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Aktienmärkte : Setzt sich die „Katastrophenrally“ weiter fort?

Auch wenn manche Anleger schon von neuen Höchstkursen der Aktienmärkte träumen (und darüber hinaus), aber der Börsenmotor ist schon sehr im oberen Drehzahlbereich angelangt

Wolfgang Müller

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am

Die Rally der Aktienmärkte wird immer extremer: Vor allem beim Dax, der von alten Industriewerten nur so gespickt ist, ging es in den vergangenen Monaten besonders stark nach oben. So dachten viele Investoren wohl, dass beim 200-Tagesdurchschnitt von 12100 Punkten erst einmal eine Pause ansteht – und positionierten sich dementsprechend. Das Gegenteil passierte, die Rally beschleunigte sich sogar noch einmal. Es ging allein in der letzten Woche um über 1000 Punkte oder 10 Prozent nach oben.

Aktienmärkte: Das Ende des Lockdowns und das viele Geld

Wie kann es zu so einem Kursanstieg der Aktienmärkte binnen 11 Wochen kommen? Von 8256 Punkten beim Dax im Ausverkauf am 16.März bis auf das Hoch vom vergangenen Freitag von 12852 Punkten – ein Plus von sage und schreibe 55 Prozent. Und das nicht etwa bei einer Aktie -sondern bei einem Leitindex!

Es kommen derzeit einige Punkte zusammen, die von niemandem so vorhergesehen werden konnten!

Dass ein Lockdown eine absolute Sondersituation ist, musste jedem Beobachter eigentlich bewusst gewesen sein – und dass eine staatliche Schließung von zigtausend Betrieben zu extremen Auswirkungen in den Unternehmens- und Arbeitslosenzahlen (kurzfristig) führen muss, ebenso. Und wenn in einem Monat später hunderttausend Betriebe und Geschäfte wieder öffnen, sich das Gleiche (wenngleich mit angezogener Handbremse) in die andere Richtung entwickeln wird. Wer hätte denn im April geglaubt, dass man bis Ende Mai alle Läden, Gastronomie, Hotels, Tourismus bereits wieder unter Auflagen öffnen würde?

Nach dem katastrophalsten April aller Zeiten, müssen die Folgemonate steil nach oben gehen – selbst bei Magerkost, die Basis ist eben extrem tief.

Wer hätte erwartet, dass das sparsame Deutschland mit seiner bisherigen (zinsbegünstigten) Austeritätspolitik und der schwarzen Null insgesamt 1,2 Billionen Euro an Wirtschaftshilfen, Kreditzusagen und Garantien aufbringen wird, prozentual zum BIP mehr als alle andere Industrienationen (EU-Schnitt 25%, USA 14,5%), um die Rezessionsfolgen in Deutschland zu mildern. Wohl kaum jemand. Dass die EZB ein Notprogramm (PEPP) für die EU-Länder mit 750 Milliarden Euro auflegt und dies letzte Woche nochmals um 600 Milliarden erweitert? Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel den Südstaaten so unter die Arme greift?

All dass dürften Dax-Investoren, dürften die Aktienmärkte insgesamt nicht auf dem Schirm gehabt haben, als man Ende März noch von einer Rezession in Deutschland im zweistelligen Prozentbereich im Gesamtjahr 2020 ausgehen musste. Reihenweise musste man das Horrorszenario seit Frühlingsanfang korrigieren.

Und international: Bereits neun Billionen Dollar wurden an neuem Geld durch die Zentralbanken „gedruckt“, drei Billionen allein durch die Federal Reserve.

Diese hatte schon im März entschieden, zum ersten Mal in ihrer 107-jährigen Geschichte Unternehmensanleihen aufzukaufen: Mit einem 700 Milliarden Dollar schweren Programm vor allem illiquide Investment-Grade- und High-Yield-ETFs zu kaufen. Dies hat man im Mai mit den ersten Milliarden Dollarkäufen in ETFs getan. Mit Aufkäufen von börsennotierten Indexfonds im Investment-Grade-Bereich von iShares-,SPDR-,Vanguard-, VanEck- und Xtrackers-Anleihen-ETFs. Wann kommen die Käufe einzelner Unternehmensanleihen?

Die Aktienmärkte im Ausnahmezustand

Von Zu-Tode-Betrübt auf Himmelhoch jauchzend, in nicht einmal drei Monaten, so könnte man das „V“ der Aktienmärkte beschreiben. Die Geldflut der Notenbanken und die Rettungspakete der Regierungen sind wohl der Hauptfaktor, aber es gibt natürlich auch andere Gründe. Es sind vor allem die „Kleinen“, die gekauft haben. Abertausende Depots bei Brokern wurden eröffnet, in der Zeit des Lockdowns und nicht nur in den USA, wie Markus Fugmann in Grafiken aufgezeigt hat.

Aber die Großen, insbesondere Hedgefonds, haben einen Teil der Rally verschlafen. Haben nicht Größen wie Stan Druckenmiller, David Tepper oder auch Mohamed El-Erian bereits vor Wochen im Fernsehen von Aktien abgeraten, weil sie zu teuer seien? Das stimmt natürlich, der Dax hat bereits ein KGV über 20, der S&P 500 über 22, bei Nasdaq und Russel 2000 ist dies noch viel extremer. Ob Shiller-KGV, Buffett-Indikator: die Märkte sind so teuer wie bei der Dotcom-Bubble, aber lagen die Anleihezinsen damals nicht um Stufen höher? Aber was müssen Hedgefonds, die mit Shorts gegen die Aktienmärtke gewettet haben, in den letzten Wochen unter Wasser gestanden haben?

Dann die Cash-Situation. Hatten die Fonds nicht erst kürzlich einen historisch hohen Bestand bei Geldmarktfonds von 4,8 Billionen Dollar?

Sicher ein Grund für die ungewöhnliche Rally der Aktienmärkte der letzten Tage. Hedgefonds und Publikumsfonds wurden mit Pain Trades (kleine Short Squeezes) in die davoneilenden Märkte gezwungen. Was würde das für ein Quartalsbericht (Q2 -2020) werden, wenn die Indizes und ETFs ein historisches Rekordquartal hinlegen, während man als teurer Fonds meilenweit hinterhergehinkt ist? Das sind die realen Nöte der Investmentbranche!

Da hilft es nichts, über die Irrationalität von manipulierten Märkten zu lamentieren. Die Notenbanken kaufen Anleihen und verzerren die Geldmärkte, aber Aktien werden schon noch freiwillig von Kleinanlegern und „unfreiwillig“ von Fonds gekauft und nicht von der Fed, der EZB oder von einem Plunge Protection Team.

Börse ist zum größten Teil Psychologie

Noch selten wurden Investoren wie unter Covid-19 so rasch in eine absolute Depression geschleudert – und auch selten keimte der Funken Hoffnung und Optimismus innerhalb einer Rezession so schnell auf, zumindest an den Kapitalmärkten. Die älteren Leser mögen einmal darüber nachdenken, wie es bei den letzten Rezessionen abgelaufen war. Heutzutage eine Börsenentwicklung im Zeitraffer .

Mit dem Dax-Schlussstand vom Freitag bei 12847 Punkten ist man nur noch sieben Prozent vom Allzeithoch Mitte Februar entfernt. Wie auch bei großen Indizes in den USA, der Nasdaq befindet sich schon auf neuem Territorium.

Was bringt uns diese Woche?

Das Highlight der Woche für dir Aktienmärkte dürfte wieder einmal die Sitzung einer Notenbank sein: In dieser Woche am Mittwoch ist es die der Federal Reserve. Was wird noch an Informationen zu den Anleihekäufen kommen, kann man die Märkte noch einmal überraschen? Die Leitzinsen wird man wohl nicht weiter senken, auch wenn viele Beobachter von Negativzinsen ausgehen. Die Kapitalmarktzinsen steigen etwas, kein Wunder angesichts der großen Neuverschuldung. In Deutschland gab es heute katastrophale Daten zur Industrieproduktion (-25%) zum Monat April – sie verdeutlichen das Ausmaß des Lockdowns. Ein Blick in den Rückspiegel – und zugleich eine Warnung an alle, was ein längerer weiterer Lockdown bedeuten würde.

Fazit

Auch wenn manche Anleger schon von neuen Höchstkursen der Aktienmärkte träumen (und darüber hinaus), aber der Börsenmotor ist schon sehr im oberen Drehzahlbereich angelangt. Was für ein Bild bei einem Langfristchart.

Für eine Korrektur wird schon bald der gestiegene Optimismus sorgen, von einem Fear&Greed-Index, der von extremer Panik mit zwei Punkten vor 11 Wochen bereits in den Gier-Modus gesprungen ist. Was auf sinkende Absicherung hindeutet und dies nach einem 40-Prozent-Anstieg, auch in den USA. Wobei man erwähnen muss, dass sich Euphoriephasen oft einige Wochen halten, während bei panikartigen Ausverkäufen die Gegenbewegung zumeist rascher erfolgt.

Sicher haben die Aktienmärkte noch einige Zeit bis zum großen Verfall am 19. Juni, aber bald darauf werden auch die Zahlen für das zweite Quartal 2020 anstehen. Diese Rezessionszahlen werden wiederum den größten Widerspruch darstellen, den die Realwirtschaft im Verhältnis zu der weit in die Zukunft blickenden Börsen je abgeliefert hat. Das wird für die Ökonomien diesseits und jenseits des Atlantiks gelten, für den Corona-Nachzügler USA vielleicht sogar noch extremer. Über allem schwebt Covid-19, der unsichtbare Gegner, von dessen Verbreitung und Eindämmung in diesem Artikel aber nicht die Rede war.

Die Aktienmärkte sind derzeit extrem euphorisch

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    franko33

    8. Juni 2020 12:30 at 12:30

    Gur erklärt.
    Meine Frage: Ist das vielleicht schon,wie Herr Fugmann beschrieb,die „Hausfrauen Rally“?
    Hatten wir in der Großen Depression über zwei bis drei Jahre nicht öfters Gegenbewegungen ?
    Wenn wir wirklich von realistischen Vergleichen reden,sollte sich wahrscheinlich jeder extrem „warm anziehen“
    Natürlich,die Großinvestoren haben sich nicht an dieser übertriebenen Rally beteiligt.
    Wenn man an der Seitenlinie stand und kein Shortie war,hat man zwar einige
    Gewinnmitnahmen verpasst – verständlich scheint dies aber zu sein,denn die Mooves
    sind zur Zeit schon sehr extrem und spricht nicht einiges dafür,dass die ersparten letzten Renten der Kleinanleger auch noch von den Dickfischen mitgenommen werden ?
    Wer an der Börse Geld verdienen will kann zur Zeit long gehen – Casino eben!

    • Avatar

      Columbo

      8. Juni 2020 13:48 at 13:48

      Ach geh, Hausfrauenrally. 99% der „Hausfrauen“, sollte es sowas noch geben, wissen weder was eine Rally noch was Börse ist.

      • Avatar

        Lausi

        8. Juni 2020 19:59 at 19:59

        @Columbo – ich bin auch schon zum „Hausmann“ konvertiert. Vielleicht spricht man ja bald von der Hausmänner-Rally! ;-)

  2. Avatar

    Rattenfänger

    8. Juni 2020 16:02 at 16:02

    Hausfrauenrally war früher, jetzt ist es anscheinend eine Arbeitslosenrally wie man lesen konnte.
    Anscheinend viele neue Kontoeröffnungen beim Brokerhaus Schwab. Das gleiche Brokerhaus, das sehr hohe Aktienziele herausgibt u.den Anfängern tonnenweise Call- Optionen verkauft. Da 80% der erfahrenen Optionenhändler Verluste erleiden ,werden sicher die Neueinsteiger die Gewinner sein.
    Diese Teilnehmer können dann bei Normalisierung der Wirtschaft mit 4 Jobs die Schulden zurückzahlen.

  3. Avatar

    Marko

    8. Juni 2020 17:45 at 17:45

    Hallo Herr Müller,

    sehr schöner Beitrag.

    Da hier ist nie im Leben eine „Hausfrauen-„Bild-„Zeitungsralley“, der Druck war Freitag am 29.4., bzw einen Tag vorher, zu sehen, die Big-Boys hingen gnadenlos hinten, und Pfingstmontag war für die „ein gemachtes Feld.“

    „Das stimmt natürlich, der Dax hat bereits ein KGV über 20, der S&P 500 über 22, bei Nasdaq und Russel 2000 ist dies noch viel extremer. Ob Shiller-KGV, Buffett-Indikator: die Märkte sind so teuer wie bei der Dotcom-Bubble, aber lagen die Anleihezinsen damals nicht um Stufen höher? Aber was müssen Hedgefonds, die mit Shorts gegen die Aktienmärtke gewettet haben, in den letzten Wochen unter Wasser gestanden haben?“

    Ob Shiller-KGV der >ktienmärkte oder sonstwas, die Anleihemärkte sind noch viel höher bewertet vom KGV her gesehen, interessiert aber keinen, geschuldet durch den Lehman-Skandal..

    Die amis, erst recht nicht die Europärer werden die Zinsen nicht senken.

    Tja Fazit :

    Selbst das „Smart-Money“ macht Fehler, selbst der schwarze Felsen und Co können bei so einer einmaligen Situation irren. Man sollte sich nicht zu sicher sein. einige haben wohl gedacht, der Dax mindestens 61 % runter , das ist ein sicherer Deal für uns… ;) :D

    Siehe hier :

    „Aber die Großen, insbesondere Hedgefonds, haben einen Teil der Ralley verschlafen. Haben nicht Größen wie Stan Druckenmiller, David Tepper oder auch Mohamed El-Erian bereits vor Wochen im Fernsehen von Aktien abgeraten, weil sie zu teuer seien?“

    die mussten reagieren wegen der großen Abrechnung im Juni, der ersten nach Corona. Solche starken Moves gerade in dem Tempo, das sollen die „dummen“ Kleinanleger gewesen sein.. ? Also, ehrlich… ?

    – Wer´s glaubt…

    „Auch wenn manche Anleger schon von neuen Höchstkursen der Aktienmärkte träumen (und darüber hinaus), aber der Börsenmotor ist schon sehr im oberen Drehzahlbereich angelangt. Was für ein Bild bei einem Langfristchart.“

    Und was ist mit den Anleihemärkten, der Kauf von illiquiden Junk-Bonds/High-Yeald-Bonds ist „marktgerecht“, der Anleihemarkt ist offenbar bewertungstechnisch nicht mehr von dieser Welt??

    Die schweben eben im Orbit, deren KGV ist egal, Marktmanipulationen ebenso… ?

  4. Avatar

    Roberto

    8. Juni 2020 18:10 at 18:10

    Eines ist wohl sicher. Jeder der beim Dax um die 10k oder Nasdaq bei ca 7000 long eingestiegen ist, kann sich jetzt auf die Schulter klopfen. gewinnsicherung bei 10.500 und bei 7.500 und es kann ab jetzt nichts mehr schief laufen. Gewinn ist sicher. Diese Gewinner wissen überwiegend auch das alles manipuliert ist. Aber wenn man das weiß und davon profitiert ist es nur noch halb so schlimm als wenn man es weiß und nun zugucken muss ( so wie ich zum Beispiel ). Daher kann ich all diesen Bullen nur gratulieren zu ihrem Mut den sie zum richtigen Zeitpunkt hatten. Top gemacht, das muss man einfach mal sagen.

    • Avatar

      Lausi

      8. Juni 2020 19:55 at 19:55

      Jeder der jetzt short geht, kann sich vielleicht schon bald auf die Schulter klopfen und über satte Gewinne freuen. Ich freue mich schon auf die Gratulationen zu meinem Mut, im richtigen Moment short gegangen zu sein! ;-)

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Aktienmärkte: Die Wette, dass teure Aktien noch teurer werden! Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte heute mit dem typischen Montags-Optimismus, der dann jedoch weitgehend verpuffte (Nasdaq drehte sohgar ins Minus). Derzeit sitzen alle im selben Boot: Rekord-Zuflüsse in Aktien, Rekord-Abflüsse aus US-Staatsanleihen und Gold. Jim Bianco hat es so formuliert: die Aktienmärkte wetten darauf, dass extrem teure Aktien noch teurer werden. Und das gilt ja nicht nur für die großen US-Tech-Werte, sondern vor allem auch für Energie-Aktien (KGV von 30, wenn durch Impfstoff hohe Gewinnerwartungen eintreffen) und den Sektor Health Care. Selbst wenn also alles gut geht und mit einem Impfstoff dann Mitte 2012 alle Probleme mit dem Coronavirus erledigt wären, starten die Aktienmärkte von einer historisch extrem hohen Bewertung (in fast allen Bereichen in der obersten Percentile). Das kann funktionieren – muß aber nicht..

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Dax: Hohe Selbstsicherheit, Kaufbereitschaft und Optimismus!

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Das Anlegersentiment gegenüber dem Dax hat die Verunsicherung der Corona-Pandemie mit der Vorstellung des Impfstoffes hinter sich gelassen. Auch die anderen Stimmungsindikatoren zeigen letzte Woche sehr konstruktive Entwicklungen.

“Seitwärtskonsolidierung” nennt man das an der Börse: Nach einem kräftigen Kurssprung infolge der Impfstoffmeldung von vor 14 Tagen war eigentlich zu erwarten, dass der Kurssprung “konsolidiert” wird, also zu einem Teil wieder abgegeben wird. In einer solchen “Verschnaufpause” sind die Kurse meist leicht rückläufig, geben beispielsweise ein Drittel des Kurssprungs wieder ab.

Doch in der abgelaufenen Woche konnte sich der DAX auf dem hohen Niveau, das er durch den Kurssprung erreicht hat, halten. Innerhalb der 30 DAX-Unternehmen gibt es natürlich dann reichlich Bewegung. Die Vorstellung des Impfstoffs hat die Finanzmärkte nachhaltig verändert: Unternehmen, die zuvor noch aussichtsreich aussahen, müssen plötzlich um ihre Zukunft bangen – und umgekehrt: Unternehmen, die zu den Corona-Verlierern zählen, sehen plötzlich ein Licht am Ende des Tunnels.

So gab es in der abgelaufenen Woche nicht nur Gewinner unter den Anlegern, sondern auch einige, die noch in den “falschen” Aktien gefangen sind. Wenngleich das Licht am Ende des Tunnels sichtbar ist, so kann es zwischenzeitlich dennoch zu großen Schmerzen kommen. Entsprechend ist die Anlegerstimmung letzte Woche auf 0,8 (zuvor 3,1) deutlich zurück gekommen. Aber immerhin ist nun ein Weg aus der Krise vorgezeichnet und Anleger wissen, wie sie sich positionieren wollen. Das steigert die Selbstzufriedenheit, die mit einem Wert von 1,0 den höchsten Stand seit Mitte Februar erreicht. Seit dem Coronacrash dominierte Verunsicherung unter den Anlegern. Kein Wunder, solange man mitten in einer Pandemie steckt und ein Ende noch nicht absehbar ist.

Mag sein, dass das Licht noch 6-9 Monate entfernt ist, aber die Aktienbörsen blicken ja gerne mal 6-9 Monate in die Zukunft, wie Sie wissen. So ist die Zukunftserwartung gegenüber dem Dax auf 5,4 gestiegen. Wir messen somit den größten Optimismus des Jahres. Die Investitionsbereitschaft verbleit mit einem Wert von 3,5 auf hohem Niveau und stellt somit eine gute Unterstützung für das aktuell hohe Kursniveau dar. Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt mit einem Wert von -4 eine leichte Absicherungsneigung. Ganz ähnlich sieht es bei den institutionellen Anlegern aus, die sich über die Eurex absichern. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 2,8 angesprungen und zeigt großes Interesse an Put-Absicherungen.

In den USA notiert das Put/Call-Verhältnis weiterhin auf niedrigem Niveau und zeigt weiterhin starkes Interesse an Call-Optionen. Anleger sind dort also überwiegend bullisch positioniert. So auch die US-Fondsmanager, die mit einer Investitionsquote von 106% unterwegs sind: Über Optionen haben sie ihre Spekulationen auf steigende Kurse sogar auf über 100% ihres verfügbaren Kapitals gehobelt. Abenteuerlich, aber nicht selten. US-Privatanleger sind weiterhin bullisch gestimmt, das Bulle/Bär-Verhältnis ist gegenüber der Vorwoche zwar deutlich zurückgekommen, aber mit +18% nach wie vor stark bullisch. So bullisch, wie seit Mitte Februar nicht mehr. Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 65% leichte Gier an, ich würde das aber noch als neutral bezeichnen.

Dax: Interpretation des aktuellen Sentiments

Ja, da ist sehr viel Optimismus im Markt, doch von einer Überhitzung sind wir noch weit entfernt. Wir haben diese Woche gesehen, dass Euphorie infolge der Impfstoffmeldung auch abgebaut werden kann, ohne dass die Aktienmärkte in voller Breite einbrechen. Im Gegenteil, das Anlegersentiment ist auf ein sehr konstruktives Niveau zurückgekommen, ohne dass der Aktienmarkt Federn lassen musste.

Wir befinden uns in einer Phase, in der zwar noch Ungewissheit über den genauen Verlauf der kommenden Wochen und Monate besteht, doch bis Mitte 2021 sollten die größten Probleme, US-Präsidentschaftsübergabe sowie Corona-Pandemie, gelöst sein. Somit sind zwischenzeitliche Rücksetzer an den Aktienmärkten Kaufgelegenheiten.

Da das so klar ist, wird in diesen Tagen bereits der kleinste Rücksetzer gekauft. Einen nennenswerten Rücksetzer gibt es kaum, vor allem nicht beim Dax. Vielmehr nehmen sich Anleger Zeit für die Rotation raus aus den Corona-Gewinnern und rein in die konjunktursensiblen, zyklischen Aktien.

Nun ist die Frage, wer zuerst die Nerven verliert: Diejenigen, die unbedingt zyklische Aktien ins Depot holen müssen und die, denen die Kurse weglaufen? Das könnte zu einer Kaufpanik führen, die den DAX weiter in die Höhe treibt. Oder aber diejenigen, die sich zuvor noch aus ihren Corona-Gewinnern verabschieden müssen, die dazu aber nicht mehr die gewünschten, hohen Kurse bekommen. Wenn diese Positionen auf den Markt geworfen werden, könnte der gesamte Aktienmarkt vorübergehend nochmals in die Knie gehen.

Bis auf weiteres haben wir wohl eine Patt-Situation. Cash, das durch verkaufte Corona-Gewinner im Portfolio landet, dürfte schleunigst wieder in zyklische Aktien eingesetzt werden.

Aus Sicht der Sentiment-Theorie haben wir eine hohe Selbstsicherheit und Kaufbereitschaft, so dass der Druck derzeit eher für steigende Kurse sorgen dürfte. Dieser leichte Aufwärtstrend, der sich daraus bilden könnte, dürfte stärker ins Gegenteil umschlagen, wenn ein überraschend negatives Ereignis eintreten sollte.

Sprich: Wir haben eine starke Unterstützung und tendenziell leicht steigende Kurse, es gibt jedoch noch genügend Positionen in den Portfolios der Anleger, die panisch auf den Markt geworfen würden, wenn ein überraschend negatives Ereignis eintritt.

 

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Investoren im Dax zeigen eine hohe Selbstsicherheit

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage bei Dax und Nasdaq – dazu die UBER-Aktie

Rüdiger Born

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Im folgenden Video werfe ich direkt am Chart einen aktuellen Blick auf die Lage bei Dax und Nasdaq. Und ich schaue mir die UBER-Aktie an.

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