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Aktienmärkte: Notenbanken mit Pause bei der Geldflut?

Eine interessante Entwicklung in der internationalen Notenbankpolitik deutet sich an, die für die Aktienmärkte sehr wichtig werden könnte!

Eine interessante Entwicklung in der internationalen Notenbankpolitik deutet sich an, die für die Aktienmärkte sehr wichtig werden könnte! Nachdem die US-Notenbank in den letzten Wochen die rasanten Aufkäufe von Wertpapieren erst einmal gestoppt hat, spricht auch der Chefvolkswirt der EZB, Philip Lane, von einer Pause. Was könnte das für die Aktienmärkte bedeuten?

Aktienmärkte und die Signale der Notenbanken

Erst war es Fed-Chef Jerome Powell, der verbal etwas auf die Bremse getreten ist. Mit dämpfenden, ja geradezu pessimistischen Äußerungen zur aktuellen Lage. Die Wirtschaftsdaten deuteten auf eine langsamere Erholung der US-Wirtschaft hin, aber man könne jetzt nicht wie ein Elefant im Porzellanladen herumlaufen und alles aufkaufen, was es an Anleihen auf dem Markt gibt. Fürchtet sich da jemand vor der Spekulationsorgie der Aktienmärkte, die bei einem Platzen noch einmal zusätzlichen Schaden für den US-Verbraucher anrichtet, dessen Konsumlaune geradezu verschwenderisch mit Steuergeld durch die Regierung am Leben gehalten wird?

Vorangegangen war eine Geldflut der Notenbanken weltweit sondergleichen, die allein in den USA zu einer Aufblähung der Fed-Bilanz um 3 Billionen Dollar in den ersten sechs Monaten des Jahres geführt hat. Auf die gewaltige Summe von 7165 Milliarden Dollar. Nicht weit dahinter die Europäische Zentralbank mit ihrem aktuellen Stand von 6236 Milliarden Euro. Doch nun zeigte sich in den letzten beiden Wochen, dass die Bilanz der US-Notenbank nicht nur nicht weiter wächst, sondern sogar etwas geschrumpft ist. Die Knappheit an US-Dollar in anderen Ländern hat abgenommen und man hat die Dollarswaps zurückgeführt.

In diesem Zusammenhang scheint auch ein Blick auf das Fed-Protokoll interessant, welches am Mittwoch veröffentlicht wurde. Man diskutierte in der letzten Sitzung über die Vor- und Nachteile einer Kontrolle der Zinskurve (Yield Curve Control). Bisher bestimmte die Notenbank durch ihre Geldpolitik die kurzfristigen Zinsen, während sie die langfristigen den Märkten weitgehend überließ. Eine solche Zinskurvenkontrolle wird schon seit Langem in Japan und seit Kurzem in Australien praktiziert. Damit würde man einen „risikolosen Zinsmarkt“ erzeugen und Spekulationen gegenüber der Federal Reserve zuvorkommen.

Noch gab es Widerstand innerhalb des Ausschusses gegen diese Maßnahme. Wegen der möglichen Probleme die Kontrolle über die Fed-Bilanz zu behalten, aber auch wegen der Unabhängigkeit der Notenbank. Dazu müsse die Wirtschaftskrise schon noch länger anhalten. Wenn, dann…!

Zurück zur aktuellen Situation.

Aber nicht nur die USA schalten bei der Rückkauforgie bei den Anleihen einen Gang zurück, auch aus Europa sind Töne der Mäßigung zu vernehmen – mit möglichen Folgen für die Aktienmärkte.

Auch die EZB will abwarten

Die Zeichen der wirtschaftlichen Erholung und die „Stabilität“ der Finanzmärkte und Aktienmärkte haben auch bei Europas Notenbank zu etwas Umdenken geführt. Nachdem man im Verlauf der Krise das geldpolitische Programm ständig ausgeweitet hat – zuletzt mit der Anhebung des Anleihekaufprogramms PEPP auf 1,35 Billionen Euro – will man seitens der EZB erstmal die Füße stillhalten, so äußerte sich deren Chefvolkswirt Philip Lane in einem Interview. Zwar würde man das Programm wie geplant bis Juni 2021 fortsetzen, da sich die Wirtschaft nur sehr langsam und zäh aufrappele und man wisse nicht was sich im Winter ereigne.

„Wir haben eine Menge getan. Wir haben im Kern diesen Horizont von einem Jahr,“ sagte der ehemalige irische Notenbankchef. Die günstigen Kredite für Geschäftsbanken und der Kauf von „Commercial Papers“ (Kurzläufern) hätten den Markt sowie die Banken stabilisiert. Zugleich dämpfte der Ire die Erwartungen der Aktienmärkte, dass die EZB in Bälde auch High Yield Bonds mit Ramschstatus erwerben werde.

Noch ein Wort zur Position von Philip Lane:

Chefökonom Philip Lane ist aktuell der Mann hinter den geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank. Schließlich ist die neue Chefin, Christine Lagarde, Juristin – und sie hat schon zu Beginn ihrer Amtszeit davon gesprochen, dass sie die Mechanismen der Notenbankpolitik erst verstehen und auf die Expertise der Volkswirte zurückgreifen müsse. Anders als ihr Vorgänger, Mario Draghi, der geldpolitische Entscheidungen schon einmal im Alleingang forcierte.

Fazit

Sind die neuen Töne aus den großen Notenbanken nun gut oder schlecht für die Aktienmärkte? Wenn man davon ausgeht, dass es die Geldflut war, die den großen Anstieg der Aktienmärkte der letzen drei Monate ausgelöst hat, dann wäre es eine schlechte Botschaft und eine Vorlage für eine Korrektur an den Märkten – wenn der Treiber für eine gewisse Zeit pausiert. Aber vermutlich hat man an der Börse nicht nur auf die aktuellen Wirtschaftsdaten geblickt, sondern wie üblich auf mindestens ein halbes Jahr in die Zukunft – und diesbezüglich waren die letzten Signale nicht gerade schlecht. Ob IWF, OECD oder auch unser Ifo-Institut, alle sehen für 2021 derzeit ein deutlich anziehendes Wachstum. Dann gibt es auch noch die Hoffnung auf einen Impfstoff, die wöchentlich mit neuen Meldungen „gefüttert“ wird. Konjunkturzahlen, Notenbankinterventionen, Infektionszahlen, medizinische Forschung, dieses Gebräu könnte in nächster Zeit zu der schon öfters angesprochenen Sommer-Schaukelbörse führen.

Die Äußerungen der Notenbanken deuten aus meiner Sicht aber auch auf Folgendes hin: Man sieht die Gefahr einer Bubble der Aktienmärkte, bei der Asset-Price-Entwicklung insgesamt – und durch die Geldflut einen Nährboden für künftige inflationäre Tendenzen. Das wäre dann aber das Gegenteil dessen, was die Notenbanken in ihrem gesetzlichen Auftrag stehen haben. Förderung der Beschäftigung bei gleichzeitiger Kontrolle der Preisentwicklung, derzeit mit den Mitteln der finanziellen Repression – das große Experiment in der Geldpolitik geht weiter.

Die Fed ist auf die Bremse getreten - wie reagieren die Aktienmärkte?



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1 Kommentar

  1. Notenbank- Einflüsterer

    Logischerweise müssen sie sich etwas zurücknehmen, denn das grosse Problem ,DIE SCHROTTANLEIHEN haben sich ja wieder prächtig erholt. Die Aktienkurse sind nur ein Nebenprodukt der irrwitzigen Anleihenmanipulation. Zudem müssen sie noch etwas Pulver in Reserve halten, denn die zweite Coronawelle oder einfach eine langanhaltende erste Welle bräuchte dann weitere Drogen.Auch andere SCHWARZE SCHWÄNE sind jederzeit möglich. Wie sagte jemand, ein neues heimtückisches Virus wie Corona, mit der Tödlichkeit von Ebola würde die Menschheit ordentlich durchschütteln.Eines ist sicher,die Corona-Kuh ist noch nicht vom Eis. So hatte z.B die Schweiz das Virus gut im Griff u.schon einige Tage nach der Lockerung schon wieder eine beträchtliche Zunahme von Neuansteckungen.
    Und die meisten Betriebe die arbeiten können , Bahn, Bus, Gaststätten u.s.w. machen Verluste.
    Die Lockerungen wurden von den Börsen viel zu optimistisch eingepreist. Todsichichere Gewinne unabhängig vom Umsatz gibt es nur an den Börsen ? ?

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