Nachdem die europäischen Aktienmärkte in den letzten Wochen neue Rekordstände erreicht haben, konnte nun auch der S&P 500 ein neues Rekordhoch markieren. Eine Rallye bei den Chip-Aktien trieb den US-Leitindex schließlich auf ein Allzeithoch, während Gespräche zwischen den USA und Russland Hoffnungen auf ein Ende des Krieges in der Ukraine weckten. Doch während die Aktienmärkte neue Höchststände erreichen, häufen sich die Warnsignale.
S&P 500 mit Rekordhoch
Der S&P 500 hat am Dienstag sein Rekordhoch vom Januar übertroffen, befindet sich aber weiterhin in einer breiten Seitwärtsrange. Trotz eines neuen Rekordhochs fehlt die Dynamik auf der Oberseite, da die Belastungsfaktoren zuletzt zugenommen haben. Neben der Befürchtung, die Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz an China zu verlieren, die durch das KI-Startup DeepSeek ausgelöst wurde, machen sich die Anleger auch Sorgen über weniger Zinssenkungen durch die Fed, hohe Bewertungen von Technologieaktien und schwächere Unternehmensgewinne.
Unsicherheiten wie Zölle, Inflation und die angespannte geopolitische Lage halten die Aktienmärkte ebenfalls in einer engen Spanne und bremsen derzeit die Rally.
Für Matt Maley von Miller Tabak + Co. wäre nur ein deutlicher Durchbruch des S&P 500 über sein Rekordhoch bei 6.128 Punkten eine überzeugende Entwicklung.
„Das Hoch im Januar war nur eine ganz leichte Bewegung über das Rekordhoch vom Dezember, und der S&P 500 fiel sehr schnell wieder in seine Seitwärtsrange zurück“. So könnte es auch diesmal sein.
Der S&P 500 stieg am Dienstag um 0,2% und markierte bei 6.129,63 Punkten eine neue Bestmarke. Der Nasdaq 100 stieg um 0,2 %, während der Dow Jones Industrial Average unverändert blieb. Dagegen stieg ein viel beachteter Indikator für Chiphersteller um 1,7%, beflügelt von neuen Nachrichten über Intel.
Intel-Aktien sprangen inmitten von Spekulationen über eine Zerschlagung des Unternehmens nach oben. Super Micro Computer stiegen aufgrund eines positiven Ausblicks. Die Aktien von Meta Platforms setzten hingegen ihre historische 20-Tage-Rally fort.
Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen stieg um 7 Basispunkte auf 4,55%. Ein Dollar-Indikator stieg um 0,2%. Der Bitcoin fiel um 2,3%. Das bedeutet eigentlich Gegenwind für den Goldpreis. Doch die Flucht in den sicheren Hafen Gold hält an.

Anstieg der Volatilität
„Wir erwarten zwar, dass die Volatilität angesichts einer Reihe makroökonomischer Unsicherheiten in nächster Zeit zunehmen wird, aber die günstigen Fundamentaldaten dürften den nächsten Aufschwung an den globalen Aktienmärkten weiterhin unterstützen“, sagt Solita Marcelli von UBS Global Wealth Management.
Craig Johnson von Piper Sandler sagt, dass die Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte im bisherigen Jahresverlauf beeindruckend war, da sich die Anleger weigerten, „nachzugeben“.
„Wir gehen davon aus, dass die Marktbedingungen unruhig bleiben werden, da die Anleger angesichts sinkender Renditen bei Staatsanleihen, eines schwächeren Rohölpreises und eines fallenden US-Dollars in Mid- und Small-Cap Aktien rotieren könnten.“
Laut einer Umfrage der Bank of America sind globale Aktien die beliebteste Anlageklasse der Anleger, die ihre höchste Risikobereitschaft seit 15 Jahren zeigen. Die Cash-Bestände der Fondsmanager fielen auf den niedrigsten Stand seit 2010. Die Anleger seien „long in Aktien, short in allem anderen“, schrieb der Stratege Michael Hartnett in einem Kommentar. Rund 89 Prozent der Befragten hielten US-Aktien für überbewertet, so viele wie seit mindestens April 2001 nicht mehr.

Gegenwind für Aktienmärkte
„Die Anleger werden mehr ‚Goldlöckchen‘-Daten sehen wollen, um den ‚Hauch von Stagflation‘ der letzten Woche zu widerlegen, und einen weniger aggressiven Ton der Fed-Notenbanker“, sagte Tom Essaye von The Sevens Report. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Rallye die Impulse ausgehen.
„Stabile Renditen und solide Gewinne haben den Aktienmärkten zu Beginn der durch die Feiertage verkürzten Handelswoche zusätzlichen Rückenwind verliehen“, so Essaye.
Nach einer soliden Berichtssaison für das vierte Quartal gibt es jedoch eine beunruhigende Entwicklung, die den Aufwärtstrend bei US-Aktien stoppen könnte: Die Gewinnaussichten der US-Unternehmen trüben sich ein.
Ein Indikator für die erwarteten Gewinne, der die Prognosen der Unternehmen mit denen der Analysten vergleicht, ist so niedrig wie seit einem Jahr nicht mehr, nachdem er Anfang des Monats auf ein Niveau gefallen war, das zuletzt 2016 verzeichnet wurde.
Die überwiegende Mehrheit der S&P 500-Unternehmen hat bereits in diesem Berichtszyklus ihre Zahlen vorgelegt, dabei sind die Gewinne pro Aktie im Jahresvergleich um 13 Prozent gestiegen, der höchste Wert seit dem vierten Quartal 2021, so BofA-Strategen wie Ohsung Kwon und Savita Subramanian.
Das Problem: Die Unternehmensprognosen waren schwach, obwohl der BofA Corporate Sentiment Score – ein Maß für positive und negative Kommentare zu Gewinnmeldungen – auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Die Unternehmen sehen zunehmende Risiken durch einen erneuten Inflationsanstieg und eine ungewisse Zollpolitik der Trump-Administration, die die Unternehmensgewinne schmälern könnten.

FMW/Bloomberg
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