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Aktienmärkte: Kommt jetzt eine Aufholphase Europas?

Europas Aktienmärkte rücken in den Fokus der Großinvestoren, der Euro steigt gegen dem US-Dollar – und dies während einer großen Krise!

Wolfgang Müller

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am

Die Anzeichen mehren sich: Europas Aktienmärkte rücken in den Fokus der Großinvestoren, der Euro steigt gegen dem US-Dollar – und dies während einer großen Krise. Ist das ein zufälliges Zusammentreffen Europa-günstiger Faktoren oder bereits so etwas wie ein Trend? Hierzu ein paar Fakten.

Aktienmärkte: Europa auf der Empfehlungsliste

Der Trend ist nicht erst seit der letzten Umfrage der Bank of America unter 210 Fondsmanagern, die ein Volumen von 607 Milliarden Dollar verwalten, deutlich geworden: Man interessiert sich für Investments in Europas Aktienmärkte, ob Goldman Sachs, oder zuletzt auch der Fondsgigant BlackRock.

Der größte Vermögensverwalter der Welt stufte europäische Aktien in seinen internen Empfehlungen auf übergewichten, während man US-Aktien hingegen auf neutral herabstufte. Ein Grund dafür war vor dem EU-Gipfel der Erfolg Europas bei der Eindämmung der Virusausbreitung. Wie oft wird Deutschland im US-Fernsehen in diesem Zusammenhang genannt? Es ist auch kaum zu übersehen: Die USA verzeichnen mit ihrem Anteil von 4,4 Prozent an der Weltbevölkerung „offiziell“ 26 Prozent aller Virusinfektionen.

Der Nachholbedarf

Das wirtschaftlich so starke Europa hat eine lange Phase der „Underperformance“ seiner Aktienmärkte im Vergleich zu den USA erlebt – und es waren nicht nur wirtschaftliche Gründe, Stichwort Aktienrückkäufe.

Aus der Sicht von 10 Jahren ergeben sich hierdurch eklatante Unterschiefe in der Aktien-Performance: Ein Plus beim Stoxx 600 von 145 Prozent stand bis vor Kurzem ein Plus von 293 Prozent im S&P 500 gegenüber.

Europas Jahrzehnt des Bangens

Kaum hatte man die Finanzkrise diesseits und jenseits des Atlantiks überwunden, rutschte man in Europa, ausgehend von Griechenland, in die erste Eurokrise. Es folgten hier ständige Rettungsaktionen zum Erhalt der Eurozone (und der Banken) – und dort (USA) beherzte Maßnahmen zur Revitalisierung der Banken und der Ankurbelung der Wirtschaft. Und jetzt? Plötzlich wankt die führende Wirtschaftsnation bei der Bewältigung einer Pandemie und die Aussicht auf einen Regierungswechsel mit höheren Steuern bildet so etwas wie einen Game Changer.

Die Signale des EU-Gipfels

Nach zähem Ringen hatte man es in Brüssel doch zu einem Kompromiss geschafft. Auch wenn Deutschland jetzt einige Kröten in Form höherer Beiträge schlucken muss, darf man nicht vergessen, was durch den Erhalt der Eurozone andererseits für Vorteile für die führende Nation in Europa gegeben sind. Bei weiteren Minuszinsen und für unseren Export, der zu 60 Prozent in die EU-Mitgliedsstaaten führt.

Man hat sich wieder einmal Zeit erkauft. Aber welche Signale sendet das Zusammenraufen der Regierungschefs der Eurozone in die Welt? Zunächst etwas Symbolträchtiges. Man konnte sich überwinden, man versucht die Krise gemeinsam zu lösen, ungeachtet der noch nicht so absehbaren Wirkungen des beschlossenen Pakets. Symbolpolitik, oder soll man sagen, das Hoffen auf die psychologische Außenwirkung? Letzere aber könnte die Aktienmärkte Europas zunächst beflügeln.

Das Konjunkturprogramm

Jahrelang hatte die Europäische Zentralbank mit ihren Maßnahmen die Eurozone über Wasser gehalten und damit die Reformunwilligkeit mancher Staaten ausgeglichen –  obgleich Mario Draghi und zuletzt Christine Lagarde stets davon gesprochen hatten, jetzt müssten die Staaten mit Fiskalprogrammen die Sache übernehmen. Nach langen und zähen Ringen war es am Montag soweit.

Es sind insgesamt über 1,82 Billionen Euro, die das Paket umfasst, zu dem die Staats- und Regierungschefs in Brüssel ihre Zustimmung gegeben haben.

1074 Milliarden Euro davon entfallen auf die Zeit von 2021 bis 2027, 750 Milliarden davon auf den ständig zitierten Aufbaufonds.

360 Milliarden als Kredite an die Staaten, 390 Milliarden als Zuschüsse, finanziert über neue Schulden an den Märkten. Was waren das Stunden des Ringens über die Verwendung der Gelder – die sparsamen Fünf gegen den Rest der EU-Zone!

Volkswirte haben bereits nachgerechnet:

In den ersten beiden Jahren werden sich die Hilfen in Höhe von etwa 1,6 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU bewegen. Länder wie Spanien und Italien profitieren dabei mit 3,5 bzw. 2,5 Prozent zu ihrem BIP, Deutschland, Frankreich und Holland mit circa 0,9 Prozent. Entscheidend sei das psychologische Signal. Der Einstieg in gemeinsame Schulden für Europa, der bisher größte Schritt zur finanzpolitischen Integration. Manches Analysehaus (Morgan Stanley) sprach schon davon, dass die Eurozone hierdurch stabiler und der Euro attraktiver werde. Dabei verstieg man sich sogar zu der Behauptung, dass Europas Aktienmärkte sich in den kommenden Monaten rund zehn Prozentpunkte besser entwickeln könnten als die globalen Vergleichsindizes.

Und Deutschland?

Plötzlich ist man auch wieder dem deutschen Markt und seinen Unternehmen zugetan. Eine Umfrage der Großbank HSBC hat aufgezeigt, dass der Anteil der Unternehmen, die durch die Pandemie stark beeinträchtigt sind, in Deutschland mit 53 Prozent geringer ist als im weltweiten Schnitt von 72 Prozent. An dieser Erhebung hatten sich 2600 Firmen aus 14 Staaten mit einem Umsatz von mehr als fünf Millionen Dollar beteiligt, darunter auch 200 deutsche Unternehmen.

Die Aufholjagd hat begonnen

Dass diese ganzen Überlegungen nicht nur hypothetisch sind, zeigen die Entwicklungen der Aktienmärkte. Schon seit dem Tiefpunkt an den Börsen am 18. März haben europäische Aktien gegenüber amerikanischen mehr zugelegt (ausgenommen die Nasdaq). Der EuroStoxx-50-Index ist seither rund 40 Prozent gestiegen, der amerikanische S&P 500 dagegen nur etwa 33 Prozent.

Dafür hatte schon der deutsch-französische Vorschlag für den Wiederaufbaufonds gesorgt. Allein in den vier Wochen nach dem 23. Mai, als dieser Vorschlag die Runde machte, legte der EuroStoxx um rund zehn Prozent zu, der S&P 500 nur um 1,8 Prozent.

Fazit

Noch ist es ein zartes Pflänzchen, mit einem gehörigen Schuss Hoffnung: Europas Aktienmärkte, die besser laufen, als die allmächtige Wall Street. Was wurde in der letzten Zeit nicht alles prophezeit: Europas altbackene Wirtschaft im Abwärtstrend, ein zerrissener Kontinent, dem Zerfall gewidmet, mit übergroßer Verschuldung der Südländer. Die USA hingegen mit der Dominanz seiner Zukunftstechnologie, der Wall Street und seiner Leitwährung. Und aktuell: Eine große Nation, die in der Pandemie planlos taumelt, eine rekordverdächtige Arbeitslosigkeit, eine derzeit schwächelnde Währung und dazu große Geldhäuser, die zumindest nach außen hin für Europas Aktienmärkte trommeln. Da muss auch etwas dran sein, denn schließlich sind die europäischen Börsen während der Pandemie nicht schlecht gelaufen.

Wer hätte ein solches Szenario vor einem halben Jahr erwartet? Europa ist wahrlich kein Hort der Stabilität, die Probleme sind nicht gelöst, aber „was erlauben Trump?“ Angesichts der vielen Problemfelder (Covid-19, Wahlen, Spaltung der Gesellschaft, Arbeitslosigkeit, Neuverschuldung u.v.m.) könnte es tatsächlich eine Phase der Outperformance der Aktienmärkte des alten Kontinents geben!

Europas Aktienmärkte werden von Analysten empfohlen

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Jan

    23. Juli 2020 10:27 at 10:27

    Für mich ist jede weitere Wertsteigerung der Aktien gleich Inflation solange die Firmen nicht das erwirtschaften was auf Grund der Aktienkurse eigentlich zu erwarten wäre. Und das ist auch logisch. Die Geldmeng wurde erhöht, der Wert nicht = Inflation, egal welche Wirtschaftsstudie, erste Semester (dritte Vorlesung bei mir glaube ich aber das ist schon lange her vielleicht hat sich was geändert)
    Deswegen geht es bald oder bereits hoch, kommt noch ein bisschen TINA und FOMO drauf und wir rechnen uns reich. Mein Tip: wenn es denn so kommt, mitmachen und rechtzeitig aussteigen dann wird es was mit reich.

  2. Avatar

    Johann Steinhaus

    23. Juli 2020 11:40 at 11:40

    Das war keine europäische Lösung sondern Geschacher was tiefe Narben in den Verbund gerissen hat.
    Die Zustimmung der „4“ wurde über Rabatte erkauft und die Rechtsstaatlichkeit ausgeklammert.
    Ziel ist letztendlich ein erzwungenes, „vereintes Europa“ welches über eine Schuldenunion erreicht wird.
    Das Thema Geldgeschenke ist für mich ebenso ein rotes Tuch. Diese Zuwendungen wurden noch nicht mal an irgendwelche notwendigen Reformen gebunden. Mit welchem Recht Geldgeschenke ??? Wenn mein Geschäft schlecht läuft kann ich auch nicht mal eben zur Bank und mir was schenken lassen, die zeigen mir nen Vogel.
    Eine reine Kredithilfe mit Reformbindung (wie damals in Griechenland) wäre für mich ok aber nicht so etwas wo Deutschland pro Jahr mal eben zusätzlich 10 Mrd. Euro nach Brüssel überweisen muss. Und wer zahlts ? der deutsche Michel . Machen wir mal eben wieder eine Steuer mehr . Hey, ja Plastiksteuer, die hatten wir noch nicht…… Und was passiert wenn im Herbst /Winter eine 2.te Welle kommt ? machen wir das gleiche Spiel nochmal? Das schlimme ist das dieses ganze Geld nicht bei den Menschen im vollen Umfang ankommt die es brauchen sondern letztendlich in den Märkten versickert wovon nur wenige profitieren und die Schere in der Bevölkerung immer weiter auseinander geht. Wooow , die Kurse steigen ….läuft doch alles gut, ….oder ?

  3. Avatar

    franko33

    23. Juli 2020 12:22 at 12:22

    Eurobonds ? Nicht mit mir sagte Frau „Dr“ Merkel.
    Was haben wir jetzt ?
    Die EU ist ein Mit-Construct der USA.Deutschland ist seit dem II Weltkrieg nicht mehr autonom und hat keine selbst gemachte Verfassung.
    Nicht mehr lang und die USA haben ihr „Coronaproblem“ wie alle anderen „vorzeitig“ gelöst.
    Wenn es nach den Dems geht bis Ende der US Wahlen…………..
    Eine V-Erholung sehe ich langfrtistig nicht.Unser Fiat-Geldsystem liegt in den letzten Zügen.
    Natürlich können wir uns „vielleicht“ vorübergehend freuen.Wer hat gerade die Nase vorn ?
    Alle allerdings im Turbomodus in den Abgrund.Es wird sicherlich zum Jahresene 20/Anfang 21 nochmals überreichlich „Geld gedruckt“,aber lassen wir uns nicht davon irritieren.
    Mache Kohle,so lang es noch geht.Hinterher kann man sich ja aus den Geldnoten ein
    Hütchen oder ein Handtäschchen flechten,wie in Venezuela.

  4. Avatar

    Mario P

    23. Juli 2020 13:42 at 13:42

    Ich denke nicht das es eine große Erholung für Europa gibt. Ich stelle mir das vor wie bei einem Sturz aus dem Flugzeug. Alle fallen nach unten. Europa fällt eventuell zur Zeit etwas langsamer als Amerika, aber wir werde alle bald aufschlagen. Die Finanzspritzen für die Südländer werden nicht lange halten, und dann werden die wieder nach Geld aus Deutschland rufen. Wir haben uns leider erpressbar gemacht. Und jetzt dürfen wir auch noch dafür haften. Wow, tolle Leistung.

  5. Avatar

    asyoulike

    23. Juli 2020 13:58 at 13:58

    Moin, moin,

    was wird in der Zukunft kommen? Es wird m.E. das Chaos kommen, noch hat man sich wieder einmal Zeit erkauft. Jedes neue Erkaufen von Zeit wird immer teurer. Reformen? Fehlanzeige. Alles bleibt wie es ist. Der Süden profitiert, der Norden zahlt. Das Ergebnis wird demnach in einer Transferunion liegen, bis die BRD pleite ist! In einem Interview sagte Max Otte vor kurzem, dass wir uns ggf. auf Zustände wie in Venezuela vorbereiten könnten. Wenigstens wird die Zukunft spannend.

    Nun noch kurz die Brücke zu den BRD Aktionären (bspw. Altersvorsorge) und Tradern. Wer hier noch die rosarote Brille auf hat, der hat die Rechnung ohne unseren geldgierigen Staat gemacht. Wer glaubt, dass da nicht noch etwas an Steuern und Abgaben zu holen ist, der irrt m.E. .

  6. Avatar

    thinkSelf

    23. Juli 2020 14:14 at 14:14

    „Auch wenn Deutschland jetzt einige Kröten in Form höherer Beiträge schlucken muss, darf man nicht vergessen, was durch den Erhalt der Eurozone andererseits für Vorteile für die führende Nation in Europa gegeben sind. Bei weiteren Minuszinsen und für unseren Export, der zu 60 Prozent in die EU-Mitgliedsstaaten führt.“

    Solche Sätze lösen bei mir Augenkrebs aus. Deutschland leiht erst seinen Kunden die Kohle, damit die dann anschließend bei uns einkaufen können. Verzichtet also auf eigenen Konsum um für den Konsum anderer kostenlos zu arbeiten.
    Und nach dem nächsten Zyklus des Universums liefern sie dann bestimmt auch die Güterüberschüsse um ihre Schulden zu bezahlen. Großes Indianerehrenwort!!

    Danke, da behalte ich doch lieber die Kohle und verprasse die selber. Spar mir dann auch noch das kostenlose arbeiten und gehen dann fünf Jahre früher in Rente.

    Übrigens: In 12 Monaten ist die Kohle alle und dann gibt´s den Transformations- Weltrettungsfond mit einem Volumen von 10 Billionen Euro.

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Aktienmärkte: Kommt jetzt die Korrektur? Risiko US-Regierungswechsel

Kommt jetzt die Korrektur der Aktienmärkte – in der Woche des lange erwarteten US-Regierungswechsels? Was dafür spricht – und was nicht..

Wolfgang Müller

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am

Kommt jetzt die Korrektur der Aktienmärkte? Nach einer gefühlt ewig langen Phase des Übergangs von der alten auf eine neue US-Regierung, ist es am Mittwoch endlich soweit: Ein neuer Präsident verspricht Versöhnung, Toleranz und Ruhe. Aber wird dies auch für die Finanzmärkte gelten, die so sehr von den Pushfaktoren, wie Stimuli, Helikoptergeld und niedrigen Zinsen profitiert haben? Könnte nicht gerade die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung für Volatilität sorgen, denn Joe Bidens Programm ist „zunächst“ einmal nicht nur Wall Street-freundlich?

Aktienmärkte: Treibende und bremsende Faktoren

Es gibt Hunderte von Indikatoren, die zur Beurteilung von Wirtschaft und Börse herangezogen werden, aber nur wenig haben große unmittelbare Bedeutung für die Aktienmärkte.

Der wichtigste Faktor ist nach wie vor der monetäre – und von dieser Seite droht zunächst keine Gefahr. Der Zuwachs der Geldmenge in den USA marschiert auf die 7 Billionen Dollar zu (der Zuwachs beträgt 71 Prozent), das frisch gedruckte Geld der Notenbanken (Fed 120 Mrd. Dollar monatlich) mit ihren ständigen Wertpapierkäufen läuft auf die 10 Billionen Dollar zu. Die Rettungspakete bekommen mit der Ankündigung von Joe Bidens Regierungsprogramm einen weiteren Schub, den die Börsen allerdings schon eingepreist haben.

Geblieben sind allerdings auch die große Euphorie bestimmter Anlegergruppen, die ungesunde Call-Spekulation, die Übertreibungen bei Nebenwerten (Russell 2000) sowie die Spekulationsblasen zum Beispiel in Wasserstofffirmen oder im Bereich der Elektromobilität. Vor allem auch bei der Hyperspekulation mit Penny-Stocks, um nur drei Beispiele zu nennen.

Ebenso die langfristig bedeutsamen Indikatoren, wie der Buffett-Indikator, der Shiller-Index, die ungesunden Abstände der Indizes von ihren Aufwärtstrendlinien und Weitere, auf die ich genau vor einer Woche hingewiesen habe. It doesn’t matter, until it matters.

Die Long-Spekulation im Langfristvergleich

Investoren und Aktienmärkte: alle sind long!

Was kurzfristig die Aktienmärkte sehr belastet und bereits zu einer viertägigen Querbewegung der Indizes geführt hat, war der Renditeanstieg der 10-jährigen US-Treasury bis auf 1,18 Prozent. Diese ist aber nach einem Eingreifen der Federal Reserve wieder auf 1,087 Prozent gefallen. Auch wenn die Zinsen noch sehr niedrig sind, genügen hier schon geringe weitere Anstiege, um zu einer Belastung des Aktienmarktes zu werden.

Die Zinskurve in den USA versteilt sich, erkennbar an der Differenz zwischen der 2- und 10-jährigen Staatsanleihe. Was den Banken zupass kommt, durch das ewige Thema der Fristentransformation, aber eher nicht dem Gesamtmarkt.

Die Saisonalität spricht einmal mehr für eine Korrektur, wie in dem ewigen Chart eindeutig sichtbar.

Aktienmärkte und Saisonalität

Was sich weiter im fast neutralen Bereich befindet, ist der Fear&Greed-Index mit seinen 60 Punkten. Belastend hingegen die Cash-Quote der Fonds, die noch sehr niedrig ist, erst bei einem größeren Rückschlag könnte sich diese wieder ausweiten.

Wie könnte sich die Übertreibung an den Aktienmärkten abbauen?

Dies geht natürlich stets über zwei Wege. Zum einen über eine harte und schnelle Korrektur der Aktienmärkte – und zum anderen über eine längere Seitwärtsphase. Aufgrund der hohen Call-Spekulation in Verbindung mit der hohen Wertpapierkredite (Margin Debt) ist eher von Ersterem auszugehen. Was machen die Märkte heute, an einem Feiertag in den USA – Martin Luther King Day?

Wahrscheinlich gibt es ab mittag wieder einmal Sparflamme an den europäischen Börsen, ohne die Wall Street. Es wird aber weiter Unsicherheit herrschen, wegen der Inaugurationsfeier von Joe Biden. Da man aber Unruhen bereits jetzt schon fast 14 Tage im Voraus entgegenplanen kann, wird Washington gesichert werden wie Fort Knox, mit Zehntausenden von Soldaten, Polizisten, Sicherheitskräften und Geheimdienstmitarbeitern. Die Großmacht USA wird Bilder wie am 6. Januar für die Welt verhindern wollen. Und was so lange bekannt ist, wie mögliche Unruhen am 20. Januar? Das Unheilvolle ist immer das Überraschende, insbesondere für die Aktienmärkte.

Der Fortgang beim Weltprojekt Impfung

Auch wenn gerade das Thema Impfstoffversorgung in aller Munde ist, übersieht man die Geschwindigkeit, wie rasch die Impfkurve nach oben geht. Obwohl es eigentlich erst um die Jahreswende so richtig losging, gab es bereits fast 40 Millionen Impfungen. Voran die USA mit über 12 Mio., China über 10 Mio., Großbritannien über 4 Mio., Israel über 2,2 Mio., selbst Deutschland hat rasch die Einmlillionengrenze überschritten.

Klar sind die Kapazitäten noch begrenzt, aber nach BioNTech, Moderna, Gamaleya und Sinovac gibt es noch so viele Firmen, die kurz vor der Zulassung stehen und ihre Produktion hochfahren. AstraZeneca, Cansino, Sinopharm (beide China), Vector (RUS), Bhanat (IND), Johnson&Johnson und viele andere, es gibt immer noch 200 Impfstoffprojekte, die versuchen auf den Markt zu kommen, um das große Geschäft zu machen.

Wenn man sich die Milliarden Impfdosen, die schon die ersten Firmen auf den Markt bringen wollen betrachtet (ursprünglich 12,6 Milliarden Dosen von nur 10 Firmen, Pfizer hat gerade angekündigt die Produktion 2021 von 1,3 auf 2 Milliarden Dosen erhöhen zu wollen), kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es in der zweiten Jahreshälfte bereits ein Überangebot an Impfstoffen geben wird, den berühmten Schweinezyklus.

Beträgt nicht der Anteil der unter 15-Jährigen an der Weltbevölkerung von 7,7 Milliarden 26 Prozent, allein in Afrika sind es 41 Prozent und damit viele, die gar nicht geimpft werden (können), auch aus finanziellen Gründen?

Beispiel USA: Hier wird man bereits noch in dieser Woche offiziell die schreckliche Zahl von 25 Millionen Infizierten erreichen, aber was ist mit der Dunkelziffer, wenn diese nur den sehr niedrigen Faktor drei oder vier beträgt? Joe Biden hat angekündigt bereits in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit 100 Millionen Amerikaner impfen lassen zu wollen, es sollen viele Firmen staatlich gezwungen werden mitzuarbeiten. Würde es dann nicht bereits im Frühjahr vorbei sein mit den großen Infektionszahlen, zumal man nicht vergessen darf, dass es bis dahin auch noch weiter Millionen Infizierte geben wird, die bis dahin die Krankheit durch haben? Dann aber vorrangig Junge, weil die Älteren bereits geimpft sind.

Zur Börse: Klar wird ein Lockdown durch Joe Biden die Aktienmärkte kurzfristig belasten, aber auf welchen Zeitraum blickt denn der Markt, doch nicht auf das Frühjahr? Auch die Sicht, dass sich die Wirtschaftserholung in 2021 durch die Mutation nach hinten verschieben werde, ist eine börsenunspezifische. Die Erholung wird dann eben stärker ausfallen, der Nachholbedarf größer. Hat nicht das Ifo-Institut erst berichtet, dass das „nicht ausgegebene“ Geld in Deutschland bereits 100 Milliarden Euro erreicht hat?

Fazit

Längerfristig wird das neue Regierungsprogramm der Wall Street und den Märkten nicht zu sehr schaden, das zeigt die Vergangenheit, wenn man sich die Performance der Märkte seit dem Zweiten Weltkrieg betrachtet. Das Big Money hat noch zu jeder Zeit seinen Einfluss auf Regierende durchgesetzt und zu sehr ist die Gesellschaft in den USA auf ihren Konsum und ihren Aktienmarkt angewiesen. Kein Präsident wird eine Umschichtung von Wall Street zu Main Street durchsetzen können, wenn die Masse der Senatsmitglieder selbst große Aktienvermögen besitzen, wenn die Altersvorsorge (Pensionskassen) so sehr von den Kapitalmärkten abhängig ist – anders als in Deutschland.

Aber kurz- und mittelfristig könnten die Pläne der neuen Regierung schon für Unsicherheit sorgen, für Volatilität, im Hinblick auf Verschuldung, Inflation und Kapitalmarktzinsen. Noch ist die Auswahl für die großen Kapitalsammelstellen noch sehr einseitig, aber was würde passieren, sollten sich die allgemeine Kapitalmarktzinsen auch nur ein weiteres halbes Prozent nach oben bewegen? Zukunftsmusik? Klar wird die Notenbank verbal und praktisch dagegen ankämpfen, die große Wende wird nicht gleich kommen, aber einen weiteren „Free Lunch“ für die vielen Neuspekulanten wird es 2021 vermutlich nicht noch einmal geben. An den Börsen klappt selten eine Geschichte zweimal hintereinander. Wird der 20. Januar mit all seinen Auswirkungen nicht erst einmal Luft aus der Spekulationsblase an den Märkten lassen, weil man wochenlang Zeit hatte, die Erwartungen einzupreisen? Die kommenden Wochen sind geradezu einladend für eine Phase des Abbaus von Euphorie, das frische Geld ist an den Märkten angekommen, die Unerfahrenen werden nicht schnell genug reich und dann kommen erst einmal Gewinnmitnahmen. Dies war in den letzten fünf Jahren fast immer der Fall, bis auf den Januar 2019, aber da gab es eine Sondersituation wegen Fed-Chef Jerome Powell und seiner zinspolitischen 180-Grad-Wende.

Wird der US-Regierungswechsel zu einer Korrektur der Aktienmärkte führen?

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Finanznews

Lockdown, Märkte – und Realität! Videoausblick

Markus Fugmann

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Bislang haben die Märkte den Lockdown ignoriert: man geht davon aus, dass mit den Impfungen das Problem früher oder später komplett erledigt ist. Wenn dem wirklich so wäre, dann würen die aktuellen Bewertungen vielleicht sogar Sinn machen – aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Erholung der Wirtschaft so stark ausfällt wie erhofft, ist eher gering. Vilemehr zeichnet sich ein härterer und verlängerter Lockdown ab, während zugleich die Impfungen bislang weit unter den Erwartungen bleiben. Und so entsteht eine Lücke zwischen den Erwartungen der Märkte und der Realität – und das obwohl die neuesten Zahlen einen klaren Trend zeigen: die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus sinkt..

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DAX daily: Die Stimmungslage könnte kippen – Wochenausblick

Stefan Jäger

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am

Nach der Euphorie-Welle der letzten Wochen trübt sich die Stimmung der Dax-Anleger zunehmend ein. Damit dürfte auch die Rekordjagd erst einmal beendet sein. So langsam scheinen die Anleger zu realisieren, dass die Corona-Pandemie trotz des Fortschritts durch die Impfkampagne noch lange nicht eingedämmt ist und die bereits eingepreiste Wirtschaftserholung noch länger auf sich warten lässt. Auf Jahressicht sehen die Anleger aktuell sogar mehr Risiken als Chancen – hier mehr dazu.

In dieser Woche steht erneut eine Verschärfung und Verlängerung der Corona-Lockdowns im Fokus. Das gilt sowohl für Deutschland, wo bereits am Dienstag über schärfere Maßnahmen diskutiert werden soll, als auch für die USA. Dort hat der zukünftige Präsident Biden angekündigt schnellstmöglich auf die Zuspitzung der Lage zu reagieren. Die aktuellen Unsicherheiten haben die Investoren dazu verleitet einen Teil ihrer zuvor angehäuften Gewinne mitzunehmen. Ob sich die Gewinnmitnahmen in dieser und den kommenden Wochen ausweiten, hängt von zwei Faktoren ab. Einerseits von den Entscheidungen, wie es rund um den Lockdown weitergeht, andererseits von der Bilanzsaison, die in den nächsten Wochen an Fahrt aufnimmt.

Nach dem starken Jahresauftakt verlor der Dax in der vergangenen Woche knapp 2% und entfernt sich weiter von seinem Rekordhoch bei 14.131 Punkten. Allein am Freitag verbuchte der deutsche Leitindex einen Verlust von 200 Punkten (-1,44%) und schloss bei 13.787. In dieser Woche sollten die Anleger auf den Bereich bei 13.600/500 achten. Dort ist der Index zunächst abgesichert, allerdings droht ein Rutsch bis zur runden 13.000er Marke, wenn die Unterstützung gebrochen wird. Auf der Oberseite ist der Dax fürs Erste bei 14.000 gedeckelt.

News und fundamentale Daten

In der abgelaufenen Woche haben besonders die Daten aus den USA enttäuscht, die Arbeitsmarktdaten sowie die Einzelhandelsumsätze sind miserabel ausgefallen. Dementsprechend dürfte das Augenmerk der Investoren wieder verstärkt auf den Fundamentaldaten liegen. Zuerst richtet sich der Blick nach China, wo in der Nacht gewichtige Wirtschaftsdaten veröffentlicht wurden. Die Zahlen für das vorläufige Bruttoinlandsprodukt (Q4) sowie der Industrieproduktion sind positiv ausgefallen. Das BIP liegt mit einem Wachstum von 6,5% über der Prognose von 6,1%, auch die Industrieproduktion ist mit 7,3% besser als erwartet ausgefallen (Prognose 6,9%, vorher 7,0%).

Für die hiesige Konjunktur sind die ZEW-Daten am Dienstag und der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe am Freitag von Interesse und könnten Auswirkungen auf den Dax haben. Zudem richten die Anleger ihre Augen am Donnerstag auf die Europäische Zentralbank, dann steht erneut eine Zinsentscheidung an. An dem derzeitigen Zinsniveau gibt es nichts zu rütteln, zudem werde sich die EZB hüten Anzeichen einer restriktiven Geldpolitik zu äußern. Allerdings ist auch nicht mit neuen geldpolitischen Lockerungen zu rechnen, nachdem die EZB im Dezember bereits ihr Anleihekaufprogramm um 500 Milliarden ausgeweitet hatte.

Am Montag ist der Dax größtenteils auf sich allein gestellt, da die US-Börsen aufgrund des Martin Luther King Day geschlossen sind. Ab Dienstag geht dann die neue Berichtssaison weiter, vor allem mit Quartalszahlen aus dem Bankensektor von Goldman Sachs und Bank of America. Zusätzlich berichtet das Medienunternehmen Netflix über das abgelaufene Quartal. Im Laufe der Woche sehen wir dann noch die Zahlen von Morgan Stanley, Intel, IBM und vielen anderen Unternehmen. Am Mittwoch steht zudem die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten und seine Rede im Mittelpunkt. Die Einführung könnte von landesweiten Ausschreitungen überschattet werden.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Die Schwäche zum Ende der letzten Handelswoche könnte sich auch in dieser Woche fortsetzen. Im Tageschart hat sich nämlich ein Trendumkehrmuster gebildet (island reversal), erst ein Anstieg über 14.000 würde das Bild wieder aufhellen. Im frühen Handel notiert der Dax bereits etwas tiefer. Ein Unterschreiten der 13.711 könnte den Dax zum Freitagstief bei 13.670 führen. Dort sollte der Index Halt finden, ansonsten dürfte sich der Abwärtstrend fortsetzen. Die nächste Unterstützungszone befindet sich bei 13.600 und 13.560. Dieser Bereich ist auch entscheidend für die Entwicklung in den nächsten Tagen. Hält die Zone, dann könnte es zunächst wieder aufwärts gehen, rutscht der Dax jedoch darunter, dann dürfte sich die Korrektur ausweiten. Dann wäre mit einem Anlaufen des Unterstützungsbereichs bei 13.450 zu rechnen.

Hält sich der Dax über der 13.670, dann könnte zunächst eine Erholung einsetzen. Bei 13.773 wartet das Nachthoch, darüber liegt die vorherige Unterstützung bei 13.800, die jetzt als Widerstandszone agiert. Dort könnte der Dax bereits wieder den Rückwärtsgang einlegen. Oberhalb von 13.810 wäre noch Luft bis 13.868 und  13.892 (61,8% Retracement). Ein Anstieg über das 61er Retracement würde sogar weiteres Aufwärtspotenzial freisetzen.

Der Börsen Jäger

Haben Sie Interesse an konkreten Trading-Ideen, dann werfen Sie doch einen Blick auf unseren neuen Service „Der Börsen Jäger“. In dem kostenlosen Börsenbrief nehme ich Sie mit auf die Jagd und vermittle interessante Anregungen zu fundierten Handelsmöglichkeiten sowohl für die bekannten Indizes und Aktien, als auch für die Devisen- und Rohstoffmärkte.

Dax daily: Tages- und Wochenausblick - H4-Chart - kippt die Stimmung?

Dax Unterstützungen (US):

13.711 – Punkt 2 Bodenbildung (H1)

13.670 – Tagestief 15.01.

13.600/630 – US-Zone

13.566 – Tagestief 05.01.

13.450 – ehemals WS / US

Dax Widerstände (WS):

13.795 – ex Allzeithoch

13.868 – vormals US

13.948 – mehrfacher WS / US

13.988 – offenes Gap 14.01.

14.000 – psychologische Marke

14.049 – Gap 08.01.

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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