:19

      @Roberto, du wolltest doch schon vor einer Viertelstunde zur Geburtstagsfeier. Ist die so langweilig, dass du dich lieber zu Marko äußerst? Zu dem Marko, den du dir seit Monaten nicht mehr antust, aber auf dessen Kommentare du dennoch direkt oder indirekt reagierst? ;)

      Ich wollte dir nur mitteilen, dass ich heute erstmals Daytrading im DOW betreibe um am ATH mit 4 Lot short gegangen bin. Wird natürlich heute noch geschlossen. Bin mal gespannt, wie weit im Minus das Experiment endet…

    • Avatar

      Hesterberg

      1. November 2019 19:22 at 19:22

      @Roberto
      Ja, das war sicher eine gute Entscheidung. Bei so manchen Kommentaren hatte ich auch schon Augenweh bekommen. :-)

    • Avatar

      leftutti

      1. November 2019 22:09 at 22:09

      @Roberto, die Jungs sind tatsächlich zäher als Leder und ähnlich einsichtig. Die eindeutigen Warnsignale des ISM Einkaufsmanagerindex (EMI) im stark rückläufigen bis rezessiven Bereich wurden schlicht und einfach ignoriert. Ich schließe den Trade bei Break-Even und staune lieber weiter von der Seitenlinie aus ;)

  4. Avatar

    Roberto

    2. November 2019 20:29 at 20:29

    @leftutti, erst mal Glückwunsch, das Du kein verlust gemacht hast. Du seihst das man mit short wirklich sehr starke Nerven haben muss. Jedes negative Ereignis hat nur ein drittel soviel kraft wie ein positives Ereignis, oder ein „scheinbar“ positives. Und ja, ich war bei der Geburtstagsfeier….aber habe ich eigentlich eine Uhrzeit genannt ? ich glaube nicht. soviel nur dazu. Und nun ein schönen Samstagabend noch.
    P.S, Die US Märkte haben wie immer Freitagstypisch abgeschlossen. Mal schauen. Ich erwarte auf dailybasis eine Korrektur in den nächsten 14 Tagen bei den Amis.

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Aktienmärkte: Die Wette, dass teure Aktien noch teurer werden! Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte heute mit dem typischen Montags-Optimismus, der dann jedoch weitgehend verpuffte (Nasdaq drehte sohgar ins Minus). Derzeit sitzen alle im selben Boot: Rekord-Zuflüsse in Aktien, Rekord-Abflüsse aus US-Staatsanleihen und Gold. Jim Bianco hat es so formuliert: die Aktienmärkte wetten darauf, dass extrem teure Aktien noch teurer werden. Und das gilt ja nicht nur für die großen US-Tech-Werte, sondern vor allem auch für Energie-Aktien (KGV von 30, wenn durch Impfstoff hohe Gewinnerwartungen eintreffen) und den Sektor Health Care. Selbst wenn also alles gut geht und mit einem Impfstoff dann Mitte 2012 alle Probleme mit dem Coronavirus erledigt wären, starten die Aktienmärkte von einer historisch extrem hohen Bewertung (in fast allen Bereichen in der obersten Percentile). Das kann funktionieren – muß aber nicht..

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Dax: Hohe Selbstsicherheit, Kaufbereitschaft und Optimismus!

Stephan Heibel

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Das Anlegersentiment gegenüber dem Dax hat die Verunsicherung der Corona-Pandemie mit der Vorstellung des Impfstoffes hinter sich gelassen. Auch die anderen Stimmungsindikatoren zeigen letzte Woche sehr konstruktive Entwicklungen.

“Seitwärtskonsolidierung” nennt man das an der Börse: Nach einem kräftigen Kurssprung infolge der Impfstoffmeldung von vor 14 Tagen war eigentlich zu erwarten, dass der Kurssprung “konsolidiert” wird, also zu einem Teil wieder abgegeben wird. In einer solchen “Verschnaufpause” sind die Kurse meist leicht rückläufig, geben beispielsweise ein Drittel des Kurssprungs wieder ab.

Doch in der abgelaufenen Woche konnte sich der DAX auf dem hohen Niveau, das er durch den Kurssprung erreicht hat, halten. Innerhalb der 30 DAX-Unternehmen gibt es natürlich dann reichlich Bewegung. Die Vorstellung des Impfstoffs hat die Finanzmärkte nachhaltig verändert: Unternehmen, die zuvor noch aussichtsreich aussahen, müssen plötzlich um ihre Zukunft bangen – und umgekehrt: Unternehmen, die zu den Corona-Verlierern zählen, sehen plötzlich ein Licht am Ende des Tunnels.

So gab es in der abgelaufenen Woche nicht nur Gewinner unter den Anlegern, sondern auch einige, die noch in den “falschen” Aktien gefangen sind. Wenngleich das Licht am Ende des Tunnels sichtbar ist, so kann es zwischenzeitlich dennoch zu großen Schmerzen kommen. Entsprechend ist die Anlegerstimmung letzte Woche auf 0,8 (zuvor 3,1) deutlich zurück gekommen. Aber immerhin ist nun ein Weg aus der Krise vorgezeichnet und Anleger wissen, wie sie sich positionieren wollen. Das steigert die Selbstzufriedenheit, die mit einem Wert von 1,0 den höchsten Stand seit Mitte Februar erreicht. Seit dem Coronacrash dominierte Verunsicherung unter den Anlegern. Kein Wunder, solange man mitten in einer Pandemie steckt und ein Ende noch nicht absehbar ist.

Mag sein, dass das Licht noch 6-9 Monate entfernt ist, aber die Aktienbörsen blicken ja gerne mal 6-9 Monate in die Zukunft, wie Sie wissen. So ist die Zukunftserwartung gegenüber dem Dax auf 5,4 gestiegen. Wir messen somit den größten Optimismus des Jahres. Die Investitionsbereitschaft verbleit mit einem Wert von 3,5 auf hohem Niveau und stellt somit eine gute Unterstützung für das aktuell hohe Kursniveau dar. Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt mit einem Wert von -4 eine leichte Absicherungsneigung. Ganz ähnlich sieht es bei den institutionellen Anlegern aus, die sich über die Eurex absichern. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 2,8 angesprungen und zeigt großes Interesse an Put-Absicherungen.

In den USA notiert das Put/Call-Verhältnis weiterhin auf niedrigem Niveau und zeigt weiterhin starkes Interesse an Call-Optionen. Anleger sind dort also überwiegend bullisch positioniert. So auch die US-Fondsmanager, die mit einer Investitionsquote von 106% unterwegs sind: Über Optionen haben sie ihre Spekulationen auf steigende Kurse sogar auf über 100% ihres verfügbaren Kapitals gehobelt. Abenteuerlich, aber nicht selten. US-Privatanleger sind weiterhin bullisch gestimmt, das Bulle/Bär-Verhältnis ist gegenüber der Vorwoche zwar deutlich zurückgekommen, aber mit +18% nach wie vor stark bullisch. So bullisch, wie seit Mitte Februar nicht mehr. Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 65% leichte Gier an, ich würde das aber noch als neutral bezeichnen.

Dax: Interpretation des aktuellen Sentiments

Ja, da ist sehr viel Optimismus im Markt, doch von einer Überhitzung sind wir noch weit entfernt. Wir haben diese Woche gesehen, dass Euphorie infolge der Impfstoffmeldung auch abgebaut werden kann, ohne dass die Aktienmärkte in voller Breite einbrechen. Im Gegenteil, das Anlegersentiment ist auf ein sehr konstruktives Niveau zurückgekommen, ohne dass der Aktienmarkt Federn lassen musste.

Wir befinden uns in einer Phase, in der zwar noch Ungewissheit über den genauen Verlauf der kommenden Wochen und Monate besteht, doch bis Mitte 2021 sollten die größten Probleme, US-Präsidentschaftsübergabe sowie Corona-Pandemie, gelöst sein. Somit sind zwischenzeitliche Rücksetzer an den Aktienmärkten Kaufgelegenheiten.

Da das so klar ist, wird in diesen Tagen bereits der kleinste Rücksetzer gekauft. Einen nennenswerten Rücksetzer gibt es kaum, vor allem nicht beim Dax. Vielmehr nehmen sich Anleger Zeit für die Rotation raus aus den Corona-Gewinnern und rein in die konjunktursensiblen, zyklischen Aktien.

Nun ist die Frage, wer zuerst die Nerven verliert: Diejenigen, die unbedingt zyklische Aktien ins Depot holen müssen und die, denen die Kurse weglaufen? Das könnte zu einer Kaufpanik führen, die den DAX weiter in die Höhe treibt. Oder aber diejenigen, die sich zuvor noch aus ihren Corona-Gewinnern verabschieden müssen, die dazu aber nicht mehr die gewünschten, hohen Kurse bekommen. Wenn diese Positionen auf den Markt geworfen werden, könnte der gesamte Aktienmarkt vorübergehend nochmals in die Knie gehen.

Bis auf weiteres haben wir wohl eine Patt-Situation. Cash, das durch verkaufte Corona-Gewinner im Portfolio landet, dürfte schleunigst wieder in zyklische Aktien eingesetzt werden.

Aus Sicht der Sentiment-Theorie haben wir eine hohe Selbstsicherheit und Kaufbereitschaft, so dass der Druck derzeit eher für steigende Kurse sorgen dürfte. Dieser leichte Aufwärtstrend, der sich daraus bilden könnte, dürfte stärker ins Gegenteil umschlagen, wenn ein überraschend negatives Ereignis eintreten sollte.

Sprich: Wir haben eine starke Unterstützung und tendenziell leicht steigende Kurse, es gibt jedoch noch genügend Positionen in den Portfolios der Anleger, die panisch auf den Markt geworfen würden, wenn ein überraschend negatives Ereignis eintritt.

 

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Investoren im Dax zeigen eine hohe Selbstsicherheit

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage bei Dax und Nasdaq – dazu die UBER-Aktie

Rüdiger Born

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Im folgenden Video werfe ich direkt am Chart einen aktuellen Blick auf die Lage bei Dax und Nasdaq. Und ich schaue mir die UBER-Aktie an.

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