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Die Fed entscheidet Aktienmärkte: Jahresendrally – kommt Santa Clause, oder doch der Grinch?

Die plötzliche Nervosität

Aktienmärkte JahresendrallySanta Clause oder doch der Grinch
Foto: Bloomberg

Auch die Aktienmärkte mögen ein gewisses Maß an Berechenbarkeit. Und so ist man sich eigentlich größtenteils einig – zumindest unter den Privatanlegern – dass nach dem Zinsschritt der Fed vom Oktober und der Beendigung des Government Shutdowns doch die Zeit gekommen ist, das Jahr erfreulich mit noch ein paar mehr Prozent auf den Indizes ausklingen zu lassen.

Aktienmärkte: Jahresendrally – kommt Santa Clause, oder doch der Grinch?

Man hat diese Hoffnung – nein, eigentlich muss es richtig „Erwartung“ heißen – auch entsprechend finanziell unmittelbar mit Wiedereröffnung des US-Bürokratieapparates untermauert. Die Zuflüsse der Privatanleger in die Aktienmärkte haben wieder Rekorde gesprengt. Anfangs sah es auch nach der üblichen Belohnung der „Buy the Dip“-Strategie aus – mit folgender FOMO-Triggerung auch Institutioneller in Erwartung der Wiederflutung des Systems mit Liquidität . Aber nach zwei deutlichen Anstiegsversuchen widerstanden die Indizes dem Ausbruch Richtung neuer Allzeithochs doch mit relativ substanziellen Rücksetzern.

Also gibt es Mechanismen, die das Bild für die US-Aktienmärkte im kürzeren Zeitfenster auf gesicherte Jahresendrally trüben – schlicht, es muss in den letzten Tagen Verkäufer gegeben haben, die den Kaufrausch der schwachen Hände als Ausstiegszeitpunkt genutzt haben. Bitcoin (BTC) liefert hier ebenfalls ähnliche Muster und handelt seit seinen Allzeithochs inzwischen um 27% tiefer – offenkundig haben die sogenannten Whales (Großinvestoren mit mittel-/langfristigem Horizont) seit Juli Positionen abgebaut. Auch wenn das die neuen Teilnehmer (Gen Z und jünger) am Markt noch nicht außerhalb schwarzer Schwäne wie Corona erlebt haben: solche Muster sollen sich neben anderen Signalen vor beginnenden größeren Korrekturen häufen. Nun ja, es gibt dann doch einige, die ein wenig mehr Hintergrundinfo haben als andere. Und das ist meist mit der Zugehörigkeit zu gewissen Kreisen mit ein paar mehr Dollar am Konto verbunden – und den Einblicken in die zukünftige Geldpolitik der FED.

Manchmal hilft die Anwendung von Grundrechnungsarten

Manche Rationalisten mit Kenntnissen in Grundrechnungsarten behaupten mit böser Zunge, dass das auch mit der aktuellen Nachrichtenlage und deren objektiven Bewertung zu tun haben könnte. Nachdem auch wieder klar geworden ist, dass sich die Ergebnisse beim Gipfel Xi Jingping/Donald Trump im Nachgang wieder als relativ substanzlos herausgestellt haben. Auch das Thema „Seltene Erden“ und das damit verbundene KI-Fantastilliarden-Inzest-Investment-Karussell ist so in der Wachstumsdynamik schlicht betriebswirtschaftlich nicht darstellbar – das scheitert schon an verfügbarem Strom.

Das Platzen einer Blase geht immer mit steigenden Zweifeln zur Monetarisierbarkeit der zugrundeliegenden Wachstumsphantasien der Innovation einher. Und da mangelt es in letzter Zeit wahrlich nicht an Kassandra-Rufern auch aus dem unmittelbaren Insider-Bereich. Es wird nicht nur gerufen, sondern auch „scharf geschossen“ – indem Shortpositionen öffentlichkeitswirksam promoted werden (so etwa Michael Burry).

Die KI-Blase, die zudem dem Rest der Realwirtschaft zunehmend die Luft abschnürt

Diese KI-Investitionsblase ist neben der weiteren Aufblähung der staatliche Schuldenorgie der primäre Motor, der ein Wirtschaftswachstum in den USA suggeriert – aber gleichzeitig dem Rest der Realwirtschaft die Luft abschnürt. Sie ist durch diese Pseudostärke ein entscheidender Grund, warum neben den sich weiter gigantisch aufblähenden Schulden von öffentlicher Hand und Privaten, die Renditen und somit die Kapitalmarktzinsen nicht sinken. Das auch deswegen, weil die Ausfallsrisiken und Liquiditätsengpässe im Schattenbankenbereich (manche sprechen in dem Zusammenhang von Kakerlaken) sich immer mehr in den Statistiken zeigen.

Das bildet eine unheilvolle Allianz mit den Zöllen als Inflationstreiber, die der Fed die Handlungsspielräume in ihrem dualen Mandat nun schon seit Quartalen immer enger schnüren. Zudem gibt es auch zunehmend Hinweise, dass die Erwartung in das „Heil“ der KI-Anwendungen, Unternehmen erstmals seit Corona zunehmend dazu veranlasste, ihre Vorsicht beim Personalabbau über Bord zu werfen. Ob sich das auch tatsächlich ausgeht, wird sich erst zeigen – denn es gibt Untersuchungen, dass 95% der KI-Projekte nicht die Ergebnisse liefern die erwartet werden.

Aktienmärkte: Blindflug, Santa Clause und der Grinch

Ob Santa Clause oder Grinch kommt, wird neben den Entwicklungen mannigfaltiger oben geschilderten Unsicherheiten mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr stark von den nächsten „Moves“ der Fed abhängen. Die Volatilität der letzten Tage waren auch stark mit den Zinssenkungserwartungen für den Dezember verknüpft. Der Datenblindflug trägt ebenfalls sein Teil bei – mit unangenehmen Überraschungen insbesondere bei den Inflationszahlen scheint nach den letzten hawkischen Aussagen verschiedener Mitglieder deutlich im Rahmen der Möglichkeit zu liegen. Zudem kommt die Aussage, dass nun doch wieder das Inflationsmandat wichtiger wäre als der Arbeitsmarkt – impliziert das, dass man sich mit dem KI-verursachten Arbeitsplatzabbau arrangiert und hier ohnedies nur wenig über die Zinsen steuern kann?

Es darf daran erinnert werden, dass gewichtige Kommentatoren einen offensichtlichen geldpolitischen Strategiewechsel der Fed– und das wäre die Abweichung von Wunschzinspfad der Märkte – als potentiellen Zündfunken für eine Implosion der aktuellen Alles-Blase und deren historisch oftmals noch nie dagewesenen Bewertungen, in den Raum gestellt haben. Hat auch die kryptische Aussage von „Mr. Short“ Michael Burry mit „Mitte Dezember könnte es soweit sein“ einen damit verknüpften Hintergrund? Aber die meisten hoffen auf einen ruhigen Jahresausklang mit Weihnachtsbäckerei und Punsch. Sie rechnen auch dieses Jahr fest damit, dass Santa Clause kommt. Wer käme denn auf die Idee, einen Grinch wissentlich einzuladen? Ist ja wirklich ein hässlicher Kerl..



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