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Aktienmärkte: Noch eine Rally zum Jahresende – oder risk-off?

Die Meldungen des Wochenendes könnten einige Investoren bewegen, Gewinne der letzten Wochen mitzunehmen – die Aktienmärkte sind plötzlich nervös!

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die ereignisreiche 51. Kalenderwoche ist für die Aktienmärkte trotz der vielen Warnzeichen ohne die von vielen erwarteten Korrektur vorbeigegangen. Ob Fed-Sitzung, euphorischer Stimmung am Markt, ungesunder Überinvestition in Calls, oder auch mit Tesla der größten Indexaufnahme in den S&P 500 – nichts erschütterte die Märkte. Und es zeigte sich wieder einmal das Phänomen der Aktienmärkte, dass bekannte Ereignisse am Tag der Umsetzung in der Regel keinen Schaden mehr anrichten. Vor allem, wenn man das Ereignis schon über Wochen vorher identifiziert hat. Sollten am Freitag nicht viele Aktien verkauft werden müssen, um für Tesla Platz zu machen. Die Aktie stieg ein weiteres Mal um 5,9 Prozent.

Aktienmärkte: Noch ein wenig Window Dressing, oder warˋs das für 2020?

Sechs Börsentage vor dem Jahreswechsel in Deutschland oder siebeneinhalb in den USA kann man davon ausgehen, dass viele Bücher von Großinvestoren schon geschlossen sind. Was hatte die letzte Woche unter dem Strich noch gebracht? Am Freitag verloren Dow Jones 0,4 Prozent, der Nasdaq 0,1 Prozent und der große S&P 500 auch 0,4 Prozent, kaum Abgaben, auch wenn zum Handelsauftakt noch alle drei Indizes noch auf neue Höchstwerte gestiegen waren. Aus Wochensicht ging es noch einmal nach oben: Beim S&P um 1,25 Prozent, beim Dow um 0,4 Prozent und beim Nasdaq um drei Prozent. Ja und der Dax war zwar auf Schlusskursbasis um 0,3 Prozent gegenüber dem Donnerstag gefallen, aber zwischenzeitlich schon um 20 Punkte an sein Allzeithoch von 13.795 Punkten herangerobbt. Insgesamt war es für den deutschen Leitindex eine starke Woche mit einem Plus von fast vier Prozent.

Was könnte die Märkte in den verbleibenden Tagen noch bewegen?

Da ist zum einen die am Wochenende „sich erfüllende“ Hoffnung der Investoren auf eine Einigung in den USA für ein Hilfspaket für die von der Pandemie sehr gebeutelten Wirtschaft und vor allem für die vielen Arbeitslosen, deren große staatliche Unterstützung schon vor längerer Zeit ausgelaufen ist. Am heutigen Montag soll es zum Abschluss kommen.

Dann das Dauerthema Brexit, bei dem es immer noch keine Lösung gegeben hat und die Frist jetzt unbarmherzig abläuft.

Für die Briten kommt jetzt auch noch knüppeldick mit der Mutation des Virus Covid-19, die bis zu 70 Prozent ansteckender sein soll als das bisher bekannte Virus. Der rasche Anstieg der Infektionsfälle im Südosten Englands, der radikale Lockdown in London und die schlagartige Abschattung der EU mittels Einstellung jeglichen Verkehrs nach und von Großbritannien bringt die Insel in arge Nöte. Aber auch vielleicht den Rest Europas, es wird spannend wie heute die Aktienmärkte auf die plötzliche Verschärfung der Lage reagieren werden.

Ist dies etwa der Trigger für eine Korrektur?

Da dürfte es für Großbritannien noch keine Erleichterung bedeuten, dass nach 12 Tagen schon 300.000 Menschen gegen das Virus geimpft werden konnten.

Oder aber, was wird mit Tesla passieren, der teuersten Aktie, die je in den S&P 500 aufgenommen wurde? Nach Bekanntgabe der Indexaufnahme ist der Wert ab dem 16. November um 60 Prozent gestiegen, der S&P 500 nur um zwei Prozent. Der Anstieg entspricht fast dem zweifachen Wert der gesamten Marktkapitalisierung von Volkswagen, in gut einem Monat und ohne dass es eine positive Unternehmensmeldung gegeben hätte. Eine Versiebenfachung seit Jahresanfang, wenn das nicht Anlass genug für Gewinnmitnahmen wäre!

Der Ausbruch des Dax aus seiner wochenlangen Seitwärtsbewegung

In dieser neuen Phase der Unsicherheit hat der deutsche Leitindex gerade seine wochenlange Seitwärtsbewegung zwischen 13.005 und 13.454 Punkten beendet und ist am Freitag bis auf wenige Zähler an sein Allzeithoch gelangt. Erstaunlich gering waren auch die Schwankungen am Freitag. Die Differenz zwischen seinem Höchst- und Tiefststand betrug am Freitag gerade einmal 150 Punkte und dies an einem so genannten „Hexensabbat“ an den Börsen. Die Anleger hatten vorher der US-Rally misstraut und etwas die Geduld verloren, insbesondere die Externen. Diese waren aber gerade in der letzten Woche in den Markt zurückgekehrt. Vergessen wir nicht, deutsche Aktien befinden sich mehrheitlich noch in ausländischen Händen. Daher spricht einiges dafür, dass die bisherige Rekordmarke kurz- bis mittelfristig geknackt wird.

Aber zuvor? Die neueste Umfrage der Anlegerstimmung des Analysehauses sentix brachte nach Auswertung den leitenden Fondsmanager der Gesellschaft, Patrick Hussy, zu folgender Feststellung: „Der strategische Bias für Aktien knickt in dieser Woche deutlicher nach unten ein, was als Vorbote für anstehende Abverkäufe gewertet werden kann. Da gleichzeitig das Sentiment nach oben schießt, komplettiert sich die ungünstige Ausgangslage für Aktien in den nächsten Handelswochen. Die Weihnachtsrally 2020 dürfte damit beendet sein.“

Noch ein Wort zum Russell 2000

Dieser US-Nebenwerteindex ist Teil des Gesamtindex Russell 3000, der 98 Prozent der Marktkapitalisierung aller US-Aktiengesellschaften abdeckt.

Davon besitzt der Russell 2000 eine Gewichtung von etwa 10 Prozent.

Die am stärksten vertretenen Branchen sind

Technologie und Finanzen, jeweils 17 Prozent
Industrie 14,5 Prozent
Gesundheitswesen 14 Prozent
Zyklische Konsumgüter 12,5 Prozent.

Der Index übertrifft die großen Indizes in Zeiten fallender Zinsen und hat derzeit einen astronomischen Abstand von 35 Prozent zu seiner 200-Tageslinie. Eine Korrektur ist wohl unausweichlich, mit Werten die wie „Dreck nach oben gespült werden“, wie Markus Fugmann schon ein paarmal sarkastisch formuliert hat. Aber diese Titel haben wohl insgesamt betrachtet eine sehr niedrige Marktkapitalisierung, wie auch der Russell 2000, der nur etwa die Marktkapitalisierung von Apple und Microsoft auf die Waage bringt.

Es bleibt dabei, bei Erwägung von Korrekturen der Aktienmärkte ist nach wie vor auf den S&P 500 zu blicken, bei dem es die größten zehn Aktien von Apple bis Visa schon auf eine Marktkapitalisierung von fast 10 Billionen Dollar bringen, ein Mehrfaches des Russell 2000. Allerdings hat die Aufnahme von Tesla mit seiner astronomischen Bewertung von fast 700 Milliarden Dollar den großen Index korrekturanfälliger gemacht.

Fazit

Die letzten Tage eines Jahres kommt es oftmals noch zu einem Window Dressing der aktiven Fondsbranche, weil mehr oder weniger viele Fondsmanager gezwungen werden, diejenigen Aktien ins Depot zu nehmen, die in Summa gut gelaufen sind. In diesem Jahr besonders schwierig, denn zunächst waren es die „Tech- oder Stay-at-Home-Titel“, aber spätestens ab 9. November kam es zur großen Aufholjagd bei den Verlierern von Corona (Flug- und Reisegesellschaften, allgemein Value), ohne die man anlagetechnisch wiederum nicht mit den Indizes mithalten konnte. Hier dürfte die Fondsbranche aber schon durch viele „Paintrades“ in die Aktienmärkte gezwungen worden sein. Auch nimmt man oft in den letzten Tagen die Titel und Branchen auf, die im Jahresverlauf generell schwächer waren, in Erwartung eines Rebounds im kommenden Jahr.

Das Jahr 2020 bleibt aber auch in den letzten Tagen noch ein Außergewöhnliches. Die Meldungen des Wochenendes könnten doch einige Investoren bewegen, Gewinne der letzten Woche ein wenig mitzunehmen.

Außerdem:

Wir dürfen zudem alle gerade den verstörendsten Regierungswechsel in den USA erleben, den es selbst in einem langen Leben gegeben hat – und dieser ist noch nicht vorbei. Denn am 5. Januar wird über die Zusammensetzung des US-Senats in einer weiteren Wahl entschieden, mit großen Auswirkungen auf die Regierungspolitik, insbesondere für große Konjunktur- und Wirtschaftspakete. Sollten die US-Demokraten gewinnen, könnte der neue Präsident sein gewaltiges schuldenfinanziertes Vorhaben in die Tat umsetzen, bei einem republikanischen Senat eher nicht und diese Unsicherheit bleibt für die Aktienmärkte über den Jahreswechsel. Folge: Großinvestoren müssen noch Pulver trocken halten, allzu deutlich sollte ein Window Dressing daher nicht mehr ausfallen – und es wird zu Beginn des Jahres 2021 gleich wieder spannend.

Die Aktienmärkte sind plötzlich nervös - fällt die Jahresendrally aus?

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Aktien

Aktien: Bubble-Boomer demaskieren Wall Street-Casino! Marktgeflüster (Video)

Mit Aktien wie Gamestop bringen die Bubble-Boomer Hedgefunds in Schieflage – und demaskieren damit gleichzeitig den Casino-Charakter der Wall Street!

Markus Fugmann

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Aktien wie Gamestop oder AMC schießen auch heute wieder durch die Decke – die Bubble-Boomer bringen damit jene Hedgefunds weiter in Schwierigkeiten, die eben diese Aktien short spielen. Diese Bubble-Bommer (Generation Z) ist mit der Spiele-Mechanik bestens vertraut und hat damit nicht nur eine Schwachstelle der Finanzmärkte offengelegt, sondern gleichzeitig den Casino-Charakter der Wall Street demaskiert. Man darf gespannt sein, ob die Fed heute dazu etwas sagen wird – letztlich sind es die Notenbanken, die dieses Casino ermöglicht haben und den beteiligten Spielern das Gefühl suggerierten, dass man im Casino nicht verlieren könne, weil jedesmal wenn es eng wird, die Retter in Gestalt der Notenbanken nahen..

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Aktien

Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

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American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

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Indizes

Rüdiger Born: Märkte fallen – Tradingchance Long?

Rüdiger Born

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Die Indizes fallen gerade. Ist das die Chance für Trader auf steigende Kurse zu setzen? Das schaue ich mir anhand des Nasdaq-Chart etwas genauer an.

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