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Aktienmärkte: Rally bis Jahresende?

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Für die Aktienmärkte rückt das Jahresultimo näher, die letzte vollständige Handelswoche beginnt. Damit geht ein überaus erfolgreiches Börsenjahr zu Ende, welches in den USA zu den besten 14 in einem ganzen Jahrhundert zählt. Die große Frage ist, ob man in Kürze die Gewinne sichert – oder ob es den großen Adressen gelingt, mit hohen Indexständen das Jahr zu beenden. Vor allem die Finanzmathematik, gepaart mit dem Psychofaktor Gier, spricht für Letzteres.

Das Damoklesschwert 15. Dezember ist für die Aktienmärkte vom Tisch

Egal welcher Plastik-Deal schlussendlich zwischen den USA und China vereinbart wurde, im Prinzip ging es nur eigentlich immer um die Frage, ob es zu einer weiteren Eskalation im Handelsstreit und damit zu einer Störung der Weltwirtschaft kommen wird. Darüber habe ich mehrfach geschrieben und ich möchte es hier noch einmal mathematisch begründen.

In dem ständig vorgetragenen Argument für den Börsenanstieg in den letzten zwei Monaten ging es um den Phase-1-Deal, einem Landwirtschaftsabkommen in Höhe von 32 Milliarden Dollar, für das Jahr 2020 (letzter Stand aus dem 86-seitigen Vertragswerk), der vor allem für Donald Trump und seinen Wählern im Mittleren Westen bedeutsam ist, ökonomisch aber im Gesamten kaum Wirkungen entfaltet. Die USA haben ein Bruttoinlandsprodukt von zuletzt 20,5 Billionen Dollar – und zu dieser Zahl muss man den Deal in Relation setzen.

Aber das Hauptargument für ein versöhnliches Börsenjahr war die Deadline des 15. Dezember. Hier ging es zwar auch nur um die Bezollung von 156 Milliarden Dollar in Höhe von 15 Prozent von chinesischen Alltagsgütern, aber es hätte den US-Konsumenten betroffen, der für ein gigantisches Jahresumsatzvolumen von 16 Billionen Dollar steht. Würde dieser Konsum aufgrund von Preiserhöhungen und einer gewissen Kaufzurückhaltung der Verbraucher nur um ein Prozent tangiert werden, betrüge dies bereits die gigantische Summe von 160 Milliarden Dollar pro Jahr. Deshalb habe ich neben dem Aktienmarkt den US-Verbraucher regelmäßig als große Achillesferse der USA bezeichnet.

Donald Trump wird auch in den kommenden gut zehn Monaten bis zu den Wahlen alles daran setzen (Forderung nach Zinssenkungen, Steuererleichterungen), um den Konsumenten bei Laune zu halten. Ebenso wichtig ist es aber die Wirkung auf die Weltwirtschaft als Ganzes zu betrachten, denn die Verschärfung im Handelsstreit hatte über viele Monate Investoren davon abgehalten, weitere Projekte zu planen und umzusetzen. Der Attentismus im Industriesektor dürfte als Bremsfaktor zumindest in Teilbereichen jetzt erst einmal entfallen.

Gründe für die Jahresendrally

Auch wenn es nach Wiederholung klingt, die Entwicklung der Aktienmärkte hat verschiedene Thesen bestätigt. Diese Bedingungen haben gewirkt: Billiges Geld der Notenbanken (USA: zusätzliche Flutung des Repo-Marktes), Aktienrückkaufprogramme von Apple, Microsoft und Co. in Milliardenhöhe, eine Unterinvestition der aktiven Fonds (gegenüber den voll investierten ETFs), Fear of Missing Out (FOMO) vieler Anleger, die überragende statistische Wahrscheinlichkeit eines guten Schlussquartals nach so starken neun Monaten eines Jahres und das Streben nach hohen Jahresabschluss-Boni von Hedge- und Publikumsfonds.

Auch hier muss ich noch einmal die Finanzmathematik heranzuziehen, um die Dimension des Ganzen zu veranschaulichen:

Der weltgrößte Index S&P 500 ist in diesem Jahr über 26 Prozent angestiegen. Bei einer grob geschätzten Marktkapitalisierung des Barometers von 22 Billionen Dollar, bedeutet dies eine Steigerung im Jahresverlauf von mindestens fünf Billionen Dollar. Hieraus wird ersichtlich, mit welchem Einnahmen die Finanzbranche speziell die Vermögensverwaltung rechnen kann, die einen Teil ihrer Einnahmen bereits aus der Anlagesumme generiert. Hinzu kommen die Erfolgsboni der Manager bei guten Jahresgewinnen der Fonds, die zweifelsohne in diesem Jahr für die meisten anfallen werden, wenngleich man bestimmt zu 90 Prozent nicht an die Benchmark und die Rendite der passiven Fonds heranreichen kann. Dafür sorgen alleine schon die Gebühren (Investment Fee). Aus diesem Grunde habe ich immer betont, dass es den großen Adressen gelegen ist, die Kursstände bis zum Jahresende zumindest zu konservieren. Allein der Handelsstreit hatte (und hat) das Vermögen die Jahresendrally abrupt zu beenden.

Aktienmärkte und der große Verfall am 20. Dezember

Zum spätest möglichen Termin des Jahres erwartet uns diese Woche noch der große Hexensabbat an der Börse. Aus Sicht des Dax schien bis vor Kurzem die Marke 13000 als ein Ziel, mit dem sowohl Bullen als auch Bären zufrieden sind – dann kam der Kurssprung infolge der Ereignisse um den Handelsstreit. Wie wird man in dieser Woche noch reagieren? Werden Call-Stillhalter versuchen das Niveau noch zu drücken?

Weitere Termine in dieser Woche:

Montag:

Einkaufsmanagerindizes für Europa und Deutschland für das Verarbeitende Gewerbe sowie für Dienstleistungen. Hier wird man gespannt sein, ob man in Deutschland in der Industrie in dem rezessiven Bereich weiter etwas nach oben klettern kann (zuletzt 44,1 Punkte).

Mittwoch:

Ifo-Geschäftsklima Dezember. Im November war das Barometer um 0,3 auf 95,0 Punkte gestiegen. Kommt jetzt ein dritter Anstieg?

Freitag:

DIW-Konjunkturbarometer. Zuletzt war es im November um eineinhalb Punkte auf über 91 Zähler geklettert.

GfK-Konsumklimastudie Januar. Das Barometer ist im Dezember mit einem Anstieg um 0,1 auf 9,7 Punkte besser ausgefallen als erwartet. Vor allem die Konjunkturerwartungen der Verbraucher hatten sich zuletzt wieder aufgehellt.

Fazit

Auf deutsche Anleger warten jetzt noch ganze acht Handelstage an den Börsen, für die nicht so von Feiertagen gesegneten US-Anleger sind es zwei mehr. Auch wenn der ein oder andere Investor geneigt sein könnte, die Jahresgewinne noch vor dem Jahresende zu sichern, so dürfte das Jahr ohne große Kursrückschläge der Aktienmärkte zu Ende gehen. Zu bedeutsam ist der monetäre Faktor, aber hier nicht in Bezug auf die Geldversorgung der Börsen, sondern auf die „Renditegier“ der Vermögensmanager, denen die Dollarzeichen schon in den Augen blinken.

Was das neue Jahr angeht, steht zwar erst einmal das frische Geld des Jahresbeginns im Fokus, aber dann! Januareffekt, Kapitalsicherung, Schließen der Schere zwischen Kursen und Wirtschaft, Rückkehr der Volatilität? Hierzu mehr in den kommenden Tagen..

Die Aktienmärkte in der letzten vollständigen Handelswoche des Jahres

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Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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