Folgen Sie uns

Indizes

Aktienmärkte: Kaum noch Potenzial

Die Risiken für die Aktienmärkte sind aus Sentimentgründen größer als die Chancen

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die neueste Wochenumfrage des Handelsblatts zur Stimmung der Anleger, durchgeführt durch AnimusX unter Leitung von Stephan Heibel, brachte fast eine Wiederholung des Ergebnisses der Vorwochen: Die Risiken für eine Rally der Aktienmärkte sind aus Sentimentgründen größer als die Chancen, was auch bereits seit vier Wochen mit einer Seitwärtsbewegung zu sehen ist.

Die Gründe

Bei der Auswertung der Befragung sieht Sentimentexperte Heibel eine Differenz zwischen dem Verhalten der Privatanleger und der Professionellen. Während die Privaten sehr auf die Weihnachtsrally setzen (zocken), haben sie gleichzeitig aber kein Vertrauen in die Zukunft.

„Doch bei einer Meldung über Probleme hinsichtlich einer Einigung zwischen den USA und China im Handelsstreit, besteht die Gefahr eines weiteren, und diesmal nachhaltigeren Rückschlags“, sagte der Sentimentexperte.

Auch befindet sich der Kurvenvergleich für das fünfwöchige durchschnittliche Sentiment immer noch auf einem extremen Niveau. Dieser Indikator hatte in den letzten Jahren, bei Extremen im positiven wie im negativen Bereich, recht zuverlässige Hinweise auf Trendwenden im Dax erbracht – öfters mit einem Timelag, welches aber nicht über viele Wochen hinausging.

Die Profianleger hingegen sind derzeit nur gering investiert und haben zudem ihre Buchgewinne am Terminmarkt abgesichert. Damit setzen die Institutionellen auf einen weiteren Rücksetzer, bevor sie sich stärker engagieren wollen.

Möglicherweise habe man aber die Bücher für das Börsenjahr schon geschlossen, um die opulenten Kursgewinne für das Börsenjahr nicht mehr zu gefährden, welche das schwache Jahr 2018 mehr als ausgeglichen haben, so Heibels Vermutung.

Aktienmärkte: Das Fazit der Umfrage für den Dax

Insgesamt habe sich die Situation seit vergangener Woche nicht großartig geändert. Heibel betont, dass der Schub für einen weiteren Aufschwung von ausländischen Anliegern kommen müsse oder von deutschen institutionellen, die noch eine moderate Investitionsquote aufweisen. Der Unterschied zur Vorwoche besteht in der erhöhten Spekulation der privaten auf einen steigenden DAX, ablesbar am Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart. Damit fallen diese nicht nur als Käufer bei fallenden Kursen aus, sondern diese müssten bei Rückschlägen sogar noch verkaufen, um ihre Verluste einzudämmen.

Einen Vorgeschmack bekam man zu Beginn letzter Woche, als der Dax in kurzer Zeit um 400 Punkte gefallen war.

Dass die Sentimentumfrage, die immer am Wochenende abgeschlossen ist, keine unsinnigen Ergebnisse produziert, zeigt die Reaktuon des Dax am gestrigen Montag, der mit seinen Abgaben die Skepsis aus der Erhebung schon ein wenig bestätigte.

 

Und die Aktienmärkte der Amerikaner?

Bei der Beurteilung des Sentiments der US-Anleger kommt AnimusX zu einem etwas anderen Resultat, als man es hierzulande aus der Bewertung des Fear&Greed-Index sowie des Volatilitätsbarometers VIX bekommen könnte.

Nach Heibels Auswertung liegt das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE derzeit auf neutralem Niveau. Auch die gegenüber dem Oktober gestiegene Investitionsquote der US-Fondsmanager ist mit 78 Prozent als moderat einzustufen, ebenso wie die Bullenquote der Privatanleger in den USA, die sich bei neutralen drei Prozent befindet.

 

Fazit

Es bleibt dabei: An den Börsen hat sich aus den vielfach dargelegten Gründen so etwas wie ein Patt gebildet. Man will die Jahresgewinne nicht verlieren, spekuliert auf die ständig medial verbreitete These einer Jahresschlussrally, gleichzeitig gibt es aber großen Respekt vor den noch anstehenden Terminen mit Kursrelevanz: Da gibt es zum einen die Sitzung der Federal Reserve (mit gewissen Befürchtungen für ein negatives Statement zur Zinspause angesichts der Konjunkturstärke), den Brexit, die Veröffentlichung der US-Einzelhandelsumsätze am Freitag (mit ihrer Bedeutung für die Beurteilung des Konsums) und dem Datum schlechthin, dem 15. Dezember.

Über dessen Brisanz wurde auf FMW schon mehrfach berichtet und auch spekuliert. Denn hier liegt ein gewisses Überraschungspotenzial, nach oben und nach unten – aus der Sicht der Aktienmärkte. Wobei eine Reaktion in die Minuszone schon ausgeprägter ausfallen könnte, als der Sprung auf neue Höhen. Denn Ersteres wäre nicht eingepreist und hätte auch bestimmt ein größeres Potenzial, als Zweiteres: die mehrfach schon eingearbeitete Hoffnung auf einen Deal beziehungsweise der Nicht-Einführung von Zollanhebungen zu dieser Deadline.

Die Aktienmärkte hoffen auf eine Fortsetzung der Rally

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Aktien: Generation Z und die Spekulation! Marktgeflüster (Video)

Die Generation Z (ab 1995 Geborene) macht wieder Schlagzeilen und pusht auch heute wieder bestimme Aktien nach oben. Das böse Ende aber wird kommen..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Generation Z (ab 1995 Geborene) macht auch heute wieder Schlagzeilen und pusht wieder Aktien wie Gamestop oder Beyond Meat nach oben. Diese Generation Z wird nicht nur den Klimawandel ausbaden müssen, sondern ahnt auch, dass sie seit langer Zeit die erste Generation sein wird, für die der Kuchen nicht größer, sondern vermutlich kleiner sein wird. Und diese Generation Z wähnt sich nun durch die Fed und andere Notenbanken in einem Casino, in dem man ohne Risiko zocken könne – weil Aktien angeblich immer steigen. Aber an der Börse hat die Mehrheit schon immer verloren, und das wird diesmal nicht anders sein..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage