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Verstöße gegen Waffenruhe im Iran Aktienmärkte fallen, Ölpreise steigen – fragile Waffenruhe belastet

Steigende Ölpreise belasten Aktienmärkte
Grafik: ChatGPT

Aufkommende Zweifel an der Einhaltung der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran belasten die Aktienmärkte. Auslöser sind Aussagen aus Teheran, wonach mehrere Vereinbarungen bereits verletzt wurden. Im Fokus stehen geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus und deren Einfluss auf Ölpreise und Wachstum. Die Folge: Aktienmärkte geben nach, während steigende Ölpreise die Unsicherheit verstärken und den gestrigen Stimmungsumschwung eintrüben.

Fragile Waffenruhr belastet Aktienmärkte

Nach dem deutlichen Kurssprung am Mittwoch geben die Aktienmärkte nach, während die Ölpreise zulegen, da der Optimismus über die Waffenruhe zwischen den USA und Iran nachließ. Hintergrund sind Aussagen aus Teheran, wonach mehrere Punkte der Vereinbarung verletzt worden seien, was die anhaltende Unsicherheit an den Märkten unterstreicht, wie Bloomberg berichtet.

Der MSCI Asia Pacific Index fiel um 0,9 %, nachdem Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, dass bislang drei Klauseln des Waffenruhe-Vorschlags missachtet worden seien. Futures auf den S&P 500 und den DAX gaben um 0,2 % bzw. 0,7 % nach, was darauf hindeutet, dass die viertägige Rally der globalen Aktienmärkte eine Pause einlegt.

Am Mittwoch waren die Aktienmärkte weltweit noch deutlich gestiegen, der asiatische Index verzeichnete dabei den größten Sprung seit einem Jahr, während der DAX satte 5 % zulegte. Getrieben wurde dies von der Hoffnung, dass die Waffenruhe den Ölfluss durch die Straße von Hormus stabilisieren und das Wirtschaftswachstum stützen würde. Belastend wirkte jedoch der Ölpreis: Brent-Rohöl stieg am Donnerstag um 2 % auf mehr als 97 Dollar pro Barrel, nachdem es zuvor den stärksten Einbruch seit mehr als sechs Jahren verzeichnet hatte. Gleichzeitig blieb der Schiffsverkehr durch die Meerenge weitgehend blockiert.

Aktienmärkte fallen, Ölpreise steigen - fragile Waffenruhe im Iran belastet
Ölpreis erholt sich, da die Straße von Hormus vorerst gesperrt bleibt

Unsicherheit rund um Öl und Inflation

US-Staatsanleihen zeigten sich stabil, nachdem sie frühere Gewinne im Handelsverlauf wieder abgegeben hatten. Auch Staatsanleihen in Japan und Australien gerieten unter Druck, da steigende Ölpreise Inflationsängste schüren.

Die starken Kursschwankungen  an den Anleihe- und Aktienmärkten verdeutlichen, wie fragil die Marktstimmung bleibt. Zuvor hatte eine Erleichterungsrally eingesetzt, nachdem Washington angekündigt hatte, Angriffe auf Iran für zwei Wochen auszusetzen und Gespräche aufzunehmen. Neue israelische Angriffe im Libanon sowie die weiterhin faktische Blockade der Straße von Hormus gefährden jedoch die Waffenruhe und könnten die Erholung der Aktienmärkte stoppen.

Die Zerbrechlichkeit der Waffenruhe wird bereits getestet, nachdem Berichte darauf hindeuten, dass Iran die Straße von Hormus als Reaktion auf israelische Angriffe im Libanon geschlossen hat. Die Lage im Nahen Osten hat sich zwar etwas verbessert, bleibt jedoch dynamisch und könnte angesichts der beteiligten Akteure jederzeit wieder eskalieren.

In anderen Marktsegmenten legte ein Bloomberg-Dollarindex um 0,1 % zu, während Bitcoin um 0,5 % auf etwa 71.000 Dollar fiel. Gold schwankte und wurde bei knapp über 4.700 Dollar je Unze gehandelt.

Geopolitik bleibt dominierender Faktor

US-Präsident Donald Trump erklärte, dass sämtliche Schiffe, Flugzeuge und militärischen Einheiten in und um Iran verbleiben werden, bis eine endgültige Vereinbarung vollständig umgesetzt sei.

Im gesamten Nahen Osten kam es weiterhin zu vereinzelten Gefechten, unter anderem im Libanon, wo Israel seine Offensive gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah fortsetzte. Iranische Vertreter bewerteten dies als Verstoß gegen die erst wenige Stunden alte Waffenruhe.

Entscheidend wird sein, ob die Waffenruhe eingehalten wird und ob Fortschritte in den Verhandlungen erzielt werden. Eine Rückkehr zum Zustand vor dem Konflikt dürfte schwierig werden. Zwar könnte dies eine Untergrenze für eine weitere Eskalation markieren, die Risiken bleiben jedoch erhöht.

Marktstrategen weisen darauf hin, dass die Intensivierung israelischer Angriffe im Libanon sowie mögliche harte Reaktionen Irans das Risiko bergen, dass geplante Gespräche kaum Fortschritte bringen.

Der Fokus der Marktteilnehmer bleibt auf der Straße von Hormus und der Frage, ob die Energieflüsse über diese zentrale Route wieder anlaufen. Denn solange die Passage eingeschränkt bleibt, dürften die Ölpreise auf erhöhtem Niveau verharren. Laut Schiffsdaten verließen zuletzt lediglich drei Schiffe die Region.

Das grundlegende Problem von Waffenruhen besteht darin, dass beide Seiten zunächst Bedingungen vereinbaren und anschließend die Kampfhandlungen tatsächlich einstellen müssen. Sind diese Bedingungen jedoch nicht klar definiert oder fehlt die Möglichkeit, deren Einhaltung durchzusetzen, verliert eine sogenannte Waffenruhe schnell ihre Bedeutung. Die jüngste Erholung bei Edelmetallen, Kryptowährungen und Aktienmärkten dürfte damit erneut unter Druck geraten.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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2 Kommentare

  1. Der Ölpreis informiert uns weiterhin zuverlässig über die Ausgangslage im Naher und Mittlerer Osten.

  2. Schiffen aus den BRICS – Ländern gewährt der Iran freie Durchfahrt.
    Ebenso haben spanische Schiffe kostenlose Durchfahrt.
    Als ich hier vor Wochen geschrieben habe, dass Spanien auf längere Sicht den BRICS beitreten wird, war das Gelächter groß.
    Genau so groß, als wenn ich damals geschrieben hätte:
    ‚Wenn der Iran mal die Straße von Hormus sperrt, haben nur noch Schiffe aus den BRICS freie Durchfahrt und spanische“.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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