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Indizes

Aktienmärkte: Geht die Korrektur ungebremst weiter?

Waren die Abverkäufe der Aktienmärkte und speziell bei Aktien wie etwa Tesla schon groß genug, oder besteht noch großer Korrekturbedarf in vielen Depots?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Vor knapp einer Woche konnte man noch auf eine beeindruckende Performance der Aktienmärkte im Monat August zurückblicken (bester August seit 1986) – beziehungsweise auf zwei Sommermonate, die extrem gute Entwicklungen der Indizes gebracht haben, bei Einzelwerten sogar exzessive Anstiege (u.a. Aktiensplits bei Tesla und Apple).

Bei meiner kleinen Zwischenbilanz in der lezten Woche wurde auf eine notwendige Korrektur hingewiesen, wegen der Exponentialität der Kursanstiege und der extremen Positionierung der Käufer am Optionmarkt in Kaufoptionen. Es kam, wie es kommen musste – die Korrektur der Aktienmärkte hat eingesetzt, außergewöhnlich passgenau mit dem Eintritt in den Börsenmonat September, auch wenn die Vorhersage sehr von Zufall oder Glück geprägt war. Aber waren die Abverkäufe der Aktienmärkte und speziell bei den Spekulationsobjekten schon groß genug, oder besteht noch großer Korrekturbedarf in vielen Depots?

Aktienmärkte und die extreme Call-Spekulation

Vor einer Woche hatte ich die Situation so beschrieben:

„Der Monat August wird damit nicht nur der fünfte Anstiegsmonat beim S&P 500 in Folge, sondern sogar der beste August seit 1986. Die Rede ist vom mit Abstand größten Index der Welt, der es fast auf eine Marktkapitalisierung von einem Drittel aller Aktien der Welt bringt. Eine Korrektur des steilen Anstiegs wird kommen müssen, in den Wochen vor der Wahl, eine Fortschreibung der Charts würde in gewaltige Höhen führen, nach einem Kursanstieg von 30 Prozent der Billionen-Dollar-Aktie Apple binnen eines Monats – bei Tesla waren es gleich 45 Prozent. Denn sonst wären wir kurstechnisch endgültig in Extremistan angekommen, wie es Nassim Taleb bezeichnen würde.“

Dass es so schnell gehen würde, wie ab Mitte der Woche, war natürlich nicht genau vorhersehbar, denn ein exaktes Timing ist Glücksache, auch wenn es immer versucht wird. Aber neben den Spekulationen auf die großen Tech-Werte, die als große Gewinner der Coronakrise identifiziert und gekauft wurden, gab es einen ganz großen Kurstreiber, der zwar öfters angesprochen, aber nicht richtig quantifiziert werden konnte: Es gab nicht nur eine fast schon historisch niedrige Absicherung der Depots mittels Verkaufoptionen, sondern zugleich unglaublich viele Käufe von Calls (99 Prozent), mit großen Hebeln und von sehr vielen unerfahrenen Anlegern.

Mit sehr großen Folgen und Konsequenzen, nicht nur für die Käufer der Derivate, sondern für die Aktienmärkte ingesamt. Die große Spekulation auf steigende Kurse, bei welchem Basiswert auch immer, löste bei den Market Makers am Terminmarkt eine unweigerliche Kettenreaktion aus. Der so genannte Stillhalter, der von der Prämieneinnahme auf die Option lebt, muss sich nach dem Verkauf des Calls gegenüber der Position absichern, damit zugleich die Aktie erwerben, da er aufgrund des Optionsrechts des Käufers auch liefern können muss. Die Option gewinnt aufgrund des Hebels exponentiell an Wert. Folge: Ständige Nachkäufe von immer teureren Underlyings (Gamma-Squeeze).

Aber anscheinend waren nicht nur die Kleinen am Optionsmarkt am Spekulieren auf steigende Kurse, denn vor dem Wochenende geisterte folgende Meldung über die Ticker: Wie die Financial Times und das Wall Street Journal berichteten, hat die japanische Softbank massiv Aktienoptionen auf Technologie-Titel gekauft und damit den Markt künstlich befeuert. Kaufoptionen im Wert von vier Milliarden Dollar. War nicht die Softbank Group ein Ankerinvestor bei Wirecard und hatte dem inzwischen insolventen Dax-Unternehmen noch im letzten Jahr mit einer Geldspritze von 900 Millionen Euro geholfen? Wozu waren die Optionskäufe gedacht?

Die Hausse nährte die Hausse – in einer weiteren Variante

Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass die so gehypten Aktien bei einer größeren Korrektur auf den Markt geworfen werden, weil die Option massiv an Wert verloren hat und der Market Maker die große Stückzahl an Aktien nicht mehr benötigt – ganz im Gegenteil. Die manchmal aus heiterem Himmel losgetretene Lawine wird von mehren Seiten verstärkt. Dazu kommt noch die Sicherheitsleistung, auch Margin genannt.

Der gefürchtete Margin Call

Die Anbieter am Markt setzen mit schöner Regelmäßigkeit einen Mechanismus in Gang, um es einem Depotinhaber zu ermöglichen, auch mit einem kleineren Depot größere Gewinne zu erzielen.

Sei es beim Kauf von Optionen, wo eine bestimmte Sicherheitsleistung hinterlegt werden muss, wegen des erheblichen Kursänderungsrisikos bei gehebelten Produkten oder auch bei Wertpapierkrediten bei normalen Aktienkäufen, in dem man Papiere auf Pump kaufen kann, um bei einem Anstieg auch mit einem Hebel über eins nach oben zu partizipieren.

Sollte es aber zu größeren Korrekturen kommen, setzt der gegenteilige Effekt ein, durch den gefürchteten Margin Call: Der Depotinhaber wird zum Ausgleich aufgefordert (Nachschussverpflichtung durch Barmittel, die dann oft nicht vorhanden sind), oder durch Auflösen von Positionen. Damit stellt sich ein Effekt ein, der sich immer mehr verstärkt, desto größer der Rückschlag der Aktienmärkte ausfällt.

Wobei hier die Finanzmathematik unbarmherzig zuschlägt: Bei großen Rückschlägen steigen die Verluste überproportional zum eingesetzten Hebel. Übrigens ein Mechanismus, den man bei jedem Aktiencrash beobachten kann. Wenn es richtig kracht, wird alles verkauft, selbst Gegenpositionen wie Gold – weil man Mittel auftreiben muss, um zum Beispiel Margin Calls zu bedienen. So erklären sich manche Kursentwicklungen bei Cashs der Aktienmärkte in den letzten Jahrzehnten, bei denen man jedes Mal von der extremen Falltiefe überrascht wird. Selbst bei Indizes: ich erinnere mich immer noch an den Fall unseres Dax von 8069 bei seinem Hoch im Jahr 2000 auf 2202 Punkte als Crashtief im Jahre 2003..

Fazit

Die jetzige Situation mit den extrem scharfen Korrekturen – bei Apple von 137 auf 111 Dollar oder circa 400 Milliarden Dollar in der Spitze an Marktkapitalisierung, oder bei Tesla um fast ein Drittel des Aktienwertes – sind die logische Folge von Fahnenstangen-Charts. Parabolische Anstiege werden kaum mit moderaten Querbewegungen korrigiert. Bei dem Elektroautobauer Tesla hatte ich darauf hingewiesen, dass es keine drei Monate so weiter gehen kann, weil dann die Aktie einen höheren Wert erreichen würde, als alle Automobilproduzenten der Welt zusammen. Aber wie schwierig es gerade bei diesem Wert war, den Zeitpunkt der scharfen Korrektur vorherzusehen, mussten Leerverkäufer im Zuge der Entwicklung des Titels von 500 auf über 2000 Dollar (splitbereinigt) erleben und teuer bezahlen.

Jetzt stellt sich die große Frage, wie tief die Korrektur der Aktienmärkte noch gehen kann? Unabhängig von Stopploss-Orders zur Sicherung von Gewinnen spielt hier der Verfallstermin am 18. September eine große Rolle. Wie groß ist noch die Lawine aus Schieflagen der Call-Optionskäufer, der Market Maker und infolge von Margin Calls? Wann sind die Depots wieder ausgeglichen, wann die vielen Positionen in Extremlagen geschlossen, was in der Regel schon eine Woche vor einem Verfallstermin der Fall ist? Ist der Triple Witching Day am 18. des Monats der große Treiber an den US-Börsen?

Ergo: Eines ist sehr wahrscheinlich: „Volatilität ante portas“, im Monat September und wahrscheinlich auch darüber hinaus bis zu den Wahlen.

Aber jetzt zu prognostizieren, dass die Aktienmärkte von einer Korrekturphase (minus 10 Prozent) gleich in einen Bärenmarkt (> minus 20 Prozent) abstürzen wird, ist aus meiner Sicht nicht seriös. Denn dagegen sprechen zwei Mechanismen: Zum einen beginnen sich Investoren bereits stark mit Verkaufsoptionen abzusichern, was sofort gleich gleich wieder kleine Short Squeezes (Eindeckungsrallys durch erzwungene Aktienkäufe) auslösen könnte, sollte der zweite Unterstützungsfaktor wirken: Fiskalische Unterstützung durch die US-Regierung, zum Beispiel durch das fünfte Konjunkturpaket, oder auch verbale Unterstützung durch die Federal Reserve. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass Fed-Chef Jerome Powell bei der jetzigen Korrektur sogar ein bisschen aufgeatmet hat. Die Aktienmärkte haben ohne äußere Einwirkung selbst Luft aus der immer größer geworden Aktien-Bubble abgelassen. Denn ein richtiger Crash der 40 Billionen Dollar schweren amerikanischen Aktienmärkte würde alle Maßnahmen von staatlicher Seite zur Stützung der Konjunktur, des Arbeitsmarktes und des Konsums in den USA ins Leere laufen lassen.

Da braucht man sich nur die vergleichbaren Summen gegenüber zu stellen: Was ist eine exzessive und historische Ausweitung der Fed-Bilanz von drei Billionen Dollar binnen eines halben Jahres gegen einen veritablen Aktiencrash?

Wie weit geht die Korrektur der Aktienmärkte?

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Macwoiferl

    7. September 2020 12:17 at 12:17

    Genau@Wolfgang Müller.
    Es geht ja schon wieder mächtig aufwärts…
    Buy The Dip bis ans Ende unserer Tage. Übermorgen 13.500 resp. 29.000.
    Der FMW-Schnellindikator zeigt übrigens für Eilige auf einen Blick:
    Das Wort „Korrektur“ (Einbruch, fallen) in der Headline mit Fragezeichen = 2-3 Prozent aufwärts
    Headline ohne das Wort „Korrektur“, „Einbruch“, „fallen“ = 4-5 Prozent aufwärts
    Krall/Dirk Müller/Florian Homm im Interview plus großformatige Bilder = Shortsqueeze steht bevor
    Headline mit „Panik“, „Blase“, „rechtzeitig“, „Crash böse“, „tiefer Einbruch“, „rote Vorzeichen“ = Dax minus 55 Punkte, Dow minus 105 Punkte

    Schöne Panikwoche den geneigten Lesern!

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Indizes

Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

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Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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Gold/Silber

Rüdiger Born: Charttechnik bei Dow, Nasdaq und Silber

Redaktion

Veröffentlicht

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Von

Ganz so einfach ist die Lage bei Dow Jones, Nasdaq und Silber derzeit nicht. Schauen wir genauer auf die Charts im folgenden Video.

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