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Aktienmärkte: Divergenzen zu Fundamentaldaten – wie schließt sich diese Lücke ?

Irgendwie erscheint es unlogisch. In großer Einigkeit senken die großen Wirtschaftsinstitute sowie die Analyseabteilungen der Großbanken die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft, der globale Einkaufmanagerindex befindet bereits im rezessiven Bereich – und dennoch legen die Aktienmärkte zu. Warum?

Notenbanken entkoppeln Aktienmärkte von den Wirtschaftsdaten

Die Entwicklung läuft nun schon seit Beginn des Jahres. Beginnend mit der „dovishen“ Wende der Fed haben viele Notenbanken eine geldpolitische Wende eingeleitet – 19 Zentralbanken wollen angeblich im 2. Halbjahr an der Zinsschraube drehen, nach zuletzt Australien und Südkorea -, dabei wieder einmal die Europäische Zentralbank, die eigentlich keinen erkennbaren Zinsspielraum mehr besitzt. Aber kann der Effekt nachhaltig sein?

Fed Williams - Aktienmärkte und die Divergenz
Zuletzt brachten mehrere Fed-Mitglieder Verwirrung in die Zinssenkungsphantasie. Nur ein begrenzter Schritt am 31. Juli, oder doch mehr? John C. Williams. Foto: Federal Reserve Bank of New York

Die Entwicklung der Börsen bisher

Das Kursfeuerwerk der Aktienmärkte seit Jahresbeginn sieht schon imposant aus, im 11. Jahr nach Lehman. Hier ein paar Beispiele zum Stand am Wochenende:

China plus 26,5 Prozent
USA plus 19,5 Prozent
MSCI World (die Addition der 23 führenden Industrienationen) plus 16,7 Prozent
EuroStoxx 50 plus 15,7 Prozent
Dax plus 17 Prozent
Italien plus 18,7 Prozent
Frankreich plus 17,1 Prozent

Selbst die ehemaligen BRIC-Staaten haussieren, mit Ausnahme von Indien, das aber das höchste Wirtschaftswachstum gemeldet hat.

Russland plus 27,2 Prozent
Brasilien plus 19,1 Prozent
Indien plus 6,3 Prozent

Was bringt die Berichtssaison?

Es ist noch erheblich zu früh, um sich ein Urteil zu erlauben, über die Qualität der Unternehmensberichte für Q2. Aber eines ist schon ersichtlich. Wenn ein Unternehmen in seinem Zahlenwerk enttäuscht, so hilft auch eine absolute Größe nicht vor kapitalen Kurseinbrüchen, so gesehen bei Netflix, welches in einem Tag über 12 Prozent nachgab. Oder auch beim deutschen Softwareanbieter SAP, der ein Zehntel seines Börsenwerts nach Bekanntgabe enttäuschender Quartalszahlen verlor. Wenn es den Unternehmen – in der Summe – in den nächsten Wochen und Monaten nicht gelingt die Erwartungen der Investoren zu erfüllen, die schon seit Beginn des Jahres mit einer großen Erholung bis zum Jahresende rechnen, muss sich die Schere zwischen Fundamentaldaten und Börsenkursen schließen. Notenbanken hin oder her – à la longue zählt das Bewertungsniveau, egal wie es zustande kommt.

Fazit

Investoren sind in letzten Monaten der üblichen Börsenlogik gefolgt, die da lautet: Das billige Geld wird die Wirtschaft ankurbeln. Die Parallelen zwischen den Kursschüben der Aktienmärkte und den Äußerungen der US-Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) sind tatsächlich auffällig.

Es riecht für mich eher nach einem Strohfeuer, einer Verlängerung des ultralangen Konjunkturzyklus, als nach dem Beginn einer neuen Wachstumsphase. „Irrational Exuberance“ – irrationaler Überschwang – haben Alan Greenspan (1996) und Professor Shiller in seinem Buch (2000) das Auseinanderklaffen von Börsenbewertung und Fundamentaldaten genannt.

Dieser Robert Shiller scheint einer den wenigen Menschen zu sein, die auf zwei kommende Crashs hingewiesen haben, denn auch vor der Immobilienkrise 2007 war er einer der lautesten Warner. Auch jetzt zeigt er mit dem Finger auf die Bewertungsdifferenz, auf einen Zeitpunkt der Korrektur mag er aber sich auch nicht festlegen.



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