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Aktienmärkte: Läßt die Fed wirklich einen neuen Crash zu?

Die Aktienmärkte der USA wanken im September. Die politischen Gegenspieler im amerikanischen Kongress können sich nicht auf ein fünftes Rettungspaket einigen und brechen ihre Verhandlungen auf unbestimmte Zeit ab. Zusätzlich sendet die Federal Reserve Signale, dass sie mit ihren Rettungsmaßnahmen stillhalten will. Gleichzeitig erschweren Covid-19 und weitere Belastungen den wirtschaftlichen Erholungsprozess. Würde man vonseiten der Regierung sowie der Notenbank tatsächlich einem Absturz der Aktienmärkte zusehen?

Aktienmärkte: Die derzeitigen Negativfaktoren

Das fünfte Konjunkturpaket und Maßnahmen der Federal Reserve werden nicht in absehbarer Zeit kommen. So lauten die Hiobsbotschaften für die Aktienmärkte in der heißen Woche nach dem großen Verfallstag. Aber das wäre doch fünf Wochen vor der Wahl eine zerstörerische Haltung von Regierung und Notenbank, die viel der Mühe um die Unterstützung der Corona-geschädigten Wirtschaft konterkarieren könnte. Wird nicht gerade jetzt der so essenzielle Konsum durch das Ausbleiben der Unterstützungsgelder bei einer zweiten Coronawelle dringend gebraucht? Und warum möchte ausgerechnet in dieser Situation Fed-Chef Powell erst einmal die „Füße stillhalten“?

Könnte das nicht heißen, dass es der US-Konjunktur gar nicht so katastrophal geht, um weitere Notmaßnahmen einführen zu müssen? Die Federal Reserve hat bereits drei Billionen Dollar in das System gepumpt. Klar: Powell will Druck auf die Politik ausüben, solange die Coronazahlen nicht deutlich zurückgehen, kann sich der Arbeitsmarkt nicht erholen – ein wenig psychologische Kriegsführung, trotz der Unabhängigkeit der Notenbank.

Durch die Pandemie sind die Arbeitnehmer auf die staatliche Unterstützung angewiesen – und ohne diese wäre die Auswirkung auf den Eckpfeiler der US-Wirtschaft, den Konsum, fatal. Wie sehr die Aktienmärkte nach weiteren Stimuli gieren, konnte man gestern an der Marktreaktion erkennen, nachdem kurz das Gerücht aufkam, die Sprecherin der Demokraten, Nancy Pelosi, würde an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Aber hat der Notenbankchef nicht in jeder seiner Sitzungen betont, dass er alles tun werde, um Wirtschaft und Arbeitsmarkt zu stützen, „whatever it takes“? Und jetzt plötzlich Attentismus?

Die US-Wirtschaft soll im dritten Quartal stark gewachsen sein, auch in Deutschland spricht man schon von einem Quartalswachstum um die acht Prozent. Wie kann man im Übrigen auf die Prognose einer US-Großbank setzen, die im vierten Quartal einen Rückgang des Wachstums von sechs auf drei Prozent prognostiziert? Hat in den letzten sechs Monaten auch nur eine einzige Prognose des Verlaufs der Wirtschaft durch Analysehäuser gestimmt?

Durch die permanente verbale Stütze Powells ist es unglaubwürdig für mich, dass er erst bei einem Einbruch der Aktienmärkte von 30 oder gar 40 Prozent eingreifen würde. Dies entspräche einem Vermögensverlust von über 15 Billionen Dollar, was in etwa einem Sechstel der gesamten Welt- Aktienmarktkapitalisierung entspräche. Ich denke, dass man schon den Eintritt in einen Bärenmarkt zu verhindern versucht.

Wie schnell war die Fed zur Stelle, als es im S&P 500 im Dezember 2018 19,5 Prozent nach unten ging – oder im Corona-Crash, der in 34 Tagen wegen der Fed-Intervention seinen Tiefpunkt erreicht hat. Fedchef Powell kennt sicher die Situation der Unternehmen, die der KMUs, schließlich arbeiten ihm Hunderte Ökonomen aus allen Fedfilialen zu. Genauso ist die Notenbank in Kenntnis aller relevanten Statistiken, die es in den USA gibt. Die Frage ist nur, ob die Zahlen in seiner Strategie eine Rolle spielen und welche Relevanz sie im Psychospiel der Notenbankpolitik innehaben.

Ich bin sicherlich nicht „Fed-gläubig“ und denke, dass die Notenbank die Wirtschaft nicht allein retten kann. Das kann und konnte in der Geschichte noch nie eine Notenbank.

Sie wird aber sicherlich nicht tatenlos zu sehen, dass ihr ganzes Rettungsgebäude in sich zusammenstürzt, etwa durch die Ausweitung einer Korrektur der Aktienmärkte in einen Bärenmarkt .

Fazit

Die (rechtzeitige) Korrektur der Aktienmärkte kommt vielen sicherlich gelegen, vor allem auch der US-Notenbank, die natürlich die überhitzten Indizes insbesondere im Bereich Hightech im Visier hat. Aber auch die hemmungslose Spekulation der neuen Generation RobinHood, die allein mit ihren irrsinnigen Hebeleinsätzen und ihren Millionen Depots den Markt nach oben gezogen haben.

Außer einem, Donald Trump, den ärgert jeder Kursrückgang, weil er die Höhe der Aktienmärkte – egal bei welchem Index – zum Maßstab seiner erfolgreichen Politik hochstilisiert hat. Wenn es dann in den Wochen vor der Wahl, insbesondere vor den großen Fernsehauftritten steigende Kurse gäbe, wäre auch der Amtsinhaber zufrieden.

Jedenfalls bricht jetzt eine wichtige Periode an, der Konsum muss (aus Sicht der US-Administration) am Laufen gehalten, die Arbeitslosigkeit zurückgefahren, die Impfstoffentwicklung wahlkampfrelevant vorangetrieben und die Aktienmärkte vor schweren Rückschlägen bewahrt werden.

Deshalb würde ich bei einem Einbruch von 30 Prozent plus mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es keinen alten und neuen US-Präsident Trump geben werde.

Läßt die Fed einen erneuten Crash wie im März wirklich zu?



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5 Kommentare

  1. Hallo Wolfgang,

    „Deshalb würde ich bei einem Einbruch von 30 Prozent plus mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es keinen alten und neuen US-Präsident Trump geben werde.“

    Man kann es auch so herum sehen, dass die FED will, dass König Ludwig abdanken muss, weil er ja „nur“ Politiker ist und überhaupt kein Businessman und auch vollkommen wertneutral handelt, die Briefwahlen nicht manipulieren wollte,keine Twitterposts verbreitet die ihm zugute kommen.

    Eines muss man schon sagen, so einen Präsidenten „Politiker“, den hat die USA/die Welt so nicht gesehen.

    Er sagt ja selbst, dass er bei einer eventuellen Niederlage nicht zurücktreten wolle?
    Se Donald ist unfehlbar und hat immer Recht, der beste Präsident aller Zeiten, der die Aktienkurse in den Orbit hat steigen lassen, trotz Corona, alles andere sind fake-news, die über ihn verbreitet werden.

    Vielleicht muss die Welt den nochmal 4 Jahre ertragen ? Ehrgeizig ist er ja und er ist auf alle Fälle ein anderer Politiker, bzw kein Politiker.

  2. Der geheimste Wunsch eines FED-Chef‘s könnte ja auch mal sein, einen Präsidenten zu Fall zu bringen.

  3. Pingback: Aktuelle Meldungen, Nachrichten und Videos – 27.09.2020 | das-bewegt-die-welt.de

  4. Wie immer und überall wird von den Manipulatoren und Spekulaten die Wahrheit kleingeredet. Die FED ist eine FinanzMafia in privater (Privare=rauben) Hand. Allein, sich selbst und seiner MachtMatrix verplichtet. Die der 0,001%! Alles andere, ist Beschäftigungstheorie. Die Insolvenzverschleppung, die MMT Propaganda: „Wir ziehen uns am eigenen Schopf auf dem Morast“, ist eine Umkehr der Tatsachen. Der Finanztsynamis erhöht lediglich die Fallhähe und verlängert die Party der „Aasgeier“
    Warum!? Um die „Virtuelle DiktaturTotal“ Orwell 3.0 umzusetzen-Orwell 2.0 (China/Schweden) haben wir schon. Keiner will´s gesehen haben. CORONA ist der Weg. Es geht. ALLEIN, um die Freiheit und Selbstbestimmung der Menschheit. AUCH, der, sogenannten, 1%! DAS verstehen, nur, Wenige. 99,999% der Menschen werden durch KI unterworfen und an die „Leine“ genommen. Chip is hip !

  5. Jeder weiss doch von EZB über Lagard und die Laien-Regierung der EU bis zu Donald, dass nur und wirklich nur Corona schuld an allem ist und alle sind überzeugt, dass man mit Gelddrucken alles und wirklich alles lösen könne. Oder hat man von den Wumms-Politikern und EZB je etwas anderes gehört als Gelddrucken?

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