Die US-Aktienmärkte befinden sich seit Wochen auf Talfahrt, doch der Ausverkauf erreichte am Mittwoch eine neue Stufe, als Donald Trump den Zollhammer schwang. Der US-Präsident verhängte deutlich höhere Zölle als erwartet und löste damit einen Ausverkauf der US-Aktien aus. Der Leitindex S&P 500 brach am Donnerstag um fast 5% ein, der Nasdaq 100 verlor über 1.000 Punkte (-5,4%) und der Dow Jones über 1.600 Punkte (-4,0%). Gleichzeitig stieg der Volatilitätsindex (VIX), auch als Angstbarometer bekannt, auf über 30, den höchsten Stand seit August 2024. Während alle auf den Verkaufsknopf drückten, kauften Kleinanleger massiv den Dip – eine gute Idee?
Kleinanleger greifen in fallende Aktienmärkte
Kleinanleger, die in den letzten Jahren die Aktienmärkte stürmten, gehörten am Donnerstag zu den einzigen Anlegern, die kauften, als die US-Aktien ihren schlechtesten Tag seit Juni 2020 erlebten, so ein Bericht von Bloomberg.
In den USA stürzten sich Kleinanleger auf viele ihrer Lieblingsaktien, darunter Nvidia und andere Magnificent Seven-Werte sowie den bekannten Fonds Vanguard S&P 500 ETF, in der Hoffnung, dass der jüngste Marktabsturz eine weitere Gelegenheit für langfristige Gewinne bieten würde. Dies geht aus den Daten des Brokers Fidelity Investments hervor.
Amazon.com, Apple, Meta Platforms und Microsoft gehörten zu den am aktivsten gehandelten Unternehmen unter den Fidelity-Nutzern, wobei diese Aktien fünf- bis achtmal mehr Kauf- als Verkaufsaufträge verzeichneten. Die Privatanleger sehen wohl eine gute Kaufgelegenheit, nachdem der Index der Magnificent Seven-Aktien in dieser Woche in einen Bärenmarkt gerutscht war, also einem Rückgang von mehr als 20 % vom letzten Hochpunkt.
„Selbst wenn der Kurs weiter fällt, sollte man mehr kaufen, um die Durchschnittskosten zu senken“, sagte Pedro Correia, ein 30-jähriger freiberuflicher Softwareentwickler, der nach eigenen Angaben Finanzbücher liest, um sein eigenes Rentenportfolio aufzubauen. Diese Woche hat er Aktien von Amazon, Google und ASML Holding NV gekauft. „In zehn Jahren wird der Kurs höher sein, und je niedriger er ist, desto glücklicher bin ich, weil ich mehr kaufen kann.“
Kleinanleger: „Buy the Dip“
In den ersten drei Handelsstunden kauften Privatanleger Aktien im Wert von netto 2,8 Mrd. USD. Laut Emma Wu, Global Quantitative and Derivatives Strategist bei JPMorgan, ist dies der zweithöchste Wert seit Beginn der Datenaufzeichnung vor zehn Jahren. Die Käufe reichten von ETFs bis hin zu einzelnen Aktien, wobei ETFs, die den S&P 500 abbilden, so viele Zuflüsse verzeichneten wie Nvidia und Tesla zusammen.

Unter Privatanlegern herrschte lange Zeit eine „Buy-the-dip“-Mentalität vor, die auf der Vorstellung beruhte, dass die Aktienmärkte langfristig unweigerlich steigen würden. Während des Ausverkaufs an den Märkten in den ersten Tagen der Covid-Pandemie gehörte die Gruppe der Kleinanleger zu den wenigen, die kauften, während andere verkauften, und viele profitierten schließlich von dieser Entscheidung.
Diese Denkweise wurde am Donnerstag erneut auf die Probe gestellt, als sich die Verluste weltweit beschleunigten, nachdem Präsident Donald Trump den Handelskrieg stärker eskalieren ließ, als die Wall Street erwartet hatte.
Professionelle Investoren teilten den Optimismus der Privatanleger nicht. Laut einer Umfrage der National Association of Active Investment Managers reduzierten Vermögensverwalter ihr Engagement in US-Aktien auf den niedrigsten Stand seit November 2023. Daten von Goldman Sachs zufolge verkauften Hedgefonds im März weltweit so viele Aktien wie seit 12 Jahren nicht mehr. Es gibt aber auch Analysten, die eine Chance wittern, so erwartet BlackRock eine Aufholjagd des S&P 500.
„Catching a falling knife“
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„Dies ist ein episches Wirtschafts- und Marktereignis, ähnlich wie 1971 und das Ende des Goldstandards, nur mit sofortigen negativen Folgen“, schrieb er in einer E-Mail.
Der S&P 500 Index fiel um 4,8 Prozent und der technologielastige Nasdaq 100 um 5,4 Prozent, wodurch der gesamte Marktwert von rund 3 Billionen Dollar auf einen Schlag vernichtet wurde. Unternehmen wie Apple (-9%), Nike (-14%) und andere, die von der Produktion in Übersee abhängig sind, wurden besonders hart getroffen.
Dennoch gab es in Händler-Chatrooms wie Stocktwits und in einer Reihe von Investmentforen auf Reddit Aufrufe, den Dip zu kaufen und vom Ausverkauf zu profitieren. Auf X kommentierten Nutzer, dass die Aktienmärkte bereis ausverkauft seien, und prahlten damit, dass sie „billige“ Aktien von Amazon und Apple gekauft hätten.
Der hohe Anteil von Anlegern, die ETFs kauften, die den S&P 500 und den Nasdaq 100 abbilden, deutet darauf hin, dass die Kleinanleger einen breiteren Korb von Unternehmen kaufen wollten und nicht nur die Technologiegiganten, die in letzter Zeit am schlechtesten abgeschnitten haben.
Aktienmärkte steigen immer
„Ich füge etwas hinzu – vielleicht wird sich mein zukünftiges Ich in ein paar Jahren bei mir bedanken“, sagt Kian Saidi, ein 28-jähriger Kalifornier, der 2021 Vollzeit-Daytrader werden will. Er kauft ETFs, die Indizes wie den S&P 500 und Small-Cap-Aktien abbilden.
„Historisch gesehen geht der Markt in der Regel nach oben. Ich habe nicht vor, in den nächsten fünf Monaten in Rente zu gehen, also ist das eine gute Gelegenheit, Geld in langfristige Anlagen zu investieren“, sagt er.
Die Dip-Käufe fanden trotz der seit neun Wochen anhaltenden pessimistischen Stimmung unter Privatanlegern statt. Der vielbeachtete Bull-Bear-Spread der wöchentlichen Umfrage der American Association of Individual Investors(AAII Sentiment) ist seit Anfang Februar konstant negativ. Derzeit sind nur 22 % der Befragten im Bullenlager, während 62 % der Befragten Bären sind. Die Umfrage, die über die in den letzten Jahren dominierenden Daytrader hinausgeht, zeigt, dass die Mehrheit der Privatanleger für die Aktienmärkte in den nächsten sechs Monaten pessimistisch ist. Trotzdem kaufen sie schon wieder.
FMW/Bloomberg
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Keine gute Idee. Der Reset hat erst begonnen.
Naja es stimmt doch. Langfristig steigen Aktienmärkte. Es sei denn man geht vom allerschlimmsten aus und sieht sich das Jahr 1929 an und geht davon aus, dass bald ein neuer Weltkrieg ausbricht.
Selbst in den 15 Jahren von 1965-Ende der 70er Jahre hat man aber mit Aktien Geld verdienen können (höhere Dividendenrendite). Gerade mit einem weltweiten Portfolio, da zwar der S&P 500 auf der Stelle getreten ist, aber dafür andere Märkte stiegen (z.B. Japan).
Viel, viel öfter allerdings waren Einbrüche gute Kaufgelegenheiten.
@Alex, völlig richtig, entspricht ganz meiner Erfahrung.
Wenn’s runter geht, nachkaufen. Dazu Gold als Sicherheitsnetz.
@ Alex: Irgendwo gibt es immer etwas zu verdienen. Derzeit möchte ich aber weder ein US-Anleger, noch eine US-Regionalbank sei. Das wird noch an die Schmerzgrenze gehen und für die US-Mittelschichten finanziell bitter werden. Für Anleger ist wohl nicht die richtige Zeit für US-dip-Käufe, allenfalls für Daytrader …
Ich finde es interessant, dass nicht alle Aktien abstürzen, sondern nur die, die in die USA exportieren und die, die von einer Rezession in der USA getroffen wären. Bei der Telekom ist bsw gar nichts passiert.
Grundsätzlich richtig. Wenn jetzt eine Zeit käme die mit den 30er oder 70er Jahren vergleichbar wäre, dann würden die Aktien fallen. Wer in dieser Zeit regelmäßig nachkauft, sieht vielleicht 10 Jahre rote Zahlen im Depot, wird danach aber belohnt.
Allerdings halte ich es für genauso riskant, den ganzen Markt zu kaufen (wie es die ETF-Fans etwas pauschal empfehlen), als eine Einzelauswahl zu treffen. Im Gegenteil, in unruhigen Zeiten bewährt sich eine gezielte Auswahl, weil auch einiges vom Kurszettel verschwinden kann. Wer unsicher ist wählt die großen Standardwerte wie Exxon oder Coca-Cola.
Du weißt schon, was diese Firmen machen?
Darf ich wissen, was du beruflich machst?
Ein Phänomen, das sich regelmäßig wiederholt. Es ist ja nicht so, das die sog. Kleinanleger das bis ins letzte Haar überzeugt nur aus Eigeninitiative betreiben. Es gibt auch viele Fondssparer, die mit in die gleiche Kerbe schlagen. Bei gleichem Einsatz werden dann mehr Stücke gekauft und die Anzahl eben dieser verkauften Stücke steigt selbstverständlich. Insofern ist das ein wenig verzerrt. Aber es ist richtig, das viele die Kohle verbrennen, weil sie nur mit der rückwärtigen Betrachtung glauben, ein Schnäppchen zu machen. Der time-lag ist eben ein Indikator für verzögerte Wahrnehmung. Trotzdem haben wir dieses Muster ja immer wieder erlebt. Es liegt nun Mal im Wesen der Anleger, das hier immer wieder der „gleiche Fehler“ gemacht wird. Das Thema Langfristigkeit geht bei vielen jedoch kaum über ein Jahr hinaus. Und dann wird wieder verkauft, auch die Teile, die ma zuvor ja so günstig im „Dip“ gekauft hat. Nur ist nicht selten eben genau so ein Dip noch einmal um 20 oder 30 Prozent günstiger. Darauf folgt der Fluch all jener und der Schwur , nie wieder diesen Fehler zu machen. Naja, man weiß um diese Umstände und die sogenannten Großen können bei ihren Anlageentscheidungen auf diese einfache Betrachtungsweise zurückgreifen und darauf vertrauen, das es immer wieder Recht gut funktioniert. Mal ehrlich, wer bringt heute noch wirklich die Langfristigkeit mit um solche Phasen auszusitzen? Es gibt die aller simpelsten und trotzdem erfolgreichsten Strategien und Erfahrungen von Korifeen im Anlagebereich. Das sind aber nur eine Handvoll. Der Rest folgt dem Mainstream wie die Lemminge. So und das ist nur meine unwesentliche Erfahrung aus ganz einfachem Bankgeschäft seit über 30 Jahren.
Wenn ich mir das gesellschaftliche Umfeld und die Stimmung ansehe, werden in diesem Umfeld Zinssenkungen nichts bewirken weil ich eher eine Vertrauenskrise sehe. Gefahr von Arbeitslosigkeit, mangelnder Wille Chancen durch disruptive Ideen anzugehen und eine Politik die nicht nur in Deutschland keine Antworten liefert. Bei so einer Orientierungslosigkeit in Kombination mit ideologischen Spinnereien sehe ich die gegenwärtige Situation nicht als „Buy the Dip“ Chance. Abgesehen davon zeigt mir das Orderbuch der Futures eher panische Tendenzen. Geschwindigkeiten, Orderstacks um rauszugehen (Zusammenbruch der schnellen Up-Moves) eher einen Bärenmarkt. Bin gespannt wann „stringente Musterbewegungen“ reinkommen. War beim Coronamove auch zu sehen, was sicherlich nicht von Menschenhand gehandelt wurde. Da waren zeitweise enorm schnelle symetrische Wellen zu sehen. Ich vermute das dies automatisierte Transaktionen waren da die Muster teilweise eine unnatürlich feine und klare Symetrie aufwiesen.
sehe ich auch so. Die Zukunftsperspektive war selten so schlecht. nicht Mal beim zweiten Weltkrieg war es so schlecht wie jetzt mit Klimawandel und sozialer Ungerechtigkeit. Das Ende des Kapitalismus ist eingeläutet. wer denkt, das ist ein Dip, dem geht’s auch wahrscheinlich einfach zu gut, als dass er sich Sorgen macht.
@Rolf: „Das Ende des Kapitalismus“. Das Problem ist, das wir in weiten Teilen keine Kapitalismus hatten und haben. Wir haben ein Regelwerk für einige Wenige und Regulation für die Massen. Ebenso hat die breite Masse in vielen Bereichen keine Chancengleichheit wichtige Informationen auf Augenhöhe zu erhalten. Informationsbenachteiligung ist im Kapitalismus nicht vorgesehen. Die Kosten aufgrund juristischer Traumweltersteller zur Gründung von Unternehmen sind hoch. In meinen Augen dienen viele Regularien der Verhinderung das interessierte Unternehmer/innen alternative Möglichkeiten anbieten können und somit eine Art Bestandsschutz von politischen „Kumpels“ ermöglicht. Der Sozialismus hat noch nie Wohlstand erzeugt. Eher Korruption und Monopolisierung von Wohlstand. Ronald Regean:“In this present crisis, government is not the solution to our problem; government is the problem.“ Damals wie heute! Die Leute werden mit fadenscheinig, moralischer Ideologie in eine Psychose geführt. Gustav le Bon „Die Psychologie der Massen“, erschienen 1895. Das beantwortet die Frage:“Wie konnte das damals passieren?“. Da pfeife ich auf Links oder Rechts Gelaber.
Du hast recht. Ich aber auch ;) Die Zeichen für die Zukunft stehen so schlecht wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr – oder vielleicht sogar noch nie. Während man damals Angst um das Ende der Welt wegen eines Fehlers einzelner haben musste, kann man jetzt eigentlich die Folgen des Klimawandels nicht mehr aufhalten. Auch, wenn du auf links oder Rechts Gelaber pfeife“(n tust), ist ein weltweiter Rechtsruck trotzdem auch ziemlich erschreckend. Die Theorie könnte höchstens sein, dass die, die genug Geld haben, damit wieder noch reicher werden. Aber das Wachstum ist endlich. Empfehle den YouTube Kanal „the Market Exit“. Aber ist natürlich nichts, wenn man sich anderen Meinungen verschließen will.
Jeder versucht sich ein Bild aufzubauen, wie es weitergehen wird. Das Leben geht weiter und das Geld muss angelegt werden. Wir werden mit den Zöllen leben lernen und von weiter unten in den lndices aus weiter investieren müssen. Die lndices waren zu hoch und nun gehen wir 20 bis 30% tiefer weiter. Dem ETF Sparer kommt das entgegen, dem Sparplananfänger noch mehr. Für Trader kommen gute Zeiten.