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Aktienmärkte – neue Allzeithochs an US-Börse?

Moderate Korrekturen trotz jeder Menge „Bad News“ – steigen die Aktienmärkte der USA bald auf ein neues Allzeithoch?

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Steigen die Aktienmärkte der USA bald auf ein neues Allzeithoch? Mir ist klar, dass ich mit den folgenden Argumenten bei vielen Anlegern keine Freudenstürme auslöse. Aber wenn man sich die Aktienmarktentwicklung an der Wall Street in den letzten Wochen ansieht – moderate Korrekturen trotz jeder Menge „Bad News“ – und jetzt die Rally, fragt man sich unweigerlich: Was steckt dahinter?

Erinnern wir uns: Warum waren die Kurse an der Wall Street im Februar und Dezember 2018 so drastisch gefallen? Weil zuerst Euphorie geherrscht hat, die Fed das Geld verknappte und urplötzlich Rezessionsängste aufkamen. Und die Situation heute? Gründe für neue Hochs an der New Yorker Börse:

 

Aktienmärkte – Das Sentiment und die Positionierung der Investoren

Im August herrschte ein großer Pessimismus vor, wegen der Folgen des Handelsstreits, der Abschwächung der Weltwirtschaft und der geopolitischen Risiken. Bei Google wurde das Wort Rezession in selten gekannten Dimensionen angeklickt.

Das Sentiment der Anleger und die Positionierung standen eindeutig auf Risk Off. Zuflüsse in Anleihen in Rekordhohe und eine erheblich Unterinvestition der Fonds (aktuelle Umfrage Bank of America Merril Lynch) in Aktien zeigen dies auf. Dazu die üblichen Sentimentindikatoren Bull/Bear-Index und der Fear & Greed-Index, der auch nach den Kursanstiegen der letzten Tage noch im Angstbereich steht, deuteten große Vorsicht an. Zudem ist der Volatilitätsindex VIX in den letzen Tagen zusammengefallen, die großen Anleger haben etwas auf Risk On-Modus umgeschaltet. Der VIX steht derzeit bei 16, vor den großen Einbrüchen im Januar und Dezember 2018 lag er doppelt so hoch.

Ein weiteres Zeichen gibt der Economic Surprise Index der Citigroup, der von seinem kürzlich erreichten Tief von unter minus 60 gerade wieder in die Pluszone gesprungen ist.

Ergo: Die große Angst vor dem September erzeugte eine große Vorsicht und symbolisiert das Gegenteil von Euphorie.

Dies war auch bei der Positionierung in den einzelnen Sektoren erkennbar. Aktien aus dem Basiskonsumsektor und von Versorgern sprangen in den USA in die Höhe und natürlich Gold. Dazu die Daten des letzten Monats: Seit Ende Juli hatte sich der ETF auf Basiskonsumgüter um fast 4 Prozent verteuert, der ETF Versorger war um mehr als 7 Prozent gestiegen, das Gold-Pendant sogar um mehr als 9 Prozent. Und der Gesamtindex S&P 500? Dieser fiel im Betrachtungszeitraum bis vor wenigen Tagen um über 1 Prozent.

 

Ein Hoffnungsschimmer in den Wirtschaftsdaten

Auch wenn man den Eindruck gewinnen könnte, dass es mit der Weltwirtschaft ungebremst nach unten ginge, gab es in den letzten Tagen ein paar Daten, die das Rezessionsgespenst schlagartig etwas vertrieben haben.

In China stieg der Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe über die Wachstumsschwelle (50,4 Punkte), der PMI Dienstleistungssektor sogar auf 52,1 Punkte. Auch in Europa und Deutschland war dieser Teilindex im letzten Monat gestiegen. In den USA rutschte der PMI Industrie zwar unter die 50-er Marke, der konkturell wesentlich bedeutsamere ISM Service sprang dafür im letzten Monat auf 56,4 Punkte. Die Auftragseingänge legten deutlich zu, der Arbeitsmarkt fiel zwar etwas schwächer aus (was wiederum gut für die Zinssenkungshoffnungen zu werten ist) aber die Stundenlöhne legten einmal mehr deutlich zu (0,4%), was den Konsum im anstehenden Weihnachtsgeschäft befeuern könnte. Hinzu kommt das Gesamtsignal:

Der globale PMI stieg trotz des Handelsstreits im August sogar von 53,2 auf 53,5 Punkte.

Ja, und noch erwähnenswert: Der Baltic Dry Index hat als Frühindikator für den Welthandel ein neues Mehrjahreshoch erreicht – 2518 Punkte (eine Vervierfachung binnen Jahresfrist). Ich frage mich: Fährt man die Gütermengen zum Spaß in der Gegend herum?

 

Die Konkurrenzsituation Aktien zu Anleihen, Zinssenkungen

Seit ewigen Zeiten gibt es die Konkurrenz in den Hauptanlageklassen – Aktien oder Anleihen. Wie sieht es bewertungstechnisch aus? Hier die USA, in Europa ist das Ganze noch viel extremer:

Das KGV des S&P 500 liegt (derzeit) bei gut 17 und damit nicht allzu hoch über seinem langjährigen Durchschnitt. Im Vergleich zum KGV der Rentenmärkte (ca. 60 bei den 10 -jährigen US-Treasuries) sind die Aktienmärkte, wie Warren Buffett schon bemerkte, ziemlich billig. (Warum er selbst noch nicht gekauft hat, darüber lässt sich nur spekulieren.)

Hinzu kommt noch eine Dividendenrendite im S&P 500 von 1,90 Prozent, die damit höher liegt als die Rendite bei den Langläufern am Bondmarkt.

Nachdem sich die Wirtschaftsdaten ein bisschen verbessert hatten, gab es sofort ein kleines Blutbad bei den Langläufern. Die Kurse der 30-jährigen US-Staatsanleihe fiel innerhalb weniger Stunden um über 10 Prozent. Dennoch werden die Leitzinsen in vielen Ländern, neben den USA, weiter fallen. Auch wenn die Geldpolitik der Notenbanken in einigen Regionen kaum mehr Effekte erzielen kann, in summa wird in vielen Ländern (67 Zinssenkungen in 2019 bisher) das Geld billiger gemacht. Allen voran China, das eine Senkung des Mindestreservesatzes um einen Prozentpunkt zum Ende des Monats in Aussicht stellt. Warum spricht das alles für Aktien?

Die Marktwirtschaft und ihre Akteure sind nicht auf eine Welt ohne Zinsen eingestellt, deshalb bleiben die Aktienmärkte immer wieder attraktiv (Dividenden, Kursgewinne und sei es nur wegen der Buybacks) – und nicht etwa weil irgendwelche Mächte die Kurse nach oben manipulieren. Keine Kapitalsammelstelle – ob Fonds, Versicherung oder Stiftung – kann auf Dauer ohne Zinsen überleben.

Also bleiben viele notgedrungen in Aktien, manch einer muss sogar die Quote erhöhen.

 

Aktienmärkte und Kursmanipulationen an den Wertpapiermärkten?

Immer wieder wird in Börsenforen von einem gemeinsamen Interesse gesprochen, die Kurse der Aktienmärkte hochzuziehen – ganz übergeordnet stimmt das natürlich, denn alle Aktienanleger sind auf Vermehrung ihres Kapitals bedacht, also prinzipiell long. Man könnte den Kurstreiber Aktienrückkäufe auch als eine Art Manipulation bezeichnen. Diese werden aber vorher angekündigt, genehmigt und sind seit Jahrzehnten Usus in den USA.

Aber kann es im Aktienbereich überhaupt gemeinsame, übergeordnete Aktionen geben? Allein die größten sieben Staatsfonds: Government Pension Fund (NOR), China Investment Corporation, Abu Dhabi Investment, Kuweit Investment, Hongkong Monetary Authority Investment, SAMA Foreign Holding (Saudi-Arabien) und SAFE Investment Company (China) haben ein Anlagevolumen von fast 5 Billionen Dollar. Gemeinsame Strategie?

Dazu die Handelsabteilungen von Bank of America, JPMorgan, Morgan Stanley oder Goldman Sachs, die in tiefer Konkurrenz zueinander stehen, die aggressiven Hedgefonds (mit milliardenschweren Leerverkäufen), die billionenschweren Fonds Blackrock, Vanguard, State Street, Fidelity, die auch Hundertausende Sparpläne verwalten, die zu Beginn des Monats oder zur Monatsmitte kaufen, die Optionshändler an der CBOT in Chicago?

Wie koordiniert man die Ereignisse in London, in Italien, in Hongkong, aus China kommende Äußerungen zum Handelsstreit und die emotional geprägte Antwort aus Washington? Man braucht nicht die Bücher des Risikohändlers Nassim Nicolas Taleb (Der schwarze Schwan, Narren des Zufalls, Antifragilität, Das Risiko und sein Preis), der 18 Jahre an der Wall Street tätig war, gelesen zu haben, um zu erkennen, dass kurzfristige Kursreaktion hauptsächlich dem Zufall geschuldet sind. Kleine Versuche mag es immer geben, an besonders kritischen Marken.

Manipuliert wird eindeutig am Anleihemarkt und zwar durch die Notenbanken. Ankäufe von Anleihen über 10 Billionen Dollar weltweit tätigen (was der 10-fachen Summe des Dax entspricht) können nur Organisationen, die Geld drucken können und das sind nunmal nur Fed, EZB, PBoC, BoJ, SNB u.a. und sie werden dieses Experiment wahrscheinlich noch eine Weile fortsetzen.

 

Das Damoklesschwert geopolitische Risiken

Wir haben natürlich die so genannten geopolitischen Risiken, die es aber in jedem Jahr gibt. Vonseiten Brexit, Italien und auch Hongkong gab es versöhnliche Signale, die manchen Investoren zum Umdenken brachten.

Wäre da nicht der Handelsstreit mit dem unberechenbaren US-Präsidenten. Aber dessen Unberechenbarkeit könnte sich zunehmend verringern mit dem Ablauf der Zeit zum Wahltermin 2020. Man hatte es ja erst kürzlich gesehen: mal schnell die Zölle um 10 Prozent androhen und schon sind 800 Punkte im Dow Jones dahin. Da die Wirkung von Zöllen jetzt immer stärker auf den Konsumenten durchschlägt, ist für mich hier eher ein Waffenstillstand oder ein ewiges Hin und Her zwischen Ankündigung und Verschiebung wahrscheinlich.

 

Fazit – die Lage der Aktienmärkte

Es sieht doch noch einmal sehr nach einem Strohfeuer an den Börsen aus.

Der Dax befindet sich in einer großen Seitwärtsbewegung, bereits seit 2015, vor allem weil die deutsche Exportunternehmen mehr als genug interne und externe Probleme haben. Trotzdem könnte auch hier ein kleiner Sprung nach oben erfolgen. Und die Wall Street?

Ich habe es in zahllosen Kommentaren der letzten Jahre erwähnt. Der wichtigste Faktor an der Börse ist der monetäre und damit auch die Konkurrenz zwischen Aktien und Rentenmärkten. Je niedriger die Zinsen, desto lukrativer die Aktienmärkte. Außer, und das ist der entscheidende Punkt – es kommt eine Rezession, denn dann stehen die Dividendenzahlungen auf der Kippe und die Kurse stürzen ab – man flüchtet in Anleihen und in Gold. Die letzte Woche hat einige Entspannung an der Konjunkturfront gebracht, die Zinsen sind dennoch extrem niedrig. TINA is back!

Wie lange? Das Strohfeuer könnte so lange lodern, bis die Rezessionsängste wieder zurückkehren oder eine plötzlich anziehende Inflation den Notenbanken Fesseln angelegt.

 

Steigen die Aktienmärkte der USA auf neue Allzeithochs?

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    Hesterberg

    9. September 2019 10:08 at 10:08

    Werter Herr Müller, mit Ihrem Artikel haben Sie die entscheidenden Einflussfaktoren wieder einmal bestens aufgezeigt und zusammengefasst. Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Ich denke, wir sind in einer hochspannenden Phase, in der alles möglich ist. Nach unten wie auch nach oben.

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Aktienmärkte: Heißer Oktober voraus – Unheil mit Ansage?

Unheil an der Börse baut sich immer unerwartet auf – und wird dann in kurzer Zeit in die Aktienmärkte eingepreist. Die aktuellen Belastungsfaktoren sind dagegen allen bekannt..

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Der September geht zu Ende und in diesem Jahr macht er seinem Ruf als schlechtester Börsenmonat für die Aktienmärkte alle Ehre. Vier Wochen fallende Kurse beim Dow Jones sowie beim S&P 500 und ein kleines Wochenplus beim Nasdaq haben etwas Luft aus der Überspekulation aus den Märkten genommen. Aber sind die Abschläge, die die Indizes knapp in den Korrekturmodus von minus zehn Prozent gebracht haben, schon genug? Oder spült der Zinsnotstand die Großanleger wieder zurück in die Aktienmärkte, die in den letzten Wochen ordentlich Kasse gemacht haben? Im Gegensatz zu einem Heer von Kleinanlegern. Die Unsicherheiten an den Märkten haben in der letzten Woche nicht abgenommen, ganz im Gegenteil.

Aktienmärkte: Die derzeitigen Belastungsfaktoren

Es ist Allgemeingut in der Szene, dass derzeit drei große Themen auf den Börsen lasten, abseits von Markttechnik, Saisonalität oder Marktpsychologie:

  • Covid-19
  • das fünfte Stimuluspaket
  • und die großen Spekulationen um den Wahlausgang am dritten November.

In Sache Corona gibt es einfach keine Entspannung, ganz im Gegenteil, die Fälle steigen deutlich an und selbst, wenn es sich um vorwiegende um jüngere Menschen handelt, gibt es sofort behördliche Gegenmaßnahmen: Örtliche Lockdowns (z.B. Madrid), Reisewarnungen, Schulschließungen, mit all den Folgen für die Corona-sensitiven Branchen, aus den x-fach dargestellten Wirtschaftsbereichen. Immer schön an den Börsenkursen ablesbar, Fluggesellschaften als zweites Corona-Worldometer.

Dauerthema Nummer zwei für die Aktienmärkte ist das nächste Rettungspaket, das für viele Menschen unerlässlich ist, um weiter über die Krise hinwegzukommen. Natürlich auch für den Konsum in den USA als Konjunkturpfeiler par excellence. Wie sagte eine US-Expertin letzte Woche im Fernsehen? „Immer noch leben 30 Millionen Amerikaner von so etwas wie Arbeitslosenunterstützung, jeder 10. Haushalt sagt, er habe nicht genug zu essen, man hat zwar immer noch das Moratorium, das vor Zwangsräumungen schützt, aber wenn das ausläuft, stehen Millionen Amerikaner auf der Straße.“

In dieser Situation werden auch politische Taktikspielchen betrieben, weil es den Demokraten bewusst ist, dass fallende Aktienmärkte dem Amtsinhaber schaden. Und dann haben wir natürlich noch die großen Imponderabilien, die direkt mit dem 3. November zusammenhängen.

Das große Damoklesschwert Ausgang der US-Wahlen

Fünf Wochen vor dem großen Wahltag versuchen die Aktienmärkte in irgendeiner Form einzupreisen, welche Folgen nach einem Wahlsieg Bidens oder Trumps zu erwarten sein könnten. Das ganze Spektrum inklusive unterschiedlicher Konstellationen im Kongress. Markus Fugmann hat bereits am Freitag die große Problematik mit der Briefwahl angesprochen, die in diesem Jahr den Wahlausgang zu einer elend langen Prozedur gestalten könnte. Es ist nicht so sehr der Ausgang als solcher, – auch ein Joe Biden wird in den USA keine wirtschaftsfeindliche Politik machen, er ist ein Mann der Mitte.

Aber die große Unsicherheit für die Aktienmärkte geht von einer anderen Thematik aus. Wieso hat Donald Trump schon so früh angekündigt, dass er eine Wahlniederlage nicht akzeptieren werde? Wieso hält er seine Steuerunterlagen der Vor-Präsidentschaftszeit mit aller Macht zurück, entgegen Gerichtsbeschlüssen? Wieso fabuliert er ständig von lebenslanger Präsidentschaft, die eigentlich von der US-Verfassung ausgeschossen ist? Fürchtet er die Aufdeckung von Verstößen gegen US-Gesetze, aktuell noch einmal angefacht durch die Ermittlungen gegen Banken wegen Verstößen gegen die Geldwäsche, auch bei der Deutschen Bank, deren langjähriger Kunde er ist? Es ist bekannt, dass er als Immobilienmogul Geschäfte mit Russland gemacht hat. Was würde eine Wahlniederlage bedeuten? Natürlich den Verlust des präsidialen Schutzes durch die Immunität, die einen Präsidenten vor strafrechtlichen Ermittlungen bewahrt. Ein Strafverfahren gegen den größten POTUS –  für Trump und seine Persönlichkeit die Maximalkatastrophe.

Darin liegt für mich eine große Gefahr, dass er mit allen Mitteln eine mögliche Wahlniederlage zu verhindern versucht und diese auch nicht eingesteht, weit vor der Wahl schon von Manipulation spricht, trotz entgegen anders lautender Beteuerungen der Sicherheitsdienste. Dass ihn nicht einmal Ausschreitungen und bürgerkriegsähnliches Zustände im Lande davon abhalten könnten, das möglicherweise Unvermeidliche einzugestehen. Hunderte Juristen, ehemalige Regierungsbeamte, Wahlexperten und Journalisten spielen bereits das Szenario durch, wie Trump mittels Secret Service aus dem Weißen Haus entfernt werden könnte. Ein Projekt der Juraprofessorin Rosa Brooks hat den Namen Transition Integrity Project (TIP).

Noch ist es lange nicht soweit und es muss auch nicht zu einem extremen Szenario kommen, aber das Ganze ist für die Aktienmärkte eine große psychologische Klippe. Der jetzige Amtsinhaber könnte auch im Amt bestätigt werden und unter Berücksichtigung dieses „autokratischen Verhaltens“ des Präsidenten, kommt den großen Wahlkampfauftritten der Gegenspieler eine besondere Bedeutung zu.

Weitere Wolken am Börsenhimmel

Wir stehen vor dem Ende des dritten Quartals, was zu Umschichtungen in großen Depots, dem so genannten Re-Balancing führen könnte. Die US-Großbank JPMorgan rechnet mit Aktienverkäufen in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar: US-amerikanische Pensionsfonds, den japanischen Government Pension Fund und den norwegischen Ölfonds betreffend. Da die Aktienmärkte die Anleihen weit outperformt haben, könnte es wegen der vorgegebenen Asset Allocation zu Umschichtungen kommen.

Von konjunktureller Seite ist ein gemischtes Bild zu erkennen, wie bei den letzten Zahlen zum Häusermarkt (positiv), aber auch dem Arbeitsmarkt (leicht negativ). An diesem Freitag steht wieder einmal der große monatliche Arbeitsmarkt auf der Agenda, erfassungstechnisch sehr fragwürdig, aber der Markt glaubt an die Zahlen. Ganz übergeordnet ist bei der Markterholung ein eindeutiges, aber unvollendetes V erkennbar, unter anderen hängen die letzten 10 Prozent von der Entwicklung der Pandemie ab. Das spiegelbildliche Wurzelzeichen eben, selbst langsam erkennbar an unserem Ifo-Index.

Die Entlastungsfaktoren

Natürlich hat sich an der Anlagesituation im Hinblick auf die Konkurrenz Aktien versus Anleihen noch nichts Wesentliches geändert. Der derzeitig aus taktischen Gründen vorgeschobene Attentismus der US-Notenbank (Druck auf die politischen Streithähne) kann jederzeit wieder in einen Befreiungsschlag münden – bei weiteren Verlusten. Schließlich ist es Jerome Powells oberstes Ziel, die Wirtschaft zu stützen. Außerdem sind von dem billionenschweren Corona-Hilfspaket des US-Kongresses derzeit bis zu 380 Milliarden Dollar noch nicht genutzt worden, wie auch Finanzminister Steven Mnuchin erklärt hat. Das Geld könnte seinen Weg zu Haushalten und Unternehmen machen, wenn die Abgeordneten den Weg frei machten.

Natürlich können zu jeder Zeit (erzwungene) Meldungen über die baldige Verfügbarkeit eines Impfstoffes kommen, wenn selbst die Chefs von milliardenschweren Biotech- und Pharmafirmen immer wieder sehr optimistische Aussagen zur Entwicklungssituation abgeben.

War im letzten Monat die Investitionsquote der aktiven Fondsmanager nicht drastisch nach unten gefahren worden? Was passiert eigentlich, wenn die Korrektur der Akztienmärkte nicht weiter geht und die passiven Fonds (ETFs) schon wieder im Vorteil sind. Schon wieder Pain Trades? Man darf es nicht außer Acht lassen: es liegen derzeit 5 Billionen Dollar auf kaum verzinsten Cashkonten. „Sie werden wieder in den Aktienmarkt kommen, aber zur falschen Zeit“, so ein Investor im US-Fernsehen.

Fazit

Der ungeliebte Börsenmonat geht mit seiner fast schon erwarteten Minusbilanz der Aktienmärkte zu Ende, aber kommt jetzt ein goldener Oktober? Betrachtet man die Belastungsfaktoren vor den US-Wahlen nüchtern, könnte man sofort ausrufen: nie und nimmer.

Aber Unheil an der Börse baut sich nach meiner Erfahrung immer unerwartet auf – und wird dann in kurzer Zeit eingepreist. Die oben genannten Belastungsfaktoren sind jedem Vermögensverwalter bekannt, selbst die Optionen auf den SPX ab November preisen schon eine höhere Volatilität ein. Auch war der September ein sehr schwankungsfreudiger Monat. Beim Nasdaq gab es an 82 Prozent der Handelstage Veränderungen von über einem Prozent auf Tagesschlusssicht.

Was könnte die Aktienmärkte jetzt nach oben bringen? Vielleicht eine Rückeroberung der 50-Tage-Linie, frisches Geld zu Monatsanfang? Spannung dürfte das TV-Duell zwischen dem Herausforderer und Präsident Trump in der Nacht zum Mittwoch bringen.

Schlussendlich könnte das Bonmot der Börse dann doch wieder einmal gelten: „Politische Börsen haben kurze Beine“. Aber das ist schon ein wenig weit gedacht..

Dass Trump schon im Vorfeld der Wahl am rechtmäßigen Ausgang zweifelt, belastet die Aktienmärkte

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Finanznews

Aktienmärkte: Abverkauf oder Rally? Videoausblick

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte starten in eine wahrscheinlich turbulente Handelswoche! Im Fokus die Debatte zwischen Trump und Biden in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Es gibt einige Faktoren wie die Saisonalität kurz vor der US-Wahl, die für einen fortgesetzten Abverkauf der Aktienmärkte sprechen – der Dow Jones und der S&P 500 nun vier Wochen in Folge im Minus und damit mit der längsten Verluststrecke seit August 2019. Aber es gibt auch für die Bullen Hoffnung, da die Stimmung inzwischen komplett gedreht hat und vor allem institutionelle Investoren extrem short positioniert sind (mit dem Potential für einen Short Squeeze). Heute dreht sich einmal mehr fast alles um Donald Trump..

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DAX daily: Startschuss zu einer Erholung? Tages- und Wochenausblick

Stefan Jäger

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Haben wir am Freitagnachmittag den Startschuss für eine Erholung gesehen? Am Freitag hat der Dax zwar mit einem weiteren Abschlag von 137 Punkten (-1,09 %) eine rabenschwarze Woche beendet, dennoch konnte er am Nachmittag kräftig zulegen. Auf Wochensicht beläuft sich der Verlust auf insgesamt 647 Punkte (-4,93 %). Dabei ist er auf das tiefste Niveau seit Ende Juli abgerutscht. Sein Tagestief markierte der deutsche Leitindex bei 12.341 Punkten, wohingegen das Tageshoch bei 12.622 lag. Schließlich ist der Handelstag und somit auch die Börsenwoche bei 12.469 zu Ende gegangen. Einmal mehr haben die Corona-Sorgen die europäischen Aktienmärkte belastet. Derzeit ist es aufgrund der starken Ausbreitung des Virus kaum vorhersehbar welche Maßnahmen seitens der Regierungen getroffen werden und wie sich das auf die Konjunktur auswirkt. Wenn die Börse eins nicht mag, dann ist das die Unsicherheit.

Auf der anderen Seite haben die US-Börsen am Freitag einen ersten Impuls gen Norden gesetzt. Dadurch hat sich auch das Blatt im Dax gewendet. Angetrieben durch starke US-Indizes konnte der Leitindex nachbörslich immerhin noch bis 12.576 ansteigen. Im Tageschart hat er folglich eine Kerze mit einer langen Lunte hinterlassen. Beim großen Bruder vom Dax dem S&P500 hat sich auf Tagesbasis sogar ein „Morning Star“ gebildet, diese Chart-Formation deutet auf eine Bodenbildung bzw. Trendumkehr hin und könnte der Startschuss für eine ausgedehnte Erholung sein.

Nicht nur die Marke von 12.750 ist diese Woche ein neuralgischer Punkt im Dax, sondern auch die 12.900 und die runde 13.000er Marke. Um das Chartbild wieder aufzuhellen, muss der Dax entsprechend per Tageschlusskurs über den jeweiligen Niveaus schließen. Demgegenüber wäre ein Rückfall unter die Marke von 12.500 ein weiteres Anzeichen für Schwäche im deutschen Leitindex.

News und fundamentale Daten

Am heutigen Montag sehen wir keine interessanten Konjunkturdaten, stattdessen könnte die Rede von EZB-Präsidentin Lagarde um 15:45 Uhr den Dax bewegen. In ihrer Ansprache äußert sie sich zur europäischen Geldpolitik, dabei spielt ihre Rhetorik eine entscheidende Rolle, da sie mit ihren Worten die Erwartungen von Analysten und Anlegern bestätigen und enttäuschen kann.

Am Dienstag steht das Verbrauchervertrauen im Blickpunkt, das als Schlüsselgröße für das Verhalten des Konsumenten und der Inflation gilt. Zuerst erscheint der Verbraucherpreisindex aus Deutschland, bevor wir das vom Conference Board erhobene US-Verbrauchervertrauen sehen. Das Highlight der Woche ist sicherlich der Mittwoch. Dann werden die Einkaufsmanagerindizes aus China veröffentlicht. Zudem erscheinen die Einzelhandelsumsätze und die Veränderung der Arbeitslosenquote aus Deutschland. Aus der Euro-Zone sehen wir außerdem noch den Verbraucherpreisindex. Darüber hinaus erscheinen die ADP-Arbeitsmarktdaten sowie das Bruttoinlandsprodukt aus den USA. Die zahlreichen Konjunkturdaten können für richtig Schwung im Dax sorgen und im positiven Fall die Erholung unterstützen.

Auch der Donnerstag ist vollgepackt mit Wirtschaftsdaten. Zuerst erscheint der wichtige Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe aus Deutschland. Danach findet das Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU statt. Zu guter Letzt sehen wir noch die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten sowie den viel beachteten ISM Einkaufsmanagerindex aus den USA. Zum Abschluss der Woche erscheint am Freitag der Verbraucherpreisindex der Euro-Zone sowie die US-Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft. Damit stehen diese Woche eine Masse an Trading-Events auf der Agenda. Nicht nur im Dax, sondern auch bei den US-Indizes, in den Devisen und bei den Edelmetallen kann es zu erhöhter Volatilität kommen.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Vorbörslich notiert der Dax knapp 200 Punkte im Plus, entsprechend geht es mit einem großen Aufwärts-Gap in die neue Handelswoche. Zur Eröffnung kann es daher erstmal einen Rücksetzer geben, bevor sich die Erholung fortsetzt. Um die begonnene Erholung von Freitagnachmittag fortzusetzen, muss der Dax die nächsten Widerstände bei 12.665 und 12.700 herausnehmen. Bei einem Anstieg über die 12.711 würde der Dax ein neues Hoch markieren und den Trend kurzfristig umkehren. Darüber wartet dann der entscheidende Widerstandsbereich zwischen 12.745 (PP R1) und 12.765 (38,2 % Retracement), dazwischen liegt noch der neuralgische Punkt bei 12.750. Schafft es der Dax den Bereich zu überwinden, dann geht es zum Tageshoch vom 24.09. bei 12.830. Ein Überschreiten der Marke wäre ein bullisches Signal und eröffnet weitere Ziele auf der Oberseite bei 12.900 und der runden 13.000er Marke.

Wie gesagt, nach einem derartig großen Gap zum Freitagsschlusskurs kann es zu einem Rücksetzer kommen. Eine erste Unterstützung liegt an der 12.620. Dort kann der Dax auch schon wieder nach oben abdrehen, ansonsten folgen die nächsten Unterstützungen bei 12.565 und am Pivot Punkt bei 12.542. Findet der Dax dort auch keinen Halt, dann folgt bei 12.500 eine wichtige Unterstützung, diese sollte er halten, um die Erholung nicht zu gefährden. Ein Unterschreiten wäre ein Zeichen der Schwäche und würde ihn zum Gap-Close bei 12.469 bringen. An dieser Stelle liegt auch eine Unterstützung aus der Bodenbildung bei 12.463. Darunter könnte es für den Dax wieder düster werden. Dann ergeben sich Ziele bei 12.341 (Tief 25.09.) und tiefer.

DAX daily: Tages- und Wochenausblick - M30-Chart - Startschuss zur Erholung

Dax Unterstützungen (US):

12.565 – Stundenchart

12.542 – Pivot Punkt

12.505 – Tagestief 21.09.

12.469 – Gap 25.09.

12.463 – US aus Bodenbildung (Tief 12.341)

12.341 – Tagestief 25.09.

12.280 – Tief 03.08.

12.209 – Tief 31.07.

12.177 – SMA200 Tagesbasis

Dax Widerstände (WS):

12.670 – vorbörsliches Hoch

12.665 – 261,8 % Extension (Tief 12.341)

12.700 – mehrfacher WS (H1)

12.745 – Pivot Punkt R1

12.750 – neuralgischer Punkt

12.765 – 38,2 % Retracement (Hoch 13.460)

12.830 – Tageshoch 24.09.

12.900 – 50 % Retracement (Hoch 13.460)

13.000 – psychologische Marke

Disclaimer

Die hier angewandte technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstigen Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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