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Aktienmärkte: Höhepunkt der US-Berichtssaison – und dann?

Die Aktienmärkte stehen unmittelbar vor dem Hochpunkt der US-Berichtssaison, und bisher läuft sie rein rechnerisch betrachtet ganz hervorragend die US-Berichtssaison über das zweite Quartal 2020: Man schlägt meilenweit die vorher abgesenkten Prognosen (80 Prozent der Unternehmen, 17 Prozent Outperformance) – aber es ist eines auffällig. Selbst wenn Tech-Unternehmen die Prognosen übertreffen, werden sie anschließend verkauft. Insbesondere bei den Werten des Nasdaq, die extrem vorausgelaufen sind, wird Luft abgelassen. Am Donnerstag kommt ein spezieller Triple-A-Day: Mit Alphabet, Amazon und Apple melden drei Giganten, die nach ihrer Marktkapitalisierung bereits als viertstärkste Wirtschaftsnation der Welt auftreten könnten. Und dann?

Aktienmärkte: Die Berichtswoche der Superlative

Wird die Berichtswoche der Superative für die Aktienmärkte dann zum Start der Sommerlochs, zumindest aus der Sicht der Wirtschaftsnachrichten, wenn bis zum Freitag ein Großteil der wichtigen Unternehmen aus den USA ihre Quartalsberichte zum extremsten Quartal in der Nachkriegsgeschichte wegen (Covid-19) abgeliefert haben? Bisher haben die vorlegten Ergebnisse nicht nur in den USA überrascht, auch beim DAX (80 Prozent) sowie beim MDax (70 Prozent) wurden die vorher stark abgesenkten Prognosen übertroffen. Was einfach ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass die Unternehmensergebnisse von Q2 – 2020 bisher akkumuliert um 40 Prozent unter denen des Vorjahres liegen. Ist die die Wall Street auch ein Vorbild für die Dax-Berichtssaison?

Es würde hier den Rahmen sprengen, wollte mal all die Unternehmen aufführen, die in den kommenden fünf Tagen berichten werden. In der 31. Kalenderwoche wird eine Flut an Unternehmensergebnissen für die Aktienmärkte zu verarbeiten sein, in den USA sowie in Europa. Deshalb nur ein paar ausgewählte Titel.

Montag: SAP
Dienstag: Visa, Pfizer, Amgen, Ebay, Mc Donalds, 3M, Starbucks
Mittwoch: BASF, Deutsche Bank, Deutsche Börse und aus den USA Facebook, Boeing, Paypal, General Motors
Donnerstag: Der Tag der Tage mit Alphabet, Amazon, Apple, Mastercard, Gilead, Procter&Gamble aus den USA, aber auch aus Europa mit Nestle, mehreren Großbanken sowie Linde und Volkswagen
Freitag: Merck und die Energietitel Exxon und Chevron

Das wären für die Aktienmärkte jede Menge Gelegenheiten für Gewinnmitnahmen, speziell bei den heiß gelaufenen Technologietiteln.

Für Deutschland noch ganz wichtig ist heute die Veröffentlichung des neuesten Ifo-Index, der im Vormonat den größten Sprung in seiner Geschichte hingelegt hat (von 79,7 auf 86,2 Punkte). Hat die Zuversicht der 9000 befragten Unternehmenchefs weiter zugenommen – oder macht sich später dann doch die aktuelle Welle von Covid-19 bemerkbar?

Und Donnerstag dann kommen auch noch die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt zum 2.Quartal, also zum Quartal des Lockdowns, das zumindest in den westlichen Ländern die wohl heftigsten Rezessionszahlen der Nachkriegsgeschichte bringen wird:

Die Erwartungen derzeit in etwa so aus:

Deutschland minus 8,5 Prozent
USA minus 10 Prozent
Italien minus 12, Spanien minus 13 und Frankreich minus 14 Prozent

Das wird wieder für Schlagzeilen sorgen, börsentechnisch sind dies jedoch Zahlen von vorgestern.

Dazu noch ein paar relevante Ereignisse

In dieser Woche kommt es zu für die Aktienmärkte wichtigen Ereignisse. Zunächst die „Congressional Hearings“, also die Anhörungen eines 15-köpfigen Unterausschusses des Repräsentantenhauses von Amazon-CEO Jeff Bezos, Apple-CEO Tim Cook, Facebook-CEO Mark Zuckerberg und Google-CEO Sundar Pichai. Es geht bereits ab Montag um die Monopolfragen, die nach Ansicht Vieler in einer Gesetzgebung münden soll (muss), um die Marktmacht der Konzerne einzugrenzen. Unabhängig vom Ergebnis des großen Spektakels ist das für die Nasdaq-Schwergewichte ein etwas ungünstiger Zeitpunkt.

Am Mittwoch findet auch noch die nächste Sitzung der Federal Reserve statt, normalerweise das Datum schlechthin in einem Börsenmonat. Nach dem Verharren der Fed-Bilanz an der 7-Billionen-Dollar-Grenze und den letzten Kommentaren des Fed-Chefs Powell über eine abwartende Haltung der Notenbank, sind vielleicht Äußerungen zur Dauer der Niedrigzinsen oder ein Hinweis auf weitere „Munition“ der Fed im Hinblick auf eine weitere Verzögerung der Arbeitslosigkeit zu erwarten. Neue Beschlüsse gibt es wohl nicht.

Rückt die Politik in den Vordergrund?

Bei diesem Thema landet man sehr stark im Spekulativen und muss viele Fragen in den Raum stellen: Wer wird der Kandidat für einen demokratischen Vizepräsidenten oder eher für eine Vizepräsidentin?

Spielt das angesichts des Alters von Biden nicht eine größere Rolle, als zu früheren Zeiten? Bei einem möglichen Präsidenten, der schon nach der Hälfte der ersten Amtsperiode die 80 überschreitet.

Treibt Donald Trump den Konflikt mit China absichtlich voran, um von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten, ganz besonders seinem haushohen Rückstand auf Herausforderer Joe Biden, abzulenken?

Kommen Racheaktionen auf dem Zollsektor, weil die heimische Wirtschaft unter Corona stärker leidet, als die chinesische oder die europäische? Es könnte also durchaus den innen- und geopolitischen Konflikten mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als es in den letzten Wochen der Fall war. Zumal das große Geld schon skeptischer mit der großen Politik der Vereinigten Staaten geworden ist – der Dollarkurs läßt grüßen.

Börsensignale – zurück in die Sommer-Range?

Waren die Ausbrüche der Aktienmärkte der letzten Woche nach oben Fehlausbrüche?

Es wurde schon mehrfach darüber berichtet: Von den ersten Juniwoche bis Mitte Juli liefen sowohl S&P 500 als auch der Dax seitwärts, grob dargestellt: Beim US-Leitindex zwischen 3000 und 3250 Punkten und beim deutschen Barometer zwischen 11900 und 12900 Punkten. Also war der in der letzten Woche zu beobachtende Ausbruch nach oben einen Bullenfalle? Sieht ganz so aus – und damit wären wir wieder mittendrin in der Sommer-Range, mit den bekannten Marken.

Fazit

Obwohl wir uns in der nachrichtenarmen Zeit der Sommerurlaubsphase befinden, liefert die letzte Juliwoche jede Menge Ereignisse: den Höhepunkt der US-Berichtssaison, die Fed-Sitzung, der Fristablauf für die 600-Dollarschecks der US-Arbeitslosen und wahrscheinlich ein weiterer Höhepunkt bei den Corona-Infektionszahlen. Damit könnte auch das Gegenteil von Sommerruhe bevorstehen, wie sonst üblich. Wenn die Aktienmärkte stärker korrigieren sollten, allein schon wegen steigender Anträge auf Arbeitslosigkeit, dürften US-Regierung wie auch die US-Notenbank auf den Plan treten.

Stärker fallende Aktienkmärkte, ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit und ein einbrechender Konsum – das ist genau das unheilvolle Dreifach-Szenario, welches man in den USA drei Monate vor den Wahlen mit aller Kraft verhindern möchte.

Wenngleich eine Abkühlung an den heißen Tagen nicht nur den „Robinhoodern“ gut täte. Die „dicken Fische“ (Verkäufe von Firmeninsidern, Directorsˋ Dealings) haben sich schon einmal ins kältere Wasser zurückgezogen. Schließlich befinden wir uns auch in der Phase der „Hundstage“, der heißen Periode des Sommers zwischen dem 23. Juli und dem 23. August..

Die AKtienmärkte stehen vor einer extrem wichtigen Woche



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1 Kommentar

  1. Avatar

    Guten Tag Hr. Müller!
    Was kommt dann? Was für eine Frage – es werden eben wieder Aktienrückkäufe getätigt bis der Arzt kommt. Die Manager wollen schließlich ihre Boni sichern.
    Lg

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