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Aktienmärkte – geschieht das Unerwartete?

Wolfgang Müller

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Steigen die Aktienmärkte im Schlussquartal 2019 auf neue Höhen? Nach all den Warnungen der großen Wirtschaftsinstitute, von IWF bis Weltbank, nach sich verschlechternden US-Konjunkturdaten, nach gesenkten Prognosen der Großbanken mit ihrer Heerschar von Analysten und einer im Jahresverlauf ständig gestiegenen Belastung durch die Handelsstreitigkeiten, steht der S&P 500 nur knapp zwei Prozent unter seinem Allzeithoch – der Dax nicht weit entfernt von seinem Jahreshoch. Beide Indizes liegen seit Jahresanfang 18 Prozent im Plus. Wie lässt sich das erklären?

 

Aktienmärkte – der Fokus der Anleger

Seit geraumer Zeit wird das Anlageverhalten der Aktionäre sehr stark von der Psychologie geprägt, von der Hoffnung auf Zinssenkungen der Notenbanken bereits seit der Jahreswende und auf eine Stabilisierung der US-Wirtschaft. Man rechnet nicht mit der absoluten Eskalation des Handelsstreits, zu viel hätten die USA und insbesondere der um seine Wiederwahl kämpfende Donald Trump zu verlieren.

Zur Beurteilung der jetzigen Situation der Aktienmärkte spielt auch der Investitionsgrad der großen Anleger und natürlich das Konkurrenzniveau zwischen Anleihen und Aktien eine große Rolle. Dazu kommen die vielen täglichen Meldungen über die zahlreichen geopolitischen Themen, wie Brexit und Nahostkonflikt, aber von allen News hat sich eine Person aus dem Weißen Haus per Twitter die größte Kursrelevanz „erarbeitet“. Ebenso haben die fundamentalen Daten natürlich ihre Wirkung, aber richtig bedeutsam sind diese eher im langfristigen Kontext.

Wichtiger ist, ob die Erwartungen der Anleger auf die Daten übertroffen werden oder nicht – und da ist es nicht einmal so wichtig, in welcher Höhe sie sich gerade befinden. In der aktuellen Betichtssaison werden wir wieder ein paar Beispiele dafür finden. Hier ein Versuch der Darstellung der aktuellen Lage der Aktienmärkte an ein paar Punkten, die das eigentlich nach logischen Gesichtspunkten widersinnige Marktverhalten zu erklären versuchen.

 

Psychologie

In den USA hat der Vorlauf des fortlaufenden Handelsstreit und die Eintrübung der weltweiten Konjunktur sichtbar Spuren hinterlassen. Die Anleger sind vorsichtig und pessimistisch geworden, was als Kontraindikation zu werten ist.

Hier sichern sich die institutionellen Investoren weiter vor fallenden Kursen ab, ablesbar am Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE, wie die wöchentliche Auswertung des Sentimenthauses AnimusX aufzeigt.

Auch der Bull/Bear-Index der US-Privatanleger zeigte mit einem Wert von minus 18 Prozent einen deutlichen Überhang der Bären an, was bedeutet, dass die privaten US-Anleger sehr pessimistisch eingestellt sind.

Damit sind in den USA sowohl Privatanleger als auch Profis pessimistisch in ihrer Einschätzung, trotz der vermeintlichen Fortschritte im Handelsstreit.

Der Fear&Greed-Index hat darauf reagiert und befindet sich mit 42 Punkten im neutralen Bereich.

In Deutschland hatten diese Hoffnungen eine viel stärkere Auswirkung, vermutlich weil man als Exportnation stärker von einer Eskalation betroffen ist. Der Dax stieg in der letzten Woche um 4,2 Prozent, obwohl es eigentlich keine Fakten gab, die solch einen Kurssprung rechtfertigen konnten – ganz im Gegenteil die Nachrichtenlage aus der Industrie hatte sich eher verschlechtert.

Die Auswertung zu Wochenbeginn zeigt: Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart ist in eine neutrale Positionierung der Privatanleger gestiegen. Die großen Absicherungspositionen der Vorwochen, als die privaten Anleger sehr pessimistisch waren, wurden aufgelöst, genau wie bei den Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex abgesichert haben. Das Put/Call-Verhältnis stand mit einem Wert von 1,1 im neutralen Bereich

Marktpositionierung

In den USA spiegelt sich der Pessimismus in Sachen Aktienmärkte auch in der niedrigen Investitionsquote der Fondsmanager wider, denn sie ist mit 57 Prozent auf dem niedrigen Niveau der Vorwoche geblieben. Damit sind die Investmentfonds, wie auch die Hedgefonds unterinvestiert. Letztere lagen aber schon mehrfach in letzter Zeit in Summa falsch, im Dezember 2018 und im Frühjahr 2019, wie es an den Performancedaten ablesbar ist. Sollte der Markt wider deren Erwartung steigen, müssten sie per „Pain Trades“ wieder in die Märkte einsteigen.

 

Zinsniveau

Eine zentrale Bedeutung für die Märkte hat das Konkurrenzverhältnis zwischen den Anleihe– und den Aktienmärkten. Die maßgebliche 10-jährige US-Treasury hat aktuell einen Zinswert von 1,71 Prozent, bei einem KGV von 58 (100/1,71), das Zinsniveau liegt damit auf der Höhe der Dividendenrendite im S&P 500.

Das KGV des größten Aktienindex der Welt beträgt nach Shiller 22,1, nach den üblichen Darstellungen (CNBC) 17,5 und damit steht es nicht weit über dem historischen Durchschnitt von ca. 16. Der Dax, wie auch die europäischen Märkte liegen hier, wie berichtet, deutlich niedriger.

Keine unmittelbaren Argumente also, um aus den Aktienmärkten auszusteigen, außer das Rezessiongespenst taucht wieder auf, sonst gilt weiter TINA.

 

Zinssenkungszyklus

Wie bereits mehrfach beschrieben, befindet sich die Welt in einem Wettstreit der Zinssenkungen. Allein im dritten Quartal waren es bereits 58 Zinssenkungen der globalen Notenbanken. Und die so bedeutsame dritte Zinssenkung der Federal Reserve könnte Ende Oktober anstehen. Dazu kommt noch das QE4, ein Quantitative Easing mit dem Kauf von kurzlaufenden US-Staatsanleihen in Höhe von 60 Milliarden Dollar monatlich, welches man aber so nicht bezeichnen darf. Insgesamt ein entscheidender Faktor zur Stützung der Aktienbörsen, das Gegenteil haben wir im Jahr 2018 gesehen.

 

Aktienrückkäufe

Im Bereich der so genannten „Buybacks“ hat man zwar im Jahresverlauf einen Rückgang der Käufe gesehen. Aber haben wir nicht gerade den Höhepunkt der Blackout Period, vom 10. – 17. Oktober, wo die großen Unternehmen keine Aktien zurückkaufen dürfen. Ich habe schon daraufhin gewiesen, in welcher Höhe noch genehmigte Buybacks ausstehen: Microsoft mit Aktienrückkäufen in Höhe von 40 Milliarden $ (4 % des gesamten Bestandes), Oracle, Target und jede Menge weiterer Unternehmen, die noch Aktienrückkäufe angekündigt haben. Der Markt ist in diesen Tagen nicht gefallen, obwohl diese Käufe ausgefallen sind – der entscheidende Kurstreiber in den letzten Jahren.

Was passiert, wenn diese in den nächsten 45 Börsentagen bis Weihnachten noch umgesetzt werden?

 

Und wie steht es um den Dax?

Eine Hiobsmeldung nach der anderen im Industriesektor, bei Automobil und Maschinenbau. Dazu noch die Abstufungen des deutschen Wirtschaftswachstums der großen Institute im Quartalrhythmus, die aber eigentlich zu spät kommen (müssen) – in der Voraussage einer Rezession und auch für den Beginn des neuen Abschwungs, was für ein Umfeld! Der Dax hatte sein Zyklushoch bereits am 23. Januar 2018 vor fast 21 Monaten gesehen. Jetzt hat mit dem Monat Oktober das jahreszeitlich starke Quartal begonnen. Im letzten Jahr verlor der Dax im vierten Quartal 14 Prozent an Wert, was historisch eine Ausnahme darstellt.

In den 31 Jahren seines Bestehens waren 26 Q4-Perioden positiv, entsprechend einer Quote von 84 Prozent. Wenn die ersten neun Monate positiv verliefen, stieg diese Quote noch deutlich über 90 Prozent an. Historische Daten geben natürlich keine Gewähr für die Zukunft, aber man sollte sie nicht ignorieren.

 

Fazit – die Lage der Aktienmärkte

Ich weiß, dass das von mir gezeichnete Szenario einer Jahresendrally sich nicht nur aus der Sicht der Bären als ziemlich absurd lesen muss. Aber an den Börsen passiert kurzfristig meist das Gegenteil dessen, was der Mainstream und die Masse der Anleger – und der Bankanalysten erwartet.

Um nicht missverstanden zu werden, ich schreibe hier nicht von einem neuen Aufwärtstrend oder einem Zwischenzyklus im Aufwärtstrend, wie Notenbankchef Powell es vor nicht allzu langer Zeit bezeichnet hat. Eher von einem möglichen „Sugar Rush“ zu Jahresende. Die Rezession und große Kurseinbrüche werden kommen.

Derzeit herrscht an den Märkten und insbesondere in den Analyseabteilungen von Banken (JP Morgan, Goldman Sachs und Co.) eine große Skepsis darüber, was die Konjunktur und der Handelsstreit in der nahen Zukunft bringen werden. Darin liegt genau das Überraschungsmoment: hoher Pessimismus, eine niedrige Investitionsquote und das desaströse Zinsniveau – da genügen nur vage Andeutungen des selbst ernannten größten Dealmakers, um eine Rallye auszulösen. Das mittel- und langfristige Problem bleibt aber bestehen, der große Einbruch wird kommen. Aber auf kurze Sicht sollte man das scheinbar „Unmögliche“ nicht außer Acht lassen.

Die Berichtssaison wird mit den Ausblicken etwas Klarheit bringen.

Steigen die Aktienmärkte im 4.Quartal auf neue Höhen?

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Columbo

    15. Oktober 2019 09:51 at 09:51

    So unerwartet ist das nicht. Depressive Börsengesichter im Herbst und dann Weihnachtsrally bedingte Freudentränen unterm Weihnachtsbaum. War eigentlich immer so, außer letztes Jahr vielleicht, aber da gabs dafür eine Neujahresrally.
    „Der große Einbruch wird kommen“, jaja, irgendwann, aber doch niemals zwischen dem 24. Dezember und dem nächsten 24. Dezember.

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Rüdiger Born: S&P 500 noch nicht willig für einen Rücksetzer?

Rüdiger Born

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Ist der S&P 500 noch nicht willig für einen Rücksetzer? Das schaue ich mir im folgenden Video direkt am Chart etwas genauer an.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – das Problem mit den aktuellen Zockereien

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Er bespricht die Zockereien der letzten Tage, und warum dies im großen Bild gesehen ein Problem für die Börse ist.

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Aktien

GameStop: Symptom für Entgleisung der Märkte – wie war das möglich?

Wie war ein Phänomen wie bei der Aktie von GameStop möglich? Eine Spurensuche nach den Ursachen eines erstaunlichen Exzesses!

Wolfgang Müller

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Die Anlegerwelt blickt bestürzt und fasziniert in die USA, auf die Kapriolen von Aktie wie GameStop – dazu auf Small Caps, auf exorbitante Call-Spekulation, auf Schieflagen von Leerverkäufern und Brokern. Ausgelöst nicht durch Big Money, sondern durch viele junge Anleger, die eine unregulierte Seite der Aktienmärkte ausnutzen. Eine Spurensuche nach den Ursachen, was Entwicklungen wie bei der Aktie von GameStop möglich gemacht hat..

Wie war GameStop möglich?

Die Notenbanken

Klar ist die Entwicklung an den Aktienmärkten zunächst einmal den Notenbanken geschuldet. Mit der Eliminierung der Anlageklasse Anleihen, der Verlängerung der Aktienhausse, weil mit sinkenden Zinsen Aktienbewertungen immer mehr relativiert wurden. Vor allem aber durch die besondere Situation einer Pandemie, in der alle Notenbanken an einem Strang ziehen, um eine wirtschaftliche Katastrophe zu verhindern.

Dabei ist doch Fed-Chef Jerome Powell noch einer der Vernünftigeren. Hatte er nicht 2018 viermal die Zinsen angehoben, um Exzesse zu unterbinden – und wie ist er für seinen Kommunikationsgau gemaßregelt worden, als er für 2019 von weiteren Zinsanhebungen und Bilanzreduzierung gesprochen hatte? Wurde er nicht von Donald Trump monatelang in der Öffentlichkeit vorgeführt, als „Dummkopf“ beschimpft, weil er partout nicht die Zinsen stärker senken wollte. Der Ex-Präsident hatte stets ins Felde geführt, dass Deutschland sich verschulden könne und dabei noch Geld verdienen würde. Kurzum: Die Marktteilnehmer haben die Ausnahmesituation an den Kapitalmärkten erkannt und den Aktienboom immer weiter befördert. Es gibt einen „Ocean of Liquidity“. Das ist die erste Voraussetzung für das Phänomen GameStop!

Die kostenlosen Neobroker

Eine sehr wesentliche Ursache für den verstärkten Boom an den Aktienmärkten, speziell durch neue Anlegergruppen, war der Preiskampf der Broker um die Kunden, der schließlich zur Abschaffung der Gebühren geführt hat. Es war die Meldung im Oktober 2019, die die Gebührenschmelze brachte: Charles Schwab hatte als Branchenführer angekündigt, in Zukunft auf Kommissionen für das Geschäft mit US-Aktien, börsengehandelten Fonds (ETFs) und Optionsscheinen zu verzichten. Es folgten weitere Broker wie TD Ameritrade und E-Trade und selbst Fidelity zog für seine 22 Millionen Konten nach. Eine Reaktion auf den Aufstieg von RobinHood, der Boden für das grenzenlose Zocken war bereitet. Wenn ich für kleine Trades keine Gebühren bezahlen muss, kann ich das x-mal am Tag wiederholen.

Einen weiteren Schub gab es für die Retail Investors durch die Möglichkeit, Bruchstücke von Aktien zu kaufen – also die Möglichkeit durch den Broker, Teile einer Amazon-Aktie zu handeln, weil ich keine 3000 Dollar für eine einzelne Aktie aufbringen kann. Dazu noch das Angebot der Depotbeleihung, um auf Kredit zu spekulieren. Ein brutaler Preiskrieg um jeden Kunden hat die Situation eskalieren lassen – die Entwicklung um GameStop ist die Folge solcher Entwicklungen!

Die Pandemie und der Teillockdown

Ich habe bereits am 7. Juli 2020 in einem Artikel geschrieben: Der Lockdown und die damit verbundene häusliche Quarantäne hat eine zweifelhafte Entwicklung losgetreten: Die pandemiebedingte Unterbrechung des US-Profisports und der Ausfall an Sportwetten hat viele Sportzocker zur Börse gebracht. Dazu jene, die früher mit Kryptowährungen gehandelt haben. Man spricht daher von einer „Gamification“ der Geldanlage. Die Börse wurde als Ersatz für Fußball-Wetten oder das Glücksspiel in den geschlossenen Casino ansehen. Das beste Beispiel dafür ist der aus der Sportwettenbranche kommende David Portnoy, der „Anführer“ der RobinHooder. Nun ruft auch er zum „Sturm auf das Kapital“ auf – GameStop sei nur der Auftakt gewesen, so Portnoy.

Ein Teil dieser Entwicklung war auch der staatlichen Unterstützung in der Pandemie geschuldet. Die vielen Schecks, die eigentlich für die Versorgung während der Arbeitslosigkeit gedacht war, wurden von nicht wenigen teilweise zum Zocken genutzt. Unterstützungen von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden, aber der Gesamtbetrag konnte bis über 4000 Dollar pro Monat ausmachen und damit höher, als es mancher mit seiner reellen Arbeit bringen konnte. Zuletzt waren es die 600 Dollar Schecks, die im Februar noch auf 2000 Dollar aufgestockt werden sollen. Es ist dieses Helikoptergeld, das in Aktien oder Optionen von GameStop fließt.

Die Plattform der sozialen Medien

Wer hätte das gedacht? Dass soziale Medien einmal genutzt werden, um die Großen an der Wall Street zu attackieren.

Wallstreetbets ist so ein Subreddit, auf dem sich Marktteilnehmer austauschen und sich auch zu gemeinsamen Wetten am Kapitalmarkt organisieren. Es laufen auch viele Fehlinformationen, wie eine mehr oder weniger koordinierte Aktion von Trollen auf der Social-Media-Plattform Reddit, die durch ihre Spekulation den direkten Angriff auf die Hedgefonds der Wall Street zum Ziel haben. GameStop war vermutlich erst der Anfang!

Das ist auch ein großer Unterschied zur Dotcom-Blase im Jahr 1999/2000: Die Verfügbarkeit von Informationen und die Vernetzung auf Millionen Geräten, wo sich blitzschnell ein Finanzmob organisieren lässt. Das Smartphone mit all seinen Möglichkeiten war damals noch nicht auf dem Markt. Wenn die Geschichte mit GameStop erledigt ist, kommen dann weitere Angriffe auf Aktien, die sehr „leerverkauft“ sind? Diese Frage hat sich nach den letzten Short Squeezes schon erübrigt. Auch wenn mit einer Firma richtig etwas faul ist und man den Kurs trotzdem nach oben treiben kann. Hatten wir denn in Deutschland nicht eine Firma, die im Visier der Leerverkäufer war und zunächst von der BaFin noch geschützt wurde (Wirecard)?

Die De-Regulierung

Ganz im Gegensatz zur Obama-Regierung, der nach der Finanzkrise eine Reform zur Regulierung der Finanzmärkte veranlasst hatte, wurden die Regularien in der Trump-Ära schrittweise wieder gelockert. Trump sprach ständig von vier Prozent Wachstum, dafür wurden die Steuern radikal gesenkt, Auslandskapital repatriiert, Aktienrückkäufe in großem Maße toleriert und alles gefördert, faktisch und verbal, was die Aktienmärkte befeuerte. So wurde der Boden bereitet für eine Aktienrally, an deren Ende immer Gier einzieht, jeder versucht an der wundersamen Geldvermehrung zu partizipieren, eine Phase für die es viele Namen gibt: Hausfrauenrally, Milchmädchenhausse und weitere.

Ein Thema an den Märkten ist beim Short Selling auch der nackte Leerverkauf, der dazu führen kann, dass die Short Quote auch über 100 Prozent der frei verfügbaren Aktien hinausgehen kann – so wie bei GameStop. Man hatte diese gefährliche Variante der Kurssicherung/Spekulation im Zuge der Finanzkrise zwar verboten, aber nie richtig überwacht, wie es sich in den jetzigen Fällen als Falle erweist.

Fazit

Es ist zweifelsohne ein ganzes Bündel von Ursachen, die zu dieser Spekulationsorgie geführt haben. Auch wenn die Notenbanken mit ihrer Marginalisierung der Zinslandschaft erst die Grundlage für eine lange Börsenphase steigender Notierungen gesorgt haben, wurde die Situation erst dadurch möglich, dass Broker und Marktteilnehmer das Laissez-Faire der Behörden ausgenutzt haben, um Geld zu scheffeln.

Wie kann es sein, dass sich Tausende von Kleinanlegern in Foren verabreden können, um Attacken an den Märkten durch Zocks mit Aktien wie GameStop zu organisieren? Man stelle sich vor JP Morgan, Bank of America und Goldman Sachs würden sich zu konzertierten Aktionen und zu einem bestimmten Zeitpunkt verabreden. Mit ihrer Finanzkraft könnte die Giganten reihenweise Aktien mit niedrigen Nominalwerten zu Pennystocks machen, was extreme Folgen zeitigen würde: Auschluss bei Kapitalsammelstellen, die nicht in Pennystocks investieren dürfen, Abstufungen im Kredit-Rating, kein Zugang zum Kapitalmarkt, Entlassungen, Pleite. Verbotene Marktmanipulationen stehen stark unter Strafe.

Ist es bei Privaten „uncharted territory“? Nicht mehr lange, denn das dürfte Schule machen, sich die Volumen erhöhen und auch im Ausland probiert werden. Auch wenn sich zunächst einige darüber freuen, wenn es der Hedgefonds-Branche etwas ans Leder geht, sie mit gleichen Waffen geschlagen werden. Aber es ist organisiertes Frontrunning, Pump&Dump – und damit Marktmanipulation. Ein Fall für die Regulierungsbehörden, für die SEC. Diese hat mit Gary Gensler einen neuen Chef, anscheinend ein „harter Hund“. It’s your job, Mister Gensler!

Wie war ein Phänomen wie bei der Aktie von GameStop möglich?

By BentleyMall – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25399096

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