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Aktienmärkte: Kriegsgefahr, dennoch steigende Kurse

Die letzte Reaktion der Aktienmärkte wird wieder viele an dem System Börse verzweifeln lassen! Über hohe Kurse und schlechte Nachrichten

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Die letzte Reaktion der Aktienmärkte wird wieder viele an dem System Börse verzweifeln lassen – wie kann man denn bei hohen Kursen und wahrlich schlechten Nachrichten Aktien kaufen? Was immer wieder missachtet wird: Investoren bewerten die manchmal ferne Zukunft, die aktuellen Nachrichten haben zumeist nur eine geringe Halbwertszeit.

Aktienmärkte: Kaufen, wenn die Kanonen donnern

Dieser alte Kostolany-Spruch hat nichts an Aktualität verloren, in einer Krise nehmen die Akteure das Unheil entweder lange vorweg, oder bei überraschenden Vorfällen bewertet man rasch die künftigen Implikationen auf Gewinne, Zinsen und Inflation. Am besten erkennbar ist das bei Wirtschaftseinbrüchen: die Kurse fallen weit vor den Indikatoren – und wenn die Rezession offiziell festgestellt wird, haben die Aktienmärkte das Kurstief bereits durchschritten. So geschehen auch bei der Finanzkrise 2008/2009.

In der gegenwärtigen Krise ist die Entwicklung des Ölpreises die dominierende Größe, wie bei fast allen Nahostkonflikten. Das begann mit dem berüchtigten Jom-Kippur-Krieg 1973, dem ein Engpass in der Ölversorgung folgte und dann eine veritable Ölkrise. Eine Erfahrung, die den Investoren bei allen Golfkriegen und Konflikten in Erinnerung blieb.

Anders der Krieg in Zentralafrika: Beim brutalen Völkermord in Ruanda 1994, bei dem Hutu-Milizen binnen 100 Tagen nicht weniger als 800.000 Tutsis teilweise bestialisch umgebracht hatten, gab es weder ein Einschreiten der Großmächte, noch große Börsenreaktionen, warum wohl?

Im aktuellen Konflikt glaubt man an keine Eskalation, zu sehr ist Donald Trump mit den Gedanken für seine Wiederwahl beschäftigt und mit dem Impeachment-Verfahren. Zu groß sind auch die Interessen, dass kein Flächenbrand entsteht und der Ölpreis nciht zu stark steigt (wenngleich dieser Saudi-Arabien und Russland nicht ungelegen käme).

Deshalb betonte Trump am gestrigen Abend vor der Presse, dass er stolz darauf sei, dass sich die USA während seiner Amtszeit zum größten Produzenten von Öl und Gas entwickelt hätten und man kein Öl aus dem Nahen Osten mehr benötige. Der gestrige Tag brachte eine „Relief Rally“ der Aktienmärkte, bei der es einen 600 Punkte-Swing im Dow Jones gab, ebenso einen 10 Prozent-Move im Ölpreis – alles Zeichen, dass man an keine weiteren Eskalationen im Konflikt glaubt.

Auf mittlere Sicht braucht Trump eine solide Wirtschaft und hohe Aktienkurse, beides stünde bei einem Golfkrieg rasch zur Disposition, zumal  der Zustand der Wirtschaft in vielen Ländern nach wie vor fragil ist (sichtbar am globalen Einkaufsmanagerindex). Demzufolge haben sich die Kurse wieder erholt und mancher Wert hat schon absurde Höhen erklommen – wie beispielsweise die Tesla-Aktie.

Aktienmärkte und extreme Bewertungen: Tesla – ein Blutbad für Shortseller

Für viele Monate war die Aktie des Elektromobilherstellers Tesla ein gefundenes Fressen für Leerverkäufer. Ein Jahr nach dem anderen ohne Gewinne und steigende Schulden, Anfang 2019 konnte gerade noch die Pleite abgewendet werden. Im Verlauf des Jahres lagen die Shortseller mächtig im Gewinn – bis die Q3 -Zahlen von Tesla bekannt gegeben wurden. Überraschende Produktionszahlen, die die Aktie 45 Dollar oder 20 Prozent an einem Tag steigen ließen und den Shorties einen Verlust von 1,5 Milliarden Dollar einbrachten. Tesla war zu dieser Zeit mit ca. 8 Milliarden Dollar die am zweitmeisten geshortete Aktie (22 Prozent der ausstehenden Aktien) im S&P 500.

Und die Kursenstiege gingen weiter: 93 Prozent in einem halben Jahr und das (Short-)Drama war (ist) noch nicht zu Ende. Bei der Vorstellung des Starts der Produktion einer „Gigafactory“ in Schanghai durch Elon Musk am Montag sprang die Marktkapitalisierung von Tesla mit 81,39 Milliarden Dollar erstmals über die von Ford (80,8 Milliarden Dollar). Tesla wurde damit das wertvollste US-Autounternehmen aller Zeiten. Die Aktie kletterte anschließend um weitere 3,9 Prozent und stand gestern nur knapp unter 500 Dollar und damit bereits fast 80 Dollar höher als zu dem Zeitpunkt, als sie Elon Musk in seiner Fake-Mitteilung schon von der Börse nehmen wollte.

Die Entwicklung der Tesla-Aktie ist ein Beispiel dafür, wie weit sich Aktienmärkte von fundamentalen Fakten entfernen können – und  wohin der Versuch den Markt mittels Shortselling timen zu wollen, führen kann. Leerverkaufte Aktien müssen zurückgekauft werden, oft in einem Pain Trade zur Verlustbegrenzung – und dies führt bei einer entsprechend hohen Quote zu extremen Kursanstiegen, die nichts mit der Gewinnsituation des Unternehmens zu tun haben. Vielleicht ist die Leerverkaufssituation bei Apple- neben den opulenten Buybacks – auch ein Grund für den unglaublichen und nicht enden wollenden Anstieg des iPhone-Produzenten.

Neue Kapitalströme

Bereits seit einem halben Jahr ist vonseiten amerikanischer Großbanken zu vernehmen, dass man sich für die USA etwas untergewichten möchte, um sich dem Nachzügler Europa zu widmen. Bei Betrachtung der Entwicklung der Aktienmärkte (USA über 360 Prozent seit 2009, Europa um die 100 Prozent, je nach Region), sieht man eine überdeutliche Diskrepanz. Das Wachstum der USA war im Vergleich zur EU auch nicht wesentlich höher, allenfalls in den letzten beiden Jahren nach der Steuerreform öffnete sich die Schere stärker. Aber dieser Einmaleffekt dürfte auslaufen. Und in Sachen Verschuldung stehen die USA mit ihrem laufenden Defizit auf einem Niveau, wie man es nur von Entwicklungsländern her kennt.

Ob Fidelity oder BlackRock, viele große Häuser weisen immer wieder daraufhin, dass die Aktienmärkte in Europa eine der am meisten gemiedenen Regionen in den letzten beiden Jahren gewesen sind (allein schon wegen der Angst vor einem harten Brexit) – aber jetzt mehr und mehr in die Depots aufgenommen wird. Bereits seit dem Herbst verzeichnen die ETFs bei BlackRock steigende Zuflüsse für den alten Kontinent. „Die Eurozone wird übergewichtet, da mögliche fiskalische Impulse hier sehr viel bewirken können“, so der oft genannte Tenor. Indizes wie der EuroStoxx 50 stehen noch unter dem Niveau von 2007, brachen aber bereits aus einer mehrjährigen Seitwärtsrange nach oben aus.

Fazit

Immer noch funktioniert das Schema „Buy the Dip“, trotz überkaufter Indikatoren. Anscheinend habe einigere Investoren auch die Rückschläge genutzt, um noch auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Wäre auch typisch in einer Phase der Euphorie. Das Wall Street-Urgestein Art Cashin brachte gestern seine Verwunderung über das Verhalten der Investoren zum Ausdruck, indem er feststellte, wie ungewöhnlich es sei, dass das Angstbarometer VIX nicht einmal zum Zeitpunkt der Iran-Eskalation einen deutlichen Spike nach oben zeigte. Die berühmte „Complacency“, dazu noch ein Fear&Greed-Index, der sich schon wieder bei 92 Punkten befindet. Stellt sich weiterhin die Frage, welches Ereignis die Aktienmärkte zumindest kurzfristig aus ihren Tagträumen reißen wird?

In Kürze kommen die neuen Arbeitsmarktzahlen für die USA, die Berichtssaison startet nächste Woche, die Unterzeichnung des Phase 1-Deals steht auf der Agenda und wie immer gibt es die „unknown unknowns“, die stets das größte Reaktionspotenzial besitzen..

Viele Investoren wundern sich über die Reaktionen der Aktienmärkte

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Rex

    9. Januar 2020 09:30 at 09:30

    @Wolfgang
    Guten Morgen.
    Trotz der Überhitzung und Euphorie kann sich Fear & Greed Index deutlich länger im oberen Bereich um die Marke 100 aufhalten als im unteren um die 0.
    Habe die letzten Call- Scheine verkauft und die ersten Put-Scheine gekauft.
    Vielen Dank für die Analyse!

  2. Avatar

    Torsten

    9. Januar 2020 10:07 at 10:07

    Man muss sich wahrscheinlich daran gewöhnen das Dividende und Bewertungen wie KGV keine Rolle mehr spielen.

    Es geht nur noch um Umsätze durch Kursdifferenzen die man im normalen Handel oder Hochfrequenzhandel erzielt.

    Das eine wird durch Rückkaufprogramme die Großinvestoren fordern gesteuert und das andere durch spezielle Computerprogramme.

    Was die Firma macht, wer dort arbeitet, wie es den Angestellten geht usw. interessiert nicht, nur eine Story a la Hollywood.

    Nur eine Transaktionssteuer kann hier noch helfen und steuerliche Beschränkungen bei Rückkäufen. Aber das traut sich „noch“ Keiner.

  3. Avatar

    Marko

    9. Januar 2020 10:22 at 10:22

    „Ob Fidelity oder BlackRock, viele große Häuser weisen immer wieder daraufhin, dass die Aktienmärkte in Europa eine der am meisten gemiedenen Regionen in den letzten beiden Jahren gewesen sind (allein schon wegen der Angst vor einem harten Brexit) – aber jetzt mehr und mehr in die Depots aufgenommen wird. Bereits seit dem Herbst verzeichnen die ETFs bei BlackRock steigende Zuflüsse für den alten Kontinent. „Die Eurozone wird übergewichtet, da mögliche fiskalische Impulse hier sehr viel bewirken können“, so der oft genannte Tenor. Indizes wie der EuroStoxx 50 stehen noch unter dem Niveau von 2007, brachen aber bereits aus einer mehrjährigen Seitwärtsrange nach oben aus….“

    Zigackly, :D

    Puts kaufen liebe Bärren, Puts, Versicherungen gegen den Aktienmarkt… Der Aktienmarkt ist zu teuer ! Krieg, Iran, Brexit, Ölpreis alles ganz ganz schlimm !!! Ihr müsst das Feuer lodern lassen !

    Nur weiter so….

    Und der Amimarkt ist natürlich zu teuer, wissen doch alle… :D

    Was auch stimmt… ;)

  4. Pingback: Stock markets: danger of war, but still rising prices | En24 News

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