Die globalen Aktienmärkte zeigen sich auch in dieser Woche nervös: Nach einem deutlichen Ausverkauf bei Software-Aktien suchen Anleger nach Orientierung, während Gold von der anhaltenden Unsicherheit profitiert. Besonders die wachsende Angst vor KI-getriebener Automatisierung, disruptiven Technologien und unsicheren Gewinnern im Tech-Sektor sorgt für starke Schwankungen an den Börsen. Doch ist das erst der Anfang eines größeren Tech-Bebens?
Aktienmärkte: KI schürt neue Ängste
Die Aktienmärkte fanden am Mittwoch nach dem jüngsten Rückschlag bei Software-Aktien zunächst keine klare Richtung. Während Gold als sicherer Hafen erneut stark gefragt war und die Marke von 5.000 Dollar pro Unze zurückeroberte, bewegten sich die großen Börsenindizes nur leicht.
Laut einem Bericht von Bloomberg zählten Konjunktursensible Aktien am Mittwoch zu den größten Gewinnern, während Tech-Werte weiterhin unter Druck standen. Futures auf den Russell-2000-Index der Small Caps stiegen um 0,4 %. Die Terminkontrakte auf den S&P 500 zeigten sich zur Börseneröffnung nahezu unverändert. Im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Quartalszahlen von Alphabet gab der Nasdaq 100 hingegen um 0,3 % nach.
Besonders deutlich geriet Advanced Micro Devices (AMD) unter Druck: Die Aktie verlor im frühen Handel rund 9 %, nachdem das Unternehmen einen enttäuschenden Umsatz-Ausblick veröffentlichte. In Europa entwickelten sich vor allem Chemie- und Autoaktien besser als der Gesamtmarkt.
Rotation in zyklische Werte hält an
Die Umschichtung in zyklische Aktien setzte sich fort, während neue Sorgen über KI-bedingte Disruption die Aktienmärkte belasteten. Der Ausverkauf am Dienstag wurde durch ein neues KI-Automatisierungstool von Anthropic ausgelöst. Die Verluste griffen schnell von Software-Titeln auf Finanzdienstleister und Vermögensverwalter über.
Auch am Mittwoch blieb die Vorsicht hoch: Ein europäischer Aktienkorb mit Unternehmen, die besonders stark von KI-Disruption bedroht sind, fiel erneut um 1,2 %.
„Ich glaube nicht, dass die Aktienmärkte bereits entschieden haben, ob diese Bewegung auf Angst oder Fundamentaldaten basiert. Klar ist: Wir erleben einen Vertrauensbruch auf Branchenebene“, sagte Stephanie Niven, Portfoliomanagerin bei Ninety One. „Bevor Überzeugungen auf Unternehmensebene wieder aufgebaut werden können, sehen wir dieses eher wahllose Verkaufen.“
US-Staatsanleihen zeigten sich kaum verändert, obwohl amerikanische Unternehmen im Dezember weniger neue Jobs geschaffen hatten als erwartet. Der Dollar stieg um 0,1 %. Bitcoin rutschte erneut unter die Marke von 75.000 Dollar, nachdem der Krypto-Crash in der letzten Woche 500 Milliarden Dollar an Marktwert ausgelöscht hat.

KI-Disruption erschwert Gewinner-Auswahl
Die Angst vor technologischer Disruption hat eine neue Komplexität in die Frage gebracht, wer langfristig zu den Gewinnern und Verlierern der KI-Revolution gehört. Da Bewertungen bereits hoch sind und die Berichtssaison läuft, bestrafen Investoren Unternehmen besonders stark, wenn sie die überhöhten Erwartungen nicht erfüllen.
Bloomberg-Strategen betonen jedoch, dass KI zwar Jobs ersetzen und Märkte verändern wird, gleichzeitig aber auch Einkommen steigern und Wachstum fördern könnte. Die jüngste Kursreaktion an den Aktienmärkte zeige genau diese Dynamik: Während Legal-Tech-Unternehmen nach der Veröffentlichung des Anthropic-Tools unter Druck gerieten, wurden die Verluste durch Gewinne entlang der gesamten KI-Lieferkette teilweise ausgeglichen.
Ein weiterer Belastungstest steht bevor, wenn Alphabet am Abend nach Börsenschluss Quartalszahlen vorlegt. Googles Mutterkonzern war seit Anfang 2025 der stärkste Performer unter den „Magnificent Seven“-Megacaps. Microsoft und Meta zeigten hingegen zuletzt schwache Marktreaktionen – ein Zeichen dafür, wie kritisch Anleger die hohen KI-Investitionen bewerten.
„Das größte Risiko heute Abend ist die Entkopplung zwischen Googles langfristiger Rolle als KI-Gewinner und kurzfristigen Trends bei Suche und Monetarisierung, die volatiler sein könnten“, erklärte Jacques-Aurélien Marcireau, Co-Leiter Aktien bei Edmond de Rothschild Asset Management.

Software unter Druck – Profis vorsichtig
Die Stimmung unter Investoren gegenüber Software-Aktien und anderen Branchen, die als besonders anfällig für KI-Fortschritte gelten, ist laut JPMorgan-Analyst Toby Ogg äußerst düster.
Ogg sprach in den vergangenen zwei Wochen mit mehr als 50 Investoren in Europa und den USA. Viele hätten ihre Software-Bestände in den letzten 12 bis 18 Monaten deutlich reduziert. Selbst nach dem jüngsten Rücksetzer sei die Bereitschaft, wieder einzusteigen, weiterhin gering.
„Es gibt eindeutig wahlloses Verkaufen im gesamten Software-Cluster“, sagte Karen Kharmandarian, Senior Equity Investment Manager bei Mirova in Paris. „Noch gibt es keinen Boden, die Abwärtsdynamik ist zu stark. Es wirkt fast wie Kapitulation – was selektiv Chancen eröffnen könnte, sobald sich die Lage stabilisiert.“
Chris Harvey, Leiter der Aktienstrategie bei CIBC, rät derzeit davon ab, sogenanntes „Bottom-Fishing“ bei Aktien zu betreiben, da der Tiefpunkt wahrscheinlich noch nicht erreicht ist. Zudem geht er davon aus, dass sich der Bullenmarkt am Ende seines Zyklus befindet – jedoch noch nicht vollständig vorbei ist.
FMW/Bloomberg
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Ja zur Kooperation des MDax-Konzerns Deutsche Lufthansa AG mit denjenigen KI-Start-ups, die Flugbuchungen vorhersagen können, bei denen aber auch die US-Techriesen Facebook und Instagram im Zusammenhang mit der Nutzung von mobilen Endgeräten einen entsprechenden Stellenwert besitzen. Auch ein Thema für die Star Alliance, also Lufthansa, United Airlines, Air China, Turkish Airlines.