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Aktienmärkte: Noch ein kleiner Spekulationsschub, dann Korrektur?

Viele Indikatoren deuten auf eine typische Korrektur der Aktienmärkte im Januar/Februar hin. Dann kann diese Korrektur ziemlich heftig werden!

Viele Indikatoren deuten auf eine typische Korrektur der Aktienmärkte im Januar/Februar hin, Tag für Tag bei FMW aufgelistet. Auch die aktuelle Umfrage unter den großen Fondsmanagern im monatlichen Fund Manager Survey der Bank of America, bekräftigt diese Annahme noch einmal eindrücklich. Auch wenn diese Veröffentlichung, früher einmal ein Geheimtipp, schon zu sehr verbreitet wird und somit keinen großen Nutzwert mehr besitzt (weil von zahllosen Investoren bereits verarbeitet), so gibt es darin auch gelegentlich Erkenntnisse, die von Bedeutung sein werden.

Aktienmärkte und die Kernbotschaften des aktuellen Fund Manager Survey

  • Most crowded Trade: 36 Prozent Bitcoin, 31 Prozent Long Tech, 23 Prozent Short US-Dollar 23 %, zum ersten Mal seit Oktober 2019, dass Tech nicht in Führung liegt
    Kein Wunder, nach den Exzessen bei Bitcoin.
  • 87 Prozent der Manager erwarten eine steigende Inflation, der höchste Wert seit ewigen Zeiten! Nicht sehr überraschend, wurde vor 10 Monaten nicht die Produktion in großen Teilen der Welt lahm gelegt, wie nicht einmal während der Weltkriege.
  • 83 Prozent erwarten eine Versteilung der Zinskurve
  • 41 Prozent sehen in den nächsten 12 Monaten Value vor Growth
  • Als größte Gefahren werden Probleme bei der Auslieferung von Impfstoffen gesehen, die Aktien-Bubble an der Wall Street und eine nachlassende Unterstützung durch die Federal Reserve.
  • Die Cashquote befindet sich mit 3,9 Prozent auf dem tiefsten Stand seit 2013.

Durch die Bekanntheit dieser Umfrage und die gleichzeitige Veröffentlichung über die sozialen Medien, hat der Fund Manager Survey allerdings sehr an Validität verloren. Wenn das große Kapital seine Investmententscheidungen der Öffentlichkeit präsentiert, ist man schon längst bei niedrigeren Kursen der Aktienmärkte eingestiegen und hofft, dass viele andere auf den Zug aufspringen, um….! Man wird kaum eigene Entscheidungen vorher kommunizieren.

Vergessen wir nicht, die aktive Fondsbranche kassiert bis zu zwei Prozent Investmentgebühren auf das angelegte Kapital, ob die Kurse steigen oder fallen, die Cashcow der Finanzbranche. 2019 betrug die Anlagesumme über 22 Billionen Euro. Dazu noch die Milliarden an Handelsgebühren an den Börsen, ob Aktien, Anleihen, Optionen oder Rohstoffe.

Die Gefahrenkonstellation am US-Aktienmarkt

Sollte es aus irgendeinem Grund, der wie immer nicht voraussehbar ist, zu Gewinnmitnahmen der Aktienmärkte kommen, so hat sich derzeit eine Gemengelage entwickelt, die ziemlich schnell trendverstärkend wirken kann:

1. Das hohe Gamma Exposure

Aktienmärkte und das Gamma Exposure

Wenn sich Anleger stark in Call-Optionen engagieren, ist der Stillhalter gezwungen die Position abzusichern, egal wie hoch der Kurs einer Aktie (des Underlyings) bereits steht.

Sollten Gewinnmitnahmen einsetzen, werden die ersten Tranchen der hohen Call-Bestände reduziert, die Market Maker lösen ihre Absicherung auf – die Aktien werden verkauft und der Trend verstärkt sich.

2. Der hohe Margin Debt

Aktienmärkte und Margin Debt

Ein Anstieg der Inanspruchnahme von Wertpapierkrediten von 50 Prozent in acht Monaten und damit in ähnlicher Größenordnung wie in den Jahren 2000 und 2007, dies ist ein absolutes Warnzeichen für die Aktienmärkte. Ein untrügliches Zeichen für Euphorie und Sorglosigkeit.

In einem fallenden Markt meldet sich der Broker rasch mit einem Margin Call (Nachschussverpflichtung) d.h. Liquiditätsbeschaffung durch Verkäufe von Assets. Was immer dazu führt, dass auch andere Anlageformen leiden, weil Kapital benötigt wird, um das Depot auszugleichen. Je größer die Beleihung, desto extremer der Verkaufszwang.

3. Das extreme Put/Call-Ratio

Weiterhin besteht hier eine extreme Positionierung in Calls, bei gleichzeitig geringer Absicherung der Depots. FMW berichtet darüber seit Wochen. Vor allem junge Anleger werden in Optionen gelockt, weil hier höhere Gebühren winken.

4. Der niedrige Cashbestand der Investmentfonds

Aktienmärkte und der Cash-Bestand der Profi-Anleger

Die niedrigste Cashquote von 3,9 Prozent seit acht Jahren hat in einer solchen Situation folgende Auswirkungen: es fehlt die stützende Hand, weil einfach zu wenig Kapital zum Nachkaufen vorhanden ist und die Großen sowieso mit einer Korrektur der heiß gelaufenen Aktienmärkte rechnen.

Dies alles in Kombination bildet einen überaus giftigen Cocktail.

Russell 2000, ein möglicher Auslöser für eine Korrektur?

Was hat dieser Nebenwerte-Index in den USA für eine Rallye hingelegt! Seit Anfang November, infolge von Wahlausgang und Impfstoff Entwicklung, erfolgte eine Branchenrotation hin zu den Small Caps, die den Index in wenigen Wochen von 1540 auf 2150 Punkte katapultierte. Alles wurde gekauft, ob profitabel oder nicht – und die 200-Tage-Linie verläuft in selten gesehener Tiefe unterhalb den aktuellen Indexstände.

Bei einer Korrektur sind die Dickschiffe und der S&P 500 zwar nicht unmittelbar betroffen – mittelbar aber schon, denn auch hier winkt der Margin Call und man könnte gezwungen sein, bei Tesla und Co Gewinne mitzunehmen.

Fazit

Eigentlich wäre alles für eine zumindest zeitweilige Bereinigung der Aktienmärkte vorbereitet, wenn da nicht schon wieder das Helikoptergeld aus Washington wäre – siehe den heutigen Artikel zu „Stimulus-Schecks und Börsenhype“ (wird im Laufe des Tages veröffentlicht).

Noch ein Schub der Aktienmärkte, dann die Korrektur?

 



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3 Kommentare

  1. Na und, Dips sind nur dazu da, noch mal Schnäppchen zu machen. Das viele Geld lässt größere Rückgänge eh nicht zu. Da kann man auch gleich drin bleiben und die Kurse weiter laufen lassen. Zahlen, siehe Netflix, fallen auch besser aus. Corona ist durch Impfstoffe bald erledigt. Es kann gar nicht tief nach unten gehen. Kurze Korrektur vielleicht, aber der Bullenmarkt wird sehr lange weitergehen. Börse ist doch schon längst kein Risikomarkt mehr.

  2. Guter Kommentar mit der Aufzählung einiger Gefahren. Dennoch ein wichtiger Faktor wurde vergessen.
    Was wäre wenn die Impfstoffe mit Notfallzulassung und ohne Langfristerfahrung in die Hose gehen würden?
    ( Wäre jedenfalls kein Schwarzer Schwan) Was wäre wenn nach dem dritten mutierten Virus ein neues dazu käme, gegen das der Impfstoff wirkungslos wäre.Auch die WHO ist in Sachen Pandemie nicht so optimistisch wie viele Andere.Da H.Müller immer das Vorausschauen der Börse propagiert,
    kann man sich fragen was ohne Pay-Checks passieren würde wenn nur eine gewisse Normalität eintreffen würde?
    Noch eine Frage an Roland. Sind die Insassen in deiner Anstalt schon durchgeimpft?

  3. Irgendein Börsenguru meinte vor ein paar Wochen, dass die Korrektur (der Crash?) mit Tesla beginnen könnte. Also immer ein Auge auf die Tesla-Aktie haben…

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