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Aktienmärkte: Korrektur vorbei? Die Lage vor dem Quartalsultimo

Korrektur - dann die Jahresendrally?

Vor einer Woche lautete die Frage nach dem großen Verfallstag „Halten die Aufwärtstrends?“ – und wie es aussieht, haben di eAktienmärkte diesen Aufwärtstrend gehalten.

Wieder einmal hat es der „Finanzdiplomat“ Jerome Powell geschafft, die Aktienmärkte zu beruhigen. Tapering wird kommen, aber in Maßen und nur, wenn sich die Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten im Sinne der Fed erholt haben. Zum Handelsschluss einer turbulenten Woche waren die großen Indizes in ihre alten Trendkanäle zurückgekehrt, gerade einmal zwei bis drei Prozent von ihren All Time Highs entfernt. Ob die Entwicklung in China, bei der Inflation oder bei den Lieferketten, immer wieder scheint alles am Teflon-Aktienmarkt abzuprallen.

Aktienmärkte: Noch vier Handelstage bis zum Quartalsultimo

Es ist schon verrückt mit der diesjährigen Kursentwicklung an der Wall Street: Nach dem großen Einbruch der Aktienmärkte am roten Montag, der die großen Indizes in die Nähe einer größeren Korrektur gebracht hatte, gab es zu Wochenschluss kaum wesentliche Abgaben:

Dow Jones: 34.798 Punkte, plus 0,10 Prozent

S&P 500: 4455 Punkte, plus 0,15 Prozent

Nasdaq: 15.047 Punkte, minus 0,93 Prozent

Russel 2000: 2248 Punkte, minus 0,49 Prozent

Und dies nach einer Woche der Aufholjagd, bei der man am Montag geglaubt hatte, beim Einbruch des S&P 500 auf 4319 Punkte, es hätte eine Korrektur in Richtung minus zehn Prozent begonnen. Es waren nicht einmal fünf Prozent, wie folgende Übersichten zeigen.

Nur noch 1,80 Prozent vom ATH:

Aktienmärkte - S&P und Allzeithoch

Und wieder über der so bedeutsamen 50-Tage-Linie:

Aktienmärkte S&P 50-Tage-Linie

Zugleich gab es am Zinsmarkt einen überraschenden Renditeanstieg. Die 10-jährige US-Treasury sprang von 1,30 auf 1,46 Prozent, in nur wenigen Stunden. Dass die Aktien aber dennoch weiter gestiegen sind, zeigt, dass man ein moderates Tapering blitzschnell eingepreist hat. Dabei würden die Aktienmärkte aber in der Theorie weniger attraktiv, nicht aber, wenn man sich die Negativrealrendite von minus 3,80 Prozent betrachtet.

Es bleibt immer noch die Alternativlosigkeit, der durch die Inflation sogar noch verstärkte Zwang bei Minizinsen in den USA (erst recht anderswo), Rendite zu finden.

Der Zinsanstieg führte wieder einmal zu einer Rotation von der Rotation der Aktienmärkte, von HighTech zu den Zyklikern.

„There is an underlying resistance“, so ein Wall Street-Kommentator zu Wochenschluss.

Selbst Dax-Anleger wurden nicht ängstlich, angesichts der Wahlen in Deutschland, bei denen sich eine Börsen-unfreundliche Koalition bilden könnte. Am Freitag hatte man zwar um 0,7 Prozent konsolidiert, der Index blieb aber dennoch mit 15.531 Punkten in seiner seit Ende Juli bestehenden Spanne von 15.500 bis 16.000 Zählern. Jetzt haben wir das Ergebnis, extrem knapp und jetzt könnte eine längere Phase der Koalitionsbildung bevorstehen – schon wieder. Auch wenn man sich bei der Sondierung beeilen will.

Wird Angela Merkel doch noch einmal die Neujahrsansprache halten müssen?

Doch wieder die Wall of Worry?

So hatte ich einen Artikel am letzten Donnerstag getitelt, weil es die steigenden Kurse inmitten eines Meers an negativen Meldungen aus der Wirtschaft gegeben hat. Hier nur ein paar Beispiele:

Die ungelösten Probleme um eine mögliche Pleite beim größten Immobilienentwickler Chinas Evergrande, weiter gestiegene Produzentenpreise, sich weiter verstärkte Lieferkettenprobleme, sinkende Margen bei den Firmen (Nike, FedEx), eine Abstufung des Wachstums in den USA für das dritte und vierte Quartal des Jahres und selbst rückläufige Einkaufsmanagerindizes sowie ein drei Mal in Folge gefallener Ifo-Index, der Markt ignoriert in Summa die negativen Nachrichten.

Fallende Einkaufsmanagerindidizes, ob in den USA….

Einkaufsmanagerindizes USA

oder in Europa:

Einkaufsmanagerindizes Europa

Es gibt eben immer noch die große monetäre Unterstützung und den Zins-induzierten Anlagenotstand, der bisher zu einem beständigen Patt an den Märkten geführt hat.

Die Summe der Anleihekäufe bis ins Jahr 2022, zunächst noch 120 Milliarden Dollar monatlich, dann reduziert – es wird trotzdem über neun Billionen Dollar hinausgehen.

Aktienmärkte und Fed-Bilanzsumme

Interessant auch weitere Indikatoren, die das Sentiment im Markt wiedergeben. Die Stimmung ist eher gedrückt, erkennbar beim AAII mit einer Bärenquote von etwa 40 Prozent.

Auch waren die Abflüsse aus Aktien zuletzt ziemlich stark, wie man an der folgenden Grafik sieht. Auf einem ähnlichen Niveau, wie vor der US-Präsidentschaftswahl im November 2020.

Was passiert mit dem Kapital, sollte es in nächster Zeit nicht zu dem erwarteten Rückschlag kommen?

Aktienmärkte Abflüsse

Auch haben sich sehr viele Profis abgesichert, wie diese Übersicht von Macrocharts zeigt: Das neunthöchste Volumen an Puts in vielen Jahren. Wenn diese eingedeckt werden müssen, was dann?

Aktienmärkte Put-Volumen

Vieles an der gegenwärtigen Lage ist nicht neu und hat bisher zu einer Querbewegung (Dax) oder zu einem gemächlichen Emporschleichen der Kurse (Wall Street) geführt.

Fazit

Was passiert in den restlichen vier Handelstagen des Monats sowie des dritten Quartals? Geht es nur ein Stück weiter nach oben, in Gestalt des so häufig beobachteten Window Dressings von Fondsmanagern, so käme es tatsächlich noch zu einem positiven Monatsergebnis und damit zum achten Monat in Folge steigender Aktienmärkte.

Sehr wahrscheinlich ist aber ein nochmaliger Rücksetzer, der den Boden bereiten könnte – für so etwas wie eine Jahresendrally, in den dann verbleibenden 65 Börsentagen. Diese dürfte angesichts der belastenden Faktoren insbesondere der in vier Wochen startenden US-Berichtssaison nicht mehr allzu üppig ausfallen. Denn der jetzige Trend an den Börsen mit Zuwächsen von 28,88 Prozent (2019), 16,26 Prozent (2020) und aktuell 18,62 Prozent ist schon außergewöhnlich.

Man muss schon in die Neunzigerjahre vor der großen Dotcom-Blase zurückblicken, um Ähnliches zu finden. Aber die Situation für die letzten Monate ist schon äußerst merkwüdig: Nehmen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten aufgrund der äußerst problematischen Gemengelage zu, verschiebt die Fed das Tapering, erweist sich die Wirtschaft gegenüber den jetzigen Erwartungen aber als robust, steigen dafür die Unternehmensergebnisse.

Die zweite Variante wäre: die Inflation steigt weiter in die Höhe, die Notenbanken sind gezwungen gegenzusteuern, mit drastischer Verringerung der Anleihekäufe in kürzerer Zeit, um die Inflationserwartungen zu senken. Das wäre dann eine deutliche Zäsur beim monetären Faktor, der alles überragenden Triebfeder für die Aktienmärkte – die Reaktion an den Aktienmärkten wäre unschwer vorherzusehen.



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