Aktienmärkte im Dauerrausch, und kein Ende in Sicht? Dax auf Rekordhoch, S&P 500 auf Rekordhoch. Es hagelt seit Tagen und Wochen tolle Nachrichten aus dem KI-Universum. Die asiatischen Produzenten von Hardware für die KI-Branche zeigen mit ihren jüngsten Geschäftszahlen an, dass der „Schornstein weiterhin kräftig raucht“. Auch gestrige Meldungen von Moody´s über 3 Billionen Dollar KI-Investitionen in den nächsten fünf Jahren öffnen den Horizont für weiterhin glänzende Geschäfte. Vor allem die Aussage, dass die Mega-Konzerne ihre Investitionen dank guter Einnahmen tragen können, hat wohl geholfen. Die Laune der Börsianer ist bestens.
Aktienmärkte wischen alle Risiken bei Seite
Was sollte da schon stören? Dass Donald Trump am Stuhl von Fed-Chef Powell sägt, ihn nun juristisch ausknocken will? Egal. Dass heute um 14:30 Uhr die US-Inflation gemeldet wird, und dass der Oberste Gerichtshof der USA Trumps Zölle für ungültig erklären könnte? Egal. Dass Trump heute Nacht 25 % Strafzoll gegen alle Handelspartner des Iran verhängt hat, und dass damit auch dessen größter Handelspartner China zusätzlich sanktioniert wird? Dass damit eine Eskalation im Handelskrieg droht? Der heute morgen laufende Handel der globalen Aktienmärkte zeigt, dass sich die Börsianer dafür gar nicht interessieren. Zumindest noch nicht. Ändert sich das, wenn vermehrt Profi-Anlegern klar wird, was da von Trump wirklich beschlossen wurde?
Es ist kaum vorstellbar, dass China sich diese zusätzlichen Zölle gefallen lassen wird. Ein neuer Streit ist also abzusehen. Aber offenbar überschattet die KI-Euphorie der Aktienmärkte derzeit alles andere! Aber Obacht, wie schnell so eine Stimmung ins Negative drehen kann! Bloomberg meldet heute früh: Die Aktienrallye setzte sich auch in Asien fort, wo günstigere Bewertungen und bessere Wachstumsaussichten Investoren dazu veranlassten, ihren Fokus über die US-Märkte hinaus zu erweitern.
Der MSCI All Country World Index, einer der breitesten Indikatoren für die globalen Aktienmärkte, stieg um 0,1 % auf ein Allzeithoch, während asiatische Aktien um 0,9 % auf einen Rekordwert zulegten. Aktienindex-Futures deuteten darauf hin, dass sich die Rallye auf Europa ausweiten könnte, während Kontrakte einen leicht schwächeren Start für US-Aktien signalisierten, nachdem der S&P 500 am Montag auf einem Rekordhoch geschlossen hatte.
Ein Großteil der Aktivitäten findet aktuell in Japan statt, wo die Aktienmärkte steigen und die Renditen von Staatsanleihen aufgrund von Spekulationen, dass Premierministerin Sanae Takaichi vorgezogene Neuwahlen ausrufen könnte, in die Höhe schossen. Der Yen fiel gegenüber dem Dollar auf den niedrigsten Stand seit Juli 2024. Verteidigungs- und Atomaktien stiegen im Rahmen des sogenannten „Takaichi-Handels”, der zu Aktiengewinnen, Anleiheverlusten und einer schwachen Währung beigetragen hat.
Die Rally der Aktienmärkte sieht sich diese Woche aufgrund der heute um 14:30 Uhr anstehenden US-Inflationsdaten und einer möglichen Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zu Trumps Zöllen mit erheblichen Risiken konfrontiert. Die Dynamik der Aktienmärkte deutet auch darauf hin, dass die Anleger über die USA hinausblicken, wo erneute Angriffe der Trump-Regierung auf die Federal Reserve Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Zentralbank aufkommen lassen.
Globale Anleger sind „offener für eine geografische Diversifizierung ihres Aktienengagements geworden und haben mit Beginn des neuen Jahres einige neue Gründe dafür erhalten”, schrieb Lori Calvasina, US-Aktienstrategin bei RBC Capital Markets LLC, in einer Mitteilung.
Selbst nach drei Jahren in Folge mit Kursgewinnen sind asiatische Aktienmärkte im Vergleich zu US-Benchmarks immer noch günstiger. Der MSCI Asia Pacific Index wird laut Daten von Bloomberg mit dem etwa 15-fachen des Gewinns (KGV) gehandelt, verglichen mit dem etwa 22-fachen für den S&P 500 und dem 25-fachen für den Nasdaq 100.
Was Bloomberg-Strategen sagen: Asiatische Aktienmärkte setzen ihre jüngste starke Entwicklung fort und profitieren zusätzlich von der Unsicherheit der Anleger hinsichtlich der Powell-DOJ-Saga, die über den US-Märkten schwebt. Anleger, die nach einem KI-Thema suchen, haben in Asien eine große Auswahl, da chinesische, koreanische, japanische und taiwanesische Unternehmen an der Spitze der Entwicklungen stehen.
— Mark Cranfield, MLIV-Stratege.
Die jüngste Salve zwischen der Trump-Regierung und der Fed kommt zu einer Zeit, in der die Anleger sich in einem chaotischen Umfeld bewegen. Der US-Präsident hat Kreditkartenunternehmen, Bauunternehmen und Rüstungsfirmen ins Visier genommen – und denkt gleichzeitig über die Rolle der USA bei den Protesten im Iran nach, nachdem er Anfang Januar den venezolanischen Staatschef festgenommen hatte.
„Nachdem sie die geopolitischen Überraschungen der letzten Woche abgeschüttelt haben, sehen sich die US-Märkte nun mit innenpolitischen Schlagzeilen konfrontiert“, sagte Chris Larkin von E*Trade von Morgan Stanley. „Sofern es keine weiteren Überraschungen gibt, werden die Aktienmärkte ihre Aufmerksamkeit wahrscheinlich auf die Gewinn- und Inflationsdaten richten.“
Der US-Kern-Verbraucherpreisindex, der als Maßstab für die zugrunde liegende Inflation gilt, da er volatile Lebensmittel- und Energiekosten ausklammert, dürfte im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 2,7 % gestiegen sein. Die US-Gewinne für das vierte Quartal werden unterdessen Ende dieser Woche veröffentlicht und dürften laut Michael Casper und Wendy Soong von Bloomberg Intelligence eine solide Entwicklung zeigen.
Asiatische Anleger fokussieren sich auf Japan
Die Investoren in Asien konzentrierten sich auf die Entwicklungen in Japan. Der Yen blieb hinter seinen G10-Pendants zurück, da Spekulationen laut wurden, dass vorgezogene Neuwahlen zu höheren Staatsausgaben und einer schnelleren Inflation führen würden. Die Währung baute ihre Verluste aus und fiel heute um bis zu 0,5 % auf 158,97 pro Dollar und unterschritt damit das bisherige Tief von 158,87 im Januar 2025. Lokale Medien berichteten, dass Takaichi, die mit einem Konjunkturpaket versucht hat, die Auswirkungen der steigenden Lebenshaltungskosten abzumildern, hochrangigen Vertretern ihrer Partei ihre Absicht mitgeteilt habe, vorgezogene Neuwahlen anzusetzen, berichtete Kyodo News. „Die Rückkehr des politischen Risikos belastet den Yen, obwohl das Interventionsrisiko die Attraktivität“ des Kaufs des Dollars gegenüber der japanischen Währung auf dem aktuellen Niveau begrenzt, schrieben Moh Siong Sim und Christopher Wong, Devisenstrategen bei der Oversea-Chinese Banking Corp. in Singapur.
FMW/Bloomberg
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Es ist ja zu begrüßen, daß die US-Techriesen Facebook, Instagram und die Amazon Prime Video-App über die finanziellen Mittel für KI-Investitionen verfügen, und die deutsche Elektroindustrie schon einmal den Deutschlandfonds in Sachen Künstliche Intelligenz bereitgestellt bekommt. Aber da wären noch chinesische Seltene Erden.
…schon krass…achter Handelstag im Dax…siebtes ATH…mein Post mit der 90 % Quote sollte eigentlich nur ein Scherz sein…nun gut…so soll es nun mal sein…100% können es nicht mehr werden…scheiß 02.01.2026