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Aktienmärkte nur mit 4 Monaten Rally-Pause? Experten erläutern

Börsenhandel am Laptop

Die Zinsen steigen, die Aktienmärkte fallen – ist das im langfristigen Bild so, kann man also das Jahr 2022 als Anleger getrost vergessen? Auf den ersten Blick vielleicht, denn durch in den USA deutlich steigende Zinsen werden Anleihen gegenüber Aktien für Anleger attraktiver. Aber ist diese Aussicht im historischen Vergleich haltbar? Eine aktuelle Analyse von Kapitalmarktexperten gibt Aktien-Besitzern und Anlegern, die ausschließlich auf steigende Kurse setzen, Hoffnung.

Die Experten der Commerzbank (Dr. Jörg Krämer und Dr. Ralph Solveen) besprechen genau diese Zinsgefahr für die Aktienmärkte in einer aktuellen Analyse. Der Beginn eines Zinserhöhungzyklusses bedeutet ihrer Aussage nach nicht das Ende eines Aufwärtstrends der Aktienmärkte in den USA. Offensichtlich gehe von einem solchen Schritt die Botschaft aus, dass die Wirtschaft wieder stark genug ist um höhere Zinsen zu verkraften. Weil zudem die Zinsen in der Anfangsphase eines Straffungsprozesses immer noch relativ niedrig seien, verringere sich zwar der Expansionsgrad der Geldpolitik, aber diese schiebe die Wirtschaft zunächst weiter an. In diesem Umfeld seien die Unternehmen weiterhin in der Lage ihre Gewinne und Dividenden zu steigern.

Aktienmärkte haben historisch gesehen nur kurze Zeit negativ auf Zinsanhebungen reagiert

Gleichzeitig dämpft die Zinserhöhung laut den CoBa-Experten Inflationsrisiken, die bei einem überdurchschnittlichen Wachstum zwangsläufig zunehmen würden. Dies verlängere den Aufschwung und sei damit positiv für die Aussichten der Unternehmen. Allerdings hätten die Aktienmärkte in den Jahren 1999 und 2004 etwa vier Monate gebraucht um die damaligen Zinswenden zu „verdauen“ und festzustellen, dass die Konjunktur weiter gut lief. In dieser Zeit tendierten die Aktienmärkte seitwärts, und stiegen dann wieder. 1994 seien die Kurse nach der Zinserhöhung allerdings nicht in Schwung gekommen. Dies mag zum einen an der überraschend starken Straffung der Geldpolitik gelegen haben, zum anderen tendierten die Aktienkurse bereits vorher nur verhalten aufwärts. Nur 2015 gab es laut der Analyse eine stärkere Korrektur der Aktienmärkte – nämlich gerade dann, als die Fed die Zinserhöhungen nicht fortführte. Dies habe aber an den zwischenzeitlich aufgekommenen US-Rezessionsängsten gelegen, die maßgeblich für die Fed-Pause verantwortlich waren.

Aussicht für 2022

Also, sehen wir in den nächsten Wochen und Monaten ängstliche Aktienmärkte, und ab Frühjahr/Sommer geht es wieder bergauf? Ca 4 Monate Pause im Aktien-Aufschwung wie 1999 und 2004? Laut der CoBa-Analyse dürfte die Zinswende in den USA die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten auch dieses Mal nicht beenden. Nach einem nervösen ersten Quartal sollte daher der Dax wieder zulegen. Dafür sprechen laut der Analyse beispielsweise die anhaltende konjunkturelle Erholung, die steigenden Unternehmensgewinne, das starke Wachstum der Dax-Dividenden und die attraktive Dividendenrendite von 3 Prozent. Ein Ende der Hausse wäre in Sicht, wenn die US-Zinskurve noch deutlich flacher würde und zu invertieren drohte. Für Ende 2022 erwarten die Experten der Commerzbank aber eine Zehnjahresrendite von 1,90 Prozent in den USA, was deutlich mehr wäre als der Leitzins von dann wohl 1,25 Prozent.

Chart zeigt den Nasdaq und den Tech Dax im Verlauf der letzten zwölf Monate Der Chart zeigt den Nasdaq und den Tech Dax im Verlauf der letzten zwölf Monate. Erst seit Jahresanfang stürzen die Aktienmärkte ab, vor allem im Tech-Bereich – wegen der anstehenden Zinswende in den USA.



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