Die wichtigsten Eckpunkte
- KI-Rally birgt Kreditrisiken.
- Steigende Zinsen drohen Zwangsverkäufe auszulösen.
- US-Aufwärtstrend bleibt intakt.
Die Aktienmärkte setzen auf den KI-Boom, doch der Einbruch in Südkorea lässt aufhorchen. Hohe Margin Debt, eine KI-Rally weniger dominierender Tech-Aktien und steigende Zinsen bilden eine gefährliche Mischung. Noch hält sich die Wall Street. Doch der Absturz des von KI-Aktien geprägten Kospi könnte ein deutliches Warnsignal für den S&P 500 sein. Droht dem US-Aktienmarkt ein ähnliches Schicksal?
Aktienmärkte: Kospi-Erholung täuscht
Auf den ersten Blick scheint sich der südkoreanische Aktienmarkt stabilisiert zu haben. Im Juni verlor der Kospi innerhalb weniger Tage mehr als 40 Prozent. Besonders die Kurseinbrüche der KI-Profiteure Samsung und SK Hynix zogen den gesamten Index nach unten. Hinter der anschließenden Erholung bleibt die Kapitalflucht jedoch bestehen: Ausländische institutionelle Investoren hätten allein im August Aktien für knapp 7,3 Milliarden Dollar verkauft. Damit waren sie den siebten Monat in Folge Nettoverkäufer.
Die Analyse verweist auf historische Parallelen. Sowohl vor dem Platzen der Dotcom-Blase als auch vor dem Bärenmarkt 2022 geriet der Kospi früher unter Druck als der S&P 500. Daraus lässt sich kein verlässlicher Countdown für einen US-Absturz ableiten. Spannend ist vielmehr, welche Schwachstellen beide Aktienmärkte teilen.
KI-Rally auf Kredit wird gefährlich
In Südkorea traf die Begeisterung für künstliche Intelligenz auf eine massive Kreditexpansion. Laut Bravos Research stiegen die Wertpapierkredite seit 2020 von weniger als zehn auf nahezu 40 Billionen Won. Gleichzeitig konzentrierte sich die Rally größtenteils auf Samsung und SK Hynix, zwei zentrale Speicherchiphersteller für KI-Rechenzentren.
Solange die Aktienkurse steigen, verstärken geliehene Mittel die Gewinne. Bei fallenden Kursen vergrößern sie jedoch die Verluste. Fordern Broker über sogenannte Margin Calls zusätzliche Sicherheiten, müssen Anleger Geld nachschießen oder Positionen verkaufen. Können sie die Forderungen nicht erfüllen, drohen Zwangsverkäufe. Diese drücken die Kurse weiter und können neue Verkaufswellen auslösen.
Den entscheidenden Auslöser sieht Bravos Research deshalb weniger in einer plötzlich zerbrochenen KI-Geschichte als in strafferen Finanzierungsbedingungen. Steigende Leitzinsen verteuern Aktienkäufe auf Kredit. Ausländische Investoren ziehen sich zurück, während hoch verschuldete Anleger unter Druck geraten. Gute Unternehmensgewinne allein reichen dann möglicherweise nicht mehr, um die Kurse zu stützen. Damit droht die KI-Rally an Schwung zu verlieren.
Wall Street hat dieselben Schwachstellen
Für die USA nennt die Analyse Wertpapierkredite von rund 1,4 Billionen Dollar. Hinzu kommen Optionen und gehebelte ETFs, die spekulative Positionen vergrößern. Gleichzeitig entfielen auf die zehn größten Unternehmen etwa 40 Prozent des S&P 500. Viele dieser Schwergewichte hängen unmittelbar am KI-Boom.
Damit besitzt die Wall Street ähnliche Angriffspunkte: viel Fremdkapital, eine hohe Konzentration auf wenige KI-Aktien und große Erwartungen an ein einziges Wachstumsthema. Weitere Zinserhöhungen der Fed könnten diese Konstruktion belasten.
Trotzdem wäre ein sofortiger Crash-Schluss voreilig. Bravos Research betont, dass Aktienmärkte auch bei steigenden Zinsen weiter zulegen können. Entscheidend ist, wann die höheren Finanzierungskosten tatsächlich den Aufwärtstrend brechen.
Bislang beschreibt die Analyse das US-Momentum als robust; wichtige gleitende Durchschnitte zeigen überwiegend weiter nach oben. Das erklärt, warum die Analysten trotz der Warnsignale investiert bleibt. Gefährlicher würde die Lage, wenn straffere Geldpolitik und nachlassende Gewinnerwartungen zusammenkommen. Der Kospi liefert damit keinen Termin für den nächsten Crash – aber einen Grund, die Widerstandskraft der US-Rally genauer zu prüfen.
Im folgenden Video erklärt Bravos Research ausführlich, warum der Kospi-Crash ein Warnsignal für den S&P 500 sein könnte.
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Schuldenfinanzierte Blasen platzen dann … wenn die Renditen der Staatsanleihen sehr stark steigen..aber für den Moment hält man die gegenwärtige Phase der Geldpolitik offenbar nur für ein schnell vorübergehendes Ereignis…
Man glaubt es kaum..aber es ist so…die Bullen werden nicht müde zu betonen… das wir bald wieder sehr niedrige Zinsen sehen werden…
Es bleibt denen auch nichts anderes übrig…so tief verschuldet wie die sind …muss die Blase unter allen Umständen …am Leben gehalten werden…
Die mittlerweile schon abenteuerlich wirkende Finanzierung von KI Krediten bei z.b. Nvidia lässt mich leider an die Immobilienblase 2008 denken. Da werden Kredite mit einem höheren Zinssatz um 3ecken genommen nur um die Bücher von Nvidia nicht mit höheren Schulden zu belasten. Die mittlerweile schnell steigenden Zinsen infolge der Inflation macht die neuen Kredite für die Unternehmen zu einem Damoklesschwert. Morgan Stanley hat schon KI Fonds für die Rückgabe von Anteilen gesperrt. Der trotz der Unsicherheit am Markt fallende Goldpreis zeigt zudem, daß sich die Marktteilnehmer mit neuer Liquidität versorgen müssen.