Die Aktienmärkte zeigen seit Kriegsausbruch keinen Crash und auch keine große Absturztendenz. Und heute sehen wir: Trotz am Wochenende gescheiterten Gesprächen zwischen USA und Iran bleibt ein Crash wie auch ein spürbarer Absturz aus. Der folgende Chart zeigt die Märkte seit Kriegsausbruch Anfang März: Der breite US-Markt ist gerade mal 0,8 % im Minus, der deutsche Markt verliert 6 %. Was ist hier los?
Aktienmärkte: Echter Absturz bleibt aus
Obwohl Öl- und Gaspreise deutlich höher notieren und auch heute früh einen Sprung nach oben machten, sehen wir heute einen S&P 500 mit einem Tagesplus von 0,12 %, der Dax verliert heute 0,33 %. Das ist vereinfacht gesagt gar nichts. Wieso zeigen sich die Aktienmärkte derart resilient? Denn Donald Trump will ab sofort die Zufahrten zu iranischen Häfen blockieren, während der Iran die Straße von Hormus blockiert. Die globale Krise in Sachen Öl, Gas, Düngemittel etc dürfte noch schlimmer werden.
Blick auf Zeit nach dem Krieg
Meine Meinung: Anleger, Analysten, Portfoliomanager glauben weiterhin daran, dass der Iran-Krieg auf die eine oder andere Weise in den nächsten Tagen oder Wochen enden wird. Und Börsianer handeln nun mal die Zukunft. Der Iran kann nicht ewig durchhalten, erst recht nicht wenn er kein Öl mehr auf dem Weltmarkt losschlagen kann. Und Trump kann seine Wähler nicht noch mehr verprellen, weil er die Zwischenwahlen im November gewinnen will. Die Energiepreise sind auch in den USA gestiegen, obwohl man selbst genug Öl und Gas produziert. Abgesehen davon ist der Iran-Krieg bei seiner Kernwählerschaft äußerst unbeliebt – denn Trump hatte im Wahlkampf ganz klar versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen.
Auch dürfte der internationale Druck auf Trump immer weiter zunehmen, diesen Krieg nicht noch monatelang weiter zu führen. Natürlich ist Trump eine große Wundertüte. Impulsiv, unberechenbar – aber auch mit einem Instinkt für das, was seine Wähler wollen. Selbst ein richtiger Crash der Aktienmärkte ist weiterhin möglich, wenn Trump und Iran diesen Krieg weiter eskalieren. Aber auch dann gilt: Nach dem Krieg geht es irgendwie weiter. Dass diese Situation an der Straße von Hormus noch durch das Jahr 2026 hinweg weiterhin anhält, ist meiner Meinung nach kaum denkbar.
Angst erneut im Tief zu verkaufen wie im April 2025
Natürlich kann die aktuelle Lage weiter eskalieren, die Aktienmärkte zum Absturz und den Ölpreis kräftig zum Anstieg bringen. Aber der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus sind temporäre Phänomene, und danach wird die Weltwirtschaft sozusagen „neu gestartet“ in einen Post-Hormus-Zustand. Volkswirtschaften stellen sich ganz neu auf, um nicht erneut in so eine Abhängigkeit zu geraten. Und aktuell dürfte die breite Masse der Anleger auf die Zeit nach dieser Krise schauen. Nach dem Motto „Wer jetzt Aktien verkauft“, schaut nach der Krise in die Röhre“.
All zu viele Anleger dürften sich derzeit erinnert fühlen an den April 2025. Im großen „Trump-Zoll-Absturz“ der Aktienmärkte haben sicherlich viele Anleger in Panik verkauft. Wer damals einstieg, war Monate später ein „gemachter Mann“. Wer damals in Panik verkaufte, musste Wochen oder Monate später zu viel höheren Preisniveaus wieder neu einsteigen. Man darf vermuten, dass viele Anleger – auch Institutionelle – ein Jahr später nicht nochmal diesen Fehler begehen wollen.
Anlagestratege mit Kommentar
Nachfolgend zeigen wir passend zum Thema einen Marktkommentar von Torje Gundersen, Head of Tactical Asset Allocation (TAA) bei DNB Asset Management: In Norwegen haben sich die Markterwartungen hinsichtlich der künftigen Zinssätze gewandelt: Statt Zinssenkungen werden nun zwei Zinserhöhungen durch die Norges Bank bis zum Jahresende eingepreist. Wie sich die Lage entwickeln wird, hängt davon ab, wie lange es dauert, bis das Öl wieder ungehindert fließt. In der Zwischenzeit schwanken die Märkte zwischen Angst und Hoffnung, basierend auf Gerüchten und Desinformation seitens der Kriegsparteien.
Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran haben den Krieg im Nahen Osten, der seit den Terroranschlägen im Oktober 2023 andauert, eskalieren lassen, und die meisten Länder der Region sind nun direkt betroffen. Die Folgen der Sperrung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus sind mittlerweile weltweit zu spüren.
Vor einem Monat war das Ölangebot größer als die Nachfrage, und der Preis für ein Barrel Nordseeöl schwankte zwischen 60 und 70 US-Dollar. Jetzt fehlen uns über zehn Millionen Barrel pro Tag, und wir stehen am Anfang einer möglichen neuen Energiekrise.
Die Rohstoffmärkte gehen davon aus, dass sich dies von selbst lösen wird, bevor die Folgen zu groß werden. Der Spotpreis für Öl und Gas ist gestiegen, liegt aber deutlich unter dem Niveau, das bei Russlands Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 herrschte. Die Preise für die Lieferung von Öl und Gas im nächsten Jahr auf dem Terminmarkt sind deutlich niedriger als der Spotpreis. Daher ist der Rückgang an den Aktienmärkten nicht größer als das, was man als normale Korrektur bezeichnen kann.
Dass der Iran die Straße von Hormus sperren würde, war für das Pentagon wahrscheinlich keine Überraschung. Das Fehlen von Minensuchbooten und Begleitschiffen deutet darauf hin, dass Trumps innerer Kreis auf einen kurzen Krieg vorbereitet war – Gerüchten zufolge zwischen vier und sechs Wochen – und dass eine Invasion des Iran nie eine Option war.
Die Hoffnung war vielleicht, dass das Regime innerhalb kurzer Zeit stürzen würde, was derzeit jedoch unwahrscheinlich erscheint. Das wahrscheinlichste Ergebnis ist, dass die USA und der Iran eine Lösung aushandeln, auch wenn dies schwer vorstellbar sein mag.
Beide Seiten dürften Anreize haben, die Feindseligkeiten bald zu beenden. Der Iran benötigt die Einnahmen aus Ölverkäufen und strebt die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen an. Der Krieg ist bei den amerikanischen Wählern unbeliebt, und für die Republikaner ist es wichtig, Preisschocks bei Benzin und Lebensmitteln vor der Wahl im November zu vermeiden.
Möglicherweise glaubt Präsident Trump, dass noch ein Zeitfenster besteht, um den Konflikt zu eskalieren und sich damit einen Vorteil in den Verhandlungen zu verschaffen. Es könnte aber auch sein, dass der kritische Punkt bereits erreicht ist. Das wissen nur wenige. Es erscheint jedoch unwahrscheinlich, dass die Welt eine Situation akzeptieren kann, in der die Straße von Hormus durch den Monat April hinweg gesperrt bleibt.
Die Energiekrisen der 1970er Jahre führten zu hoher Inflation, Zinsschocks, Arbeitslosigkeit und schwachen Aktienmärkten. Die Parallelen zur heutigen Situation sind beunruhigend, und es dürfte starker Druck bestehen, den Konflikt so schnell wie möglich zu lösen. Daher glauben wir, dass die Reaktion des Marktes darauf bislang richtig war.
Veränderungen in den Portfolios
Die Geschichte zeigt, dass geopolitische Risiken in der Regel kurzfristige negative Auswirkungen auf die Märkte haben. Es gibt Ausnahmen, aber in 95 von 100 Fällen war es am klügsten, abzuwarten. Grob gesagt können wir sagen, dass dies der Rat ist, dem auch wir gefolgt sind. Der Aktien- und Anleiheanteil des Portfolios ist im März praktisch unverändert geblieben. Allerdings haben wir einige Anpassungen innerhalb des Aktienportfolios vorgenommen: Dies hat dazu beigetragen, den Wertverlust in den Portfolios zu begrenzen. Norwegische Aktien sind im März gestiegen, während globale Aktien einschließlich der Schwellenländer gefallen sind. Öl- und Gasaktien haben sich nach unserem Abverkauf weiterhin gut entwickelt, doch wir glauben, dass das Potenzial in diesem Bereich nun begrenzt ist.
- Anfang März haben wir unsere Bestände an Finanzaktien abgebaut und über einen auf europäische Öl- und Gasaktien fokussierten börsengehandelten Fonds (ETF) in den Energiesektor investiert. Wir haben diesen anschließend verkauft und sind nun weltweit im Energiesektor leicht untergewichtet.
- Im Laufe des Monats haben wir europäische Aktien verkauft und amerikanische Aktien gekauft; die Übergewichtung des Portfolios in Europa und die Untergewichtung in den USA wurden reduziert.
- Wir haben unser Engagement in norwegischen Aktien beibehalten, die nun 23 Prozent des Aktienportfolios ausmachen, verglichen mit den üblichen 20 Prozent.
Unser Engagement in den Bereichen erneuerbare Energien und Versorger hat sich im März besser entwickelt als der Gesamtmarkt, während sich die Kernenergie schwach entwickelt hat. Die Ereignisse im März bestärken uns noch mehr in unserer Überzeugung, langfristig in den Energiesektor zu investieren. Das Engagement in den Bereichen Gas, erneuerbare Energien und Kernenergie wird daher im Laufe der Zeit einen bedeutenden Teil des Portfolios ausmachen, sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen.
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Ich glaube das nicht – hier fehlen viele hunderte Millionen Barrel Öl am Markt – die im Papier-Öl Brent und WTI nicht eingepreist sind….. Alle wirklichen Profis wissen das es Monate dauern wird bis sich die Situation ausgleicht – WENN SOFORT die Sperre aufgehoben wird. Der Ölpreis wird für längere Zeit hoch bleiben und die Öl-Aktien haben daher noch lange nicht den Zenit erreicht.
Fakt ist lediglich: der Papier-Ölpreis ist heftig manipuliert – wobei die Midterms laut Trump eh schon mit hohen Ölpreis zu rechnen haben …. also wird die Bremse bald rausgenommen werden müssen….
Unterschied: Zölle vs. physikalisches Gas, Öl, Dünger.
Zölle können innerhalb eines Tages aufgehoben werden. Infrastruktur kann nicht so schnell aufgebaut werden.
Der „Markt“ ist irrational. Oder die „Großen“ berechnend manipulativ.
Ich glaube, viele Menschen sind der Ansicht, dass die Logik allein einen Zusammenbruch auslösen müsste. Das Problem ist, dass die Betriebskosten (OpEx) dem im Wege stehen, und Jamie Dimon verkauft erst, nachdem die OpEx berücksichtigt wurden. Darüber hinaus betonte Jay Powell im Dezember 2025, dass ab dem 15. April mit einer Liquiditätskrise zu rechnen sei – ein Punkt, der durch die Grafiken zur Liquidität der Fed und zu den Anleihekäufen visuell bestätigt wird. Ich glaube daher, dass es möglich ist, den Markt sehr genau zu berechnen und vorherzusagen, wie er sich als Nächstes entwickeln wird. Da ich fortgeschrittene makroökonomische und algorithmische Analysen durchführe, ist es auch interessant zu beobachten, wann die Liquidität tatsächlich vollständig abgezogen wird…