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Indizes

Aktienmärkte: Ist das schon die Santa Clause Rally?

Wolfgang Müller

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Es sind noch drei (in den USA vier) Handelstage für die Aktienmärkte, dann ist das extreme Börsenjahr 2020 Geschichte. Die großen Adressen haben weitgehend ihre Bücher geschlossen, die Umsätze werden weiter ausdünnen. Was wird also dominieren in den letzten Handelsstunden des Jahres? Umschichtungen in den Depots, Gewinnmitnahmen oder eine Regentschaft der Retail Investors (Kleinanleger) in der umsatzschwachen Zeit? Sind wir jetzt in der berühmten Santa-Clause-Rally, über die letzten Tage eines alten und ersten eines neuen Jahres?

Aktienmärkte im Dezember 2020

Die letzte Periode des Jahres zeigt mit einer kleinen Jahresendrally ein typisches Muster eines Börsenjahres (einer der wenigen zutreffenden saisonalen Effekte des ungewöhnlichen Jahres 2020). S&P 500, Dow Jones oder auch unser Dax liegen im Dezember zwar gerade mal ein knappes Prozent im Plus. Allerdings hatte der November mit über zehn Prozent Anstieg vieles schon vorweggenommen. Auch wenn man den Eindruck gewinnen könnte, dass unser Dax immer den US-Märkten hinterherhinkt, so ist dies kurzfristig eine irrige Annahme: Auf Sicht des Monats Dezember, aber auch seit Anfang November liegt der deutsche Leitindex sogar leicht vor S&P und Dow (13 zu 11 Prozent). Die Geldflut von Federal Reserve und EZB wirkt synchron, außerdem profitiert der Dax 30 von seiner „Value-Struktur“ und deren Wiederauferstehung.

Interessant ist, dass es Anfang Dezember zwar extreme Indikationen dafür gegeben hat, dass eine Korrektur unmittelbar bevorsteht, wie ein Fear&Greed-Index von 92 und eine Put/Call-Ratio in selten gesehenem Optimismus – aber wo war der Kurseinbruch? Fehlanzeige. Der Dax hatte zwar am Montag einen Abschlag von 2,8 Prozent erlitten, der aber bereits wieder aufgeholt werden konnte.

Welche Faktoren könnten in den letzten Tagen wirksam werden?

Zunächst haben sich die Belastungsfaktoren für die letzten Tage nicht in Luft aufgelöst. Die Anzahl der Calls auf Einzelaktien in den USA ist weiterhin sehr hoch, die Cashquote der Fondsbranche liegt mit vier Billionen Dollar noch immer in einem niedrigen Bereich, in dem sentimenttechnisch ein Verkaufssignal generiert wird. Auch sind die Bewertungen der Aktienmärkte deutlich über den langjährigen Durchschnitten, vor allem bei Einzelaktien oder bei IPOs, deren Erstbewertungen Erinnerungen an die Dotcom-Blase wachrufen. Das billige Geld rennt hinter den Werten her, ohne ernsthafte Prüfung der Unternehmensdaten.

Ein zweites belastendes Thema schwebt schon seit Wochen im Raum.

Amerikanische Großbanken warnen vor den Folgen eines Rebalancings der aktiven Fonds, zum Jahresende, die zum Beispiel ein gesetzlich vorgeschriebenes Verhältnis von Aktien zu Anleihen (60 zu 40) beachten müssen. Es soll sich um einen Betrag von 300 Milliarden Dollar an Aktien handeln, der umgeschichtet werden muss. Aber auch schon im dritten Quartal hatte JPMorgan bereits von einer Quartalsumschichtung von 200 Milliarden Dollar gesprochen.

Das Prozedere ist aber anders als bei den Indexfonds, wie zum Beispiel vor einer Woche gesehen bei Tesla und seiner Aufnahme in den S&P 500, wo diese Umschichtung zeitnah vorgenommen werden muss. Die aktiven Manager haben wochenlang Zeit das Verfahren einer Quotenanpassung durchzuziehen.

Außerdem bin ich überrascht davon, dass man den Informationen der großen Adressen eine größere Relevanz für die Aktienmärkte beimisst. Bei einer weltweiten Veröffentlichung wurde so etwas bestimmt in großem Stil schon vorher umgesetzt. Aber das schlagende Argument ist doch: Wieso sollte ein Fondsmanager bis auf die letzten drei umsatzschwachen Tage warten, um dann große Positionen abzustoßen, im Bewusstsein, dass er damit Kursreaktionen auslösen wird, die das eigene Portfolio beschädigt?

Eine gewisse Belastung stellen natürlich die weiter steigenden Coronazahlen dar und das politische Trauerspiel in den USA mit dem Amtsübergang von Trump auf Biden und der Verweigerung des schlechten Verlierers das fünfte Rettungspaket zu unterzeichnen.

Letzteres hat sich in den letzten Stunden als Headwind erledigt.

Was hingegen könnte die Aktienmärkte in den nächsten Tage stützen und ihnen etwas Auftrieb geben?

Da gibt es natürlich das Thema Window Dressing, welches die Fondsmanager zu Quartals- beziehungsweise Jahresende zwingt, die Titel zu kaufen, die vorher gut gelaufen waren. In diesem Jahr besonders bedeutsam durch die großen Kursbewegungen zunächst bei Growth-Titeln (Stay-at-Home-Aktien) und ab November durch die große Branchenrotation in Value-Aktien. Wie ich in einem Artikel im Dezember (Ein Leidensjahr für die aktive Fondsbranche) dargelegt habe, lagen die Fondsmanager im November so stark wie selten hinter der Benchmark und damit den passiven Fonds zurück. Ein Grund für manchen Pain Trade der letzten Wochen, denn man muss der Kundschaft im Abschlussbericht doch vorweisen können, die richtigen Aktien im Depot gehabt zu haben. Allerdings dürfte das große Nachkaufen und Umschichten auch schon in den Vortagen gelaufen sein.

In Europa und beim Dax erkennbar an den großen Gewinnen bei zyklischen Titeln aus dem Automobil-, dem Bank- und dem Luftfahrtsektor allein am letzten Handelstag vor Weihnachten. Man kauft üblicherweise auch die Titel, die schlecht gelaufen sind, in der Hoffnung auf einen Aufholprozess im neuen Jahr.

In diesem Jahr ganz groß verknüpft mit der Hoffnung auf ein Ende von Corona und eine Erholung der Weltwirtschaft infolge der großen Impfstory, wie ich in einem weiteren Artikel heute darzustellen versuche.

Natürlich stützt weiterhin das billige Geld der Notenbanken mit deren Anleihekäufen und bald frischem Geld, welches traditionell nach Weihnachten und durch viele Sparpläne zu Monatsbeginn in die Märkte fließt.

Das Thema Brexit bietet zwar eine Stütze, die positive Meldung eines Abkommens mit der EU dürfte aber keine großen Kursveränderungen mehr auslösen. Die Märkte haben es in ihrer zumeist positiven Sichtweise vorweggenommen, die Zahl der Pessimisten war in diesem Bereich deutlich kleiner geworden.

Kurzfristig hat sich auch technisch die Lage für die Aktienmärkte entspannt. In den USA ist das Angstbarometer Fear&Greed, welches sich aus sieben Einzelfaktoren über den großen S&P 500 zusammensetzt, auf neutrale 54 Punkte zurückgegangen. Der Votalitätsindex VIX befindet sich mit 21,53 Punkten in einem Bereich, der kurzfristig geringe Marktrisiken indiziert.

Auch gibt es in den nächsten Tagen und Wochen ein seltenes positives und technisches Signal in dieser Ausprägung:

Vor gut 200 Börsentagen waren die Indizes weltweit in nur fünf Wochen zwischen 33 und 40 Prozent eingebrochen. Diese niedrigen Kurse, beim Dax bis zu 5000 Punkte tiefer im Vergleich zu heute, werden in kurzer Zeit herausgerechnet, die 200-Tage-Linie und der beachtete Aufwärtstrend sollten stark ansteigen. Wenn es keine Kursschübe nach oben gibt, werden sich das aktuelle, davongeeilte Kursniveau und die Trendlinie stark annähern.

Es gibt noch ein Element, welches in diesem Jahr sehr an Bedeutung gewonnen hat. Die Aktienmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks werden von sehr spekulationsfreudigen Kleinanlegern beeinflusst. Vorwiegend optimistische Neulinge, die sich sehr in Call-Optionen versuchen. Was machen diese Kleinen zum Jahresende, in einer umsatzschwachen Phase, in der schon kleinere Order für Kursbewegungen sorgen können? Die großen Kapitalsammelstellen werden erst am vierten Januar wieder voll einsteigen. Werden die „RobinHooder“ Vernunft einkehren lassen und Gewinne mitnehmen oder erst recht auf einen positiven Jahresstart hoffen und dementsprechend handeln?

Fazit

Wenige Tage vor dem Jahresende liegen die großen Indizes auf Jahressicht im Plus. Mit einem knappen Prozent beim Dax, 14 Prozent beim S&P 500, oder gar 40 Prozent beim technologielastigen Nasdaq, was das beste Ergebnis seit dem Ende der Finanzkrise 2009 bedeutet.

Sollte es in den letzten Tagen tatsächlich zur Gewinnmitnahmen der Aktienmärkte kommen, wenn doch die Fondsmanager mit Boni nach einem ungewöhnlichen Katastrophenjahr rechnen können? Ein Jahr, in dem ganz besonders das Prinzip Hoffnung und Antizipationan an der Börse regiert: Hoffnung im Zusammenhang mit der globalen Impfaktion, Hoffnung auf einen Wirtschaftsaufschwung, nochmals befeuert durch die baldige Amtsübernahme durch Präsident Joe Biden, sein Konjunkturpaket und die Erwartung niedriger Zinsen wegen der Rettungsmaßnahmen der Notenbanken. Ein Cocktail, der (bisher) im Dezember jegliche Ansätze von Korrekturen im Keime ersticken ließ.

Sind die Aktienmärkte schon mitten in der Santa Claus Rally?

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Aktien

Aktien: Bubble-Boomer demaskieren Wall Street-Casino! Marktgeflüster (Video)

Mit Aktien wie Gamestop bringen die Bubble-Boomer Hedgefunds in Schieflage – und demaskieren damit gleichzeitig den Casino-Charakter der Wall Street!

Markus Fugmann

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Aktien wie Gamestop oder AMC schießen auch heute wieder durch die Decke – die Bubble-Boomer bringen damit jene Hedgefunds weiter in Schwierigkeiten, die eben diese Aktien short spielen. Diese Bubble-Bommer (Generation Z) ist mit der Spiele-Mechanik bestens vertraut und hat damit nicht nur eine Schwachstelle der Finanzmärkte offengelegt, sondern gleichzeitig den Casino-Charakter der Wall Street demaskiert. Man darf gespannt sein, ob die Fed heute dazu etwas sagen wird – letztlich sind es die Notenbanken, die dieses Casino ermöglicht haben und den beteiligten Spielern das Gefühl suggerierten, dass man im Casino nicht verlieren könne, weil jedesmal wenn es eng wird, die Retter in Gestalt der Notenbanken nahen..

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Aktien

Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

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American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

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Indizes

Rüdiger Born: Märkte fallen – Tradingchance Long?

Rüdiger Born

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Die Indizes fallen gerade. Ist das die Chance für Trader auf steigende Kurse zu setzen? Das schaue ich mir anhand des Nasdaq-Chart etwas genauer an.

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