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Aktienmärkte: Sell in May and go away – schon wieder?

Wiederholt sich für die Aktienmärkte die wohl bekannteste Börsenregel: „Sell in May and go away, but remember to come back in September!“

Und sie hatte auch zumeist gestimmt. In einem Betrachtungszeitraum von 1971 bis 2019 lag beim Weltindex MSCI World die Performance in zwei Drittel der Jahre im Winterhalbjahr besser als im Sommerhalbjahr.

Doch was ist eine Regel wert in Zeiten von COVID-19 – bei einem winzigen Virus, dem es gelang, innerhalb von wenigen Wochen die gesamte Weltwirtschaft lahm zu legen? Aber gilt das nicht auch umgekehrt?

Aktienmärkte: Kommt jetzt eine neue Phase?

Ganz nüchtern betrachtet, könnte für die Aktienmärkte jetzt eine Phase der Realität eintreten, nach der extremen Panik im Februar/März und der überschwänglichen Erleichterungsrally bis Ende April. War der abgelaufene Monat April in seiner Entwicklung nicht eine außergewöhnliche Periode – oder sogar eine Periode der Superlative?

Betrachten wir zunächst den DAX. Nach seinem Einbruch um 40 Prozent innerhalb weniger Wochen, kletterte er vom 19. März von seinem Tief von 8255 Punkten bis auf 11.235 Punkte, vergangenen Mittwoch, ein sagenhafter Kursanstieg von 36 Prozent, selbst in einer Bärenmarktrally. Und das in einer Phase ständiger Abstufungen des Wirtschaftswachstums, man rechnet mit der schwersten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg, einem taumelnden Ifo-Index, sogar in seiner Erwartungskomponente für die nächsten Monate und einem Arbeitsmarkt, in dem in einem Drittel der Unternehmen Kurzarbeit angemeldet wurde.

Eine ähnliche Entwicklung gab es auch beim Weltleitindex S&P 500. Ein Minus zum Allzeithoch von nur noch 10 Prozent am vergangenen Mittwoch, wie ist das möglich? Bei einem erwarteten Wirtschaftseinbruch von mindestens sechs Prozent in diesem Jahr? In der großen Finanzkrise war die US-Wirtschaft 2008 5,1 Prozent geschrumpft, die Aktienmärkte mußten ein Minus von 54 Prozent verkraften.

Auf die großen Unterschiede habe ich schon am Donnerstag hingewiesen:

Rettungspakete in historisch einmaligen Dimensionen, die Hoffnung auf baldige Eindämmung des Virus und ein U-förmige Erholung der Wirtschaft bei nicht mehr vorhandenen Anlagezinsen als Konkurrenzanlage für die Kapitalsammelstellen.

Beim 25 Billionen Dollar schweren Index mit seinen fünf Schwergewichten – Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft, die allein für über 20 Prozent des US-Index stehen und ganz nebenbei bemerkt auch für eine extrem hohe Gewichtung im Weltindex MSCI World, schließlich sind die USA mit jüngst 63 Prozent Marktkapitalisierung vertreten. So „hirnverbrannt“ war die Kaufneigung für diese Titel gar nicht, wie die letzten Quartalszahlen verdeutlicht haben. Schließlich ist durch die unvorstellbarem Rettungspakete der Notenbanken und der dramatisch tief gehaltenen Anlagezinsen von Junk bis Triple A ein Anlagenotstand par excellence generiert worden. Wohin zieht man sich zurück in Zeiten eines weltweiten Lockdowns – in Hightech und Big Pharma?

Doch jetzt wo das Gute (über)eingepreist ist, die Berichtssaison ihren Höhepunkt überschritten hat – könnte doch für die Aktenmärkte ein sell on News einsetzen, Gewinnmitnahmen derer, die schon einige Prozent an Gewinnen eingefahren haben.

Bewertungskriterien, wie Kurs-Gewinn-Verhältnisse oder Umsatzeinbrüche sind aus meiner Sicht derzeit völlig irrelevant, denn wenn ich zum Beispiel in einem Lockdown die Luftfahrtbranche um 95 Prozent in die Knie zwinge, komme ich auf völlig abnormale Kennziffern. Was ist, wenn ich in zwei Monaten wieder einen Miniflugbetrieb von 30 Prozent zum Ausgangswert erreiche, habe ich dann eine 500 Prozent-Steigerung? Wir erleben derzeit keine normale Rezession.

Eindämmung von Covid-19 oder zweite Welle?

Das alles entscheidende Thema für die Aktienmärkte ist jedoch das Coronavirus und seine Eindämmung. Wie oft wird von Virologen und Regierungen auf die Gefahr einer zweiten Welle nach den Schritten der ersten Lockerungen in diesen Tagen hingewiesen? Aber: Wie kann es sein, dass ein Riesenland wie China mit 1,4 Milliarden Menschen zwei Monate nach Beendigung des Lockdowns noch ganze 531 (!) aktive Fälle meldet und nicht den Ansatz einer zweiten Welle? Alles gefälscht?

Die Aktienmärkte und die zahlen in China

Dazu gibt es mittlerweile bereits fast überall deutliche Zeichen der Entspannung: Länder wie Taiwan, Hongkong, Südkorea, Neuseeland, Australien, Vietnam, Thailand, Malaysia, Schweiz, Österreich, Dänemark, Norwegen, Finnland, Luxemburg, Irland, Island, aber auch Deutschland, die deutlich rückläufige Infektionsfälle (active cases) melden. Sogar aus den Sorgenstaaten Italien und Spanien kommen deutliche Signale der Entspannung. Die größten Sorgen machen immer noch die USA, die landesweit seit über vier Wochen stets um die 30.000 Neuinfektionen pro Tag melden, fast eine Konstante. Und seit Neuestem Russland, wo die Zahlen immer noch gewaltig am ansteigen sind.

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4 Kommentare

  1. Der Weltkrieg der Moderne besteht darin, dass die virtuell erschaffene Waffe Geld eingesetzt wird ohne Limit, um alles aufzukaufen was an echten Werten überhaupt noch zu haben ist. Die Völker erarbeiten dann als sog. Gerettete fleissig Dividenden für die neuen Besitzer. Und da es für die Besitzenden gar keine Risiken mehr gibt, besteht diese nur noch im Neid untereinander wer mehr mit gedrucktem Geld aufgekauft hat und deshalb etwas von den echten Werten abgeben müsste.

    Ein Märchen? Wirklich? Ach ja Sie kaufen Anleihen bei denen Sie in 10 Jahren trotz Inflation Nominal weniger erhalten als der Kaufpreis? Wenn das kein märchenhafter Zustand für die Gelddrucker unserer Zeit ist…

  2. Pingback: Equity markets: Sell in May and go away | En24 News

  3. Irgendwer kann da nicht richtig rechnen oder hat etwas falsch wieder gegeben:
    wenn 42 % der Amerikaner an Adipositas leiden und 40 % der Patienten im Krankenhaus adipös waren – was sorgt da bitte für Aufsehen?

    1. @Wolfgang Franz. Hallo.
      Vielleicht habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt. Die Studie besagt: Von 4103 Fällen mussten 1999 ins Krankenhaus eingeliefert werden.
      Fast 40 Prozent der Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, waren adipös. 
      Das Risiko, bei einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus zu kommen, steigt der Studie zufolge bei Menschen, die 65 Jahre alt oder älter sind sowie bei jenen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 40 und bei Menschen mit Herzinsuffizienz. Die Patienten waren häufiger adipös (39,8 versus 14,4 Prozent) als Patienten mit Covid-19, die nicht stationär aufgenommen wurden. Die Adipositas gefährdete die Patienten damit ungefähr so stark wie eine Herzinsuffizienz, aber deutlich stärker als Lungen- oder Krebserkrankungen.
      Demnach gehöre Adipositas neben Herz/Kreislauferkrankungen und Diabetes zu den Risikofaktoren für einen schweren Verlauf des Coronavirus.
      Zudem dürften die Fälle bei jungen und schlanken Menschen, die sich infiziert haben und ohne große Symptomatik ausheilen auch erheblich größer sein, als bei Übergewichtigen z.B. mit Bluthochdruck.
      Es geht also darum, dass es bei einer so hohen Zahl an Übergewichtigen in einem Land viel mehr Risikopatienten für Covid-19 gibt, als in einer schlanken Gesellschaft, außer die hätten bereits in jüngeren Jahren so viele Vorerkrankungen.
      Grüße

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