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Meinung Aktienmärkte: Kurzfristig Risk Off – im großen Bild Dip Buying

Diese Woche war Risk Off angesagt. Im größeren Bild scheinen die Aktienmärkte im Modus "Dip Buying" zu stecken.

Börsenbulle
Grafik: ChatGPT

Hier meine persönliche Meinung über die Ausrichtung der Aktienmärkte: Bereits am morgigen Freitag könnte die Märkte wieder mal eine große Wendung hinlegen. Denn wenn Fed-Chef Jerome Powell morgen Nachmittag seine lange erwartete Rede in Jackson Hole hält und Anleger sowie Analysten in ihren Hoffnungen „enttäuscht“, könnten die Aktienmärkte abstürzen. Aber das große Bild zeigt anhaltende Kauflaune der Anleger.

Aktienmärkte: Diese Woche Risk Off Modus

Meine Sicht auf die Märkte: Diese Woche sahen wir am Markt eine klassische kurzfristige Risk Off-Bewegung. Man verkaufte Tech-Aktien und schichtete um in Anleihen. Die folgende Grafik zeigt die negative Korrelation der Aktienmärkte zu Anleihen in dieser Woche. Wir sehen als blaue Linie den US Tech 100 CFD seit Dienstag, dazu in rot den Kursverlauf der zehnjährigen US-Staatsanleihen. Die beiden rechteckigen Markierungen von Dienstag und Mittwoch zeigen es: Die Aktienmärkte fielen, während die Anleihekurse gleichzeitig anstiegen. Risk Off nennt man das – Anleger nehmen Risiko aus ihren Büchern, in dem sie riskante Aktien verkaufen und dafür Staatsanleihen kaufen. Das ist die kurzfristige Bewegung, die dem Markt diese Woche Unsicherheit beschert. Aber wie gesagt: Je nachdem, was Jerome Powell morgen sagt, können die Karten neu gemischt werden.

Grafik zeigt negative Korrelation der Aktienmärkte zu Anleihen in dieser Woche

Das größere Bild

Betrachtet man das größere Bild, so zeigt die Bewegung seit April: Anleger haben bei Schwäche immer Aktien gekauft, das sogenannte „Dip Buying“. Fällt der Markt zurück, kauft man „günstig“ ein, weil man sowieso an weiter steigende Kurse glaubt. In der folgenden Grafik habe ich drei Zeitpunkte markiert. Wir sehen den Verlauf deutscher und amerikanischer Aktienmärkte seit März (Dax in rot und S&P 500 in blau). Man sah drei Tiefs: Das erste Anfang April, ausgelöst durch Trumps große Zoll-Offensive. Ab Mitte April setzte der große Kaufrausch ein, weil Anleger hofften, dass es schon nicht so schlimm kommen würde. Dann im Juni und Anfang August gab es weitere Rücksetzer (eingekreist). Jedes Mal gab es schnelle Erholungen. Meine Meinung: Die Anleger wollen kaufen, sie wollen an ein glückliches Ende des Handelskriegs glauben. Ob es wirklich so kommt, steht in den Sternen. Europäer und viele andere Länder jedenfalls scheinen die bittere Pille höherer Zölle zu schlucken.

Chart zeigt Verlauf deutscher und amerikanischer Aktienmärkte seit März

Aber das Problem könnten in mehreren Monaten die negativen Auswirkungen der höheren Zölle sein. Leidende Verbraucher und damit schlechtere Unternehmensergebnisse sind zu erwarten. Aber für den Moment, für die nächsten Tage und Wochen vermute ich, dass die Anleger weiterhin im Kaufmodus bleiben werden. Unternehmen verdienen weiterhin gut. Und gleichzeitig nimmt der Druck auf die Fed zu, die Zinsen zu senken. Das gibt zusätzlichen Schub für die amerikanischen Aktienmärkte, und damit auch für Dax und Co.

So hat zum Beispiel gerade erst heute Goldman Sachs dazu geraten, bei Tech-Aktien in Dips reinzukaufen, vor allem bei hochgehandelten Momentum-Aktien, die stark von der KI-Euphorie getrieben sind. Also werden Aktien wie Nvidia bald wieder „hochgekauft“? Gut möglich.

Gefühlsmäßig wirkt es so, als wollten die Anleger schlicht und einfach die Aktienkurse immer weiter antreiben. Trumps Zölle sind ein gutes Beispiel. Durch die Zoll-Ankündigungen im April stürzten die Aktienmärkte ab. Danach stiegen die Kurse deutlich höher als vorher, obwohl neue Zölle eingeführt wurden – eigentlich unlogisch. Aber man hofft einfach, dass die „Party“ immer weiter läuft. Dass höhere Zölle die letzten Monate von Importeuren und Einzelhändlern nur zu Bruchteilen an die Endverbraucher in den USA weitergereicht wurden, und dass sich dies nun Schritt für Schritt ändern dürfte – egal.

Die Stimmung scheint erst einmal weiter Bullisch zu sein. Zumal die Quartalszahlen der Unternehmen in den USA wie in Europa im Großen und Ganzen immer noch keine Zoll-Katastrophen widerspiegeln. Da kann der Optimismus weiterleben, die Kurse könnten noch einige Zeit weiter ansteigen. Vielleicht bis in den Herbst, wenn Zoll-Auswirkungen deutlicher auf die Endverbraucher in den USA durchschlagen, und man dies in einzelnen Konjunkturdaten ablesen kann? Ein Beispiel: Ab dem 29. August fällt die 800 Dollar-Freigrenze für importierte Warensendungen in den USA weg (hier dazu die gestrige Detailanalyse von Andre Stagge). Dann dürften unendlich viele kleine Warensendungen für US-Verbraucher teurer werden, wenn sie zum Beispiel bei Temu und Co bestellen. Dies dürfte auf die Verbraucherstimmung drücken.

Fazit: Die Rally der Aktienmärkte kann noch einige Wochen weiterlaufen. Wird nach und nach klar, dass die Zölle im Supermarktregal in den USA ankommen, könnte die Party erst einmal unterbrochen werden, mit teils deutlichen Kursrückgängen. Dann wäre es wieder mal die Frage, ob die „magischen Aussagen“ von Donald Trump die Rettung bringen können. Schnelle Zoll-Ausnahmen für Importe (gegenüber Mexiko und China), um Konsumgüter- und Lebensmittelpreise für Endverbraucher in den USA runterzubekommen? Trump dürfte ganz genau auf Marktsignale schauen, da die breite Mittelschicht in den USA aktiv am Aktienmarkt engagiert ist.

Risikohinweis: Der Handel mit Wertpapieren und Finanzinstrumenten kann Ihr Kapital erheblichen Risiken aussetzen, unter Umständen auch über das eingesetzte Kapital hinaus. Trading ist nicht für jeden geeignet. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Performance. Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Aus meiner Sicht noch viel zu früh, um den Dip zu kaufen.

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