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Aktienmärkte: Kampf gegen den Bärenmarkt – Ende des Bullenmarktes?

Der Abverkauf der Aktienmärkte ist dann der eigentliche Auslöser für eine Rezession – auch wenn man diese aus den Wirtschaftsdaten noch gar nicht ablesen kann

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Gestern Abend gegen 20:00 Uhr MEZ war es für die amerikanischen Aktienmärkte kurzfristig soweit: Dow Jones und S&P 500 fielen zwischen fünf und fast sieben Prozent – und tauchten damit in  Bärenmarkt-Territorium ein. Beim ehrwürdigen Dow war dies ein Absturz um 1689 Punkte. Dann setzen wieder leichte Rückkäufe ein.

Der Dow schloss knapp im Bärenmarkt, ein Grund dafür war Boeing mit einem brutalen Minus von 18 Prozent. Der Leitindex S&P 500 konnte sich noch einmal leicht erholen.

Aktienmärkte: Die Bedeutung eines Bärenmarktes

Bei einem Sturz der Aktienindizes unter die 20 Prozent-Schwelle spricht man von einer Baisse und damit vom Ende eines Bullenmarktes.

Asiatische und europäische Aktienmärkte befinden sich schon in diesem Modus. Der deutsche Leitindex schloss am gestrigen Tag bereits 24 Prozent unter seinem Höchststand. Analysten blieb gestern in den USA nur die Feststellung: Wir erleben gerade den schnellste Rückgang von einem Allzeithoch in einen Bärenmarkt – ever!

In der Regel beinhaltet ein Bärenmarkt große finanzielle Einbußen für die US-Konsumenten, so dass er stark trendverstärkend wirkt. Der Abverkauf der Aktienmärkte ist dann der eigentliche Auslöser für eine Rezession – auch wenn man diese aus den Wirtschaftsdaten noch gar nicht ablesen kann. Deshalb gibt es auch das Bemühen von Regierung und Notenbank mit monetären und fiskalischen Maßnahmen das Unheil zu verhindern. Einem Wirtschaftssabsturz, der regelmäßig mit Firmenpleiten und Arbeitsplatzverlusten verbunden ist.

Der einmalige Einbruch der Aktienmärkte

Der gestrige Börsenhandel war wieder einmal nichts für schwache Nerven: Dow Jones und S&P 500 schlossen bereits den 12. von 15 Handelstage in Folge im Minus: S&P 500 minus 4,89 Prozent, Dow minus 5,86 Prozent und sogar ein Anstieg der 10-jährigen US-Treasury auf 0,881 Prozent waren die Folge.

Es fielen also sogar Aktien- und Rentenmärkte. Das „Blutbad“ geht weiter. Der mit Abstand weltgrößte Index der Welt, der S&P 500 verliert bereits 8 Prozent in dieser Woche. Nur zehn von 500 Aktien im S&P beendeten den gestrigen Handel im Plus.

Damit setzt sich eine unglaubliche Serie an Tagen mit extremen Kursschwankungen der Aktienmärkte fort. Der Dow Jones schwankte in den letzten 12 Handelstagen durchschnittlich um 3,5 Prozent. Die Aktienmärkte sind nach Ansichten von Beobachtern an der Wall Street deshalb so volatil, weil man einzupreisen versucht, was derzeit eigentlich unmöglich ist: Die Einberechnung für die Unternehmen, welche ökonomische Folgen die Pandemie auf mittlere Sicht zeitigen könnte. Ein Unding, deshalb auch der ungewöhnlich hohe Stimmungswechsel zwischen Hoffnung und Panik. Einen Sektor erwischt es derzeit mit aller Macht, die Luftfahrtbranche. „Das goldene Jahrzehnt“ für die Luftfahrtindustrie geht zu Ende und das betrifft nicht nur den großen Flugzeughersteller Boeing.

Kommt jetzt erst einmal eine Erholung?

Nach diesen Tagen extremer Kursverluste sind die Aktienmärkte eigentlich derartig überverkauft, dass jederzeit eine heftige technische Gegenbewegung starten könnte. Dafür gibt es ein paar extreme Parameter:

Das US-Angstbarometer, Fear&Greed, welches sich aus sieben Komponenten zusammensetzt, schwankte gestern im extremen Panikmodus zwischen drei und vier Punkten. Einen so niedrigen Stand gab es in den letzten Jahren nur im Dezember 2018. Auch das Volatlitätsbarometer VIX stand am gestrigen Abend bei 54 Punkten, was bedeutet, dass die Anleger mit einer Schwankung von über 50 Prozent für den S&P 500 in den nächsten 30 Handelstagen ausgehen.

Aber auch für den deutschen Leitindex gibt es eine Extremindikation. Der Dax liegt aktuell bereits über 15 Prozent unterhalb seiner 200-Tage-Linie, dem Indikator für den langfristigen Trend. Einen derartig großen Abstand gab es zuletzt im Dezember 2018 und danach kam bekanntermaßen eine deutliche Kurswende.

Die aktuelle Entwicklung

US-Präsident Trump versprach bei seinem Treffen mit den Chefs der großen US-Banken am gestrigen Abend eine Stellungnahme im Fernsehen, um Maßnahmen gegen die Coronakrise zu verkünden. Covid-19 war erst gestern von der WHO zur Pandemie hochgestuft worden. Nach seiner Ansicht sei die USA mit dieser Infektionskrankheit nur durch Reisende aus Asien und Europa bedroht. Ein von ihm angedeuteter Einreisestopp aus diesen Ländern sorgte aber nicht für einen Befreiungsschlag, sondern verunsicherte die Investoren weltweit weiter. Die Ankündigung eines 30-tägigen Einreisestopps für Reisende aus Europa ließ die Indizes in Japan, China und Südkorea in der Nacht weiter fallen. Donald Trump lieferte ungewollt weiter Futter für den Bärenmarkt.

Fazit

Historische Zeiten an der Wall Street: 20 Prozent Kursrückgang in nur 15 Handelstagen, von einem Allzeithoch – wann hat es so etwas jemals gegeben?

Der Kampf um die offizielle Baisse der amerikanischen Aktienmärkte dürfte weitergehen. Vielleicht wurde er aber schon verloren – derzeit überschlagen sich die Ereignisse.

US-Präsident Trump kündigte gestern bei seinem Treffen mit den CEOs der Großbanken eine Erklärung an, wie seine Regierung auf das Coronavirus reagieren möchte. Während den Chefs der Banken fiskalpolitische Maßnahmen vorschweben, favorisiert Trump bisher die Idee einer Lohnsteuersenkung.

„Am Stand des Dow Jones sollt ihr meine Politik messen“, so hat er in vielen seiner Stellungnahmen vor den Medien getönt. Jetzt befinden wir uns kurz vor der heißen Phase des US-Wahlkampfs. Es scheint so, als ob Covid-19 ein größerer Konkurrent um eine zweite Amtszeit darstellt, als es Joe Biden derzeit verkörpert. Oder Covid-19 ist der große Sündenbock (die Katastrophe), der alle anderen Ereignisse in den Schatten stellt und einem amtierenden Präsidenten in die Hände spielt.

Die Aktienmärkte fallen in Bärenmarkt-Territorium

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Andreas.M.

    12. März 2020 11:37 at 11:37

    Oder Covid-19 ist der große Sündenbock (die Katastrophe), der alle anderen Ereignisse in den Schatten stellt und einem amtierenden Präsidenten in die Hände spielt.

    Wäre ein derzeitiger Präsident ein kluger, umsichtiger und vorausschauender Präsident mit adäquater Bildung und Empathie ausgestattet, könnte er das Land sehr wohl besonnen durch die größte Krise der Menschheit führen und sich für eine Wiederwahl empfehlen. Trump hat keinen Schimmer davon wie die Märkte funktionieren, ebensowenig von echtem Krisenmanagement.
    Lachhaft, wen sich Amerika hierfür gewählt hat – Donald Trump.
    Ihm steht seine schlimmste Zeit bevor, sie wird grausam enden.
    Für alle Zukunft wird er als leuchtendes Beispiel für eine durch und durch dekadente Epoche des Finanzkapitalismus sein. Amerika wird seine Weltmacht-nicht militärisch, sondern wirtschaftlich- verlieren, sobald die Weltleitwährung unter seiner Regie zugrunde gegangen sein wird. Niemand mehr wird eine Leitwährung der Amerikaner akzeptieren, mittels derer die Welt in der Vergangenheit regelrecht missbraucht wurde.

  2. Avatar

    deCuba

    12. März 2020 12:05 at 12:05

    @Wolfgang Müller
    Danke für die ausführliche Übersicht.
    Einer meiner zuverlässigsten Langzeitindikatoren hat heute zum ersten Mal seit Sept`16 ein Longsignal generiert. Auch SP500/GOLD-Ratio hat eine signifikante Unterstützung erreicht. Bin heute widerwillig (traue momentan auch den besten Indikatoren nicht so recht) Long gegangen, ich rechne ab sofort mit einer Stabilisierung oder gar einer Erholung temporärer Natur.
    Scalpen in VVIX und VIX am Limit-Down ist heute ein Vergnügen und ein sehr lukratives Unterfangen ;-)
    Allen (Nicht)Tradern schon mal ein schönes erholsames Wochenende

    • Avatar

      Kakadus

      13. März 2020 12:14 at 12:14

      @DECUBA

      -Einer meiner zuverlässigsten Langzeitindikatoren hat heute zum ersten Mal seit Sept`16 ein Longsignal generiert. Auch SP500/GOLD-Ratio hat eine signifikante Unterstützung erreicht. Bin heute widerwillig (traue momentan auch den besten Indikatoren nicht so recht) Long gegangen, ich rechne ab sofort mit einer Stabilisierung oder gar einer Erholung temporärer Natur-

      Alle Achtung👍👍👍
      Können Sie auch verraten, was das für ein Indikator ist?

  3. Avatar

    Politologe

    12. März 2020 12:45 at 12:45

    @ Andreas M. Einverstanden, auch die Sowietunion war durch den Rüstungswettlauf am Ende wegen den Finanzen gescheitert. ( Zu Tode gerüstet)
    Ein Präsident ,der manipulierte Aktienkurse ( Buchgewinne) als das Höchste aller Ziele betrachtet, bekommt gerade seine verdiente Rechnung serviert.
    GröPaz wird gerade umbenannt in DüPraz. ( Dümmster Präsident…….)

  4. Avatar

    Kritisch on fire

    12. März 2020 13:28 at 13:28

    Ein Spruch aus „Juressic Park“ der da lautet „Die Natur findet immer einen Weg“ ist mir die letzten Tage in den Sinn gekommen. Diese von der Natur (vielleicht auch durch Menschenhand unterstützte) hervorgerufene Krise zeigt hoffentlich allen auf, dass Übertreibungen irgendwann korrigiert werden. Solange die Finanzwelt, die Banker, die Multis, die Politiker etc. durch das Volk der einzelnen Länder (zumindest in den Demokratien dieser Welt) nicht in Schranken gewiesen und mit persönlichen Haftungen für ihr Tun belangt werden ist davon auszugehen, dass nach Vorübergehen der Krise alles so weiterläuft wie bisher. Dabei wäre es so einfach!
    Hier ein paar wenige Beispiele aus meiner bescheidenen Sicht:
    – Persönliche Haftungen für alle Manager und Politiker.
    – Massive Stärkung der direkten Demokratie.
    – Aktienrückkäufe in Höhe von max. 20% des Nettogewinn einer AG.
    – Wahlrechtsänderung (passsiv, wie aktiv) gemäß Vorschlag Dr. KRALL.
    – Realisierung des Verfassungsgrundsatzes, dass alle Macht vom Volk aus gehen soll.
    – Max. Amtszeit von Politikern über 2 Legislaturperioden.
    – Besetzung von Ministerämtern ausschließlich durch ausgewiesene Experten in dem jeweiligen Resort.
    – Das Volk soll bei Wahlen nicht nur die Partei wählen sondern jeden einzelnen Minister, entsprechend seiner Ausbildung und Expertise.
    usw. usw.!
    So, genug geträumt!
    LG

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Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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Gold/Silber

Rüdiger Born: Charttechnik bei Dow, Nasdaq und Silber

Redaktion

Veröffentlicht

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Von

Ganz so einfach ist die Lage bei Dow Jones, Nasdaq und Silber derzeit nicht. Schauen wir genauer auf die Charts im folgenden Video.

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