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Bären- oder Bullenmarkt in 2023? Aktienmärkte: Nach einem tristen Jahr stehen die Märkte 2023 vor weiteren Hürden

Aktienmärkte: Nach einem tristen Jahr stehen die Märkte 2023 vor weiteren Hürden

Die Zinspolitik im Kampf gegen die hohe Inflation und eine wahrscheinliche Rezession, die mit dem Einbruch der Unternehemensgewinne einhergeht, sind die Risikofaktoren im kommenden Jahr. Angesichts der restriktiven Geldpolitik ist es unwahrscheinlich, dass die Notenbanken den Märkten zur Hilfe eilen, wenn etwas schief geht. Nach einem Rekordverlust von 18 Billionen Dollar müssen die weltweiten Aktienmärkte all diese Hürden und noch mehr überwinden, wenn sie nicht das zweite Jahr in Folge rote Zahlen schreiben wollen.

Der viel beachtete und marktbreite S&P 500 dürfte das Jahr mit rund 20% Verlust abschließen, damit notiert er an der Grenze zum Bärenmarkt. Zudem ist der als globaler Leitindex geltende MSCI All-Country World Index mit einem Rückgang von über 20 % im Jahr 2022 auf dem besten Weg, seine schlechteste Performance seit der Finanzkrise von 2008 zu erzielen. Durch die Jumbo-Zinserhöhungen der Federal Reserve haben sich die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen – die Grundlage für die globalen Kapitalkosten – mehr als verdoppelt und somit die Anleihen- und Aktienmärkte belastet. Dadurch verloren globale Anleihen und Aktien so viel Marktwert wie nie zuvor.

Anleihen und Aktien mit den größten Jahresverlust von Marktvolumen

S&P 500: Ausblick auf die Aktienmärkte 2023

Bloomberg berichtet aktuell: Bullen, die auf das Jahr 2023 blicken, könnten sich mit der Tatsache trösten, dass zwei aufeinanderfolgende rückläufige Jahre für große Aktienmärkte selten sind – der S&P 500 Index ist seit 1928 nur viermal in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gefallen. Das Beängstigende ist jedoch, dass die Rückgänge im zweiten Jahr in der Regel stärker ausfallen als im ersten Jahr.

Die Geschichte spricht für eine Erholung des S&P 500 im Jahr 2023, aber jeder Rückgang könnte groß sein. Die folgenden Faktoren haben Einfluss darauf, wie sich das Jahr 2023 für die globalen Aktienmärkte entwickelt:

Die Zentralbanken

Optimisten gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Zinserhöhung kurz bevorsteht, möglicherweise im März, und dass die Geldmärkte erwarten, dass die Fed bis Ende 2023 in den Zinssenkungsmodus übergeht. Eine Umfrage von Bloomberg News ergab, dass 71 % der weltweit führenden Anleger bis 2023 mit steigenden Aktienmärkten rechnen.

Vincent Mortier, Chief Investment Officer bei Amundi, Europas größtem Vermögensverwalter, empfiehlt Anlegern für das neue Jahr eine defensive Positionierung. Er rechnet mit einem holprigen Jahr 2023, meint aber, dass „ein Schwenk der Fed in der ersten Jahreshälfte interessante Einstiegspunkte auslösen könnte“.

Aber nach einem Jahr, das die Besten und Klügsten der Anlegergemeinschaft überrumpelt hat, rechnen viele mit weiteren Rückschlägen.

Keine Hilfe von der Fed für die Aktienmärkte - Rezession das Resultat?

Inflation bleibt ein Risiko

Ein Risiko für die Aktienmärkte besteht darin, dass die Inflation höher bleibt, als dass es den Währungshütern recht wäre, sodass Zinssenkungen nicht umgesetzt werden können. Ein Modell von Bloomberg Economics zeigt eine 100-prozentige Wahrscheinlichkeit für den Beginn einer Rezession im August, doch es ist unwahrscheinlich, dass die Notenbanken angesichts von Rissen in der Wirtschaft mit einer Lockerung der Geldpolitik vorpreschen, eine Strategie, die sie in den letzten zehn Jahren wiederholt angewendet haben.

„Die geldpolitischen Entscheidungsträger, zumindest in den USA und Europa, scheinen sich mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum im Jahr 2023 abgefunden zu haben“, so Christian Nolting, Global Chief Investment Officer der Deutschen Bank Private Bank, in einer Mitteilung an die Kunden. Rezessionen mögen zwar kurz sein, werden aber „nicht schmerzlos sein“, warnte er.

Große US-Techwerte unter Druck

Eine große Unbekannte ist, wie es den großen US-Techwerten ergeht, nachdem der Nasdaq 100 im Jahr 2022 um 35 % eingebrochen ist. Unternehmen wie Meta Platforms Inc. und Tesla Inc. haben rund zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt, während die Verluste bei Amazon Inc. und Netflix Inc. 50 % oder mehr betragen.

Teure Technologiewerte leiden stärker, wenn die Zinssätze steigen. Aber auch andere Trends, die den Aufstieg der Technologie in den letzten Jahren begünstigt haben, könnten sich umkehren: Die wirtschaftliche Rezession könnte die iPhone-Nachfrage beeinträchtigen, also Apple belasten, während ein Einbruch der Online-Werbung Meta und Alphabet Inc. in Mitleidenschaft ziehen könnte.

S&P 500/Nasdaq: US-Techwerte stürzen ab - Tesla, Amazon, Meta, etc.

In der jährlichen Umfrage von Bloomberg gab nur etwa die Hälfte der Befragten an, dass sie den Sektor kaufen würden – und zwar selektiv.

„Einige der Tech-Namen werden zurückkommen, da sie großartige Arbeit geleistet haben, um die Kunden zu überzeugen, sie zu nutzen, wie z.B. Amazon, aber andere werden wahrscheinlich nie ihre vorherigen Höchststände erreichen, da die Menschen weitergezogen sind,“ sagte Kim Forrest, Chief Investment Officer bei Bokeh Capital Partners, gegenüber Bloomberg Television.

Gewinn-Rezession

Es wird allgemein erwartet, dass die bisher stabilen Unternehmensgewinne im Jahr 2023 einbrechen werden, da der Druck auf die Gewinnspannen zunimmt und die Verbrauchernachfrage schwächer wird.

„Das letzte Kapitel dieses Bärenmarktes dreht sich um die Entwicklung der Gewinnschätzungen, die viel zu hoch sind“, so Mike Wilson von Morgan Stanley, ein Wall-Street-Bär, der für den S&P 500 im Jahr 2023 einen Gewinn von 180 US-Dollar pro Aktie voraussagt, während die Analysten von 231 US-Dollar ausgehen.

Die bevorstehende Gewinnrezession könnte wie in 2008 ausfallen, und die Märkte müssen dies erst noch einpreisen, so Wilson.

Rezession: Erwartet Unternehmensgewinne S&P 500 - Stabil oder zu optimistisch?

China, die große Unbekannte 2023

Pekings Entscheidung von Anfang Dezember, die strengen Covid-Beschränkungen aufzuheben, schien ein Wendepunkt für den MSCI China Index zu sein, dessen Rückgang um 24 % maßgeblich zu den weltweiten Aktienmarktverlusten im Jahr 2022 beitrug.

Doch die einmonatige Erholung der Aktien auf dem chinesischen Festland und in Hongkong hat sich in Luft aufgelöst, da ein Anstieg der Covid-19-Infektionen die wirtschaftliche Erholung gefährdet. Viele Länder verlangen jetzt Covid-Tests für Reisende aus China, was sich negativ auf die weltweiten Reise-, Freizeit- und Luxusaktien auswirkt.

Aktienmärkte: Optionshandel boomt

Der S&P 500 verzeichnete im Jahr 2022 einen unterdurchschnittlichen Aktienumsatz, aber ein explosives Wachstum im sehr kurzfristigen Optionshandel.

Professionelle Händler und von Algorithmen unterstützte Institutionen haben sich auf solche Optionen gestürzt, die bis vor kurzem noch von Kleinanlegern dominiert wurden. Dies kann zu unruhigeren Märkten führen und plötzliche Volatilitätsausbrüche verursachen, wie zum Beispiel den großen Intraday-Ausschlag nach den heißen US-Inflationsdaten vom Oktober.

Da es dem S&P 500 nicht gelungen ist, aus seinem Abwärtstrend von 2022 auszubrechen, sind die kurzfristigen Spekulationen nach wie vor abwärts gerichtet. Sollte der Markt jedoch eine Wende vollziehen, wird dies den Aufschwung noch verstärken.

Aktienmärkte: S&P 500 bestätigte seine Abwärtstrendlinie

FMW/Bloomberg



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