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Aktienmärkte: Divergenzen zu Fundamentaldaten – wie schließt sich diese Lücke ?

Wolfgang Müller

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Irgendwie erscheint es unlogisch. In großer Einigkeit senken die großen Wirtschaftsinstitute sowie die Analyseabteilungen der Großbanken die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft, der globale Einkaufmanagerindex befindet bereits im rezessiven Bereich – und dennoch legen die Aktienmärkte zu. Warum?

Notenbanken entkoppeln Aktienmärkte von den Wirtschaftsdaten

Die Entwicklung läuft nun schon seit Beginn des Jahres. Beginnend mit der „dovishen“ Wende der Fed haben viele Notenbanken eine geldpolitische Wende eingeleitet – 19 Zentralbanken wollen angeblich im 2. Halbjahr an der Zinsschraube drehen, nach zuletzt Australien und Südkorea -, dabei wieder einmal die Europäische Zentralbank, die eigentlich keinen erkennbaren Zinsspielraum mehr besitzt. Aber kann der Effekt nachhaltig sein?

Fed Williams - Aktienmärkte und die Divergenz
Zuletzt brachten mehrere Fed-Mitglieder Verwirrung in die Zinssenkungsphantasie. Nur ein begrenzter Schritt am 31. Juli, oder doch mehr? John C. Williams. Foto: Federal Reserve Bank of New York

Die Entwicklung der Börsen bisher

Das Kursfeuerwerk der Aktienmärkte seit Jahresbeginn sieht schon imposant aus, im 11. Jahr nach Lehman. Hier ein paar Beispiele zum Stand am Wochenende:

China plus 26,5 Prozent
USA plus 19,5 Prozent
MSCI World (die Addition der 23 führenden Industrienationen) plus 16,7 Prozent
EuroStoxx 50 plus 15,7 Prozent
Dax plus 17 Prozent
Italien plus 18,7 Prozent
Frankreich plus 17,1 Prozent

Selbst die ehemaligen BRIC-Staaten haussieren, mit Ausnahme von Indien, das aber das höchste Wirtschaftswachstum gemeldet hat.

Russland plus 27,2 Prozent
Brasilien plus 19,1 Prozent
Indien plus 6,3 Prozent

Was bringt die Berichtssaison?

Es ist noch erheblich zu früh, um sich ein Urteil zu erlauben, über die Qualität der Unternehmensberichte für Q2. Aber eines ist schon ersichtlich. Wenn ein Unternehmen in seinem Zahlenwerk enttäuscht, so hilft auch eine absolute Größe nicht vor kapitalen Kurseinbrüchen, so gesehen bei Netflix, welches in einem Tag über 12 Prozent nachgab. Oder auch beim deutschen Softwareanbieter SAP, der ein Zehntel seines Börsenwerts nach Bekanntgabe enttäuschender Quartalszahlen verlor. Wenn es den Unternehmen – in der Summe – in den nächsten Wochen und Monaten nicht gelingt die Erwartungen der Investoren zu erfüllen, die schon seit Beginn des Jahres mit einer großen Erholung bis zum Jahresende rechnen, muss sich die Schere zwischen Fundamentaldaten und Börsenkursen schließen. Notenbanken hin oder her – à la longue zählt das Bewertungsniveau, egal wie es zustande kommt.

Fazit

Investoren sind in letzten Monaten der üblichen Börsenlogik gefolgt, die da lautet: Das billige Geld wird die Wirtschaft ankurbeln. Die Parallelen zwischen den Kursschüben der Aktienmärkte und den Äußerungen der US-Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) sind tatsächlich auffällig.

Es riecht für mich eher nach einem Strohfeuer, einer Verlängerung des ultralangen Konjunkturzyklus, als nach dem Beginn einer neuen Wachstumsphase. „Irrational Exuberance“ – irrationaler Überschwang – haben Alan Greenspan (1996) und Professor Shiller in seinem Buch (2000) das Auseinanderklaffen von Börsenbewertung und Fundamentaldaten genannt.

Dieser Robert Shiller scheint einer den wenigen Menschen zu sein, die auf zwei kommende Crashs hingewiesen haben, denn auch vor der Immobilienkrise 2007 war er einer der lautesten Warner. Auch jetzt zeigt er mit dem Finger auf die Bewertungsdifferenz, auf einen Zeitpunkt der Korrektur mag er aber sich auch nicht festlegen.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Bullen, Bären und fliegende Schweine

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Ab morgen startet das verlängerte Thanksgiving-Wochenende in den USA. Die gut laufenden Kurse im November sind im Fokus seiner heutigen Berichterstattung.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Thanksgiving-Party

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die steigenden Corona-Zahlen in den USA werden an der Börse derzeit ignoriert. Die Kurse kennen aktuell nur eine Richtung. Positiv zu werten ist auch, dass vermutlich die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden sollte.

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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