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Aktienmärkte: Dominanz der USA und die Fed als Schutzpatron für die Weltmärkte

Die Fed und die globalen Aktienmärkte

Die amerikanische Notenbank Fed ist der Schutzengel für die globalen Aktienmärkte! Was sich zunächst etwas seltsam liest, wird bei Betrachtung der Größenverhältnisse der Aktienmärkte rasch klarer.

Zu extrem hat die Politik des billigen Geldes der Fed in den USA die Aktienmärkte in die Höhe getrieben, allein weit über 500 Prozent beim marktschweren S&P 500, seit dem Platzen der Immobilienblase und seinem Tief im März 2009.

Da es in dieser Zeit Mode geworden ist, mittels kostengünstiger Exchange Traded Funds (ETFs) in den MSCI World zu investieren, ist ein echtes Klumpenrisiko entstanden. Abgenommen hat das Gewicht chinesischer Aktien, trotz einer Vervielfachung der Wirtschaftsleistung, jedoch auch nicht ganz, wenn man deren Gewicht im MSCI Emerging Markets betrachtet.

Die Fed und Amerikas Dominanz an den Aktienmärkten

Seit dem Coronatief, eine Erholung des Leitindex S&P 500 der Superlative:

Verdopplung des S&P 500

Aber auch seit der Finanzkrise:

Fed - die Indizes seit der Finanzkrise

Chart: Advisor Perspectives

Das ist die längste Hausse in der US-Geschichte, wenn man den Corona-Crash nicht als Ende des Booms seit der Finanzkrise ansieht! Die amerikanischen Dividendentitel repräsentieren inzwischen 43 Prozent der Marktkapitalisierung der globalen Aktienmärkte. Sagenhafte 50 Billionen Dollar – aber wenn die großen US-Titel einen Schnupfen bekommen, erkrankt der ganze MSCI World:

Die Fed und die Dominanz der US-Aktienmärkte

Egal welchen Weltindex man heranzieht: ob MSCI World, MSCI All Country World inklusive der Emerging Markets oder sogar die Version mit den kleinen Aktien (MSCI ACWI IMI) – stets repräsentieren die USA ein gewaltiges Gewicht. Von 43 Prozent bis über 65 Prozent bei einer Investition in den beliebten MSCI World. Mit jeder Sparplanrate kauft man einmal mehr Apple und Co.:

MSCI Klassifizierung

Der Zweikampf USA gegen China, an den Börsen kein Thema

Trotz eines Anstieg des chinesischen Bruttoinlandsprodukts von 7,492 Billionen Dollar auf 16,642 Billionen (Quelle statista) binnen einer Dekade im Vergleich zu den USA (2011: 15,542 Billionen Dollar – 2021 erwartet 22,675 Billionen Dollar) hat sich in der Reihenfolge der marktschwersten Aktien der Welt eine deutliche Änderung ergeben.

Gab es mit PetroChina, Industrial&Commercial Bank China und China Mobile vor zehn Jahren noch drei chinesische Werte unter den Top Ten der wertvollsten Unternehmen, so ist es derzeit mit Tencent auf Platz 10 nur noch ein einziges. Wie lange noch?

Die USA stellen mit Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Facebook, Tesla und Berkshire Hathaway gleich sieben Titel in der Liste der marktschwersten Titel der Welt. Apple hat dabei ein fast siebenfaches Gewicht als der damalige Topwert Exxon. Was für eine Entwicklung, gäbe es nicht die saudische Saudi Aramco wäre Energie in den Top 10 gar nicht mehr vertreten. Daten sind der neue Rohstoff.

Derzeit erleben chinesische Techkonzerne einen wahren Absturz an den chinesischen Börsen. Die politischen Gründe dafür wurden auf FMW bereits dargestellt. Eine Schrumpfung der chinesischen Tech-Unternehmen um eine Billion Dollar binnen von sechs Monaten, obwohl dieser Sektor für einen gewichtigen Anteil für das chinesische Wachstum in den letzten Jahren verantwortlich ist.

Nicht zuletzt durch diese Entwicklung verschieben sich die Kraftverhältnisse an den Kapitalmärkten. Der Wert der amerikanischen Aktienmärkte stieg im globalen Maßstab kurz nach der Finanzkrise von 30 auf 43 Prozent, Chinas Aktien kommen nur knapp auf 10 Prozent der Welt-Marktkapitalisierung. 12 Billionen Dollar klingen sehr mächtig, liegen aber noch deutlich unter dem chinesischen Bruttoinlandsprodukt und bedeuten etwa ein Viertel des Wertes der amerikanischen Aktien.

Die Bewertung der Wall Street ist Shanghai, Hongkong und Shenzen weit enteilt, zugleich ist die amerikanische Abhängigkeit zu einer großen Achilles-Ferse für den Wohlstand der USA mutiert. Die Federal Reserve hat mit ihren Leitzinssenkungen von 5,25 Prozent vor der Finanzkrise auf aktuell 0 bis 0,25 Prozent bei gleichzeitig massiven Anleihekäufen (Quantitative Easing) die Leitplanken für eine historische Hausse der Aktienmärkte eingezogen.

Damit sind wir bei der Eingangsbezeichnung Schutzpatron, denn unabhängig von der gigantischen Entwicklung der US-Techindustrie, gilt die Fed als Garant für die Stabilität der Aktienmärkte. Eine starke Korrektur an der Wall Street würde Wohlstand und den essenziellen Konsum in den USA hart treffen.

Bisher hat ein „in Fed We trust“ noch stets geholfen, aber die gerade dargestellten Relationen werden sich nicht in alle Ewigkeit verteidigen lassen.

Fazit

Die USA haben in den letzten Jahren eine gewaltige Dominanz an den Weltaktienmärkten erreicht, der Prozentanteil hat insbesondere wegen der Tech-Unternehmen unglaubliche Höhen erreicht. 43 Prozent, bei einem Bruttoinlandsprodukt, welches etwa 24 Prozent des Weltsozialprodukts ausmacht (22,6 Bio. Dollar zu 93,6 Bio. Dollar global) und dies bei einem Bevölkerungsanteil von gerade mal 4,3 Prozent an der Weltbevölkerung. Allein die Marktkapitalisierung der FANGMA-Aktien liegt über 10 Billionen Dollar, eine Marktmacht mit monopolartigen Strukturen. Diese Situation kann sicher nicht mit früheren Zeiten verglichen werden, aber es erinnert es ein wenig an die Situation in Japan zum Ende der 1980er-Jahre, als das Land der aufgehenden Sonne eine ähnliche Dominanz seiner Aktienindizes erlebte.

China hingegen, die wirtschaftlich schon bis auf 20 Prozent an die USA herangerückt sind, haben deutlich an (relativem) Börsengewicht verloren. Damit dürfte es aber auch nicht so einfach sein werden, die USA von der Spitze zu verdrängen. Die Einflussnahme der KP Chinas hinterlässt deutliche Spuren, vor allem wenn das Vertrauen der internationalen Investoren auf Garantien von Eigentumsrechten schwindet.

Damit wird es für vorsichtige und breit streuende Aktienanleger schwieriger, den Markt mit einfachen Investments auf den MSCI World und ähnliche Anlagevehikel schwankungsstabil aufzustellen – man wird wohl nicht um Umstrukturierungen herumkommen.

Die Federal Reserve ist eigentlich primär verantwortlich für „Price Stability and Maximum Employment“, durch ihre Eingriffe am größten Kapitalmarkt der Welt mit der Zins-Benchmark der Welt, hat sie Voraussetzungen geschaffen, die die Aktienmärkte  nicht nur der USA, sondern der Welt insgesamt in großem Ausmaß tangieren. Damit wird wird auch klar, was es bei Zinsentscheidungen in den USA für Reaktionen in den globalen Märkten – sprich beim MSCI World – geben könnte und nicht nur in den Depots der Amerikaner.



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3 Kommentare

  1. China ist den USA tatsächlich nicht nur auf die Pelle gerückt, sondern kaufkraftbezogen (die einzige realwirtschaftlich sinnvolle Größe) längst an den USA vorbeigezogen. Und das deutlich.

    Das das bei den „Finanzzahlen“ noch anders aussieht, liegt an demselben Grund, aus dem die FED die globalen Finanzströme kontrolliert. Nämlich daran das die USA über die Leitwährung verfügen und damit dem Anker gegenüber dem die globalen Transaktionen abgewickelt werden. Und es wird sich daran auch solange nichts ändern, bis sie den Leitwährungsstatus verlieren.

    Was aber kurzfristig nicht zu erwarten, denn dafür müsste eine Alternativwährung zur Verfügung stehen, was strukturell nur die chinesische Währung sein kann. Dazu müsste Peking aber einen Teil seiner Kontrolle über die Währung aufgeben, was fundamental gegen deren Mentalität steht.
    Selbst die Chinesen setzen ja weiter auf den Dollar. Sie „importieren“ ihn in riesigen Mengen durch ihren Handelsüberschuss aus den USA und verwenden diese Mittel dann um sich zunehmend die Welt zusammenzukaufen. Und damit machen sie erst mal weiter, denn sie schwächen damit inzwischen den Einfluss der USA in anderen Regionen bereits deutlich. Das gilt für Afrika, aber auch für große Teile Eurasiens, aus denen der „Westen“ Stück für Stück herausgedrängt wird. Und das, wenn man historische Zeitmaßstäbe heranzieht, mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit.

    Auch die USA werden alles tun um den Leitwährungsstatus zu halten. Denn fällt der weg, bricht ihre Wirtschaft zusammen, die seit 50 Jahren darauf angewiesen ist vom Rest der Welt gesponsert zu werden. Tatsächlich besteht das BIP der USA ja vor allem daraus, das die Amerikaner das verbrauchen was andere produzieren.

    Das ist auch der wirkliche Grund, warum es sich die USA nicht leisten können ihre Finanzmärkte vorübergehend mal kollabieren zu lassen um sie damit zu bereinigen. Denn in der fragilen strategischen Lage in der sie sich befinden, könnte genau das das Ende der USA als Großmacht (nicht als Land, die berappeln sich schon wieder) bedeuten.

    Deswegen wird das Gelddrucken auch unbegrenzt fortgesetzt. Und die Aktienkurse werden weiter steigen. Bis es irgendwann knallt. Aber das kann noch sehr lange dauern.

  2. …sehr interessanter Artikel und auch Kommentar…eins verstehe ich nicht…ggf. ein Denkfehler…der Aktienmarkt der USA wird immer mit den Einwohnern oder dem BIP verglichen, aber es ist doch so, dass die amerikanischen Unternehmen in aller Welt aktiv sind (außer in einzelnen Ländern) und damit natürlich auch deutlich mehr Anteile haben können im Vergleich zu anderen Firmen oder Regionen…

  3. Schutzpatrone vor dem Knall

    Das beruhigt aber sehr wenn der Riesenberg von gedrucktem Geld der Amis als Garant ( Schutzpatron) für das gedruckte Geld der anderen Geldzauberern dienen sollte. Es gab einmal den Spruch: Wann ist die Lage prekär? Wenn gewerbsmässige Einbrecher Diebstahlversicherungen abschliessen.Kommt mir so ähnlich vor.
    Da die Heilige Barbara die Schutzpatronin der Mineure ist, würde ich die heilige Christine als Schutzpatronin der Börse vorschlagen.
    Passt gut: Lagarde kommt vom Verb „ hüten“

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