Indizes

Kein TACO, sondern FAFO Aktienmärkte feiern, doch Experten warnen vor Rückschlag

Aktienmärkte feiern, doch Experten warnen vor Rückschlag
Grafik: ChatGPT

US-Präsident Donald Trump nutzt die Stärke der Aktienmärkte, um seine Zollpolitik weiter zu verschärfen. Trotz einer Reihe neuer Zölle gegen globale Handelspartner in dieser Woche klettert der S&P 500 auf neue Rekordhöhen. Erst die neue Zolldrohung gegen Kanada sowie die Ankündigung von Pauschalzöllen in Höhe von 15 bis 20 Prozent am Donnerstagabend bremsten die Aktienmärkte aus. Börsenexperten warnen jedoch, dass die derzeitige Ruhe an den Börsen trügerisch sein könnte und einem schmerzhaften Rückschlag weichen könnte.

Trump bezieht Stärke aus den Aktienmärkten

US-Präsident Donald Trump hat erneut mit einer drastischen Ausweitung der Zölle gedroht. Laut einem Bericht von Bloomberg will er Kanada mit Zöllen von 35 Prozent belegen und den pauschalen Zollsatz auf Importe deutlich zu erhöhen – ein Schritt, den er mit den aktuellen Rekordständen an den Aktienmärkten rechtfertigt. Zwar reagierten die Märkte mit leichten Verlusten, doch die verhaltene Reaktion zeigt, wie sehr sich die Marktteilnehmer inzwischen an die handelspolitischen Drohungen gewöhnt haben. Genau diese Gleichgültigkeit könnte sich später jedoch als problematisch erweisen.

„Ich denke, die Zölle wurden sehr gut aufgenommen“, sagte Trump gegenüber NBC. „Der Aktienmarkt hat heute ein neues Hoch erreicht.“

Der Präsident kündigte an, pauschale Zölle in Höhe von 15 bis 20 % für alle Handelspartner zu prüfen, was über dem aktuellen Satz von 10 % liegt und die Erwartungen der Analysten übertrifft. Hinzu kamen neue Zölle gegen Kanada und bereits zuvor verhängte Maßnahmen gegen Brasilien. Die US-Aktienmärkte reagierten auf diese Ankündigungen: Die Futures auf den S&P 500 sowie auf europäische Aktien gaben am Freitag nach, während der Dollar gegenüber den meisten Währungen zulegte und der Yen schwächer wurde.

Der S&P 500 verzeichnete zuletzt ein neues Allzeithoch – doch der Weg dorthin war alles andere als gradlinig. Im April kratzte der Index an einem Bärenmarkt, während der Nasdaq 100 diesen Punkt überschritt – ausgelöst durch Trumps sogenannten „Liberation Day“. Trotz der starken Erholung hinken die US-Börsen den globalen Aktienmärkten hinterher, da die Unsicherheit über Handelskonflikte und mögliche Auswirkungen der Steuersenkungen auf das US-Haushaltsdefizit Zweifel an der wirtschaftlichen Ausnahmestellung der USA schüren.

Aktienmärkte trotzen Risiken – noch!

Gleichzeitig signalisiert die geringe Volatilität an den Aktienmärkten eine gewisse Sorglosigkeit. Der VIX, das Angstbarometer für US-Aktien, fiel in dieser Woche auf den niedrigsten Stand seit Februar. Der S&P 500 und auch Bitcoin erreichten jeweils neue Höchststände, was auf eine risikofreudige und sorglose Marktstimmung hinweist.

„Rekordhochs und ein niedriger VIX deuten darauf hin, dass die Aktienmärkte bereits eine perfekte Entwicklung eingepreist haben – eine weiche Landung und eine reibungslose Auflösung des Zollrisikos – was völlig aus dem Gleichgewicht mit der realen Lage ist“, sagte Hebe Chen von Vantage Markets. „Ein Rückschlag ist sehr wahrscheinlich, da sich der S&P 500 in einer überkauften Zone befindet.“

Märkte: Unbekümmertheit könnte Rückschlag für den S&P 500 auslösen
Rallye an den Aktienmärkten: Volatilität (VIX) sinkt

Auch JPMorgan-Chef Jamie Dimon warnte vor einer zu gelassenen Haltung der Aktienmärkte angesichts zunehmender Spannungen im Welthandel. Trump beendete eine Woche voller Zollankündigungen mit einem 35 %igen Zoll auf bestimmte kanadische Waren, nachdem er zuvor ein Satz von 50 % gegen Brasilien verhängt hatte. Trump kündigte zudem an, dass ein Zollbrief am Freitag an die EU verschickt wird.

„Wir sollten in den kommenden Wochen mit größeren Zolldrohungen gegen weitere Länder rechnen“, sagte Michael Pearce von Oxford Economics. „Die zentrale Frage ist, ob die Regierung diesen Drohungen auch Taten folgen lässt. So oder so scheinen die Finanzmärkte die Risiken zu unterschätzen.“

Trump selbst veröffentlichte diese Woche mehrfach Beiträge, in denen er die Rekordhochs der US-Aktienmärkte betonte. „Technologieaktien, Industrieaktien & NASDAQ erreichen ALLZEITHÖCHSTSTÄNDE!“, schrieb er auf Social-Media. „Die USA nehmen Hunderte Milliarden Dollar durch Zölle ein. DAS LAND IST ZURÜCK. EIN GROSSARTIGER ERFOLG!“, so Trump.

FAFO statt TACO

Laut David Chao von Invesco leiden der Aktienmarkt inzwischen unter einer „Zollmüdigkeit“. Viele Anleger warten ab, bis sich in der Zollpolitik ein klareres Bild abzeichnet – zu viele widersprüchliche Nachrichten, Verzögerungen und plötzliche Ankündigungen hätten ein verwirrendes Umfeld geschaffen, sagte er.

Dennoch könnten die steigenden Aktienmärkte unbeabsichtigt Trumps Zollstrategie legitimieren. Denn sollte es zu einem deutlichen Rückschlag kommen, könnte dies die Regierung zu einem Rückzieher bewegen – wie es auch nach den Zöllen am 2. April der Fall war, die eine Kombination aus Dollar-Schwäche, Anleiheverkäufen und Börsenrückgängen auslösten.

Bei einer Konferenz in Idaho, bekannt als „Sommercamp der Milliardäre“, wies US-Finanzminister Scott Bessent die Bezeichnung „TACO-Strategie“ zurück – ein Begriff, der suggeriert, Trump ziehe sich bei Marktschwäche stets zurück. Stattdessen beschrieb Bessent Trumps Kurs als „FAFO“ – ein Kürzel für „Fxxx Around and Find Out“, das in sozialen Medien für eine harte Linie steht.

„Mit den US-Aktienmärkten auf Rekordhöhe sieht sich die Trump-Regierung ermutigt, ihre Zolldrohungen zu verschärfen“, sagte Eugenia Victorino von der SEB. „Höhere Zölle könnten eine neue Abwärtswelle an den Aktienmärkten auslösen, was Trump dann erneut zum Einlenken bewegen könnte.“

Bislang blieb der befürchtete wirtschaftliche Rückschlag aus. Die Inflation ist unter Kontrolle, und asiatische Exporte profitierten von einer Vorzieheffekt-Welle. Doch dieser „Vorratsboom“ in Südostasien könnte in der zweiten Jahreshälfte eine Wachstumsdelle verursachen. Gleichzeitig senken Unternehmen weltweit wegen steigender US-Zölle ihre Ausgaben – was Investitionen und Jobwachstum gefährdet.

Trump-Zölle eskalieren, doch Aktienmärkte bleiben ruhig
Vorzieheffekt | Importe in die USA

Ob Trumps Zölle tatsächlich umgesetzt werden oder nur Drohkulissen für bessere Verhandlungsergebnisse darstellen, bleibt unklar. „Das Hin und Her bei den Zöllen dient dazu, Verhandlungen zu beschleunigen und Trump dabei Erfolge zu ermöglichen“, so Marko Papic von BCA Research. „Anleger sollten deshalb nicht auf jede Ankündigung reagieren.“

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage