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Solide Zahlen, schwache Kurse Aktienmärkte stagnieren: Warum der S&P 500 nicht mehr steigt

Aktienmärkte stagnieren: Warum der S&P 500 nicht mehr steigt
Händler an der New Yorker Börse. Foto: Bloomberg

Die Unternehmen haben in dieser Berichtssaison abgeliefert. Doch starke Quartalszahlen, zweistelliges Gewinnwachstum und optimistische Ausblicke haben nicht gereicht, um den S&P 500 anzutreiben. Während KI-Disruption, neue Zölle, private Kredite und geopolitische Risiken die Schlagzeilen dominieren, geraten Fundamentaldaten in den Hintergrund. Warum selbst ein „Beat and Raise“-Quartal die Aktienmärkte derzeit nicht mehr beflügelt.

Aktienmärkte: S&P 500 tritt auf der Stelle

Corporate America hat eine der stärksten Berichtssaisons der vergangenen Jahre abgeliefert – doch an den Aktienmärkten spiegelt sich das kaum wider.

Wie Bloomberg berichet, steigerten die Unternehmen im S&P 500 ihre Gewinne im vierten Quartal um 13 Prozent und übertrafen damit die Erwartungen um nahezu sechs Prozentpunkte. Gleichzeitig signalisierten viele Konzerne Zuversicht für das laufende Jahr. Im Russell 3000 übertraf die Zahl der Unternehmen mit angehobener Prognose jene mit gesenkter Guidance im Verhältnis vier zu eins – ein Niveau, das zuletzt nach Rezessionen oder im Zuge der Steuerreform 2018 erreicht wurde, wie Daten von Jefferies zeigen.

Trotzdem verlor der S&P 500 rund 1,7 % in den sechs Wochen zwischen den Zahlenvorlagen von JPMorgan und dem heutigen Geschäftsbericht von Nvidia. Damit verzeichnete der Leitindex eine der schwächsten Performance-Phasen während einer Berichtssaison in den vergangenen zehn Quartalen.

Ein Grund liegt im Ausgangsniveau: Zu Beginn der Berichtssaison notierten die Aktien nahe Rekordständen – getragen von massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz und robusten Konsumausgaben. Entscheidend ist jedoch die gestiegene Unsicherheit, die Investoren zuletzt zunehmend verunsichert hat.

Aktienmärkte stagnieren: KI-Disruption und neue Zölle belasten S&P 500
S&P 500 tritt trotz starker Quartalsergebnisse auf der Stelle

KI-Disruption und Bewertungsdruck

Der einst monolithische KI-Trade, bei dem nahezu alle Aktien im Umfeld Künstlicher Intelligenz stiegen, wandelte sich zunächst in eine selektive Suche nach Gewinnern und Verlierern. Inzwischen ist daraus ein sogenannter „Angst-Trade“ geworden – eine abrupte Neubewertung von ganzen Branchen, die als besonders anfällig für KI-Disruption gelten.

Parallel dazu belasten geopolitische Risiken die Aktienmärkte. Die Möglichkeit einer US-Invasion im Iran und deren Folgen für den globalen Energiemarkt haben Anleger teilweise in sichere Häfen wie Gold gedrängt und die Ölpreise angetrieben. Zusätzlich sorgten Probleme bei Blue Owl Capital für neue Sorgen im Bereich Private Credit.

Michael Bailey, Research-Direktor bei Fulton Breakefield Broenniman, beschreibt die Lage als „Buy the Rumor, Sell the News“-Phase. Die dreijährige Rally der großen KI- und Tech-Werte – häufig als „Magnificent Seven“ bezeichnet – habe die Erwartungen auf ein extremes Niveau getrieben. Ein Quartal mit „Beat and Raise“ – also mit übertroffenen Erwartungen und angehobenen Prognosen – sei mittlerweile keine positive Überraschung mehr, sondern werde als Mindestanforderung betrachtet.

Auch Sameer Samana vom Wells Fargo Investment Institute sieht solide Ergebnisse, betont jedoch, dass Unsicherheiten rund um KI und private Kredite die Bewertungsmultiplikatoren dämpfen – insbesondere in Sektoren wie Software und Fintech. Der Effekt: Der S&P 500 bewegt sich seitwärts, während vor allem Aktien im Tech-Bereich mit einer hohen Volatilität zu kämpfen haben.

Andere Branchen wie Industrie und Energie profitieren zwar von höherer Planungssicherheit und stabilen Ergebnissen, haben jedoch ein geringeres Indexgewicht und können die Aktienmärkte daher nur begrenzt stützen.

Geopolitik, Zölle und Ausblick

Die Nervosität rund um KI eskalierte zusätzlich, als ein pessimistischer Bericht von Citrini Research sowie eine Warnung von Nassim Taleb eine Verkaufswelle auslösten. IBM verzeichnete daraufhin den stärksten Kurseinbruch seit über 25 Jahren. Anleger sorgen sich sowohl über die hohen Investitionsausgaben der Hyperscaler als auch über potenzielle Disruptionen im Softwaresektor.

Hinzu kommt die Unsicherheit im Handelspolitikbereich. Zwar reagierten die Aktienmärkte zunächst positiv auf die Entscheidung des Supreme Court, weitreichende globale Zölle aufzuheben. Doch neue Ankündigungen zusätzlicher Importabgaben dämpften die Euphorie rasch wieder.

Trotz dieser Belastungsfaktoren bleibt das Vertrauen in die fundamentale Stärke der US-Unternehmen und die Aktienmärkte grundsätzlich intakt. Marktteilnehmer benötigen jedoch Zeit, um Ausmaß und Geschwindigkeit möglicher KI-Disruption realistisch einzuschätzen.

Samana geht davon aus, dass sich letztlich die robuste wirtschaftliche Lage durchsetzen wird und neue Höchststände erreichbar sind. Auch Bailey sieht Potenzial: Sollten Unternehmen die ambitionierten Wachstumserwartungen für 2026 erfüllen und die Marktstimmung stabil bleiben, könnte der S&P 500 in diesem Jahr um 10 bis 15 Prozent zulegen.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. „KI-Disruption“, das neue Modewort! Wenn man der KI alles zutraut, sind nicht nur software-Firmen in Zukunft überflüssig, sondern im Prinzip jede Branche, in der nicht mehr überwiegend händisch gearbeitet wird. Schöne neue Welt oder das Stochern im Misthaufen, jeder kann sich seine Sicht heraussuchen….. Mal sehen, welche Sau demnächst durch`s Dorf getrieben wird und wann die Börsen endgültig abstürzen….. oder nicht …….

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