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Aktienmärkte: Kann die Wirtschaft einlösen, was die Rally verspricht?

Alle Welt rätselt über die Dynamik des Anstiegs der Aktienmärkte! Sicherlich ist die Geldflut von Notenbanken und Regierungen ein Hauptgrund für die rasante Rally der Aktienmärkte – aber ohne die Wirtschaft wird das Niveau nicht gehalten werden können. Die Unternehmen müssen liefern.

Aktienmärkte: Berichtssaison Q2 pfui, Ausblicke hui?

Es sind im Wesentlichen drei Treiber für das Geschehen an den Börsen derzeit: Die billionenschweren Rettungspakete der Staaten und Notenbanken, die Marginalisierung der Zinsen und damit die verschwundene Konkurrenz der Anleihemärkte (TINA) und der Glaube inklusive der Hoffnung auf eine starke Erholung der Wirtschaft im Jahre 2021. Nicht auf die aktuellen Wirtschaftsdaten – auch nicht in Q3, der Blick der großen Aktienidizes geht traditionell über einen längeren Zeitraum, auch über den der Frühindikatoren hinaus.

Dennoch beginnt Anfang Juli mit der Berichtssaison über das „negativste“ Aktienquartal in der modernen Wirtschaftsgeschichte eine interessante Phase. Traditionell mit den Banken, die schon einen richtigen Kursabsturz hinter sich haben, aber dennoch etwas überraschen könnten, durch das ein oder andere Geschenk der Federal Reserve. Worauf es aber sehr viel wesentlicher ankommen sollte, ist der Ausblick der Unternehmen. Sieht man Licht am Horizont, oder verweigert man nach wie vor Aussagen zur Unternehmensentwicklung?

Nach 50 Prozent Kursteigerung der Aktienmärkte, ist die Schere zwischen Real- und Finanzwirtschaft so groß wie nie, seit man „zuverlässliche“ Daten erhebt. Die Börsen brauchen den Strohhalm Hoffnung auf die große Wende, sonst muss sich die Schere auch einmal von oben gesehen schließen (Mean Reversion). Die US-Notenbank hat schon einmal gewarnt, mit bestimmter Absicht.

Die düsteren Ausblicke des Jerome Powell

In einer Videokonferenz am Freitag hat der Chef der US-Notenbank Powell vor einer schwierigen Erholung der US-Wirtschaft gewarnt. „Der Weg dürfte eine Herausforderung bedeuten.“ Eigentlich eine Worthülse, denn was ist Covid-19 denn sonst, in jedem Land der Erde?

Fed-Mitglieder sprachen auch davon, dass es infolge der mäßigen Eindämmung von Covid-19 zu erneuten Werksschließungen kommen kann, längerer Arbeitslosigkeit und damit zu einer Bremse für Konsum und Investitionen.

Kurzum: Die langsamere Erholung der Wirtschaft bedarf weiterer Stimuli, auch werde die Notenbank alles tun, um die Wirtschaft zu stützen. Es gebe keine Grenze für die Aufkäufe von Staatsanleihen, aber die Regierung solle sich nach weiteren Unterstützungsmaßnahmen für Firmen und Haushalte umsehen.

Was für ein Sicherheitsnetz mit ganz heftigen Nebenwirkungen!

Aktienmärkte – zu schnell zu weit?

Könnten die drastischen Warnungen der Notenbank nicht auch eine Warnung an die Aktienmärkte beinhalten, die sich von Wirtschaftsdaten nicht beeindrucken lassen und immer weiter nach oben streben? Schließlich blickt man dort schon weit in die Zukunft und glaubt an die Wirksamkeit aller gebündelten Maßnahmen. Der Fed dürfte auch nicht das hemmungslose Spekulieren vieler Kleinanleger an den Börsen entgangen sein, die ihre staatlichen Stützungsgelder teilweise auch zum Zocken einsetzen.

Nach dem Anschnellen der Arbeitslosigkeit jetzt noch ein Einbruch der Aktienmärkte – was für eine weitere Bedrohung für die 16 Billionen Dollar Konsumökonomie der USA! Die Fed feuert daher aus allen Rohren, aber recht das ohne einen baldigen Wirtschaftsaufschwung?

Fazit

Es bleibt dabei: Diese Krise ist ohne historisches Vorbild. Die US-Notenbank streut Zweifel in die Geschwindigkeit der Wirtschaftserholung, stellt aber gleichzeitig neue, billionenschwere Hilfen in Aussicht. Man will Zeit gewinnen, damit sich die Wirtschaft erholen kann und die vernichtende Pleitewelle vieler Unternehmen und die anschließende dauerhafte Arbeitslosigkeit ausbleiben. Denn die Wirtschaft ist die Grundlage eines Staates, ohne Steuereinnahmen kein funktionierender Staatsapparat, ohne Gewinne der Unternehmen keine überlebensfähige Altersvorsorgesysteme. Deshalb versucht man mit allen Mitteln den pandemiebedingten Einbruch einer verschuldeten Welt abzumildern. Covid-19 ist noch nicht besiegt –  im Osten und in Nord- und Südamerika steigen die Fallzahlen noch.

Ohne Wirtschaft geht es nicht und mit Gelddrucken allein schon dreimal nicht.

Deshalb wird künftig jede Berichtssaison zur großen Prüfung für die Aktienmärkte, nicht im Rückblick, sondern im mittelfristigen „Outlook“ der Unternehmen.

Denn: Desto länger die USA mit ihrer Eindämmung von Covid-19 brauchen, desto breiter wird das U bei der Wirtschaftserholung. Weltweit, denn bei der Verkettung des Wirtschaftslebens – ob Produktion, Konsum oder Tourismus – spielt der große Wal USA im Wirtschaftsbecken immer noch eine sehr dominante Rolle.

Die Aktienmärkte ignorieren die Konjunkturdaten, die Fed warnt



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