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Aktienmärkte: Kommt jetzt eine Aufholphase Europas?

Europas Aktienmärkte rücken in den Fokus der Großinvestoren, der Euro steigt gegen dem US-Dollar – und dies während einer großen Krise!

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Die Anzeichen mehren sich: Europas Aktienmärkte rücken in den Fokus der Großinvestoren, der Euro steigt gegen dem US-Dollar – und dies während einer großen Krise. Ist das ein zufälliges Zusammentreffen Europa-günstiger Faktoren oder bereits so etwas wie ein Trend? Hierzu ein paar Fakten.

Aktienmärkte: Europa auf der Empfehlungsliste

Der Trend ist nicht erst seit der letzten Umfrage der Bank of America unter 210 Fondsmanagern, die ein Volumen von 607 Milliarden Dollar verwalten, deutlich geworden: Man interessiert sich für Investments in Europas Aktienmärkte, ob Goldman Sachs, oder zuletzt auch der Fondsgigant BlackRock.

Der größte Vermögensverwalter der Welt stufte europäische Aktien in seinen internen Empfehlungen auf übergewichten, während man US-Aktien hingegen auf neutral herabstufte. Ein Grund dafür war vor dem EU-Gipfel der Erfolg Europas bei der Eindämmung der Virusausbreitung. Wie oft wird Deutschland im US-Fernsehen in diesem Zusammenhang genannt? Es ist auch kaum zu übersehen: Die USA verzeichnen mit ihrem Anteil von 4,4 Prozent an der Weltbevölkerung „offiziell“ 26 Prozent aller Virusinfektionen.

Der Nachholbedarf

Das wirtschaftlich so starke Europa hat eine lange Phase der „Underperformance“ seiner Aktienmärkte im Vergleich zu den USA erlebt – und es waren nicht nur wirtschaftliche Gründe, Stichwort Aktienrückkäufe.

Aus der Sicht von 10 Jahren ergeben sich hierdurch eklatante Unterschiefe in der Aktien-Performance: Ein Plus beim Stoxx 600 von 145 Prozent stand bis vor Kurzem ein Plus von 293 Prozent im S&P 500 gegenüber.

Europas Jahrzehnt des Bangens

Kaum hatte man die Finanzkrise diesseits und jenseits des Atlantiks überwunden, rutschte man in Europa, ausgehend von Griechenland, in die erste Eurokrise. Es folgten hier ständige Rettungsaktionen zum Erhalt der Eurozone (und der Banken) – und dort (USA) beherzte Maßnahmen zur Revitalisierung der Banken und der Ankurbelung der Wirtschaft. Und jetzt? Plötzlich wankt die führende Wirtschaftsnation bei der Bewältigung einer Pandemie und die Aussicht auf einen Regierungswechsel mit höheren Steuern bildet so etwas wie einen Game Changer.

Die Signale des EU-Gipfels

Nach zähem Ringen hatte man es in Brüssel doch zu einem Kompromiss geschafft. Auch wenn Deutschland jetzt einige Kröten in Form höherer Beiträge schlucken muss, darf man nicht vergessen, was durch den Erhalt der Eurozone andererseits für Vorteile für die führende Nation in Europa gegeben sind. Bei weiteren Minuszinsen und für unseren Export, der zu 60 Prozent in die EU-Mitgliedsstaaten führt.

Man hat sich wieder einmal Zeit erkauft. Aber welche Signale sendet das Zusammenraufen der Regierungschefs der Eurozone in die Welt? Zunächst etwas Symbolträchtiges. Man konnte sich überwinden, man versucht die Krise gemeinsam zu lösen, ungeachtet der noch nicht so absehbaren Wirkungen des beschlossenen Pakets. Symbolpolitik, oder soll man sagen, das Hoffen auf die psychologische Außenwirkung? Letzere aber könnte die Aktienmärkte Europas zunächst beflügeln.

Das Konjunkturprogramm

Jahrelang hatte die Europäische Zentralbank mit ihren Maßnahmen die Eurozone über Wasser gehalten und damit die Reformunwilligkeit mancher Staaten ausgeglichen –  obgleich Mario Draghi und zuletzt Christine Lagarde stets davon gesprochen hatten, jetzt müssten die Staaten mit Fiskalprogrammen die Sache übernehmen. Nach langen und zähen Ringen war es am Montag soweit.

Es sind insgesamt über 1,82 Billionen Euro, die das Paket umfasst, zu dem die Staats- und Regierungschefs in Brüssel ihre Zustimmung gegeben haben.

1074 Milliarden Euro davon entfallen auf die Zeit von 2021 bis 2027, 750 Milliarden davon auf den ständig zitierten Aufbaufonds.

360 Milliarden als Kredite an die Staaten, 390 Milliarden als Zuschüsse, finanziert über neue Schulden an den Märkten. Was waren das Stunden des Ringens über die Verwendung der Gelder – die sparsamen Fünf gegen den Rest der EU-Zone!

Volkswirte haben bereits nachgerechnet:

In den ersten beiden Jahren werden sich die Hilfen in Höhe von etwa 1,6 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU bewegen. Länder wie Spanien und Italien profitieren dabei mit 3,5 bzw. 2,5 Prozent zu ihrem BIP, Deutschland, Frankreich und Holland mit circa 0,9 Prozent. Entscheidend sei das psychologische Signal. Der Einstieg in gemeinsame Schulden für Europa, der bisher größte Schritt zur finanzpolitischen Integration. Manches Analysehaus (Morgan Stanley) sprach schon davon, dass die Eurozone hierdurch stabiler und der Euro attraktiver werde. Dabei verstieg man sich sogar zu der Behauptung, dass Europas Aktienmärkte sich in den kommenden Monaten rund zehn Prozentpunkte besser entwickeln könnten als die globalen Vergleichsindizes.

Und Deutschland?

Plötzlich ist man auch wieder dem deutschen Markt und seinen Unternehmen zugetan. Eine Umfrage der Großbank HSBC hat aufgezeigt, dass der Anteil der Unternehmen, die durch die Pandemie stark beeinträchtigt sind, in Deutschland mit 53 Prozent geringer ist als im weltweiten Schnitt von 72 Prozent. An dieser Erhebung hatten sich 2600 Firmen aus 14 Staaten mit einem Umsatz von mehr als fünf Millionen Dollar beteiligt, darunter auch 200 deutsche Unternehmen.

Die Aufholjagd hat begonnen

Dass diese ganzen Überlegungen nicht nur hypothetisch sind, zeigen die Entwicklungen der Aktienmärkte. Schon seit dem Tiefpunkt an den Börsen am 18. März haben europäische Aktien gegenüber amerikanischen mehr zugelegt (ausgenommen die Nasdaq). Der EuroStoxx-50-Index ist seither rund 40 Prozent gestiegen, der amerikanische S&P 500 dagegen nur etwa 33 Prozent.

Dafür hatte schon der deutsch-französische Vorschlag für den Wiederaufbaufonds gesorgt. Allein in den vier Wochen nach dem 23. Mai, als dieser Vorschlag die Runde machte, legte der EuroStoxx um rund zehn Prozent zu, der S&P 500 nur um 1,8 Prozent.

Fazit

Noch ist es ein zartes Pflänzchen, mit einem gehörigen Schuss Hoffnung: Europas Aktienmärkte, die besser laufen, als die allmächtige Wall Street. Was wurde in der letzten Zeit nicht alles prophezeit: Europas altbackene Wirtschaft im Abwärtstrend, ein zerrissener Kontinent, dem Zerfall gewidmet, mit übergroßer Verschuldung der Südländer. Die USA hingegen mit der Dominanz seiner Zukunftstechnologie, der Wall Street und seiner Leitwährung. Und aktuell: Eine große Nation, die in der Pandemie planlos taumelt, eine rekordverdächtige Arbeitslosigkeit, eine derzeit schwächelnde Währung und dazu große Geldhäuser, die zumindest nach außen hin für Europas Aktienmärkte trommeln. Da muss auch etwas dran sein, denn schließlich sind die europäischen Börsen während der Pandemie nicht schlecht gelaufen.

Wer hätte ein solches Szenario vor einem halben Jahr erwartet? Europa ist wahrlich kein Hort der Stabilität, die Probleme sind nicht gelöst, aber „was erlauben Trump?“ Angesichts der vielen Problemfelder (Covid-19, Wahlen, Spaltung der Gesellschaft, Arbeitslosigkeit, Neuverschuldung u.v.m.) könnte es tatsächlich eine Phase der Outperformance der Aktienmärkte des alten Kontinents geben!

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6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Jan

    23. Juli 2020 10:27 at 10:27

    Für mich ist jede weitere Wertsteigerung der Aktien gleich Inflation solange die Firmen nicht das erwirtschaften was auf Grund der Aktienkurse eigentlich zu erwarten wäre. Und das ist auch logisch. Die Geldmeng wurde erhöht, der Wert nicht = Inflation, egal welche Wirtschaftsstudie, erste Semester (dritte Vorlesung bei mir glaube ich aber das ist schon lange her vielleicht hat sich was geändert)
    Deswegen geht es bald oder bereits hoch, kommt noch ein bisschen TINA und FOMO drauf und wir rechnen uns reich. Mein Tip: wenn es denn so kommt, mitmachen und rechtzeitig aussteigen dann wird es was mit reich.

  2. Avatar

    Johann Steinhaus

    23. Juli 2020 11:40 at 11:40

    Das war keine europäische Lösung sondern Geschacher was tiefe Narben in den Verbund gerissen hat.
    Die Zustimmung der „4“ wurde über Rabatte erkauft und die Rechtsstaatlichkeit ausgeklammert.
    Ziel ist letztendlich ein erzwungenes, „vereintes Europa“ welches über eine Schuldenunion erreicht wird.
    Das Thema Geldgeschenke ist für mich ebenso ein rotes Tuch. Diese Zuwendungen wurden noch nicht mal an irgendwelche notwendigen Reformen gebunden. Mit welchem Recht Geldgeschenke ??? Wenn mein Geschäft schlecht läuft kann ich auch nicht mal eben zur Bank und mir was schenken lassen, die zeigen mir nen Vogel.
    Eine reine Kredithilfe mit Reformbindung (wie damals in Griechenland) wäre für mich ok aber nicht so etwas wo Deutschland pro Jahr mal eben zusätzlich 10 Mrd. Euro nach Brüssel überweisen muss. Und wer zahlts ? der deutsche Michel . Machen wir mal eben wieder eine Steuer mehr . Hey, ja Plastiksteuer, die hatten wir noch nicht…… Und was passiert wenn im Herbst /Winter eine 2.te Welle kommt ? machen wir das gleiche Spiel nochmal? Das schlimme ist das dieses ganze Geld nicht bei den Menschen im vollen Umfang ankommt die es brauchen sondern letztendlich in den Märkten versickert wovon nur wenige profitieren und die Schere in der Bevölkerung immer weiter auseinander geht. Wooow , die Kurse steigen ….läuft doch alles gut, ….oder ?

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    franko33

    23. Juli 2020 12:22 at 12:22

    Eurobonds ? Nicht mit mir sagte Frau „Dr“ Merkel.
    Was haben wir jetzt ?
    Die EU ist ein Mit-Construct der USA.Deutschland ist seit dem II Weltkrieg nicht mehr autonom und hat keine selbst gemachte Verfassung.
    Nicht mehr lang und die USA haben ihr „Coronaproblem“ wie alle anderen „vorzeitig“ gelöst.
    Wenn es nach den Dems geht bis Ende der US Wahlen…………..
    Eine V-Erholung sehe ich langfrtistig nicht.Unser Fiat-Geldsystem liegt in den letzten Zügen.
    Natürlich können wir uns „vielleicht“ vorübergehend freuen.Wer hat gerade die Nase vorn ?
    Alle allerdings im Turbomodus in den Abgrund.Es wird sicherlich zum Jahresene 20/Anfang 21 nochmals überreichlich „Geld gedruckt“,aber lassen wir uns nicht davon irritieren.
    Mache Kohle,so lang es noch geht.Hinterher kann man sich ja aus den Geldnoten ein
    Hütchen oder ein Handtäschchen flechten,wie in Venezuela.

  4. Avatar

    Mario P

    23. Juli 2020 13:42 at 13:42

    Ich denke nicht das es eine große Erholung für Europa gibt. Ich stelle mir das vor wie bei einem Sturz aus dem Flugzeug. Alle fallen nach unten. Europa fällt eventuell zur Zeit etwas langsamer als Amerika, aber wir werde alle bald aufschlagen. Die Finanzspritzen für die Südländer werden nicht lange halten, und dann werden die wieder nach Geld aus Deutschland rufen. Wir haben uns leider erpressbar gemacht. Und jetzt dürfen wir auch noch dafür haften. Wow, tolle Leistung.

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    asyoulike

    23. Juli 2020 13:58 at 13:58

    Moin, moin,

    was wird in der Zukunft kommen? Es wird m.E. das Chaos kommen, noch hat man sich wieder einmal Zeit erkauft. Jedes neue Erkaufen von Zeit wird immer teurer. Reformen? Fehlanzeige. Alles bleibt wie es ist. Der Süden profitiert, der Norden zahlt. Das Ergebnis wird demnach in einer Transferunion liegen, bis die BRD pleite ist! In einem Interview sagte Max Otte vor kurzem, dass wir uns ggf. auf Zustände wie in Venezuela vorbereiten könnten. Wenigstens wird die Zukunft spannend.

    Nun noch kurz die Brücke zu den BRD Aktionären (bspw. Altersvorsorge) und Tradern. Wer hier noch die rosarote Brille auf hat, der hat die Rechnung ohne unseren geldgierigen Staat gemacht. Wer glaubt, dass da nicht noch etwas an Steuern und Abgaben zu holen ist, der irrt m.E. .

  6. Avatar

    thinkSelf

    23. Juli 2020 14:14 at 14:14

    „Auch wenn Deutschland jetzt einige Kröten in Form höherer Beiträge schlucken muss, darf man nicht vergessen, was durch den Erhalt der Eurozone andererseits für Vorteile für die führende Nation in Europa gegeben sind. Bei weiteren Minuszinsen und für unseren Export, der zu 60 Prozent in die EU-Mitgliedsstaaten führt.“

    Solche Sätze lösen bei mir Augenkrebs aus. Deutschland leiht erst seinen Kunden die Kohle, damit die dann anschließend bei uns einkaufen können. Verzichtet also auf eigenen Konsum um für den Konsum anderer kostenlos zu arbeiten.
    Und nach dem nächsten Zyklus des Universums liefern sie dann bestimmt auch die Güterüberschüsse um ihre Schulden zu bezahlen. Großes Indianerehrenwort!!

    Danke, da behalte ich doch lieber die Kohle und verprasse die selber. Spar mir dann auch noch das kostenlose arbeiten und gehen dann fünf Jahre früher in Rente.

    Übrigens: In 12 Monaten ist die Kohle alle und dann gibt´s den Transformations- Weltrettungsfond mit einem Volumen von 10 Billionen Euro.

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