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Aktienmärkte: die Zinsfantasie ist weg – was nun?

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Für die Aktienmärkte ist die Zinssenkungsfantasie erst einmal weg! Ungewöhnlich deutlich hat vorgestern Abend US-Notenbank Chef Jerome Powell die künftige Zinspolitik der Notenbank umschrieben: Nach einem erneuten Sicherheitszinsschritt würde es jetzt – keine ungewöhnlichen Ereignisse voraussetzend – erst einmal ein halbes Jahr keine Veränderung bei den Leitzinsen geben. Basierten die Kurssteigerungen der Aktienmärkte in den letzten Wochen allein auf der Zinshoffnung, so müsste es jetzt eigentlich einen deutlichen Abverkauf geben. Ein „Sell on good News“ auf einen „Fait accompli“! Was aber könnte den Märkten weiter Auftrieb geben?

 

Aktienmärkte: neue Allzeithochs, Einstieg oder Gewinnmitnahmen?

Nach vielen Versuchen hatte es der mit Abstand bedeutendste Index der Welt, der S&P 500, geschafft und war in den letzten Tagen über den Widerstand bei 3030 Punkten gesprungen. Ein neues Hoch ist für gewöhnlich ein unglaublich starkes Kaufsignal, allerdings sind die Märkte überkauft und müssten allein schon aus technischen Gründen heiße Luft ablassen. Auch beim Dax, der seit seinem Tief im August 15 Prozent zulegen konnte und bei Fortschreibung des Aufwärtstrends an Weihnachten schon bei 14000 Punkten stünde.

 

Zinssenkungspause, aber QE läuft weiter

Zwar hat die US Notenbank ziemlich deutlich klar gemacht, dass sie im nächsten Halbjahr nicht an der Zinsschraube drehen wird. Aber was ist mit der großen Liquiditätszufuhr über die weiteren Anleihekäufe am kurzen Ende? 60 Milliarden Dollar pro Monat, dazu die laufenden Injektionen am Geldmarkt! Auch die EZB schießt weiter Geld ins System (20 Miliarden € monatlich), so dass der monetäre Unterstützungsfaktor für die Börsen weiter bestehen bleibt. Das Finanzsystem muss (noch) keinen Kollaps trotz wirtschaftlicher Stagnation fürchten. Die Reflationierung der Vermögenspreise könnte noch etwas weiter gehen.

 

Steigende Aktienmärkte: Fondsmanager in Not

Ein entscheidender Punkt für weiter steigende Kurse dürften die Zwänge der Fondsindustrie sein. Wie bereits mehrfach berichtet, liegt die Investitionsquote der aktiven US-Fonds deutlich unterhalb des Durchschnitts, man ist und war also nicht voll dabei, bei steigenden Märkten. Dies vergrößert die Kluft zu den passiven Fonds (ETFs) – das ist ein unglaublicher Druck auf die handelnden Manager, gerade jetzt zum Jahresultimo.

Sollte es jetzt über mehrere Tage zum x-fach angesprochenen Durchbruch beim S&P 500 über die 3065 Punkte kommen, werden diese wohl in den Markt rein müssen „whatever It takes“. Auch wenn es der Logik einer schwäbischen Hausfrau widerspricht: nämlich dann einzusteigen, wenn es teuer wird, aber das ist das Spiel, wenn man anhand seiner Daten den Markt zu timen versucht. Wir haben bereits die „Wall of Worries“, kommt jetzt noch der „Pain Trade“?

 

Aktienrückkäufe

Die „Blackout Period“, also der Zeitraum für Beschränkungen beim Aktienrückkauf, ist zumindest für die Riesenkonzerne vorbei, die „Big Spender aus Eigennutz“ dürfen wieder kaufen. Wie erst kürzlich dargestellt, wartet noch sehr viel Kapital an der Seitenlinie, um es in den letzten 35 Börsentagen des Jahres noch in Aktienückkäufe zu investieren. So haben Apple, Microsoft, Intel, Oracle, Bank of America und weitere noch so hohe Summen ausstehen, dass geschätzt noch mindestens eine dreistellige Milliardensumme in den Markt fließen könnte.

 

Die Signale der Wirtschaft

Klar waren die Einkaufsmanagerindizes in China und in den USA (Chicago Einkaufsmanagerindex 43,2 Punkte, ein Vierjahrestief) jüngst eine kleine Katastrophe, aber noch einmal: Der Konsument in den USA hat seinen Kaufrausch noch nicht beendet (siehe Zahlen von Visa und Mastercard) und er ist mit dem Dienstleistungssektor zu über 80 Prozent für das US-BIP verantwortlich. Die Frage ist nur, wann die Schwäche der Industrie auf den Dienstleistungsbereich überschwappt? Wer hat denn den Aktienmarkt im Oktober hochgehalten? Es sind fünf Unternehmen, die allein schon einen 22-Prozentanteil am S&P 500 aufweisen und sie meldeten mächtige Einnahmen aus dem Dienstleistungsbereich. Dazu die Kursentwicklung im Oktober:

Apple + 10 Prozent

Alphabet + 4 Prozent

Amazon +2 Prozent

Facebook + 11 Prozent

Microsoft + 4 Prozent

All das hauptsächlich basierend auf Einnahmen aus dem Servicessektor. Dennoch blickt man auf die Zahlen des verarbeitenden Gewerbes, von denen der heutige landesweite Einkaufsmanagerindex mit Spannung erwartet wird.

Ein kleines Rätsel stellt auch die Entwicklung des Philadelphia Semiconductor Index, SOX, dar. Dieser ist es kürzlich auf ein Allzeithoch gestiegen und er gilt als Seismograf für die Weltwirtschaft. Sind Daten etwa nicht die neuen Rohstoffe?

 

Aktienmärkte: die Gewinnerwartungen Q4 und der Handelsstreit

Natürlich sind die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal bei der Präsentation der aktuellen Zahlen wieder abgesenkt worden und natürlich hat der Handelsstreit das Vermögen die Weltwirtschaft endgültig in den Abgrund zu führen. Aber können das sowohl die USA als auch China in ihrer jetzigen wirtschaftlichen Situation wollen?

 

Fazit

Die Notenbanken der Welt schieben die Anleger weiter in Richtung Risikoinvestments beziehungsweise in die Aktienmärkte, eben weil sie die Zinsen soweit absenken, dass es keine Alternative gibt.

Aktienrückkäufe und ein Window Dressing von unterinteressierten Fonds könnten noch einmal für einen Schub in den letzten Wochen des Jahres bringen – nach einer technischen Korrektur. Worauf die Märkte aber mit Argusaugen blicken, war gestern erkennbar, als der Chicago Einkaufsmanagerindex (43,2 Punkten, erwartet 48,5) für das verarbeitende Gewerbe auf seinem Tief hereinkam. Sofort stürzten die Aktienindizes spürbar in die Tiefe, die Anleiherenditen gaben deutlich nach und die Rezessionsfurcht war urplötzlich wieder da.

Damit wird klar, dass die Alternativlosigkeit der Aktie sofort beendet ist, sollten sich aufgrund äußerer Umstände die Anzeichen für eine Rezession verstärken. Dann müssen viele durch den zu engen Ausgang ins Börsenfreie. Deshalb dürften die weltweiten Wirtschaftsdaten über die weitere Börsenentwicklung jetzt mitentscheiden. Die Zinsgeschichte ist erstmal vom Tisch.

Es spricht aber einiges für eine Jahresendrally, der Hinweis auf den Dezember 2018 ist unpassend, denn da gab es den Powell-Zins- und Bilanzreduzierungsschock – und das Gegenteil wurde soeben verkündet.

Aktuell:

Wie verwirrend die Lage an den Märkten zurzeit ist, zeigt eine Meldung die heute Nacht aus Asien kam: neue Konjunkturdaten aus China haben am Freitag den Asienbörsen einen Schub gegeben. Demzufolge hat sich die Stimmung nach einer Umfrage unter privaten Firmen in der Volksrepublik aufgehellt. Nach diesen Daten soll die dortige Industrie so schnell wachsen, wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr?!

 

Steigen die Aktienmärkte trotz fehlender Zinsfantasie weiter?

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Marko

    1. November 2019 14:52 at 14:52

    Hallo Wolfgang,

    welche Zinssenkungsphantiesie…?

    der ganze Laden, sei es die EZB/FED muss rauf, also die Anleihemärkte ? Vielleicht habe gar nix verstanden, nur eines weiß ich : QE-Progamme sind Marktmanipulationen, vielleicht sehen Sie dies als „ganz normal“ an, na dann…

    wir stehen kurz vor dem „Drehpunkt“, Sie wisen was das bedeutet… ?

    Was wäre wenn die EZB/FED riesengroße QE-Programme, beim DAX/Dow-Jones veranstaltet hätte, dies, wäre „normal“ ?!? Aktienkäufe „bis-zum-geht-nicht-mehr“ ? – Hier wird definitiv mit zweierlei Maß gemessen.. ?

    Ja, und natürlich ist der Bufu bei 170 Punkten „total-gerecht-bewertet“ ;) :D

    Was ich damit sagen will :

    Der Markt wird und muss sich korrigieren… Daran führt kein Weg vorbei… !

    „Wie verwirrend die Lage an den Märkten zurzeit ist,…“

    Echt, Wolfgang…

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      Wolfgang M.

      1. November 2019 15:50 at 15:50

      @Marko. Hallo. Was habe ich denn geschrieben? Dass die Zinsfantasie erst einmal vorbei ist, weil die US-Notenbank für die nächsten Monate ein Stillhalten kommuniziert hat. Also keine Zinssenkungen im Dezember und im März. Und wie oft habe ich eigentlich schon bemerkt, wie manipuliert der Anleihemarkt ist, durch billionenschwere QE-Programme? Wie oft habe ich auf die absurden Unterschiede im KGV der Aktien- und der Anleihemärkte hingewiesen? Wie viele Artikel habe über das BBB- Anleiherisiko verfasst, mit dem Hinweis, welche Gefahr von den Unternehmensanleihen (Zombiefirmen) ausgeht. Ich verstehe ehrlich nicht, was Sie mit Ihrem Kommentar ausdrücken wollen?

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        Hesterberg

        1. November 2019 17:59 at 17:59

        Ich habe mir Markos Kommentar 2x durchgelesen und kann auch nicht erkennen, worüber er sich eigentlich aufregt. Die Lage an den Märkten empfinde ich als weniger verwirrend, als seinen Text.

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    Quintus

    1. November 2019 18:21 at 18:21

    @Wolfgang M.
    Diese Ansammlung von unverständlichen Vorwürfen von Seiten Marko’s können sie geflissentlich ignorieren. Ihre Interpretation der aktuellen Lage(welche schön verwirrend genug ist) ist hinreichend verständlich ausformuliert.
    Hier hat Marko etwas hineininterpretiert, daß so nicht zutrifft und eine Verteidigung ihrerseits somit obsolet werden läßt.
    Warum er ihnen etwas vorwirft, worauf sie schon des Öfteren hingewiesen haben…..🤔
    Ich lese ihre Artikel jedenfalls regelmäßig und bin manches mal different zu ihren Schlußfolgerungen, jedoch möchte ich diese nicht missen, also bitte Weiter so….

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    Roberto

    1. November 2019 18:23 at 18:23

    @Hesterberg,bei seinen Texten habe ich schon immer Probleme gehabt zu verstehen warum er hinter jedem Satz ein „Fragezeichen “ setzt. Ich bekomme regelrecht kopfschmerzen wenn ich diese Texte lese. Er schreibt ja auch keinen Kommentar, sondern verfasst nur irgendwelche Fragen, die sich im Zusammenhang aber nicht als Frage lesen lassen. Daher habe ich schon seit Monaten aufgehört mir das anzutun.:-)

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      leftutti

      1. November 2019 19:19 at 19:19

      @Roberto, du wolltest doch schon vor einer Viertelstunde zur Geburtstagsfeier. Ist die so langweilig, dass du dich lieber zu Marko äußerst? Zu dem Marko, den du dir seit Monaten nicht mehr antust, aber auf dessen Kommentare du dennoch direkt oder indirekt reagierst? ;)

      Ich wollte dir nur mitteilen, dass ich heute erstmals Daytrading im DOW betreibe um am ATH mit 4 Lot short gegangen bin. Wird natürlich heute noch geschlossen. Bin mal gespannt, wie weit im Minus das Experiment endet…

    • Avatar

      Hesterberg

      1. November 2019 19:22 at 19:22

      @Roberto
      Ja, das war sicher eine gute Entscheidung. Bei so manchen Kommentaren hatte ich auch schon Augenweh bekommen. :-)

    • Avatar

      leftutti

      1. November 2019 22:09 at 22:09

      @Roberto, die Jungs sind tatsächlich zäher als Leder und ähnlich einsichtig. Die eindeutigen Warnsignale des ISM Einkaufsmanagerindex (EMI) im stark rückläufigen bis rezessiven Bereich wurden schlicht und einfach ignoriert. Ich schließe den Trade bei Break-Even und staune lieber weiter von der Seitenlinie aus ;)

  4. Avatar

    Roberto

    2. November 2019 20:29 at 20:29

    @leftutti, erst mal Glückwunsch, das Du kein verlust gemacht hast. Du seihst das man mit short wirklich sehr starke Nerven haben muss. Jedes negative Ereignis hat nur ein drittel soviel kraft wie ein positives Ereignis, oder ein „scheinbar“ positives. Und ja, ich war bei der Geburtstagsfeier….aber habe ich eigentlich eine Uhrzeit genannt ? ich glaube nicht. soviel nur dazu. Und nun ein schönen Samstagabend noch.
    P.S, Die US Märkte haben wie immer Freitagstypisch abgeschlossen. Mal schauen. Ich erwarte auf dailybasis eine Korrektur in den nächsten 14 Tagen bei den Amis.

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