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Aktienmärkte + Gold stürzen gleichzeitig – Indiz für Liquidationen

Ein seltenes Phänomen: Heute folgt Gold dem Absturz der Aktienmärkte. Anleger benötigen offenbar schnell Cash für ihre Portfolios.

War Gold nicht eigentlich die perfekte Absicherung gegen fallende Aktienmärkte? Aktien runter, Gold rauf? Meistens funktioniert dieser Trade auch. Aber nicht heute. Der Dax legt einen Tagesverlust von 3,8 % hin. Der S&P 500 verliert 1,66 %, der Nasdaq 100 sinkt um 1,76 %. Und siehe da, Gold verliert heute 4 % oder 213 Dollar auf 5.109 Dollar. Steigender Dollar und steigende Anleiherenditen belasten das Edelmetall. Aber offenbar ist da noch mehr! Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf seit Ende letzter Woche in orange, den US-Gesamtmarktindex (US100 CFD) in blau.

Aktuelle Bewegung der Aktienmärkte im Vergleich zu Gold

Seit heute früh um 6 Uhr hat Gold sich dem Absturz der Aktienmärkte angeschlossen. Dieses Phänomen beobachtet man hin und wieder bei überraschenden und starken Abstürzen der Aktienmärkte. Dann passiert es nämlich, dass professionelle wie auch private Anleger, die massiv investiert sind und oft auch gehebelt (auf Kredit) agieren, herbe Verluste erleben. Um frische Liquidität ins Depot zu bekommen, und/oder um offene Aktienpositionen aufrecht zu erhalten, verkaufen Anleger dann Positionen in Gold.

Denn starke Verluste führen durch den Hebeleffekt schnell dazu, dass sich ganze Depots zerlegen. Dies wird man seit Oktober mehrmals am Kryptomarkt erlebt haben! Wenn Depotwerte gen Null laufen, verkünden Broker den Margin Call, also das Verlangen nach frischem Anlegergeld für die Börsenkonten – sonst liquidiert der Broker offene Positionen. Genau in diesem Zustand könnten sich viele Anleger gerade befinden. Die fallenden Aktienmärkte fegen Depots leer, nun muss schnell Liquidität her.

Dass der Iran-Krieg stattfindet, war Ende letzter Woche relativ offensichtlich. Aber gut, gestern sah man eine wirklich erstaunliche Bewegung von Dip-Käufen, die die Aktienmärkte in ein ruhiges Licht hüllten. Alles halb so schlimm, der Iran-Krieg wird die Aktienmärkte nicht wirklich beeinflussen? Es ist letztlich immer noch möglich, dass Donald Trump wegen den labilen Märkten den Iran-Krieg schneller beendet (hier dazu mein aktueller Text). Aber im Augenblick jedenfalls wirkt der parallele Sturz bei Aktien und Gold nach einem Drang nach Cash. Beruhigt sich der Absturz der Aktienmärkte, könnte Gold nach eine gewissen Zeit seine Funktion als Sicherer Hafen wiedererlangen.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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15 Kommentare

  1. Es handelt sich definitiv nicht um eine Umschichtung in den früheren sicheren Hafen, US Staatsanleihen.

    Früher hätte ein Krieg mit unabsehbaren Ereignissen, viele in US Staatsschulden getrieben. Die Zeiten scheinen vorbei zu sein.

    Schulden steigen, Wirtschaft wird schwächer, Preise fangen über die Rohstoffe und dann in anderen Bereichen folgend an zu steigen.

    VIVA la Stagflation.

    Gold wird wohl weiter steigen…

  2. …Ein seltenes Phänomen: Heute folgt Gold dem Absturz der Aktienmärkte…
    Ja- klar..
    Mit dem Verkauf von Papiergold soll meiner Meinung nach der Zwangsverkauf von gehebelten Aktien möglichst verhindert werden.
    Mit physischen Gold hat das überhaupt nichts zu tun.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. @Helmut
      Physisch oder nicht, am Ende orientieren sich beide am selben Kurswert.

      Deine seit Jahren beinahe religiös anmutende Verherrlichung von Gold steht in frappierender Reziprozität zu deinem sonst üblichen Verniedlichungsargument beim 5-zu-95-Verhältnis von Klimawandel und Kohlenstoffkreislauf:
      Beim Klima erklärst du uns, dass die kleine Zusatzmenge absolut gar nichts bewirkt.
      Beim Gold erklärst du uns, dass genau dieser physische Bruchteil die einzig wahre Wahrheit ist.

      Paradoxerweise sind in deiner Welt einmal 5 % der entscheidende Faktor, während der überwiegende Rest nur eine Luftnummer ist. Beim Klimawandel bist du also weniger konsequent, ja sogar eher gegenteilig orientiert.

      Daher also zwei Fragen:

      – Wenn 5 % grundsätzlich irrelevant sind – warum ist physisches Gold dann so zentral?
      – Wenn 5 % sehr wohl entscheidend sein können – warum dann nicht beim Klima?

      Offenbar gelten in der Atmosphäre andere Prozentgesetze als im Edelmetallmarkt 😂

  3. „…Mit physische(n)m(!)Gold hat das überhaupt nichts zu tun…“

    Ahja, wenn der Goldpreis fällt, dann nur der vom Papiergold. Wenn er steigt, dann steigt immer nur das physische Gold, eh klar🤣.

  4. Ja, Columbo, genauso ist es.
    Wassersfallartige Kursreinbrüche können nur mit Papiergold erzeugt werden.
    Niemand stellt z. B. am Freitagabend 10.000 Tonnen physisches Gold für Montagmorgen zum Verkauf.
    Es würde sich selbst im Vorfeld den Preis ruineren.
    Das geht nur mit Papiergold, um dann kurz vor dem Liefertermin das Angebot wieder zurückzuziehen.
    Bis dahin sind aber Stops ausgelöst, die den Preisabsturz noch weiter beschleunigen.
    So kann der angebliche Verkäufer dann anschließend günstig einkaufen.
    Physisches Gold kann aber nur entsprechend den Marktbedingungen akkumuliert werden, ohne dass es zu extremen Preissprüngen kommt. Z. B. entsprechen den Minenkapazitäten.
    Daher kaufen z. B. Notenbanken kontinuierlich Gold, obwohl sie ja in der Lage wären, z. B. ihre Dollarbestände kurzfristig gegen physisches Gold einzutauschen.
    Es würde aber zu noch schnelleren Preisanstiegen bei physischem Gold führen.
    Einfacher kann ich es leider nicht erklären.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. Gut erklärt, Helmut. So wird es gemacht.
      Zwar ist er Goldmarkt nicht ebenso stark manipuliert, wie der Silbermarkt, aber das Prinzip ist dasselbe. Ich gehe sogar davon aus, dass die jetzigen Goldpreisdrückungen gar nicht mehr in erster Linie erfolgen, um Gold ein wenig billiger zu machen, sondern weil sie notwendig sind, um die Maßnahmen gegen Silber mit hinreichender Wirkung zu versehen.
      Die Großbanken haben ja entsprechend hohe Kursziele für Gold in diesem Jahr veröffentlich und empfehlen teilweise einen Anteil von 20% Gold am Portfolio.

      1. @Felix, die Kursziele der Großbanken sind meiner Meinung eher Kontraindikatoren.
        20% Anteil sind vielleicht gar keine so schlechte Idee.

        1. Hallo Columbo

          20% Anteil sind eine sehr gute Idee – in normalen Zeiten. Jetzt kam die Empfehlung ein bißchen spät von den Banken und ist immer noch zurückhaltend, weil sie ja auch weiterhin 20% Anleihen empfehlen, obwohl die inzwischen mit den Aktien korellieren und der Inflation ausgesetzt sind.
          Ich halte das für ein Feigenblatt, damit sie später sagen können, dass sie ja mit der ihnen gebotenen Zurückhaltung gewarnt hätten.

          1. Man muss schon aufpassen, wenn’s über 20% hinausgeht.
            Es schaut jetzt alles fürchterlich schlecht aus, sodass man emotional zu Gold tendiert, am besten „All In“. Aber das ist nicht ungefährlich, besonders wenn man jetzt kaufen würde.
            Bei allem Pessimismus darf man einen möglichen positiven Ausgang nicht aus den Augen verlieren, damit man am Ende nicht mit einem Klumpenrisiko dasteht.
            Bei einer Aktienkorrektur (oder Crash) mit einem oder zwei (physisch replizierten) „Welt-ETF’s“ einsteigen, fände ich besser: Sachwert, Sondervermögen und sehr breit gestreut.
            Ist in meinen Augen sicherer, als sich jetzt Goldklumpen zuzulegen.

          2. Durchaus Columbo. Ich kaufe derzeit Gold nur noch in kleinen Mengen ratierlich zu. Anders bei den Minen, die haben den längsten Weg noch vor sich. Da sind höheren Preise seit Ende 2025 noch gar nicht in den Quartalsberichten und auch nicht in den stets sehr konservativen Entwicklungsplänen. Ich habe gestern z.B. einen neuen gelesen, der von 3.800$ als Hochpreisszenario ausgeht. Da müßte Gold aber viel fallen, damit auch nur dieses optimale Szenario eintritt. Was passiert dann wohl, wenn sich der Goldpreis nur bei 5000$ hält?
            Ich bin jetzt noch in Edelmetall überinvestiert, warte aber auf fallende Preise an den Aktienmärkten.

  5. Ja, es ist schon lustig mit dem Gold.
    Da verkauft einer ganz traurig physisches Gold (der Grund ist jetzt, egal), nachdem der Goldpreis gefallen ist. Aber der Goldhändler eröffnet ihm erfreut: „Aber nein, mein Lieber, es ist nur das Papiergold gefallen. Ihr Gold, das physische, ist gestiegen“.
    Einmalig @Helmut, you made my day🤣.
    PS: Musst nicht antworten, wirklich nicht, bitte nicht.

  6. Ja, es ist schon lustig mit dem Gold.
    Da verkauft einer ganz traurig physisches Gold (der Grund ist jetzt egal), nachdem der Goldpreis gefallen ist. Aber der Goldhändler eröffnet ihm erfreut: „Aber nein, mein Lieber, es ist nur das Papiergold gefallen. Ihr Gold, das physische, ist gestiegen“.
    Einmalig @Helmut, you made my day🤣.
    PS: Musst nicht antworten, wirklich nicht, bitte nicht.

  7. Ja @ Columbo
    Ich habe mir gedacht, dass Du das nicht verstehst.
    Macht doch auch nichts.
    Du hast Dein Gold nach Deinen Angaben mit viel Schwierigkeit verkauft.
    Und ich warte auf die neuen Allzeithochs.
    So hat dann doch jeder, was er möchte.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  8. Hallo @ Felix
    Wie soll das funktionieren mit den 20 % ?
    Selbst wenn man es versuchen würde, dann würde der Goldpreis explodieren.
    Einzelne können das natürlich machen.
    Ich bin z. B. nun 50/50 in Gold und Silber investiert.
    Wenn unsere Renten (wovon wir gut leben können) und unsere Immobilie nicht mitgerechnet werden.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. Das stimmt Helmut. Die heutigen Besitzstände an Gold sind so niedrig, dass der Beginn der Umsetzung dieser neuen Empfehlung zwangsläufig mit höheren Goldpreisen einhergehen wird.
      Gold kann überkauft sein, wie es will, weil es „unterbesessen“ ist.

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