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Aktienmärkte: Sind die Investoren irrational bullish?

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Sind die Investoren derzeit geradezu irrational bullisch für die Aktienmärkte? Die monatliche Umfrage der Bank of America Merril Lynch ist ein sehr beachteter Hinweisgeber, schließlich geben dort milliardenschwere Fonds Auskunft über ihre Investitionen sowie ihre Einschätzung zu den Märkten.

Derzeit steht alles im Zeichen des Coronavirus, der die Fondsmanager aber immer noch nicht stark ängstigt.

Aktienmärkte: Die Phase der Gewinnwarnungen

Es wird kaum jemanden überraschen, dass die Konjunktur in vielen Ländern einen Dämpfer erhalten muss, wegen Covid-19. Die wochenlange Stilllegung von Fabriken in der zweitgrößten Volkswirtschaft, der Werkbank der Welt, die Quarantäne von Abermillionen chinesischer Konsumenten und die Isolation Chinas müssen sich in den Umsätzen und Gewinnen zahlloser Unternehmen widerspiegeln. Ergo stehen wir vor einer Kaskade an Gewinnrevisionen, von denen Apple als Billionen-Dollar-Konzern die größte Außenwirkung, insbesondere bei Konkurrenten und Zulieferern, erzeugte. Bis man sich wieder besann: das Ganze werde nur vorübergehend sein und die Firmen werden in den nächsten Quartalen vieles davon wieder aufholen – daher bleiben auch die Aktienmärkte stark.

So auch der Tenor in der letzten Umfrage von Bank of America Merril Lynch. Die 190 Fondsmanager, die immerhin ein Vermögen von 630 Milliarden Dollar verwalten, sehen den Coronavirus nur als drittwichtigstes Ereignis an, nach den US-Wahlen 2020 und der Sorge um Verwerfungen an den Anleihemärkten.

Was erwarten die großen Geldverwalter?

Die Fondsmanager erwarten zwar nicht den ganz großen Einbruch der Aktienmärkte durch Covid-19, aber für die Wirtschaftsentwicklung im Jahre 2020 macht sich doch eine zunehmende Zurückhaltung breit. Zum ersten Mal seit dem Herbst 2019 haben die befragten Manager ihre Erwartungen an das globale Wirtschaftswachstum gesenkt. Derzeit glauben nur noch 18 Prozent der Geldverwalter, dass die Weltwirtschaft im laufenden Jahr im Vergleich zu 2019 anziehen wird. Gerade nur noch halb so viele wie vor Monatssicht.

Auch erwarten nur noch 15 Prozent der von der BofA Befragten, dass die Unternehmen weltweit in den nächsten zwölf Monaten mehr verdienen werden, auch eine Halbierung gegenüber dem Vormonat.

Das Festhalten an der Aktie

Trotz dieser Skepsis für die Entwicklung der Wirtschaft halten die Fondsmanager ihr Investment in Aktienmärkte aufrecht. Die Umfrage zeigt, dass ein Drittel der Investoren in Aktien übergewichtet sind. Dies ist sogar ein höherer Wert, als vor einem Monat, als das Coronavirus noch keine Rolle spielen konnte. Das bedeutet, dass die großen Geldverwalter in den USA die Aktienanlage noch höher ansetzen, als es die aus verschiedenen Anlageklassen zusammengesetzten Vergleichsindizes für ihre Investmentfirmen in Summa vorgeben.

Aktienmärkte: Es ist der Glaube an die Notenbanken

Wie oft wurde schon darüber geschrieben, aber es bestätigt sich immer wieder.

Die Diskrepanz zwischen Entwicklung der Aktienmärkte und wirtschaftlicher Lage speist sich einmal mehr durch den Glauben der Investoren an die Geldpolitik der Notenbanken. „In Fed we trust“, die Zentralbank würde bei einer Beeinträchtigung der Konjunktur gewaltig Gas geben. Und es gibt auch noch das für viele schon leidige Thema „TINA“. Die niedrigen Zinsen halten die Anleger, die noch eine Rendite (nach Inflation) erzielen wollen, in den Aktienmärkten.

Der Sonderfall Deutschland

Nicht nur in den USA ist der Anlagenotstand erkennbar. In Deutschland herrscht vonseiten der Zinsen absolute Ebbe, schließlich bekommt man nicht einmal mehr bei griechischen Staatspapieren eine Rendite, die oberhalb der Inflationsrate liegt. So verwundert es nicht, dass der Nachzügler Dax trotz schlechter Unternehmensaussichten steigt. Schließlich wird auch für diesen Index vonseiten amerikanischer Analysehäuser geworben. Hat nicht bereits die Summe der auf unverzinslichen Geldkonten parkenden Gelder die unglaublich Zahl von 2,5 Billionen Euro erreicht? Das Doppelte der Marktkapitalisierung des gesamten Dax.

Düster hingegen steht es um die Unternehmensaussichten.

Einer Studie von Ernst&Young zufolge gab es bereits 2019 die Rekordzahl von 171 Prognosesenkungen durch Unternehmen, mehr als die Hälfte aller im Prime Standard gelisteten Firmen. Dabei ging es bisher nur um Abstufungen aufgrund der weltwirtschaftlichen Störungen durch den Handelsstreit. Die große Welle durch die Implikationen durch den Coronavirus ist hier noch gar nicht berücksichtigt. Hauptwarner ist die Automobilindustrie, deren Zulieferer und die Chemieindustrie. Gerade dort dürfte es in den nächsten Wochen so richtig zur Sache gehen. Ein weiteres Kapital zum Thema Fundamentalbaisse versus Liquiditätshausse der Aktienmärkte.

Fazit

„Die Investoren sind irrational bullish“, so der Kommentar des Chefanlagestrategen der Bank of America Merrill Lynch, Michael Hartnett.

Der Coronavirus wird schon überwunden werden, wie der SARS-CoV von 2002/03 oder der Mers-CoV von 2012 und wird man vieles nachholen oder wenn nicht, werden die Notenbanken die Aktienmärkte mit Liquidität fluten, so die große Überzeugung der befragten Fondsmanager.

Damit gibt es eine bereits für Deutschland angesprochene Gefahr, verursacht durch die hohe Investitionsquote der Anleger – in den USA auch durch die großen Kapitalsammelstellen. Zuviel schlechte Nachrichten verträgt eine solche Disposition nicht, es fehlt das Auffangnetz durch Außenstehende.

Da wären wir wieder bei dem großen Thema „schwarzer Schwan“ Covid-19. Wird die Lungenkrankheit tatsächlich zu einem unerwarteten Ereignis von unerwarteter (wirtschaftlicher) Tragweite? Oder bekommen die Fondsmanager recht? Die heute Nacht aus Peking gemeldeten Zahlen zu den rückläufigen Neuinfektionen verwirren einmal mehr.

Trotz Coronavirus sind die Investoren geradezu irrational bullisch für die Aktienmärkte

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